Die griechischen Streitkräfte und auch die NATO-Führung haben ein Problem: Ein hochrangiger Offizier der Hellenischen Luftwaffe, der in Kavouri stationiert war, steht im Verdacht, sensible militärische Informationen an chinesische Auftraggeber weitergegeben zu haben. Am Donnerstag wurde der Wing Commander verhaftet.
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Die Festnahme erfolgte in den frühen Morgenstunden des 5. Februars in einer Militäreinrichtung in der Nähe von Athen, koordiniert durch die griechischen Sicherheitsbehörden und die Nationale Geheimdienstagentur (EYP). Quellen aus dem Verteidigungsministerium bestätigen, dass der 50-jährige Offizier Zugang zu hochgradig klassifizierten Daten hatte, darunter NATO-bezogene Informationen über Truppenverlegungen und elektronische Systeme. Der Fall bestätigt die zunehmende Bedrohung durch ausländische Spionage-Aktivitäten in Europa, insbesondere aus China, das in den vergangenen Jahren vermehrt in westliche Militärstrukturen einzudringen versucht.
Laut offizieller Mitteilung des Hellenischen Nationalen Verteidigungs-Generalstabs (GEETHA) wird der Angeklagte beschuldigt, geheime Informationen an Dritte weitergegeben zu haben – er hätte damit die nationale Sicherheit gefährdet. Laut griechischen Medien hat der Offizier zugegeben, dass er von einem chinesischen Kontaktmann auf einer internationalen Konferenz rekrutiert wurde. Er nutzte auch verschlüsselte Software, um sensible Daten zu übermitteln, darunter Details zu Kommunikationssystemen und zu elektronischen Kampfsystemen der griechischen Streitkräfte.
Die Zeitung „Proto Thema“ berichtet auch über die Überwachung des Spions durch die EYP: Die Ermittlungen begannen vor zwei Monaten, als der griechische Geheimdienst einen Tipp von einer westlichen Sicherheitsagentur erhielt – mutmaßlich aus den USA oder einem NATO-Partnerland. Die Informanten wiesen auf den Diebstahl hochsensibler Informationen hin, die direkt an China flossen. Seitdem wurde der Offizier observiert: Die EYP überwachte seine Kommunikation und Aktivitäten, einschließlich Versuche, auch Kollegen zu rekrutieren. Der Wing Commander hatte aufgrund seiner Position in einer Stabseinheit für Kommunikation und Elektronik Zugriff auf kritische NATO-Dokumente, die Truppenbewegungen und Verteidigungsstrategien betrafen.
NATO-Daten an China weitergeleitet
Die Verhaftung wurde befohlen, als die Behörden eine Eskalation seiner Aktivitäten bemerkten, darunter eine Zunahme des Datenvolumens und Kontakte zu potenziellen Mittätern. Griechische Quellen wie „eKathimerini“ beschreiben den Fall als einen der gravierendsten Spionageskandale in der jüngeren Geschichte des Landes. Der Offizier, dessen Identität aus rechtlichen Gründen noch nicht offiziell freigegeben wurde, diente in einer Einheit im Großraum Athen und war für die Koordination elektronischer Systeme verantwortlich. Berichten zufolge hat er nicht nur Informationen weitergegeben, sondern auch versucht, ein Spionage-Netzwerk innerhalb der Streitkräfte aufzubauen. Reuters berichtet, dass der Offizier verdächtigt wird, weitere sensible NATO-Daten weitergeleitet zu haben, was die Allianz zu einer internen Untersuchung veranlasst hat.
In Griechenland selbst hat die Regierung nun eine Untersuchungskommission eingesetzt, um mögliche weitere Lecks zu prüfen. Verteidigungsminister Nikos Dendias kommentierte den Vorfall als „schwere Bedrohung für die nationale Souveränität“ und versprach, die Sicherheitsprotokolle zu verschärfen.
Der Offizier soll bereits sein Tatmotiv gestanden haben: Chinesische Agenten hätten ihm hohe Summen geboten.
Die Oppositionspartei Syriza hat nun eine parlamentarische Anfrage gestellt, um mehr Transparenz zu fordern. Der Prozess gegen den Wing Commander wird voraussichtlich schon in den kommenden Wochen beginnen, es droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren für Landesverrat.

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