Apokalypse Teil 2: Warum wir immer da sein werden

Teil II unserer Serie vor dem Weltklimagipfel: Ob aus Risiken Gefahren oder Chancen erwachsen, entscheiden nicht Computer-Simulationen, sondern Taten - innovative Taten.

Als sich die Menschen Ostfrieslands am Abend des 24.12.1717 zusammenfanden ahnten sie nichts von der bevorstehenden Katastrophe. Nur wenige Stunden später war alles dahin – die Felder, die Tiere, das Haus und vielleicht sogar das eigene Leben und das der geliebten Familie.

Mit furchtbarer Gewalt hatte ein plötzlich einsetzender Sturm die in der Flut auflaufenden Wassermassen gegen die einfachen Deiche gedrückt, die dieser Kraft nicht gewachsen waren. Sie brachen, nahezu entlang der gesamten Nordseeküste, von den Niederlanden bis Schleswig. Mehr als zehntausend Menschen starben in jener Nacht, eine ungeheure Zahl angesichts der damaligen Bevölkerungsdichte, abertausende Tiere ertranken jämmerlich, ganze Landstriche wurden entvölkert und verwüstet, die Felder auf Jahre hinaus versalzen, Vorräte, Saatgut und Behausungen vernichtet.

Die Flutkatastrophe 1717

Karten der Küstenlinie vor und nach der Flut zeigen, wie sich der Blanke Hans in nur einer Nacht das Land zurückholte, das die Menschen in Jahrhunderten dem Meer abgetrotzt hatten. Städte, die am 24.12.1717 noch kilometerweit im Landesinneren lagen, besaßen auf einmal wieder Häfen. Erst in der heutigen Zeit ist die Küste wieder dort zu finden, wo sie 1717 schon einmal war.

Was wäre heutzutage in den auf die Klimakatastrophe gepolten Medien los, würde sich eine solche Flut mit Pegelständen von mehr als 4 Metern über Normalnull wiederholen? Würde ein solches Ereignis zum Menetekel des Untergangs hochstilisiert?

Nein, würde es nicht. Man würde es nicht können. Denn heftigere und höhere Sturmfluten hat es an der Nordsee längst gegeben. Den Rekord hält wahrscheinlich die Januarflut des Jahres 1976, als der Orkan Capella die Springtide zu davor und danach nicht wieder erreichten Pegelständen von mehr als 5 Metern auftürmte. Zu beklagen waren 26 Todesopfer, elf davon auf hoher See, deren Schiff sank. Ja, es brachen einige Deiche. Und ja, Capella hat große ökonomische Schäden angerichtet. Auch ist menschliches Leid nicht gegeneinander aufrechenbar, schon ein Todesopfer ist eines zuviel. Aber: 26 verglichen mit mehr als 10.000 ist ein Unterschied. Entvölkerte und auf Jahrzehnte hinaus verarmte und hungernde Landstriche hat Capella nicht zurückgelassen. Ebensowenig konnte sie die Küstenlinie in merklichem Umfang verändern.

Im Jahr 1976 hatten Politik und Medien auch ganz andere Sorgen. Nicht Orkan Capella und die Januarflut galten als Signale der bevorstehenden Apokalypse, sondern Phantasien über die Erschöpfung von Rohstoffvorräten – Apokalypse Teil 1 – Warum wir noch da sind. Die Ölkrise steckte allen noch in den Knochen und schien die mahnenden Vorhersagen des Club ofRome zu bestätigen. Erst in den 1980er Jahren ergänzte die Umweltbewegung die Warnung vor dem Versiegen der Quellen unseres Wohlstandes um die Warnung vor dem Überlaufen der Senken. Der Müll der Konsumgesellschaft und die Abfallprodukte der industrialisierten Zivilisation wurden schleichend zum neuen Fetisch der Politik. Plastik, radioaktive Stoffe, Schwefeldioxid, Feinstaub, Nitrate und Stickoxide waren aber nur Vorboten, die den Weg zur Identifizierung des eigentlichen Teufels bahnten: Kohlendioxid.

Horrorszenario Kohlendioxid

Kohlendioxid würde, so vertraten es spätestens seit Ende der 1980er Jahre zahlreiche aktivistische Wissenschaftler, zu katastrophalen Veränderungen des irdischen Klimas führen. Diese Dystopie begleitet uns bis heute, sie ist die zentrale Motivation hinter zahlreichen politischen Ideen und Maßnahmen, vom geplanten Umbau unserer Stromversorgung über das Glühbirnenverbot bis hin zur Reglementierung von Fahrzeugabgasen. Kohlendioxid, das energetisch gesehen zwangsläufige Endprodukt jeder Nutzung von Kohlenwasserstoffen als Energieträger, sei der Killer, der uns alle vernichtet.

Richtig ist: Wir reichern Kohlendioxid in der Atmosphäre an. Lag zu Beginn des Ölzeitalters in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Kohlendioxid-Konzentration noch beietwa 260 ppm, können heute 400 ppm mit steigender Tendenz gemessen werden (ppm=parts per million). Richtig ist auch: Dieses zusätzliche Kohlendioxid verändert die Verteilung der Wärme in der Atmosphäre über den sogenannten Treibhauseffekt. Die Temperatur der bodennahen Luftschichten erhöht sich. Die Physik gebietet einen weiteren Anstieg um etwa ein Grad im weltweiten Mittel, wenn sich durch unsere Emissionen eine Verdoppelung des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre einstellt und sich sonst nichts ändert.

