Die Ostbeauftragte rudert zurück – nach vorne

Immer Ärger mit den Ostdeutschen: Jetzt distanziert sich die Ostbeauftragte der Bundesregierung von einer Studie, die sie für teures Geld in Auftrag gegeben und zunächst bejubelt hat. Besser wird es dadurch nicht.

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Iris Gleicke, the German government's representative for the 'new,' or Former East German states

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), hat sich einem Medienbericht zufolge von der von ihrem Haus in Auftrag gegebenen Studie zum Rechtsextremismus in Ostdeutschland offiziell distanziert. Das berichtet die „Sächsische Zeitung“.

Vergeigte 129.391,86 €

Demnach hat die SPD-Politikerin dem Göttinger Institut für Demokratieforschung in einem Brief mitgeteilt, dass sie die Möglichkeit der Rückerstattung bislang ausgezahlter Mittel prüfen lasse. Die Kosten der Studie belaufen sich nach früheren Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf insgesamt 129.391,86 Euro.

Die Bundesbeauftrage für die neuen Länder, Iris Gleicke von der SPD, hatte den Auftrag an die westdeutsche TU Göttingen vergeben, einem Hort „linker“ Sozialwissenschaftler. Sie schickten vier junge Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Demokratieforschung nach Heidenau, Freital in Sachsen und nach Thüringen, in den Erfurter Stadtteil Herrenberg. Es sind alles Studienplätze, die schon in „braune“ Schlagzeilen geraten waren. 36 Interviews wurden geführt, die für ganz Ostdeutschland stehen sollten. Die Ergebnisse waren so abseh- wie voraussehbar: Der Osten ist „braun“.

Die Mängel der Studie wurden schnell aufgegriffen: Zu wenig Befragte, suggestive Fragestellung, fragwürdige und unsauber dokumentierte Befragte, falsche Namen, mit denen Wirklichkeit vorgegaukelt wurde.

Ein Bärendienst

Einer der Verfasser der Studie, der Politologe Lühmann, versuchte die Kritikpunkte zurückzuweisen; er und die anderen Autoren der Studie sprechen in einer Stellungnahme von „haltlosen Behauptungen“ und davon, ihre Forschungsmethoden würden „auf perfide Weise als ‚Erfindungen‘ denunziert“. „Das ist mindestens verleumderisch“, sagte Lühmann dem SPIEGEL. Das Institut werde den Vorgang auch rechtlich prüfen.

Wer Hass sät, wird Hass ernten
Die Ost-Beauftragte spaltet statt zu einigen
Überprüft hat Gleicke jetzt die Studie und offensichtlich Nachbesserungen zum Anlass genommen, sich davon zu distanzieren: „Dieser Mangel an Sorgfalt, um es freundlich auszudrücken, ist zum einen mit den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens nicht zu vereinbaren und zum anderen ein klarer Beleg für eine schlicht nicht hinnehmbare Schlamperei, die bei einem so sensiblen und wichtigen Thema auch dann unentschuldbar wäre, wenn der Fehler auf bloßes redaktionelles Ungeschick zurückzuführen sein sollte,“ fällt ihr auf. Die Studie habe damit „jede Glaubwürdigkeit eingebüßt“.

In dem Brief schreibt Gleicke laut Sächsischer Zeitung wörtlich: „Ich betrachte die Bekämpfung des Rechtsextremismus seit Jahrzehnten als eine meiner wichtigsten Aufgabe. Dass Sie diesem Anliegen (ebenso wie dem eigentlich hervorragenden Ruf Ihres Instituts) einen Bärendienst erwiesen haben, ist Ihnen hoffentlich bewusst.“

Und da wird deutlich, worum es Gleicke geht: Nicht um die Angleichung der Lebensverhältnisse, sondern um ihre ganz persönliche Agenda, die wenig mit ihrem Amt zu tun hat. Also: Auftrag erfüllt, liebe Forscher, nur etwas übereifrig. Wir dürfen also auf die nächste Studie warten, die den Zielen der Auftraggeberin besser entspricht.

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Kommentare ( 16 )

