Angela Merkel verhöhnt schon wieder ihre eigene Partei

Die Ex-Kanzlerin hat sich lange rar gemacht, für ein Abendessen mit Friedrich Merz hatte sie keine Zeit. Nun tritt sie demnächst öffentlich auf. Und zwar dort, wo man für ihre (?) Partei nicht besonders viel übrig hat, beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

IMAGO / Future Image
Angela Merkel bei einer Ordensverleihung im Schloss Bellevue, 3.5.2022

Sie tut es schon wieder. Angela Merkel, 18 Jahre lang CDU-Bundesvorsitzende, 16 Jahre lang Bundeskanzlerin, verhöhnt aus dem politischen Ruhestand heraus erneut ihre eigene Partei. Nachdem sie im Januar schon eine Einladung zum Abendessen mit ihrem alten Rivalen und neuen CDU-Chef Friedrich Merz absagte, sorgt sie nun für den nächsten Affront: Der erste größere öffentliche Auftritt als Ex-Kanzlerin wird eine Lob-Rede für den gerade ausgeschiedenen Ex-DGB-Chef Reiner Hoffmann am 1. Juni sein, wie der Spiegel herausfand. 

Klar, formal ist daran nichts auszusetzen. Merkel und Hoffmann hatten jahrelang oft miteinander zu tun, der Chefgewerkschafter war zum Beispiel Teilnehmer des „Sozialdialogs“ der Merkel-Kabinette auf Schloss Meseberg. Aber gerade weil sich Merkel in den vergangenen Monaten als Ruheständlerin erstaunlich rar gemacht hatte, keine Zeit für Merz und nur wenige Pressestellen-Worte zu ihrer Russland-Politik übrig hatte (die ihr zugetanen Medien ließen sie auch großzügig in Ruhe, allein die Boulevardpresse erinnerte mit Urlaubsfotos an Merkel), ist die Wahl des ersten größeren Termins auffällig. Es ist eben kein CDU-Termin und auch keiner in einem unionsnahen Umfeld – sondern bei einer Organisation und zu Ehren eines Mannes, die beide nicht gerade als innige Freunde der Union hervorstechen.

Merkel signalisiert damit im Nachhinein, was sie schon in zunehmender Weise als Kanzlerin praktizierte: Die CDU war nie ihre politische Heimat, sondern ein Vehikel des Aufstiegs zur Macht, die sie in überparteilicher Weise praktizierte. Nicht zuletzt dadurch, dass sie eine CDU-Position nach der anderen den sozialdemokratischen Koalitionären und den umschmeichelten Grünen zu Füßen legte.

Wie sie zu ihrer eigenen Partei steht, der sie nie aktiv, sondern durch Übernahme des „Demokratischen Aufbruchs“ in die CDU 1990 automatisch beitrat, blitzte schon in ihren letzten Monaten als Kanzlerin durch. Als ein Journalist sie fragte, wie sie den Wahlabend 2021 verbringen werde, sagte sie: „Hab’ ich mir jetzt noch keine Gedanken gemacht, aber ich werd’ schon Verbindung zu, eh, der Partei haben, die mir nahe…, eh, deren Mitglied ich bin…“ Schnell bemerkte sie am Gelächter, was ihr da durchgerutscht war, und sie korrigierte lächelnd: „Also, sie steht mir nahe und ich bin ihr Mitglied. Also ein doppeltes Bekenntnis“. Schon bezeichnend, auch der Nachsatz. 

Merkel hinterlässt allerdings auch eine CDU, in der es nach ihren 18 Jahren als Vorsitzende und 16 Jahren als Kanzlerin nicht mehr viel politische Programmatik gibt, zu der sich nicht auch ein DGB-Chef bekennen könnte. Insofern: Passt schon.    

 

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Kommentare ( 61 )

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Bad Sponzer
1 Monat her

Als Merkel zur CDU Vorsitzenden gedrängt wurde (von alten dumpfen CDU-Granden- Angela, du mußt es machen!) kann ich mich noch genau an einen Satz erinnern, den sie losgelassen hatte: „Ich weiß nicht, ob ich ich konservativ genug bin für die CDU?“ Da konnte man ahnen, was der CDU bevorsteht. Aber die „Intelligenz“ in der CDU hat das nicht begriffen. Hat sich von dem Hype der Presse um die erste Frau als Kanzlerin täuschen lassen. Ja, liebe CDU Leute, ihr wurdet entleert, vorgeführt und entsorgt. Transformiert in eine BRD-linksgrüne Einheitsfront und habt es noch nicht mal gemerkt.