Über den Weltuntergang
Apokalypse Teil 1: Warum wir noch da sind

Dieses „und sich sonst nichts ändert“ ist, worüber Alarmisten und Skeptiker in der Klimadebatte streiten. Viele Klimaforscher neigen zu der Auffassung, eine moderate Erwärmung werde durch Folgeeffekte verstärkt, beispielsweise durch eine Erhöhung des Wasserdampfgehaltes in der Atmosphäre. Nur durch solche Annahmen entstehen in Computern Szenarien, die eine Temperaturerhöhung von zwei, drei oder gar vier Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts vorhersagen. Sicher ist das keineswegs, obwohl uns viele Aktivisten aus Wissenschaft, aus Politik, Wirtschaft und Medien dies seit Jahrzehnten einreden möchten. Es könnten auch abschwächende Effekte induziert werden, etwa durch eine verstärkte Wolkenbildung. Und es könnten natürliche, vom Menschen nicht zu beeinflussende Faktoren in den Modellrechnungen unzureichend berücksichtigt worden sein, die eine anthropogene Erwärmung konterkarieren. Immerhin stagnieren die Temperaturen auf diesem Planeten seit nun fast zwei Jahrzehnten aus unbekannten Gründen.

Ganz wie die Vorstellung von der Erschöpfung der Ressourcen wäre auch die Idee einer bevorstehenden Klimakatastrophe ohne den Glauben an die Unfehlbarkeit von Computern nicht möglich. Führen Rechenmaschinen, denen man auf der Basis begrenzten Wissens einen ebenso begrenzten Suchraum für Antwortmöglichkeiten vorgegeben hat, wirklich zu neuen Erkenntnissen?

Eine weitere Verdoppelung der gegenwärtigen Kohlendioxid-Konzentration würde außerdem erfordern, in den kommenden Jahrzehnten mehr als doppelt so viel fossile Kohlenwasserstoffe zu verbrennen, wie zwischen 1850 und heute bereits geschehen. Es kann nur EINE Apokalypse geben. Peak Fossil und die Klimakatastrophe schließen sich gegenseitig aus.

Peak Fossil und Klimakatastrophe schließen sich aus

Angenommen aber, die Szenarien der Klimaforscher würden tatsächlich eintreten und es käme bis zum Jahr 2100 zu einer spürbaren Erwärmung: Müssen wir uns fürchten? Stürme und Überschwemmungen, Hitzeperioden, Dürren und ein Anstieg des Meeresspiegels werden als Menschheitsbedrohungen ausgemalt. Nun sind in den letzten gut hundert Jahrendie bodennahen Lufttemperaturen bereits um 0,6 bis 0,8 Grad gestiegen. Welche Auswirkungen kann man erkennen?

Das folgende Diagramm zeigt für jede Dekade seit 1920 die weltweite Menge an Todesopfern wetter- und klimabedingter Katastrophen (Dürren, Waldbrände, Stürme, Erdrutsche, Hochwasser, Extremtemperaturen u.ä.) gemäß der diesbezüglich besten vorhandenen Quelle, der Datenbank des „Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED)“. Während sich die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum von ungefähr zwei auf über sieben Milliarden mehr als verdreifacht hat, ist ihre Verletzlichkeit enorm gesunken. Hatte die Welt im Jahr 1920 noch jährlich 25 wetterbedingte Todesfälle pro 100.000 Einwohner zu beklagen, so sind es heuer nur mehr 0,4.
Naturkatastrophen2

Die Furcht vor den Folgen eines potentiellen und mutmaßlich menschgemachten Klimawandels erreicht in einer Zeit ihren Höhepunkt, in der sie so wenig begründet ist wie noch niemals zuvor. Was nicht zuletzt auch mit der zunehmenden Nutzung fossiler Brennstoffe zusammenhängt. Denn wir verwenden Öl, Kohle und Erdgas nicht zum Spaß oder um die Atmosphäre aufzuheizen. Sondern um damit Werte und Wohlstand zu schaffen. Auf dieser Basis entstehen Fortschritte, die unsere Resilienz gegenüber destruktiven natürlichen Einflüssen stetig erhöhen.

Einmal mehr vergessen die Apokalyptiker den Menschen. Die vielleicht wärmere Welt des Jahres 2100 wird auf unsere heutige Gesellschaft projiziert, als ob diese sich veränderten Rahmenbedingungen passiv unterwerfen würde.Genau wie die Idee vom „Peak Everything“ beruht auch die Vorstellung einer „Klimakatastrophe“ nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf der Ignoranz gegenüber Erfindungsgeist und Kreativität.

Die Zivilisation findet man heute in allen Klimazonen des Planeten und schon immer haben es die Menschen vor Ort verstanden, sich nicht nur gegen Nachteile zu schützen, sondern auch die jeweiligen Umstände zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Weihnachtsflut des Jahres 1717 war eine Katastrophe. Heute dagegen sorgen Orkane wie Capella vor allem für Einschaltquoten. Das könnte bald überall auf der Welt gelten. Mag der Klimawandel ruhig Fahrt aufnehmen: Ob aus Risiken Gefahren oder Chancen erwachsen, entscheiden nicht Computer-Simulationen, sondern Taten.

 

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