Ein 14-jähriger Schüler hat im Collège Joseph-Lakanal in Aubagne (Bouches-du-Rhône, östlich von Marseille) mit einer Schrotflinte auf Mitarbeiter der Schule geschossen und mindestens zwei Personen verletzt. Medien betonen, dass die Bluttat nicht durch die Schulproteste ausgelöst worden sei.
IMAGO / MAXPPP
Der von Schrotkugeln getroffene 53-jährige Schulleiter wurde am Unterkörper – Hüfte, Oberschenkel und unterem Rücken – schwer verletzt, eine 37-jährige Lehrerin erlitt eine Verletzung am Oberschenkel durch einen Abpraller. Ein drittes Opfer wurde von einem Projektil leicht gestreift. Die Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich, die Verletzten wurden von Feuerwehr und Rettungsdienst versorgt.
Der Jugendliche, Schüler der 9. Klasse (classe de 3e) an derselben Schule, brachte das Jagdgewehr seines Vaters (eine Schrotflinte Kaliber 12) in einem Gitarrenkoffer in das Gebäude. Nach Angaben der Polizei und des Präfekten Jacques Witkowski feuerte er vier bis fünf Schüsse ab: Zunächst zielte er in einem Klassenzimmer auf eine Lehrerin und traf nur die Tafel, anschließend schoss er in Richtung des Schulleiters, berichtet Le Figaro.
Ein Conseiller principal d’éducation (CPE, ein Erziehungsberater) überwältigte und entwaffnete ihn im Flur, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte. Die Staatsanwaltschaft Marseille ermittelt nun wegen versuchten Mordes. Der Verdächtige war zuvor nicht polizeilich bekannt und wird von den Behörden als unauffälliges Kind beschrieben.
Isolierter junger Täter mit Gaming-Sucht
Nach ersten Vernehmungen soll der Jugendliche angegeben haben, sich in der Schule gemobbt und ungeliebt gefühlt zu haben. Eltern und Mitschüler schildern ihn als ruhigen, isolierten Jungen, der viel Zeit mit Computerspielen verbrachte. Einzelne Medienberichte erwähnen frühere gewaltsame Verhaltensweisen gegenüber Kameraden. Das genaue Motiv bleibt Gegenstand der Ermittlungen. Innenminister Laurent Nuñez und Bildungsminister Édouard Geffray reisten am Nachmittag an, und Präsident Emmanuel Macron lobte die Reaktion des Schulteams. Den Schülern wird psychologische Betreuung angeboten.
Die Tat soll nach Angaben der Präfektur und Polizei in keinem Zusammenhang mit den seit Ende September andauernden, extrem gewalttätigen Schülerprotesten stehen. Das Collège in Aubagne war am Montag jedenfalls nicht von Blockaden betroffen.
Gewalteskalation schon seit Tagen
Seit Wochen blockieren Lycée-Schüler landesweit Schulen, protestieren gegen überfüllte Klassen, Lehrermangel, marode Gebäude und die Hochschulzugangsregelung Parcoursup. Viele Aktionen eskalierten, es kam zu Bränden, Flammenwerfer-Angriffen auf Passanten, eine Lehrerin wurde verprügelt, die Polizei angegriffen. Bis Anfang Oktober zählte das Innenministerium mehr als 6.600 Festnahmen – darunter waren 86 bis 87 Prozent Minderjährige. Am Montag wurden nach Angaben des Bildungsministeriums mindestens acht weitere Schulmitarbeiter im Zusammenhang mit den Ausschreitungen verletzt.
Die Präfektur betonte, der 14-jährige Schütze sei nicht für eine Radikalisierung bekannt gewesen. Die Ermittlungen zur genauen Abfolge und zum Motiv dauern an. Die Medien betonen, dass dieses Schussattentat im Süden Frankreichs nichts mit den von Migranten-Banden gekaperten Schülerprotesten zu tun hat.


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Ich finde kein Wort über die Abstammung des Täters – mal wetten, dass darüber schon wieder wild spekuliert wird?