Eskalation in Iran: Proteste fordern 35 Todesopfer, auch vier Kinder getötet

Die anhaltenden Proteste im Iran bringen das Regime in Teheran immer mehr unter Druck - das mit noch mehr Gewalt reagiert.

picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl

Nach Angaben der US-basierten Human Rights Activists News Agency (HRANA) sind bereits mindestens 35 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern sind 29 Demonstranten, vier Kinder und zwei Angehörige der Sicherheitskräfte.

Die Organisation meldete zudem über 1.200 Festnahmen bei den aktuellen Demonstrationen: Die Proteste haben sich auf mehr als 250 Orte in 27 der 31 Provinzen ausgeweitet und werden von wirtschaftlicher Not, dem starken Wertverlust der Währung Rial und wachsendem Unmut gegen die Regierungspolitik angetrieben, berichtet aktuell die Times of Israel.

Am Dienstag kam es im Großen Basar in Teheran zu einem Sitzstreik von Demonstranten, die gegen die wirtschaftliche Lage protestierten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menge aufzulösen, woraufhin viele Geschäfte schlossen. Der Basar gilt als traditionelles wirtschaftliches und politisches Zentrum des Landes. Videos in sozialen Medien zeigen ähnliche Aktionen in anderen Städten, darunter Sitzblockaden vor Polizeikräften.

Staatliche Medien spielen die Ausmaße der Proteste herunter und berichten von abnehmender Beteiligung, während unabhängige Quellen von anhaltender Mobilisierung sprechen. Präsident Masoud Pezeshkian äußerte sich in einer Fernsehansprache besorgt und räumte ein, dass die Regierung die Krise nicht allein bewältigen könne. Er verwies auf die Inflation, internationale Sanktionen und wirtschaftliche Belastungen als Ursachen und warnte vor einer weiteren Verschärfung, falls keine realistischen Maßnahmen ergriffen würden. Pezeshkian ordnete eine Untersuchung zu einzelnen Vorfällen an, aber betonte die „begrenzten Kapazitäten der Exekutive“.

Die Proteste finden vor dem Hintergrund eines geopolitischen Konflikts statt: Im Juni 2025 führten Israel und die USA Luftangriffe gegen iranische Ziele durch, die das Land stark belasteten. Israel startete am 13. Juni 2025 die Operation „Rising Lion“ mit massiven Luftschlägen auf nukleare Anlagen, Militärbasen und andere Infrastruktur. Die Angriffe dauerten bis 24. Juni und richteten sich unter anderem gegen Standorte wie Natanz, Fordow und Isfahan.

Iranische Behörden meldeten Hunderte Tote und Verletzte sowie erhebliche Schäden. Die USA beteiligten sich ab dem 21. Juni 2025 mit gezielten Schlägen auf drei nukleare Einrichtungen (Natanz, Fordow und Isfahan), dabei warfen B-2-Bomber auch bunkerbrechende Bomben ab. Diese Operation, als „Midnight Hammer“ bezeichnet, endete mit einem Waffenstillstand am 24. Juni 2025, der Konflikt verschärfte jedoch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spannungen, die den aktuellen Unmut im Iran verstärken dürften.

Fluchtplan von Ayatollah Ali Khameini

Wie von Tichys Einblick berichtet, soll der iranische Regimeführer Ayatollah Ali Khamenei nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste bereits einen detaillierten Fluchtplan haben, um im Falle weiter eskalierender Unruhen aus Teheran zu entkommen. Sollten die Sicherheitskräfte die landesweiten Proteste nicht mehr unter Kontrolle bringen oder gar desertieren, will der 86-jährige Khamenei mit einem engsten Kreis von bis zu 20 Vertrauten und Familienmitgliedern – darunter sein designierter Nachfolger und Sohn Mojtaba – in Richtung Russland fliehen. Berichtet die britische Zeitung The Times unter Berufung auf einen vertraulichen Geheimdienstbericht. Die Nachricht wird unter anderem auf Tousi TV verbreitet.

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Kommentare ( 9 )

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Jens Frisch
1 Tag her

Hat „unser“ Bundespräsident schon gratuliert?

prague
1 Tag her

Hat der Steimeier den Mullahs schon den deutschen Pass angeboten, der hat sie doch so lieb, die machen alles richtig, das hätte er auch gerne.

Nibelung
1 Tag her

Das ist wie bei uns, wo irgend jemand demonstriert und sich die linke Horte gleich dran hängt um sich darüber größer zu machen, als sie in Wirklichkeit sind. Im Iran haben sich vordergründig Kaufleute über die Preisentwicklung und Warenbeschaffung in unterschiedlichen Bezirken aufgeregt und das war sofort der Anlaß einen Bohei daraus zu machen und dann werden auch lustig Bilder zusammengefaßt um eine riesige Bewegung daraus zu machen, was man auch hier kennt und aus 1 000 linken Hanseln, dann ganz schnell mal 20 000 werden um dem ganzen den richtigen Anstrich zu verpassen, indem sich Regierungsgegner gleich darunter mischen… Mehr

robert_53
1 Tag her

Nach allem was man so hört, sind die Iraner ein sehr altes, gebildetes und durchaus freundliches Volk. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie das sozialistisch-theokratische Mordgesindel erfolgreich vertreiben und dann, möglichst von innen heraus, eine gute Zukunft in Freiheit aufbauen.

BKF
1 Tag her

Die US-NGO HRANA ohne unabhängige Überprüfung als Quelle zu nehmen, finde ich für TE mutig und entspricht eigentlich nicht dem hohen Standard bei TE.

Monostatos
1 Tag her

Bringt es wirklich etwas, einen Regimechange im Iran herbeizuschreiben? Vielleicht sollte man sich bei Glenn Diesen und seinen Gesprächspartnern (Colonel Douglas McGregor, Ray Johnson, Jeffrey Sachs uvm. kundig machen, um zu verstehen, was Netanjahu und Trump planen. Dann wird auch klar, zu welchem Zweck Venezuela völkerrechtswidrig angegriffen wurde. Oder wäre es nicht deutlich sinnvoller, über die Proteste in Israel zu berichten? Immerhin soll das ja die einzige Demokratie in dieser Region sein.

Kassandra
1 Tag her

Hier gibts Informationen aus dem Inneren des Iran – Mario Nawfal spricht mit einem Prof. Sadegh Zibakalam, der sowohl vom Schah als auch vom jetzigen Regime vor 2 Jahren festgenommen worden sein soll: https://x.com/MarioNawfal/status/2008539660109365526

Last edited 1 Tag her by Kassandra
Haba Orwell
1 Tag her

> Proteste fordern 35 Todesopfer, auch vier Kinder getötet

Proteste oder Aktionen westlich bezahlter Provokateure wie auch 2014 auf dem Maidan?

Kuno.2
1 Tag her

Sollte Trump allerdings auf die Idee kommen auch Teheran zu überfallen, wobei es dann noch mehr Tote gäbe, tritt ihm dort Russland entgegen. Bei Venezuela haben sich Russland und China zurück gehalten und es mit Protesten und Reden in der UNO belassen.
Darüber hatten die Freunde der Invasion im ÖRR und den konzerneigenen „Privaten“ übrigens nicht berichtet. Jedenfalls nicht von der Sondersitzung in der UNO.
Die Kritik von Tagesschau und Co. an dem Piratenakt ist sowieso nur propagandistischer Natur.

Last edited 1 Tag her by Kuno.2