Schwabenwilli
1 Monat her

Merkel ist das eine, die CDU das andere.
Eine Partei die es zugelassen hat das eine einzige Person ihre Partei so abartig zerfledert und diese Person auch noch mit minutenlangem Beifall belohnt, hat es verdient aus der Geschichte gekickt zu werden.
Ganz sicher aber nicht jemals wieder in einer Regierung zu sitzen.

Detlef.Dechant
1 Monat her

Da wäre es doch wirklich an der Zeit, zu überlegen, ob man Merkel nicht wegen parteischädigenden Verhaltens aus der CDU ausschließen müsste. Dies ist doch in letzter Zeit richtig in Mode gekommen!

Johann Thiel
1 Monat her

Immer wenn ich an Merkel denke, frage ich mich, wer eigentlich die Politiker sind, die Deutschland nicht verdient hat.

solaris21
1 Monat her

CDU gleichgeschaltet.
Bundestag gleichgeschaltet.
Wissenschaft (via Leopoldina und Charité) gleichgeschaltet.
ÖRR sowieso.
Facebook, Google & Co. auch schon lange.
Wie man am heutigen Unrechtsurteil – wieder mal – sieht, auch das BVerfG.
Merkel hat von der Bundesrepublik nicht viel übrig gelassen.

Por La Libertad
1 Monat her

Ob Angela Merkel ihre eigene Partei verhöhnt –
damit muss die CDU umgehen. Ist deren Problem
Dass sie uns Bürger sechzehn Jahre verhöhnt hat,
wiegt schwerer.

Andreas aus E.
1 Monat her

Wäre ich der Union zugeneigt wäre ich froh über solche Termine – größtmöglicher Abstand zu Merkel, in der Hoffnung, daß ihr Wirken als Unionspolitikerin möglichst rasch vergessen werde.

Britsch
1 Monat her

Wenn ich richtig weiß
ist AM nie in die CDU eingetreten
sondern die Ost Partei in der AM mitglied war ist mit der CDU
zusammen gegangen.
Wurde dies nicht sogar hier in der Vergangenheit schon behandelt / ausgeführt?

solaris21
1 Monat her
Antworten an  Britsch

Diese Tatsache hat zuerst Biograph Gerd Langguth aufgedeckt: S. 343, aber nur in der Ausgabe 2005. Weil nur da das relevante Interview abgedruckt ist, das in neueren Ausgaben fehlt. Merkel behauptet dort, dass sie AUTOMATISCH am Fusionsparteitag 1./2. Oktober 1990 Mitglied der CDU geworden sei. Diesen Automatismus bezweifelt Langguth.
Auch Vera Lengsfeld hat auch schon vor Jahren davon berichtet und Bollmann hat das auch bestätigt.
Einen CDU-Mitgliedsantrag hat sie offenbar nie ausgefüllt … aber vielleicht findet sich so ein Dokument bei den Grünen.

Bad Sponzer
1 Monat her
Antworten an  Britsch

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Merkel eigetnlich der SPD beitreten wollte. Man hatte ihr aber kein „Mandat“ versprochen. Dass hat sie dann von der CDU bekommen und ist dann Kohls „Quoten-Mädchen“ geworden. Die CDU brauchte damals, im aufkommenden Quotenwahn, eine „Vorzeigefrau“, am besten eine aus dem Osten. Da kam das Merkelchen gerade recht. Also nicht durch Leistung aufgestiegen, sondern eine ganz banale „Quotenfrau“, unser Merkelchen.

DELO
1 Monat her

Merkel war das Bollwerk des Postkommunismus in der CDU und hatte die Aufgabe, die CDU von innen heraus auszuhöhlen, was ihr auch über weite Strecken gelungen ist. Es ist überhaupt erstaunlich, wie naiv und dumm sich der deutsche Konservatismus gegenüber diesen unmittelbar personellen Angriff auf seine Werte verhalten hat. Herr Merz hält es für nötig, diese Dame noch zum Abendessen einzuladen, lächerlich. Mir würde in ihrer Gesellschaft der Appetit gründlich vergehen.

FKR
1 Monat her

Angela Merkel ist ja nicht in der Lage, Interviews ohne vorbestimmte Fragen zu
überstehen. Ihr Wortschatz ist ohnehin begrenzt, fiel nicht auf, weil sich ihre Schausten, Will oder Hassel dem anpassten. Falls sie doch noch zur Rede gestellt werden sollte, macht sie den Olaf und verweist auf Gedächtnislücken.