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Wie zum Hohn hat Bosch denn auch jüngst verkündet, seine neue Chipfabrik (ausgerechnet im „pegidaverseuchten“) Dresden bauen zu wollen – übrigens die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Oh Wunder! Frau Gleicke und Konsorten sollten sich mal informieren, wovor die Ausländer, auf die es WIRKLICH ankommt, tatsächlich Angst haben (und dazu zählen von den Neudazugekommenen seit 2015 und all den Koranaffinen wohl die wenigsten): Das sind eben NICHT die Schonlängerhierlebenden. In China war der absolute Aufreger z.B. der Fall einer jungen Chinesin, die im Ruhrgebiet am hellichten Tag in der Nähe einer Bushaltestelle und einer Flüchtlingsunterkunft von einem der Gäste der Kanzlerin… Mehr
Die Frau hätte die Kohle mir geben sollen. Ich hätte super liefern können. Aber weggenommen hätte sie mir das Geld wohl auch wieder… Ich hätte nämlich die musikalische Frage des Sebastian K., wo denn all die Nazis und Skins der ’90er hin seien, anders herum gestellt: wo kamen sie her? Ganz einfach. Sie kamen aus der breiten Masse derer, die nach 40 Jahren real existierendem Sozialismus die Kommunisten hassten. Und die so gefestigt waren, dass NVA-Soldaten in bestimmten Städten Ausgangsverbot in Uniform hatten – weil die dort regelmäßig verdroschen wurden. Aller Stasi zum Trotz. Allen KZ- und sonstigen Gedenkstätten zum… Mehr
Man braucht nur Wikipedia und den Namen der Parteisoldaten aufzurufen, Gleicke, Schwesig usw., dann weiß man schon Bescheid. Brauner Osten – Absoluter Blödsinn! Die Menschen im Osten sind weitaus sensibler und mutiger auf Grund ihrer Vergangenheit und den Erfahrungen in der kommunistischen Diktatur. Das wollen sie nicht noch einmal. Wer gerade seine Heimat mit viel Geld und Liebe herausgeputzt hat, will sich das nicht wieder mutwillig und vorsätzlich zerstören lassen a la Neukölln und bereits vielen no-go-Stadtvierteln bundesweit. Das Ziel ist die Verunglimpfung einer abweichenden Meinung. In der DDR nannte man das Zersetzung. Sie hatte das Ziel einen Abweichler oder… Mehr

Das ist klar ein Eintrag auf der Agentin!

Ich weis nicht warum über eine derartig blödsinnige Studie überhaupt noch diskutiert wird. Wenn ich 40 Linke befrage werden die natürlich überall Rechte wittern. Und das 40 Linke nicht repräsentativ für Millionen von Menschen stehen sollte auch klar sein, oder ist Generalverdacht aufgrund von „Einzelfällen“ jetzt doch erlaubt? Was Frau Gleicke angeht: Die hat jetzt mal eben schlappe 3 Monate gebraucht um das zu merken, also anscheinend nicht die Schnellste. Oder hängt das damit zusammen, das sie bei der BTW 2017 nicht mehr antritt und jetzt mal ihre Meinung sagen darf? Oder eher daran, das man die „brauen“ Ossis mal… Mehr

Geht mir als Süd-Südostbeauftragter ebenso !!

Wenn es gelernte Handwerker wären, die da in „der Politik“ dilettieren, wäre ich ja schon dankbar! Statt dessen sind es, wenn überhaupt, “ gelernte Studienabbrecher“, die selbst für Schwachsinn wie Soziologie oder Theologie zu blöd und zu faul waren, oder aber irgendwelche lebensfremden, abgesichert durchalimentierten Schmarotzer aus dem sogenannten „Öffentlichen Dienst“ oder dem unsäglichen „Beamtentum“. Und diese Gestalten erzählen Ihnen dann vom Leben und wie Sie leider (für deren weiteres Wohl) den Gürtel enger schnallen müssen. Wer solche Karikaturen als seine „Volksvertretung“ bezeichnet, glaubt auch, daß er mit sog. „Wahlen“ in dieser Räte-, oh Verzeihung, in dieser Parteien-Diktatur etwas bewegt,… Mehr

Nun, in sochen „Studien“ steht im Allgemeinen das, was der Auftraggeber erwartete – das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben..
Immer noch verblüffend für mich, der sich, zugegeben, im Allgemeinen nicht mit den Niederungen der Parteienlandschaften, vor allem der im Osten, beschäftigt ist: was es nach der sogenannten „Wende“ dort alles „nach oben“ gespült hat. Das ist manchmal regelrecht wiederlich.

Irgendwann? Sie sind doch täglicher Zeuge dieses geistigen, moralischen, sittlichen und politischen Verfalls. Hier sitzt man doch tatsächlich bei ARD und ZDF in der ersten Reihe.
Und fragen wir lieber, wer muss es in Deutschland in die Politik schaffen? Um es mit einem zu sagen, der es geschafft hat: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keinen Job in der Politik“.

Andere Version: Statt sich darum zu kümmern, was ihres freilich überflüssigen Ost-Gleichmacheramtes wäre, entsendet Mielkes SPD-Tochter lieber eine Handvoll Politruks aus der Göttinger Horch-und-Guck – Filiale in die östlichen Notstandsgebiete und läßt dort insbesondere in den Hochburgen des braunen Klassenfeindes Erkundungen über die moralische Verrottung des Ost-Volkes einholen. Dank dialektischem Materialismus und unverbrüchlicher Parteilichkeit für die werktätige Klasse gelingt es diesen Illuminati tatsächlich in kürzester Zeit, aus 36 Interviews ganz ohne Glättungen auf den erbarmungswürdigen Zustand von 16 Mio Volksgenossen zu schließen. Phänomenal, was geschickte Befragungen auch ohne Einsatz der Folter heutzutage alles zutage fördern, wenn ihnen nur das richtige… Mehr
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