Er ist wieder da! Seit 11 Uhr wurden die letzten abgeschnittenen 19.000 Haushalte und Betriebe wieder mit Strom versorgt. Der Ausnahmezustand ist in großen Teilen zu Ende.
picture alliance / Caro Kadatz | Caro Kadatz
Der wiederaufgetauchte Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, hat sich ganz dolle gefreut, dass wieder Strom da ist („… war noch nie so froh, dass der Strom wieder da ist“). Er hat seinen Dank den Experten von Stromnetz Berlin und den Tiefbauunternehmen ausgesprochen. Und war auch im Schaltraum: „Ja, man lernt dazu.“
Der Prozess des Einschaltens ist besonders heikel. Schalteten alle Verbraucher gleichzeitig ein, käme es zu einem massiven Lastsprung – das Netz bräche erneut zusammen. Deshalb wird das Stromnetz schrittweise wieder aufgebaut.
Netzbereiche werden einzeln zugeschaltet, Lasten kontrolliert erhöht, nacheinander die einzelnen Netzgebiete wieder angeschaltet. Plötzlich alle Verbraucher gleichzeitig anzuschalten, ließe das Netzsystem wieder zusammenbrechen. Neun Schulen bleiben noch bis kommenden Montag geschlossen, bis die Gebäude technisch „geprüft“ sind, wie es heißt.
Den Technikern und Ingenieuren gelang eine Meisterleistung: die Verbindung zwischen Kraftwerk und den betroffenen Netzgebieten wiederherzustellen. Sie überbrückten die zerstörten Teile mit einem Provisorium; für die eigentliche Reparatur der zerstörten Kabel rechnet Stromnetz Berlin mit mehreren Wochen bis Monaten. Der Strom fließt wieder – allerdings zunächst über das Provisorium.
Wie kompliziert das scheinbar einfache Verbinden der Leitungen ist, haben wir hier beschrieben.
Der Wiederaufbau eines Stromnetzes ist daher kein einfacher Knopfdruck, sondern hochpräzise Schwerstarbeit.
Sehr kritisch ist der Augenblick des Einschaltens: Mit viel Energie muss auf der Seite des Kraftwerkes eingeschaltet werden? Die Kraftwerksfahrer müssen wissen, wie viele Stromverbraucher sind im Augenblick eingeschaltet? Wie viel Leistung wird auf der Seite des Netzes gebraucht – und dies genau in jeder Millisekunde.
Denn Strom ist ein besonderer Saft. Er kann nicht wie Getreide, Zement oder Kohle gespeichert werden, sondern muss in exakt dem Augenblick produziert werden, in dem er benötigt wird – in genau der benötigten Menge. Produktion und Verbrauch müssen sich wie bei einer Waage stets im Gleichgewicht befinden. So etwas wie einen „Stromtank“ gibt es nicht.
Und mehr als das: Er muss auch in den Mengen produziert werden, in denen er im Augenblick gebraucht wird. Kein Kilowatt zu viel und ebenso kein Kilowatt zu wenig. Genau bedeutet hier eben auch: genau. Dieser Zwang ist der alles beschränkende Umstand in einem Elektrizitätsnetz. Und erstaunlich, mit welcher Präzision dieses Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch im Stromnetz gehalten werden muss:
Sinkt die Frequenz lediglich geringfügig unter die Marke von 49,8 Hz, so gilt dies als Warnstufe. Sinkt sie weiter unter 49,0 Hz, wird automatisch Last abgeworfen, Industriewerke zum Beispiel werden zwangsweise vom Netz getrennt. Sinkt die Frequenz dann weiter, schalten sich unter der Frequenz von 47,5 Hz die Generatoren selbständig ab, um sich zu schützen. Unter 47 Hz droht dann der berüchtigte Blackout.
