Falsche Rassismus-Anschuldigung gegen Schüler – „Washington Post“ zahlt hohe Entschädigung

Der heute 18jährige Nick Sandmann wehrt sich erfolgreich gegen Verleumdung. Sechs Klagen laufen noch.

Screenprint: Youtube

Zu seinem 18. Geburtstag bekam Nick Sandmann, wie sein Anwalt schrieb, ein ungewöhnliches Geschenk: Die Washington Post, die der Schüler wegen Verleumdung auf 250 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt hatte, einigte sich mit Sandmanns Rechtsvertreter außergerichtlich auf die Zahlung einer Summe, über die beide Seiten Seiten Stillschweigen bewahren. Sie dürfte deutlich unter den eher symbolisch geforderten 250 Millionen liegen – der Betrag orientierte sich an dem Kaufpreis, den Jeff Bezos für die Washington Post gezahlt hatte. Aber der Betrag fällt vermutlich auch nicht klein aus. Damit ist die Auseinandersetzung Sandmanns mit den Medien noch nicht vorbei.

„I still have more to do,“ schrieb Sandmann am Freitag. Und: „Wir haben uns mit der „Washington Post“ und CNN geeinigt. Der Kampf ist nicht vorbei. Zwei erledigt. Sechs stehen noch bevor.“ (2 down. 6 to go).

Die Entschädigung bekam – beziehungsweise verlangt – der Teenager dafür, dass ihn Medien landesweit zu einer Hassfigur stempelten, zu einem arroganten Rassisten – wegen eines zunächst nur zwei Minuten langen Videos, das ein Ereignis extrem verzerrt darstellte.

Was war passiert?

Am 18. Januar 2019 nahm eine Gruppe von Schülern der Covington Catholic High School an dem „March for Life“ in Washington teil. Am Lincoln Memorial trafen die Jugendlichen auf Agitatoren der „Black Hebrew Israelites“, einer extremistischen Sekte, die in den USA mittlerweile auch für Mordanschläge verantwortlich ist. Die Black-Hebrew-Aktivisten begannen, die katholischen Schüler als „rassistischen Müll“ zu beschimpfen, die Jugendlichen reagierten, indem sie einen Schultanz aufführten.

In dieser Situation erschien Nathan Phillips auf der Szene, ein Mitglied des Stammes der Omaha, der an diesem Tag an dem „Indigenious Peoples March“ teilnahm. Um die Situation zwischen den Schülern und der Black-Hebrew-Sekte zu entspannen, begann Phillips zu trommeln und stimmte ein traditionelles Lied seines Stammes an. Dabei stand er auch dicht vor Nick Sandmann, der lächelte, um, wie er später sagte, zu zeigen, dass er nichts gegen Phillips Gesang hatte. Zu einem Wortwechsel zwischen beiden kam es nicht.

Trotzdem berichteten US-Medien wie die Washington Post, New York Times und CNN landesweit, Sandmann und seine Mitschüler hätten sich über Phillips lustig gemacht, ihn verspottet und nachgeäfft. Ein weißer katholischer Schüler aus Kentucky mit einer „Make America Great Again“-Kappe, der einen Indianer scheinbar arrogant ins Gesicht grinst – das hielten viele aktivistische Journalisten für das ideale Bild des rassistischen, überheblichen Trump-Anhängers.

Kurz darauf erschien ein etwa 30minütiges Video, das die gesamte Szene zeigte und von den Beschuldigungen nichts übrig ließ. Aber zu diesem Zeitpunkt war Sandmann schon gebrandmarkt, Kommentatoren erregten sich über ihn, Politiker der Demokraten wie Elisabeth Warren arbeiteten sich an ihm ab, die Diözese, zu der seine Schule gehörte, verdammte das Verhalten der Jugendlichen als unentschuldbar. Hunderte Aktivisten beschimpften den Teenager auf Twitter und drohten ihm Gewalt an. Dass Sandmann kein Eingeständnis seiner Schuld lieferte, stachelte den Furor gegen ihn noch zusätzlich an.

„Medien beeilten sich, den jungen Mann zu verdammen, begruben ihn unter einer Lawine falscher Anschuldigungen, und Cyber-Mobbing bedroht seinen Ruf und seine körperliche Sicherheit“, erklärte Sandmanns Anwalt.

Mit Hilfe seiner Eltern brachte der Schüler eine Serie von Verleumdungsklagen auf den Weg. Mittlerweile gilt die verzerrte Berichterstattung über den Vorfall am Lincoln Memorial als ein Fall des schweren Medienversagens in den Vereinigten Staaten.

