Lampedusa und Sea-Watch 3: Ohne Rücksicht auf Verluste

Machen wir uns nichts vor, diese Aktion zielt eindeutig gegen die italienische Regierung, die einen starken Rückhalt (nicht nur in Italien) genießt.

ANAELLE LE BOUEDEC/AFP/Getty Images

Es ist noch einmal alles gut gegangen am Hafen von Lampedusa, als die „Kapitänin” der Sea-Watch 3 ohne Rücksicht auf Verluste den sizilianischen Inselhafen ansteuerte. Dass nichts schlimmeres geschah, ist eher der Umsicht und Erfahrung der italienischen Beamten des Zolls und der Küstenwache zu verdanken, denn der deutschen „Kapitänin”, die sehr angespannt und unberechenbar ein waghalsiges Manöver veranstaltete.

— Andreas Hallaschka 🥕 (@Hallaschka_HH) June 29, 2019

Dabei hätten Personen an Bord der Seewacht, die den Kurs der Sea-Watch 3 auf den Hafen erst stoppen, dann wenigstens geordnet begleiten wollten, ernsthaft verletzt werden können. Beinahe wäre es noch zum dramatischen Unfall am Hafen von Lampedusa gekommen. Ein Militärboot wurde gegen die Molenmauer gepresst, der Kommandant kommentierte: „… wir wären beinahe von 600 Tonnen zerquetscht worden…“.

So oder so, die Crew der Sea-Watch 3 (darunter auch eine deutsche Ärztin und kulturelle Mediatorin sowie männliche Teammitglieder) und speziell die sogenannte Kapitänin Carola Rackete, werden sich vermutlich vor Gericht wegen Menschenhandel, Erpressung und der gewaltsamen Grenzdurchfahrt vor der Küste verantworten müssen – laut Salvinis neuer Gesetze droht neben der Beschlagnahmung (und möglicher Verschrottung des Schiffs) eine Geldstrafe von 10.000 bis zu 50.000 Euro.

Ungemütlich könnte es für die Niedersächsin Carola Rackete werden, möglicherweise drohen bis zu 12 Jahre Haft, so schreiben es einige italienische Tageszeitungen. Ob es jedoch tatsächlich soweit kommt? Da werden dann wieder deutsche Diplomaten und Kommissare der EU in Italien intervenieren.

Jedenfalls wird immer deutlicher, der Schutz von Menschenleben war Rackete und den anderen Leuten der Sea-Watch 3 ziemich egal. Nein, weder die männlichen illegalen Einwanderer an Bord (die die gesamte Crew massiv unter Druck gesetzt hatten, der Corriere della Sera berichtet hier, Rackete hätte aus dem Grund die Einfahrt in den Hafen vollzogen, da die „Flüchtlinge“ hätten Selbstmord begehen können), noch das Personal der Küstenwache waren sicher.

Am 12. Juni nahm diese Sea-Watch 53 Geflüchtete auf, das Signal und der Standort wurde ihnen mitgeteilt. Mit der libyschen Küstenwache wollte man nicht kooperieren, sämtliche nordafrikanische Anrainer, darunter das hilfsbereite Tunesien (ein Urlaubsland der Deutschen), wurden ignoriert und Hilfen ausgeschlagen.

Italien nahm zehn besonders Bedürftige von der Sea-Watch 3 an Land und versorgte Crew und Migranten weiterhin.

Man halte sich vor Augen: Über 14 Tage dümpelte und fuhr die Sea-Watch 3 im Zickzack-Kurs vor Lampedusa, mit holländischer Flagge. Außer Lippenbekenntnissen aus der EU keine Unterstützung – und selbst deren Gerichtshof für Menschenrechte erteilte der Sea-Watch 3 noch vor einer Woche die Absage, Italien müsse sie einlaufen und die „Flüchtlinge” an Land lassen. Denn an Bord seien keine gefährdeten Menschen mehr. Also, nicht nur italienisches Recht, auch eine Entscheidung der EU wurde ignoriert.

Ab da zog Carola Rackete offenbar alle Register. Es sei nicht weiter hinnehmbar, mit den „Geflüchteten” an Bord zu sein, die mit Hungerstreik und dem Über-Bord-Springen drohten.