Das sind wohlgemerkt extrem enge Toleranzgrenzen. Schon eine Abweichung von 0,2 Hz wird als kritisch eingestuft, das sind etwa 0,4 Prozent. Ab einer Abweichung von einem Hertz werden automatische Notmaßnahmen eingeleitet, das sind nur 2 Prozent Abweichung und ab 5 Prozent ist das System nicht mehr regelbar.
Ziemlich extreme Anforderungen. Ein Autofahrer müsste in der Lage sein, eine Fahrt mit 100 km/h nicht um 0,4 km/h zu über- oder unterschreiten. Eine Abweichung von 0,4 km/h bei 100 km/h ist im Auto praktisch nicht spürbar.
Sehr wohl aber im Stromnetz: Eine Abweichung von 0,2 Hz bei 50 Hz ist sofort messbar und technisch relevant: Generatoren geraten aus dem Gleichlauf, Turbinen, Motoren, Industrieanlagen reagieren empfindlich.
Das Maß für den Leistungsbedarf ist die Frequenz, die Techniker haben also besonders die Frequenzanzeige im Blick, gewissermaßen ihren „Tachometer“.
Das gilt übrigens für das gesamte europäische Stromnetz, das also nur in einem Fenster von plus -0,4 Prozent stabil arbeitet. Das ist etwa so, als müsste ein Orchester mit 1.000 Instrumenten bis auf einen Hundertstel Ton genau synchron spielen, sonst bräche sich das Konzert vollautomatisch selbst ab.
Das mussten die Kraftwerksfahrer heute auch in Berlin wissen: Mit welcher Leistung müssen sie anschalten? Also sinnbildlich gesprochen: Wie stark müssen sie das „Gaspedal“ durchtreten. Sie müssen abschätzen können, wie viel Leistung das Netz gerade benötigt und zwar in jeder Millisekunde. Sie müssen also wissen, wie viele Kochherde noch eingeschaltet waren, wie viele Kaffeemaschinen Strom benötigen und vor allem Heizgeräte.
Computer steuerten auch das Einschalten der Stromversorgung in Berlin, denn das sind Vorgänge, die sich im Millisekundenbereich abspielen. Auch deshalb waren die Aufrufe so notwendig, die Geräte bei einem Stromausfall abzuschalten.
Im Augenblick des Einschaltens sind zudem die Geräte kalt, dann ziehen sie besonders viel Strom, sobald sie „wärmer“ werden, sinkt der Leistungsbedarf. Auch das muss im Kraftwerk berücksichtigt werden.
Ein guter Aufruf ist es, nicht sämtliche elektrischen Geräte sofort anzuschalten, vor allem nicht stromfressende Heizgeräte. Ebenso sollten stromfressende Elektroautos erst deutlich später geladen werden.
Ratsam übrigens auch ein Blick auf die Heizungen, die mit Strom gesteuert werden: Gehen sie wieder? Nach Stromunterbrechungen streiken sie allzu häufig.
Fünf Tage Blackout nach einem Terrorangriff – dies zeigt, wie verwundbar eine moderne Industriegesellschaft ist. Gleichzeitig aber auch eine „drastische“ Lektion:
Wie viel Wissen und Technik ist für das Funktionieren einer Industriegesellschaft notwendig? Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber davor ist eine ganze Menge an Aufwand und Technik notwendig, um ihn in Kraftwerken zu erzeugen und über eine extrem komplizierte Maschinerie „Stromnetz“ zu verteilen.
Nicht umsonst war es früher einmal eine große Errungenschaft: der Anschluss auch der entlegensten Ortschaft an das Stromnetz. Vor über 130 Jahren begann übrigens das Zeitalter der Elektrizität in Deutschland. 50 Jahre dauerte es dann, bis auch das letzte Dorf in Deutschland mit Strom versorgt werden konnte. Ergebnis: Eine sichere und vor allem preiswerte Versorgung mit elektrischem Strom – darum beneidete uns die Welt. Beneidete – denn heute denkt sie angesichts der Sprengungen der Kraftwerke und der Zerstörung der 100 Jahre alten Aufbauleistung: Die Deutschen, die müssen spinnen!


