Peak Davos oder hat der teure Zirkus Weltwirtschaftsforum ausgedient?

Die Big Shots aus Washington, Peking, Moskau, Paris und London bleiben weg. Statt Diskussion gibt es Proklamationen, aber die zu Spitzenpreisen. Hat der Gipfel in Davos seinen Höhepunkt überschritten?

Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Wer ein paarmal da war, weiß, das sogenannte World Economic Forum, WEF,  Weltwirtschaftsforum ist vor allem dreierlei. Eine unverschämte Geldmaschine der Veranstalter, ein unglaublich teurer Jahrmarkt der Eitelkeiten mit einem Mindesteintrittspreis von ca. 150.000 – 250.000 €, den diese nicht selbst bezahlen, sondern ihre Unternehmungen oder Regierungen. Das soll  die jährlich maximale Ansammlung von konspirativen Treffen am Rande wert sein, Reisen ersetzen und Absprachen ermöglichen, die sonst Behörden, Kartellämter und Regierungen mißtrauisch beäugen würden.

Dazu kommen viele Journalisten, die kostenfrei an den Tischen der Mächtigen und bei ihren Festen zuschauen dürfen. Da fühlt man sich geschmeichelt. Und man weiß: Wer kritisiert, fliegt raus. Davos ist die Perfektion, wie man mit Nähe korrumpiert. Schon Zeitungen, die auch nur kritisch berichten, werden aus den Regalen genommen. Davos ist der Ort einer sich abschließenden Kaste, die um sich selbst kreist und von hoch oben nach unten ihre Botschaften mit gefälligen Medien vermittelt.

Nähe ist die Währung, mit der in Davos bezahlt wird.

Ausgerechnet die dritte Funktion leidet dieses Mal. Denn es bleiben die Big Shots weg aus Washington, Peking, Moskau, Paris und London. Keine Zeit für die größte Show der Eitelkeiten vor bezahltem Publikum.

Das WEF wäre nicht das WEF, würde es nicht eine Art Weltbotschaft präsentieren, dieses mal in Gestalt einer Meinungsumfrage, über die das WEF sagt:

„A global opinion poll published today by the World Economic Forum finds that a clear majority of people in all regions of the world say they believe cooperation between nations is either extremely or very important. It also finds that a large majority rejects the notion that national improvement is a zero-sum game, and that most people feel that immigrants are mostly good for their adopted country.”

Das ist für jeden zu fromm, um wahr zu sein, der beobachtet, was praktisch in allen Ländern des Westens an politisch-tektonischen Bewegungen vor sich geht. Denn derartig generelle Behauptungen sind einfach inhaltsleer. Wer könnte schon gegen Kooperation sein? Wer glaubt noch an den allein selig-machenden Nationalstaat? Niemand. Allerdings könnte man sich die Frage stellen, ob man in einem kooperativ verhandelnder demokratischen Rechts- und Nationalstaat besser aufgehoben ist als in einem riesigen, von einer elitären Kaste bürokratische reglementierten Globalstaat. Und: Auch die konkreten Probleme einer Masseneinwanderung sind spürbar für jene, zu deren Lasten es geht. Klar, dass Großunternehmen gerne Billigarbeitskräfte importieren wollen. Das drückt auf die Löhne der frech gewordenen altgedienten Mitarbeiter. Doch das WEF will das alles gar nicht wissen, stellt suggestive Fragen und will einfach einen Peak des „Populismus” ausrufen, also die Behauptung in die Welt setzen, diese Bewegungen hätten ihren Höhepunkt überschritten. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Sie beginnen erst. Und dass diese Behauptungen so wenig hinterfragt werden, bestätigt das, was man zu den Medien in Davos erfährt: Zu große Nähe macht blind.

Das derzeitige Format von Davos hat sich sichtbar überlebt – es ist nicht mehr der Ort, an dem über Weltprobleme offen verhandelt und leidenschaftlich verhandelt und gestritten wurde. Es ist eine Hummer- und Langusten-Party, schon ein einfacher Burger mit Pommes kostet 40 € in den zentralen Hotels. Ohne Kaviar, nur mit Heinz-Ketchup. Für Selbstzahler, von denen es nur wenige gibt. Davos versteht sich als Sprachrohr der Klugen an die Dummen im Tal.

Allerdings haben die es längst mitgekriegt. Und auch manche Politiker, die die Nähe zu George-Soros-Partys scheuen.

Das mit dem Peak kann stimmen, allerdings könnte es sich um den Peak von Davos handeln.

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Kommentare ( 30 )

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In Davos hat Fr. M laut welt.de auch gesagt: „Schuld daran seien nicht zuletzt die Bürger – denen es zu gut gehe, um noch großen Innovationsdrang zu verspüren. Doch hier gelobt die Kanzlerin Besserung.“
Merke: Grassierende, bittere Armut erhöht den „Innovationsdrang“ – diese Frau droht ihrem Land, es in Armut zu stürzen und niemand ist besorgt!?

