Mojib Latif: »Amazonas-Brände sind fürs Klima egal!«

In Afrika brennt es in vielen Ländern deutlich stärker als gerade in Brasilien. Dennoch hören wir keine Aufrufe der G7-Staatschefs an die Demokratische Republik Kongo wie nach Brasilien.

Mario Tama/Getty Images
Symbolbild
Ganz Südamerika brennt! Die Welt geht unter! Solche angstmachenden Schlagzeilen werden mit Bildern garniert, die den Kontinent in Flammen zeigen sollen – alles rot! Und rot gleich Gefahr! Das ist allerdings bei einem Land, das fast etwa so wie Europa ist, schon gewagt.

Testen Sie doch einmal Ihren persönlichen Panikmodus! Gehen Sie auf die FIRMS-Seite der NASA und probieren Sie, wie sich mit ein und derselben, wie sich aus immer den gleichen Daten einmal nüchterne Information vermitteln lässt oder wie man genüsslich Panik erzeugen kann. Diese Seite erlaubt, interaktiv durch das globale Datenarchiv des MODIS-Sensors der Erdbeobachtungssatelliten Terra-1 und Aqua-1 zu reisen. Diese beiden Satelliten umkreisen die Erde auf einer Bahn so, dass sie zweimal am Tag zur gleichen Zeit denselben Punkt der Erde beobachten und die Veränderungen registrieren können.

Hier kann man beispielhaft sehen, wie mit Messungen unterschiedliche, sogar gegensätzliche Eindrücke geschaffen werden können. Denn fast jede Messung muss interpretiert werden, kaum eine Messtechnik, bei der nicht einschränkende Randbedingungen gelten, die unbedingt beachtet werden müssen.

Der Benutzer kann auf der Legende der interaktiven Karte selbst einstellen, wie diese einzelnen Signale des Satelliten dargestellt werden können: zum Beispiel als kleine weiße Punkte.

Diese Einstellung hat den »Nachteil«, dass hier Brände nicht besonders dramatisch wirken.

Das lässt sich leicht ändern, wenn man als Bildredakteurin eines Mediums etwas mehr Drama hineinbringen will. Dann markiert man die Punkte als dicken roten Flecken – und prompt wirkt die Welt kurz vor dem Flammentod stehend.

Einen Blick in die tatsächliche »Feuerhölle« Südamerikas erlauben die »Paraguay Pioniere«, ein Youtube-Seite deutscher Auswanderer, die in Paraguay leben und in einem ihrer jüngsten Videos Rundumsichten aus dem Lande zeigen – von gewaltigen Feuern weit und breit nichts zu sehen. Das sagt wohlgemerkt nicht, dass es nirgendwo Feuer gibt – nur eben steht nicht der Kontinent in Flammen. Die beiden Auswanderer fragen sich am Ende des Videos: Wie viel von Brasilien steht wirklich in Flammen? Es gibt sicherlich Brände, aber die Realität scheint doch sehr weit entfernt zu sein von dem, was auf der Karte suggeriert wird.

Sie haben gerade ein aktualisiertes Video auf Youtube gestellt und ein paar Zahlen über Größen, Flächen und Feuer verglichen. Ein Ergebnis: In Afrika brennt es in vielen Ländern deutlich stärker als gerade in Brasilien. Dennoch hören wir keine Aufrufe der G7-Staatschefs an die Demokratische Republik Kongo wie nach Brasilien.

Sie zitieren zahlreiche Berichte von Menschen, die weithin überhaupt kein Feuer sehen als auch von jenen, denen Haus und Hof verbrannt sind und die ihre Häuser verloren haben.

Sie verweisen auf die Größe: Wenn in Spanien grosse Flächen brennen, muss man in Deutschland nicht unbedingt etwas davon mitbekommen. Außerdem seien die Brände ungleich verteilt, was auch schon die NASA festgestellt hatte.