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Mhh, ob hiermit dann aber auch überall in den Häusern gleich auch die Heizungen wieder warm werden, ist dann aber wohl nicht sicher weil die Hausmeister vermutlich all die Heizkessel/Öfen erst wieder von Hand neu starten müssen.
Ach wie gütig von der Berliner Stadtregierung, daß nun wieder der Strom fließt, während der Verantwortliche sich eine Auszeit nimmt beim Tennisspielen und andere die Drecksarbeit machen müssen, weil die Regierung Sicherheitstechnisch total versagt hat und Todesopfer und andere in Mitleidenschaft gezogene zu beklagen sind, die nicht gewesen wären, hätte man dafür Sorge getragen, daß sowas über eine gute Überwachung erst garnicht passieren kann und jede kleine Ratte kriegt man sofort, wenn es nicht gerade Linke sind. Jeder Verantwortliche in dieser extremen Ausnahmesituation eines sogenannten Brownouts wäre nicht von der Seite gewichen bis das Problem gelöst ist und so sind… Mehr
Man kann nur hoffen daß in absehbarer Zeit die Verantwortlichen Politiker und Manager der Energieerzeuger wegen Sabotage des dt Stromnetzes rechtskräftig verurteilt werden.
Das wird leider nicht eintreten und nachdem die fleißigen Monteure den Schaden wieder einigermaßen beheben konnten ist in Bezug auf Fahndungsergebnisse nichts zu hören und das läßt nichts gutes vermuten, denn vermutlich hat man sich nur auf Nazis konzentriert und die anderen will man nicht sehen, denn sonst könnten bei der Gerichtsverhandlung Dinge ans Tageslicht kommen, die reichlich störend sein könnten. Die Tat als solche ist ja hinreichend beschrieben worden und eine äußerst traurige Angelegenheit und der Dummheit der Verantwortlichen zuzurechnen, während das nur die eine Seite der Medallie ist, denn auch die Täter gehören in der Gesamtbetrachtung dazu, denn… Mehr
Sauerey. Da haben wir in bester Handarbeit AntiFa gemacht, und jetzt reißen es die Deppen mit dem Arsch wieder ein. Na ja, fangen wir halt wieder von vorne an. Widerlich.
Daß wieder Strom da ist, reicht wohl nicht. Es geht um die Frage, wie man solche Anschläge verhindert, z.B. in Ausschreibungen verhindert, daß Unbefugte Planunterlagen bekommen, aus denen hervorgeht, an welcher Stelle ein Anschlag am besten stattfinden kann. Vergaberecht als Türöffner! Scheinbar bestehen auch keine Redundanzen, sollte – sh. Berlin – ein Kabel beschädigt sein. Es gibt so viele Beispiele: An jeder Straßenmündung und Kreuzung stehen Anschalt- und Verteilerkästen ohne Anfahrschutz, die jeder Depp mit dem Auto umnieten kann. Nein, das soll keine Anleitung für Terroristen und Spinner sein, es ist die bittere Realität in diesem unserem Lande. Die kritische… Mehr
War alles bis 2015 überhaupt kein Thema.
Was ist seitdem anders?
Ist auch heute kein Thema. Es wird immer noch so gebaut als gäbe es nie einen Anschlag.
In den Nähe gab es mal mobile Panzersperren, Kanalschächte mit senkrecht einsetzbaren Eisenträgern. Diese wurden seitlich für den Ernstfall gelagert. Die Schächte wurden verfüllt, die Eisenträger abtransportiert. Es gibt viele weitere Beispiele.
Wer Zutaten für seinen Anschlag in unserem Land bekommt, der muß eine Bombe nicht im Ausland bauen und ins Land schmuggeln.