Das waghalsige Manöver der Carola Rackete
Lampedusa und Sea-Watch 3: Ohne Rücksicht auf Verluste
Seit der Verhaftung in der Nacht zu Samstag schwappen Rackete und der Sea-Watch 3 Aufrufe der Unterstützung entgegen, fast alle deutschen Polit- und Kirchenoberen, ebenso B-Promis des Showbusiness, twittern Solidaritätsbekundungen Richtung „Kapitänin”, Seenotrettung verbunden mit harscher Kritik an der italienischen Regierung – und treiben damit den Spalt innerhalb der europäischen Länder immer tiefer. Oder geben ihre Statements in den Printmedien zum Besten. Der Tenor hier: die mutige, tapfere und arme Carola, die absolut nichts Falsches getan hat. Die Menschlichkeit habe ein neues Gesicht etc. etc. etc..

So wird es für Greta in diesen Tagen eng auf dem Treppchen. Vermutlich stimmen auch hier schon wieder einige ihre Lauten, wenn zur nächsten Runde von Prophetin-, Messias- und Jesus-Vergleichen angesetzt wird; überraschen würde es nicht. Zahlreiche Spendenaufrufe und Petitionen laufen.

Die gesamte Grün-Rote-Phalanx von Cem Özdemir bis Robert Habeck (der von einer fast Ruchlosigkeit der Italienischen Regierung spricht), wie üblich Außenminister Heiko Maas, Ralf Stegner, Frank-Walter Steinmeier, Kirchenmann Heinrich Bedford-Strohm und und und und und – nein, nicht die EU, Italien wird hier von all diesen an den Pranger gestellt. Der moralische und humanistische Imperativ wird abgefeuert. Wer Menschenleben rette, könne nicht bestraft werden.

Machen wir uns nichts vor, diese Aktion zielt eindeutig gegen die italienische Regierung, die einen starken Rückhalt (nicht nur in Italien) genießt. Während sich die Opposition und alle Identitätslinken auch aus Deutschland mit Gesetzesbrechern gemein machen.

Feministinnen und die europäische Antifa feiern Carola Rackete bereits als Siegerin über den souveränistischen Machismo. Außerdem müssen nun auch die anderen früheren Imperialisten ihre Rechnungen begleichen, meinen die sich moralisch überlegen fühlenden Aktivisten.

Dass ein Matteo Salvini und Premier Giuseppe Conte gar nicht in solchen Kategorien denken, sondern zum Schutze ihres Landes und ihrer Bürger handeln, ist den Anhängern eines unkontrollierten und absurden Multikulturalismus komplett fremd. Gefangen in ihrer Naivität einer bunten Welt, die in Deutschland derzeit der alles andere verdrängende „Wohlfühlfaktor“ ist, wo ein immer größeres Chaos ein herbeizuführender Idealzustand für den angestrebten Systemumbruch zu sein scheint.

Carola Rackete äußerte sich zuvor, sie sei privilegiert geboren, zudem eine weiße Deutsche. Definitiv schlug sie einen anderen Lebensweg als ihr Vater ein, aber die Familie ist mit sich und ihrer Tochter im Reinen, wie aus diesem Interview mit der italienischen Corriere della Sera hervorgeht:

Der Vater Ekkehart Rackete, ein pensionierter Elektro-Ingenieur, der über 30 Jahre im Bereich militärischer ballistischer Kriegsgeräte und Waffen, sowie für die Spionage-Abwehr und als Berater im privaten Militärsektor tätig war, findet, seine Tochter habe das Richtige getan. Seine Tochter sei schon immer so gewesen, aktiv und engagiert.

Ganz Südamerika habe sie per Autostopp befahren und ihr Volontariat bei Greenpeace auf einem Eisbrecher absolviert. Finanziell sei Carola nur bei ihren diversen Studiengängen unter anderem in England unterstützt worden. Sie könne sich mit der Tätigkeit bei Sea Watch sehr gut über Wasser halten. Fünf Sprachen spräche sie, darunter auch etwas Italienisch. Er hoffe, so der Vater, dass sie die Sprache nun nicht unbedingt im Gefängnis perfektionieren kann. Das jedoch wird wohl noch zum Politikum in der Diplomatie.

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