Münzgeld-Abschaffung: Wehret den Anfängen

Können die Bürger ihr Vermögen in Bargeld horten und vom Konto abheben, dann ist die Durchsetzung der Negativzinsen nicht so einfach möglich. Dies kann nur funktionieren, wenn das gesamte Vermögen auf den Bankkonten gefangen ist. Wir sollten uns nicht freiwillig ins Gefängnis begeben. Der Freiheit zuliebe.

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Früher hieß es noch: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Dieses kluge Sprichwort scheint nicht mehr zu gelten – zumindest nicht für die EU-Kommission. Sie schlägt jetzt vor, die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Auf den ersten Blick könnte man schnell meinen, das sei doch gar nicht so schlimm. Der Einzelhandel hat damit so viel Arbeit, und die vielen Kleinstmünzen im Portemonnaie stören doch nur. Doch das wäre zu kurz gesprungen. Was hier so weich und harmlos daherkommt, ist mehr. Es ist ein weiterer Anschlag auf das Bargeld.

Die mangelnde Attraktivität des Münzgeldes hat viel mit Regulierung zu tun. Denn ein wesentlicher Grund, weshalb gerade der Einzelhandel die EU-Kommission in ihrer Absicht unterstützt, hat mit der Münzgeldverordnung zu tun. 2010 vereinbarten Parlament und Rat der EU in der Verordnung Nr. 1210/2010 die Pflicht zur Prüfung der Münzen auf Echtheit und Umlauffähigkeit vor der Wiederausgabe. Banken und Zahlungsdienstleister müssen seitdem jede Münze, die sie unter anderem vom Einzelhandel erhalten, auf Echtheit prüfen – auch die 1- und 2-Cent-Münzen. Hebt der Einzelhändler am nächsten Tag sein Wechselgeld wieder von der Bank ab, dann muss er für die geprüften Münzen bezahlen. Das macht den Bargeldverkehr teuer. Warum die EU überhaupt die regelmäßige Prüfung der Euro- und Cent-Münzen vorschreibt, ist relativ unklar. Eines ist hingegen völlig klar: Der Anteil der Münzfälscher war historisch schon einmal höher. Generell scheint es nicht von besonders ausgeprägtem Geschäftssinn zu zeugen, wenn man 1- oder 2-Cent-Münzen fälscht. Allein der Materialaufwand ist höher als der Nennwert.

Schauen wir ins Ausland, dann wird oft Schweden als Beleg dafür angeführt, dass unbares Bezahlen attraktiv ist und auch von der Bevölkerung angenommen wird. Wer einmal Urlaub in Schweden gemacht hat, weiß, dass selbst eine Kugel Eis oder ein Cappuccino per Kreditkarte bezahlt wird. Doch auch hier ist ein Blick hinter die Kulissen hilfreich. Schweden hatte Anfang der 1990er Jahr eine Immobilienkrise, die zu einer schweren Bankenkrise wurde. Deren Überwindung führte zu Zusammenschlüssen zahlreicher Banken in Skandinavien. Übrig blieben vier Institute, die auch die Versorgung mit Bargeld über Geldautomaten in einer gemeinsamen Gesellschaft bündelten. Aus Kostengründen reduzierten die Banken die Geldautomaten in der Fläche und auf dem Land und zwangen so die Gastronomie und den Einzelhandel, auf bargeldlose Zahlungsweise umzustellen. Denn diese hatten das Problem, ihr Bargeld am Abend nicht mehr bei der Bank oder bei Geldautomaten einzahlen zu können. Dieses Angebot gab es nicht mehr.

Doch inzwischen regt sich hier Widerstand. Der schwedische Pensionärsverband hat vor einigen Jahren 140.000 Unterschriften für eine Protestnote „Bargeld wird gebraucht“ gesammelt. Umgerechnet auf Deutschland wären das 1,2 Millionen Unterschriften. Also kein Pappenstiel. Vielleicht sind ältere Menschen sensibler gegenüber Entwicklungen rund um das Geld. Sie können sich vielleicht noch eher an plötzliche Veränderungen in der Währungsordnung erinnern, die ihr persönliches Vermögen vernichtet haben.

