Neue Studie: Ist Deutschland jetzt wirklich weniger korrupt?

Eine Verbesserung Deutschlands um zwei Plätze, 2025 hätte es etwas weniger Korruption gegeben – sagt der neue Bericht von Transparency International. Ob in der Analyse die Massenkorruption bei Einbürgerungstests enthalten ist, wird nicht erwähnt.

IMAGO / Westlight

Deutschland hat sich im internationalen Korruptionswahrnehmungsindex 2025 zwar leicht verbessert, doch die neue Rangliste von Transparency International liefert kein wirklich positives Bild. So liegt die Bundesrepublik nun auf Platz zehn von 182 Staaten und damit zwei Ränge weniger schlecht als im Jahr zuvor. Doch Transparency International warnt ausdrücklich davor, diese Entwicklung als Zeichen eines nachhaltigen Fortschritts zu deuten.

Der Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) gilt weltweit als einer der wichtigsten Indikatoren für Integrität in Politik und Verwaltung. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten: 0 steht für ein sehr hohes Maß an wahrgenommener Korruption, 100 für eine sehr saubere Verwaltung. Deutschland erreicht im aktuellen Bericht 77 Punkte. Das ist zwar ein solider Wert im internationalen Vergleich, bedeutet aber langfristig eine Verschlechterung. Vor zehn Jahren lag die Bundesrepublik noch bei 81 Punkten. Die Tendenz zeigt also nach unten.

Für Deutschland ein Abwärtstrend zu befürchten

Transparency International betont, der jüngste „Aufstieg“ Deutschlands im Ranking sei vor allem darauf zurückzuführen, dass andere Länder schlechter abgeschnitten haben. Staaten wie Australien, Irland oder Uruguay verloren an Punkten und rutschten ab. Dadurch rückte Deutschland nach vorne, ohne selbst eine deutliche Verbesserung erzielt zu haben. Die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Alexandra Herzog, warnt deshalb vor Selbstzufriedenheit. „Für Deutschland ist ein weiterer Abwärtstrend zu befürchten“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichts. Und: „Unter dem Motto ‚Bürokratieabbau‘ werden einige zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut.“

Besonders kritisch sieht die Organisation die wachsenden staatlichen Sondervermögen und großen Investitionsprogramme der vergangenen Jahre. Diese umfangreichen Finanzmittel erforderten strenge Transparenzregeln und effektive Kontrollsysteme. Herzog fordert mehr Rechenschaftspflicht und klare Zuständigkeiten, um Misswirtschaft, Günstlingswirtschaft und Korruption vorzubeugen. Ohne entsprechende Schutzmechanismen könne das Vertrauen in staatliche Institutionen langfristig leiden.

Im internationalen Vergleich bleibt Nordeuropa weiterhin Vorbild. Dänemark führt im Ranking mit 89 Punkten bereits zum achten Mal in Folge. Dahinter folgen Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen und Schweden. Auch die Schweiz, Luxemburg und die Niederlande schneiden besser ab als Deutschland. Am anderen Ende der Skala stehen erneut Somalia und der Südsudan mit jeweils neun Punkten.

Deutlich ist der Unterschied in den Nachbarländern Schweiz und Österreich: Die Schweizer kommen auf Platz 6 (einen Rang weniger als noch 2024), Österreich schafft jedoch nur Platz 21, hat sich aber um zwei Ränge verbessert.

Die Vereinigten Staaten verschlechtern sich

Auch andere große Industrienationen zeigen Schwächen. Die Vereinigten Staaten erreichen mit 64 Punkten ihren bislang niedrigsten Wert und liegen nur auf Platz 29. Großbritannien steht nach mehreren politischen und wirtschaftlichen Skandalen auf Rang 20. Innerhalb der Europäischen Union weist Ungarn mit 40 Punkten den schlechtesten Wert auf und rangiert weltweit auf Platz 84. Transparency International kritisiert an Ungarns Regierung „eine Erosion der Rechtsstaatlichkeit und unabhängigen Kontrollmechanismen“ und folgt damit den Vorwürfen der EU-Kommission.

Der globale Trend ist insgesamt negativ: Laut Bericht ist der weltweite Durchschnittswert des Index auf 42 Punkte gesunken – der niedrigste Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Vor zehn Jahren erreichten noch zwölf Länder mehr als 80 Punkte, heute sind es nur noch fünf. Transparency International warnt, dass selbst stabile Demokratien nicht immun gegen Korruption seien. Wo unabhängige Medien, Gerichte oder Kontrollbehörden geschwächt würden, steige das Risiko von Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft.

Der Korruptionswahrnehmungsindex basiert auf Einschätzungen von Experten, Unternehmern und internationalen Organisationen. Er misst nicht einzelne Strafverfahren, sondern die allgemeine Wahrnehmung von Integrität im öffentlichen Sektor. Speziell deshalb gilt er als wichtiger Gradmesser für das Vertrauen in staatliche Institutionen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

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