Der Präsident der größten Wirtschaftsmach fehlt und anderer machen es ihm nach, denn was soll dieser ganze teuere Zirkus, der lediglich den Hoteliers und dem Umfeld die Taschen füllt und nicht einmal da zeigen sie Einsicht, denn Kommunikation kann auch anders und preiswerter stattfinden und da geht Trump wieder einmal mit gutem Beispiel voran und wer Konferenzen selbst schon in seinem Berufsleben bis zum Erbrechen erlebt hat, der kann sich lebhaft vorstellen, was das an Effizienz bringt, nämlich nichts, genauso wir im wirklichen Leben und wer sparen muß kann oder sollte sich solche Auswüchse auf Steuerzahlerkosten nicht leisten, das ist… Mehr

Bezahlt wird dieser Zirkus letztlich doch wieder von uns, da wir die Gewinne der Unternehmen und die Steuern für die spendablen Regierungen bezahlen.

Da hat man vor lauter „Haltung zeigen“ in Davos noch gar nicht mitbekommen, dass die wirklich Wichtigen dieser Welt (USA, Russland, China) erst gar nicht angereist sind und sich evtl. sogar eine „andere Haltung“ erlauben als Merkel und Co..
Schon vorab formulierte Ergebnisse des Gipfels und vorab durchgeführte Meinungsumfragen zum angeblich weltweiten Rückgang des bösen Populismus sind insoweit vollkommen uninteressant und verpuffen vollkommen wirkungslos.
Die Musik spielt bei den „Nichterschienenen“ Trump, Putin und Xi Jinping. Nur zwischen ihnen werden weltpolitisch wichtige Entscheidung getroffen; da sind Merkel, Macron und Europa insgesamt nur überflüssig und nicht mehr als Verhandlungspartner erwünscht. Pech gehabt (!)

Davos wird überflüssig wenn nicht mehr genug Davos-men kommen und bezahlen. Wir haben keine Informationen dass es so wäre. Die mehr oder weniger bedeutungslosen Reden von Spitzenpolitikern waren immer die PR- Sahnehäubchen für die Veranstaltung und für Klaus Schwab. Davos war aber immer etwas anderes, und nicht für alle das Gleiche. Davos wird in wenigen Jahren sein 50-jähriges Bestehen feiern. Klaus Schwab ist über 80. Man wird sehen ob und wie es weitergeführt werden kann.

Das Forum von Davos war gegründet worden in der Hoffnung, dass „die Macher“ von Politik und Wirtschaft, wenn sie sich nur gegenseitig besser verstehen und absprechen, die Probleme dieser Welt in den Griff kriegen könnten.

Diese Hoffnung hat getrogen. Es zeigt sich, dass diese „Macher“ in ihrer eigenen Welt leben, ihre eigenen Interessen verfolgen und die Probleme dieser Welt deshalb nicht lösen, manchmal nur verschlimmern können. Davos ist am Ende. Leider gibt es auch keine anderen Foren, die dies besser könnten.

„Die Big Shots aus Washington, Peking, Moskau, Paris und London bleiben weg.“ Die 5 Big Shots sind – welch ein Zufall – alle Vertreter von Staaten, in denen die Nation entweder wieder Gewicht bekommt oder es noch nie verloren hatte. Macron ist eher durch Zufall in dem Artikel unter die Big Shots geschlüpft. Macron hat wohl Angst, dass, wenn die Musik in Davos aufhört zu spielen, sein Stuhl in Paris von jemand anderem besetzt ist. Trump muss im Ränkespiel mit der Gaffelhalterin Pelosi den Zu-Hause-Sein-Vorteil wahren. Und alles Wichtige kann – oder hat er schon – mit den anderen Big… Mehr
EINE MIT HEILSBETERPHRASEN GARNIERTE ELLBOGENVERANSTALTUNG-so könnte man Davos nennen. Donald Trump hat erkannt, wie sehr schrankenlose Globalisierung und damit verbundenes Profitstreben seinem Land, seiner Wirtschaft und damit auch seiner Bevölkerung geschadet hat. Er wurde nicht zuletzt deshalb gewählt, weil er versprach, Firmen wieder in die USA zurück zu holen, die in Billiglohnländer abgewandert waren. Die globalisierte Profitgier hat ihre Grenzen erreicht, und das erkennen immer mehr besonnene Staatschefs. Die sich nicht von Phrasen, sondern Argumenten und wirtschaftlichem Sachverstand leiten lassen. Bei uns sind die Reallöhne in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, selbst der einst so stabile öffentliche Dienst arbeitet heute… Mehr

Das „Weltwirtschaftsforum“ oder die „Münchener Sicherheitkonferenz“ sind nichts anderes als Privatveranstaltungen. Wie eine Geburtstagsparty. Da gehen also dann die wichtigen Leute hin und die sogenannten NGOs. Das sind eingetragene Vereine, wie ein Schützenverein. So wird dann also „demokratisch“ über globale Probleme verhandelt? Und das unter dem Beifall der Haltungsclaquere. Grotesk!

In kleiner Runde haben wir vor 20 Jahren einmal darüber sinniert, was wohl der Grund für den Untergang ehemals großer Kulturen gewesen sein mag. Wir vermuteten Dekadenz.

Heute können wir life erleben, wie Dekadenz von Eliten und solchen, die dazu gehören wollen die Grundlagen unseres Wohlstands und unserer Sicherheit zerstören.