In den USA sind weit höhere Entschädigungszahlungen möglich als in Deutschland – wo es ähnliche Fälle medialer Feldzüge aufgrund falscher Vorwürfe gegen einzelne Personen gab, etwa im Fall des angeblich rassistischen Kindermordes von Sebnitz, der in Wirklichkeit nie stattgefunden hatte.

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Kommentare ( 57 )

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57 Kommentare auf "Falsche Rassismus-Anschuldigung gegen Schüler – „Washington Post“ zahlt hohe Entschädigung"

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Jo, und jetzt von dem Geld einen Ferrari gekauft und ein paar Mal bei Klimaspinnerdemos auf- und abgefahren und schon gibt‘s die nächsten Millionen. Neues Geschäftsmodell – Linke Deppen ausnehmen. Ich wünsche allergrößten Erfolg!

Kann die WP mich bitte auch als Rassist defamieren? Pretty please!

Ich behaupte mal: Ein vergleichbares Urteil wäre in einem uns bekannten „Dusselland“ nicht möglich.

Damit wird erst die Dimension der Erosison unseres Rechtsstaates fühlbar …

Bei uns ist es schon als Errungenschaft zu bezeichnen, dass endlich Massenklagen möglich sind. Nützt nur nix, wenn sich keine Rechtsanwälte finden, die die dann auch einleiten und vertreten, wie im Fall der Beschneidung unserer Grundrechte, Reiseverbote, Zwangstests etc.

Mit Massenklagen meine ich natürlich Sammelklagen.

Fazit: in der Neuen Welt darf man nicht mal lächeln, schon wird man des Rassismus bezichtigt.

BTW: Darf man überhaupt das Wort „Kobolde“ sagen, geschweige denn sie als ein Problem ansehen?

https://www.welt.de/212294373#/comment/5f1ea0ff6e38620001750df7

Es ist ja irgendwie Ausgrenzung. Ich hoffe, die Demokratischen Kräfte wenden sich solidarisch gegen eine Politikerin, die die People of Size als problematisch beschimpfte. Alle Koalitionen mit derer Partei zu kappen wäre das Mindeste.

Ein gemachter Mann…jedenfalls muss er nicht mehr arbeiten gehen. Ist sowas wie ein 6er im Lotto in den USA. Lustig jedenfalls, dass es diesmal die Richtigen traf. Mal gucken ob bei CNN auch nur eine Klitzekleine Meldung darüber laufen wird….wahrscheinlich nicht…man ist viel zu sehr damit beschäftigt „sein Knie zu beugen“.

CNN hatte auch schon gezahlt. Keine schöne Art Multimillionär zu werden, aber dennoch wohlverdient. Es sollten viel mehr Leute diese Medien verklagen. Wahrscheinlich wird genau deswegen die Summe geheim gehalten. Das war für die WP und CNN nicht billig (schätze jeweils im 2 stelligen Millionenbereich) und wenn das Nachahmer findet geht denen ganz schnell das Geld aus.

Sie müssen halt lernen, die richtigen Leute zu entlassen.
It’s that simple.

Eigentlich eine Frage des Anstandes, der hierzulande eher eine Empfehlung ist, wie rote Ampeln in südlichen Ländern. Der Gerechtigkeit wird Genüge getan – sehr gut. Für unsaubere journalistische Arbeit müssen auch Konsequenzen drohen. Der zu Unrecht beschuldigte Mann kann ja trotzdem nicht von einer vollständigen Rehabilitation ausgehen. Irgendwo sitzt vielleicht ein fanatisierter „Black Panther“, wetzt das Messer, und hat noch nicht mitbekommen, daß der Mann Opfer des „korrekten“ Journalismus ist. Aber kann man das für Deutschland fordern? Im schlimmsten Fall droht da im Moment der „Presserat“ mit einer Rüge, die auch niemand mitbekommt. Oder eine „Gegendarstellung“ nach Presserecht, an die… Mehr

Konsequenz für mich: kauf nichts bei AMAZON

Congratulations!

Wer sich nicht wehrt – lebt verkehrt.

Bravo und beneidenswert. In den USA scheint der Rechtsstaat noch zu funktionieren. Könnte nicht die als Nazi-Hort diffamierte US-Kleinstadt mal den Spiegel und deren Lieblingszögling Relotius so verklagen, so dass wirtschaftlich nichts mehr übrig bleibt? Das wäre ein Tag, um die Sektkorken knallen zu lassen.