Deshalb sollten man Regierungen und Notenbanken nicht trauen, wenn sie das Bargeld mit noch so guten Argumenten zurückdrängen wollen. Sie profitieren nämlich in der Regel davon. Sei es, um die Kontrolle jedes Einzelnen zu perfektionieren. Oder sei es, um die Negativzinspolitik der EZB durchzusetzen. Können die Bürger ihr Vermögen in Bargeld horten und vom Konto abheben, dann ist die Durchsetzung der Negativzinsen nicht so einfach möglich. Dies kann nur funktionieren, wenn das gesamte Vermögen auf den Bankkonten gefangen ist. Wir sollten uns nicht freiwillig ins Gefängnis begeben. Der Freiheit zuliebe.

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Kommentare ( 46 )

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Albert Pflueger
4 Jahre her

Die Rechnungen mit der dritten und vierten Stelle hinter dem Komma werden gemacht, weil es dank EDV ohne Aufwand geht. Zum Schluß wird dann sehr großzügig gerundet.

Andreas aus E.
4 Jahre her

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Ich will die kleinen Münzen behalten, und wer meint die wären ein Problem für die Geldbörse, der sollte einfach passend zahlen, dann wird man die schnell wieder los. Erfahrungsgemäß geht selbst das passende Abzählen des Betrags meist schneller als das Kartenschieben am Lesegerät. Kommt vielleicht auch auf die Börse an, gut sind die mit „Kellnerfach“, da sind die Münzen gut zu erkennen. Und, mit Verlaub: Wer ständig zu viele Kleinmünzen zu beklagen hat, sollte vielleicht mal Nachhilfestunden im Kindergarten nehmen, beim Kaufmannsladen, da kann man das lernen. Ich gehe fast… Mehr

Albert Pflueger
4 Jahre her

Ich halte meine Kinder an, Bargeld zu verwenden. Das Bezahlen wird dadurch transparenter, sinnlich erfahrbar. Das hilft sehr dabei, die eigenen Möglichkeiten einzuschätzen und vorhandene Grenzen zu erkennen. Auch die Möglichkeit, erwiesene kleine Gefälligkeiten im Alltag anerkennend ohne Umstand zu vergelten, ist mir wertvoll. Ich spreche vom fünfer in die Kaffeekasse für die Überlassung von drei benötigten Schrauben, Scheiben und Muttern in einer beliebigen Werkstatt z.B. Für mich persönlich ist das wichtigste Argument, daß ich niemandem Einblick in meine Ausgaben und meine Präferenzen geben muß, und daß mir völlig klar ist, welch ein gewaltiges Machtmittel ich anderen in die Hand… Mehr

non sequitur
4 Jahre her

Seien wir froh, dass wir unsere Demokratie-Zwangsabgabe noch bar in Rotgeld dem Beitragsservice (ehem. GEZ) in den Rachen schmeissen können, damit der den Wert echter Handarbeit (der des Abzählens) zu schätzen lernt.

Ostfale
4 Jahre her

Die Aussage, der Einzelhandel wäre ausdrücklich ein Befürworter oder Betreiber der Intention, die Kleinmünzen 1 und 2 Cent abzuschaffen, ist fragwürdig. Ist es doch gerade der Handel, der diese Münzeinheiten benötigt, weil er auf der Erhaltung des ‚gebrochenen Preises‘ – also z.B. 0,99 Cent oder 1,98 Cent – sehr großen Wert legt. Zweifelsfrei ist verkaufspsychologisch an der Sache etwas dran. Nicht umsonst hat gerade der Handel, als man in Italien die Abschaffung des Kleingeldes forcierte, vehement dagegen gehalten, daß dieses EU-weit möglicherweise Schule machen könnte. Und wenn der Bürger ehrlich zu sich selbst ist, kauft er seine (Trittin’sche) Kugel Eis… Mehr

Gjergj Kastrioti
4 Jahre her

Mich stören die 1- und 2-Cent-Münzen auch ungemein. Sie sollten weg, und dafür sollten wieder die 500 Euro-Scheine eingeführt werden. Wenn sie nicht verschwinden, habe ich allerdings für die kleinen Münzen eine Verwendung: Kleine Päckchen voller 1- und 2-Cent-Münzen an den „Beitragsservice“ des Staatsfunks, jeden Monat mindestens einmal. Da haben die mit der Zählung und Verbuchung einiges zu tun; schließlich sind sie ja ein „Service“.