Eine Frage muss allerdings noch eine Weile offen bleiben: Warum werden die Waldbrände gerade jetzt als Thema hochgespielt? Sehr kritisch ist der Ruf von Frankreichs Staatspräsident Macron: »Das Amazonasgebiet ist unser Gemeingut!« Bolsonaro schoss postwendend zurück: Das sei ein Eingriff in Souveränität eines Landes.

Und was ist in Mojib Latif gefahren? Der Klimapapst aus Kiel und Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome gibt großzügig Entwarnung: »Aktuelle Feuer nicht schlimmer als sonst«. Er ist sonst bei jedem Panikappell in vorderster Linie dabei, doch dieses Mal beruhigende Töne: »Amazonas-Brände sind fürs Klima egal!« Hat er zu viel TE gelesen?


Screenprint: RTL

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Kommentare ( 53 )

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53 Comments
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Amin
2 Jahre her

Die Brände in Afrika sind größtenteils saisonal wiederkehrende Grasbrände in der Savanne , die fruchtbaren Boden erzeugen und somit in wenigen Wochen alles wieder grün ist und neu gedeiht. So wie jedes Jahr sorgen die Brände in der Savanne für eine Erneuerung der Natur.
Dass ein Jahrhunderte alter Regenwald im Amazonas (und zu viel geringeren Teilen auch in Afrika) brennt kann damit nicht verglichen werden und ist eine Katastrophe, nicht nur dieses Jahr.
Quelle:
https://www.dw.com/de/waldbr%C3%A4nde-afrika-ist-nicht-der-amazonas/a-50219888

Fragen hilft
2 Jahre her

Birgit, vielen Dank. Habe mir die Tagesdosis gerade angehört. Klingt ja sehr wie ein Kapitel aus „Verbotene Wissenschaften“ von Richard Milton. Will man nicht Lügenpresse sagen, schlage ich „Zudeck-Presse“ vor. War auch auf der NASA-Satelliten-Seite. Sehr, sehr sehenswert. Wie man das Erscheinungsbild dieser Aufnahmen mit der eigenen Tastatur verändern kann. Wenn einem dann am Montag jemand erzählt „er hat die Wälder brennen sehen“ kann man ganz ruhig sagen, gesehen hast du einen Monitor mit roten Markierungen. Fernsehen ist ein Hypnosewerkzeug sagt ein bekannter Zauberkünstler und Illusionist, der öfter mal im Fernsehen zu sehen war, dessen Namen mir aber entfallen ist.… Mehr

dobbi
2 Jahre her

Danke für die Infos; sehr wichtig. Eine kleine Ergänzung. In der Legende auf der FIRMS-Seite kann man rechts, wo auch die Farbeinstellungen etc. sind, den Zeitraum auswählen. So gibt es Heute, 24, 48, 72h und (die vergangenen) 7 Tage: Entsprechend der Einstellung „brennt“ die Welt oder es bleiben vereinzelte Punkte. Zoomt man in Gebiete hinein, verkleinern sich die grafischen Marker, die bei Übersicht optisch verschmelzen, zu Einzelereignissen. Möglicherweise Lagerfeuer etc?
Was mir nicht ganz klar ist: Sind die Landschaftsabbildungen aktuelle Fotografien der Satelliten? Dann könnte man Rückschlüsse ziehen auf den Zustand von Regionen, wo vorher Messpunkte getriggert wurden.

Amin
2 Jahre her

Hier sieht man mal wieder, dass sensationsgeile Medien wie RTL alles dafür tun, mit Schlagzeilen Klicks Schlagzeilen Klicks zu generieren und dadurch Verwirrung stiften:
Im Video (im Beitrag verlinkt) sagt Mojib Latif in Wirklichkeit, dass die diesjährigen Brände nicht der Hauptfaktor für das globale Klima sind, sondern die Mengen an Treibhausgasen, die die Menschheit durch Verbrennung fossiler Energieträger in die Atmosphäre bläst. Außerdem ist das Ausmaß des entstandenen Schadens durch das jahrzehntelange Abfackeln des Regenwaldes viel größer, als das was dieses Jahr passiert und man deshalb die Waldbrände im Regenwald generell verhindern muss, nicht nur dieses Jahr.