2015 hatte hier für Terroristen unbegrenzte Möglichkeiten eröffnet.
https://www.westfalen-blatt.de/nrw/geplanter-terroranschlag-mit-gift-urteil-rechtskraeftig-3128227
Das stimmt so nicht. Natürlich gab es auch in Berlin Redundanz. Das Problem war, das beide Kabel über die gleiche Kabeltrasse geführt wurden. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte man gegen einen gezielten Terrorangriff kaum Möglichkeiten. Was wollen Sie denn dagegen machen? Alle „Anschalt- und Verteilerkästen“ mit Merkelpollern umstellen und rund um die Uhr bewachen lassen?
Wenn 2 wichtige Kabel über die gleiche Brücke geführt werden, ist das keine Redundanz.
Vielleicht Ersatzleitungen auf verschiedenen Brücken geführt, sollte eine Leitung ausfallen?
Anschalt- und Verteilerkästen mit Anfahrschutz? Nicht an einer Kreuzungen, nicht gleich mehrere Kästen?
Absicherung Haltestellen von Bus und Straßenbahn?
usw.
„Wenn 2 wichtige Kabel über die gleiche Brücke geführt werden, ist das keine Redundanz.“
Es bleibt dennoch Redundanz, da das eine Kabel unabhängig, sonst wäre es nur eine Parallelschaltung, vom anderen eingespeist wird.
Zum Glück haben wir versierte Kraftwerkfahrer aus Syrien und Afghanistan geschenkt bekommen, die uns nun aus der Krise führen.
Gibt es da überhaupt Kraftwerke? Ich dachte immer Feuer aus Kameldung.
Wir haben es in der Politik in der Mehrzahl mit faulen Versagern und verantwortungslosem Gesindel zu tun. Sei es die Tante im Ahrtal, die erst einmal in Urlaub fährt und Wegener geht TENNIS spielen. Geht´s noch. Weg damit.
Die Tante wurde kurz geschasst um jetzt in Absprache mit SPD, CDU und Grünen in der Region Hannover wieder eine führende Anstellung zu bekommen (Wäre sie nicht gewählt worden, hätte die CDU ihre/n Kandidaten/in nicht für eine andere Stelle durchbekommen. Und natürlich wurde sie zuerst gewählt, damit die CDU sie auch wählen musste). Also selbst wenn dieser unfähige Bürgermeister zurückträte oder abgewählt würde, dann findet sich dann doch bald wieder etwas für einen solchen Versager.
Nun, da Herr Merz sich nicht mit einer Silbe zu dem Anschlag geäußert hat, kann er auch keinerlei Vorteil für sich herausschlagen. Das ist schonmal gut.
Hinsichtlich der Ukraine kam sehr wohl was, schon am Montag:“Merz sieht Ukraine „am Rand einer humanitären Energiekrise“ schreiben sie in der Welt.“Die Ukraine befindet sich nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz „am Rand einer humanitären Energiekrise“. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben des Kanzlers an die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD hervor. Russlands Präsident Putin strebe im vierten Kriegswinter keinen Waffenstillstand an, sondern habe die bisher schwersten Angriffe auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine befohlen. Merz wirft der russischen Führung deshalb Kriegsverbrechen vor. Die Bundesregierung strebe ein Ende des Krieges an. Das sei aber nur möglich,… Mehr
„humanitäre Energiekrise“
Darauf kann nur ein Politiker kommen.
Die gute Botschaft: Dieses Land ist weit davon entfernt, „kriegstüchtig“ zu sein. Die BW wäre erstmal tagelang damit beschäftigt, Flüchtlingsheimbewohner in Sicherheit zu bringen; die Regierenden würden erst mal abtauchen und sich dann evtl. aus dem Ausland zu Wort melden; Saboteure hätten freie Bahn, weil die Polizei mit Hausdurchsuchungen bei Desinformanten beschäftigt wäre. Puh.
Als würde es irgendjemanden in diesem Land interessieren, was Herr Merz von sich gibt. Vermutlich beginnt er, das selbst zu verstehen und hält besser den Mund.