non sequitur
4 Jahre her
Antworten an  Gjergj Kastrioti

Da hatten Sie den gleichen Gedanken bevor ich hier vorbei kam.
Früher sammelten Bräute in spe Pfennige, um damit ihre Hochzeitsschuhe zu bezahlen.
Wir sammeln heute Ein-Cent-Münzen, um dem Beitragsservice unsere Wertschätzung für den Gemeinwohlfunk und dessen geniales Finanzierungsmodell zu vermitteln.

karwilger
4 Jahre her

Weltbank Anwältin offenbart Wie die Globale Elite über die Welt herrscht Karen Hudes arbeitete mehr als 20 Jahre bei der Weltbank. Sie studierte Jura an der Elite Universität Yale und Volkswirtschaft in Amsterdam. Sie wurde gefeuert als sie die Bestechungsmethoden der Weltbank anklagte. Sie war in der einzigartigen Position, genau zu sehen, wie die globale Elite über die Welt herrscht. Gemäß Hudes verwendet die Elite einen sehr dichten Kern von Finanzeinrichtungen und Megavereinigungen, um den Planeten zu beherrschen. „Die Absicht ist Kontrolle über jeden und alles. Vor allem über unsere Gedanken. Die Elite besitzt sämtliche großen Mediengesellschaften. Sie steuert unser… Mehr

Albert Pflueger
4 Jahre her
Antworten an  karwilger

Ich hab die Frau Hudes mal gegooglet. Sie scheint nicht so ganz in der Spur zu sein, da liest man was von einer außerirdischen Spezies, die im Hintergrund die Strippen zieht.

Das muß natürlich nicht bedeuten, daß die Infos über das weltweite Clearingsystem genauso irre sind, die sie verbreitet, aber einen gewissen Schaden nimmt ihre Glaubwürdigkeit schon…

pearlnews.snyder
4 Jahre her
Antworten an  Albert Pflueger

Die Strategie, Whistler- Blower, Privatpersonen oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die die Wahheit ausplaudern, in die Nähe von Verschwörungstheorien zu manövrieren oder gar als „Verrückt“ zu bezeichnen, dürfte auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein (s. Berichterstattung über D. Trump).

Die Glaubwürdigkeit von Frau Karren Hudes und ihr Ansehen weltweit, bleibt nach wie vor sehr hoch. Ihr Kommentar wird das nicht ändern.

pearlnews.snyder
4 Jahre her
Antworten an  Albert Pflueger

Genau solche Leute, wie Sie es sind Herr Pflüger, und in Ihrem Kommentar auch noch pseudo-intellektuell bewiesen haben, braucht dieses System. Gute Nacht Deutschland.

Agrophysiker
4 Jahre her

Sehr gehrter Herr Schäfer. Mit ihren eigentlichen Anliegen haben sie ja vollkomen recht. Allerdings sind da die 1 und 2 Cent Münzen nicht der springende Punkt. In der Tat könnte man diese Abschaffen, einfach deswegen weil durch die Inflation dise im Wert entsprechend verfallen sind (vgl. 1 Pfennig 1950). Logisch wäre die Forderung, dass wenn man wegen der Geldentwertung die 1 und 2 Cent abschafft, man dann zum ausgleich wenigstens 5 Euro Münzen einführen muss. Man sllte klar bennen, dass die Geldentwertung die Ursache ist, weshalb1und 2 Cent Münzen nahezu wertlos sind.

Alfonso
4 Jahre her

Deutsche Gerichte eine Art Erfüllungsgehilfe des politischen Systems?

Die deutschen Staatsanwaltschaften bieten keine hinreichende Gewähr für Unabhängigkeit gegenüber der Exekutive, um zur Ausstellung eines Europäischen Haftbefehls (EuBH) befugt zu sein. Das hat die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) am Montag entschieden, (Urt. v. 27.05.2019, Az. C-508/18

holdtheline
4 Jahre her

Taue niemanden, also ich meine wirklich niemanden, wenn es um dein Geld geht! Und einer Frau von der Leyen, welche ja die Treiberin für die Abschaffung der 1 bzw. 2 Cent Münzen ist, sollte man noch weniger trauen.