Gerro Medicus
2 Jahre her

Die Aktionen westeuropäischer Staatslenker gegen Bolsonaro zeigen eins ganz deutlich, nämlich wie reaktionär und aggressiv die One-World-Ideologie ist. Diese Leute maßen sich an, über fremde Staaten nach Gutdünken zu bestimmen, weil sie meinen, dort angeblich „Allgemeineigentum“ reklamieren können. Damit verstoßen sie gegen das Völkerrecht! Natürlich wird diese Keule selektiv eingesetzt, „rechte“ Regierungen sind auf jeden Fall anzuklagen, gegen Afrikaner und ihre totalitären Regimes darf natürlich nichts gesagt werden. Nun ist der Regenwald ein schlechtes Beispiel, denn er ist mitnichten die „grüne Lunge der Welt“. Zwar erzeugt er Sauerstoff, aber durch die vielfachen Moderungs- und Verwesungsprozesse, die in ihm ablaufen, verbraucht… Mehr

elly
2 Jahre her

„Südamerika:Bundesregierung gegen Blockade von Mercosur-Abkommen
Wegen der Waldbrände im Amazonas will Frankreich das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten blockieren. Die Bundesregierung hält das für falsch.“https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-08/amazonas-brasilien-waldbrand-regenwald-umweltpolitik-handelsabkommen
Was interessiert denn Merkel Mensch, Tier und Natur? Es lebe der Freihandel und Gewinnmaximierung multinationaler Konzerne, sowie es leben die Despoten gut – alles auf Kosten der deutschen Steuerzahler, Verbraucher. Nun, die Deutschen wollen das genau so haben.

Enrico Stiller
2 Jahre her

Zu diesem – wie auch jedem anderen – Thema ist es immer wieder schön, den ‚Spiegel‘ zu zitieren. Da weiss man schliesslich, dass die stets die Wahrheit und nichts als die Wahrheit berichten. Beispiele: Spiegel, 1.4.200 („Nie wieder Schnee?“). Mojib Latif wurde damals so zitiert: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Wohlgemerkt, das war im Jahr 2000. Ich frage mich, was wohl das kalte weisse Zeugs ist, das wir hier die letzten Winter reichlich hatten. Denn Schnee dürfte es nach dieser Aussage ja wohl nicht sein. Hat jemand gekühltes Styropor vom… Mehr

elly
2 Jahre her

Merkels nächste Geldverschwenung:“Angela Merkel hat Brasilien Unterstützung bei der Brandbekämpfung zugesagt. Bolsonaro gibt sich zufrieden, betont aber seine Souveränität über das Amazonas-Gebiet“ https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-08/brasilien-jaor-bolsonaro-angela-merkel-telefonat-braende-amazonas
Bolsonaro lehnt 20 Millionen Dollar der G7 Staaten ab, dann kommt Merkel und verschenkt deutsche Steuergelder. Zauberwort „Amazonasfonds“. Deutschland subventioniert nach Afrika, jetzt auch noch Braislien. Es leben die Freihandeslabkommen, deutsche Steuerzahler finanzieren doch gerne Multinationale Konzerne udn natürlich die Despoten der Welt.

Wacht auf
2 Jahre her

„Hat er zu viel TE gelesen?“ Hatte er nicht auch 2000 vorhergesagt, dass in Deutschland klirrend kalte Winter der Vergangenheit angehören?
„Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“
Der Herr wird halt vorsichtiger. Liegt man zu häufig daneben, schadet das der Glaubwürdigkeit.

Gerro Medicus
2 Jahre her

„Und rot gleich Gefahr!“ Genau! Deshalb macht euer Wahlkreuz nicht bei den Roten. Und bei der grünen Melonenpartei auch nicht, denn die ist innen dunkelrot!