Die Grünen auf den Spuren der FDP

An elf von sechzehn Landesregierungen sind die Grünen beteiligt - Tendenz zunehmend. Es fehlt nicht mehr viel und über sie wird man sagen wie früher über die FDP: Es ist nicht möglich, nicht von den Grünen regiert zu werden.

Friedrich-Ebert-Stiftung

An elf von sechzehn Landesregierungen sind die Grünen beteiligt – Tendenz zunehmend: Nicht, weil die Politik der Grünen (wie seinerzeit der FDP) besonderd überzeugend wäre, sondern weil man sie rechnersich zur Mehrheitsbildung braucht. Es fehlt nicht mehr viel und über sie wird man sagen wie früher über die FDP: Es ist nicht möglich, nicht von den Grünen regiert zu werden. Das Bild vom Schwanz, der mit dem Hund wedelt, steht den Grünen als Medienbild ins Haus: ein Bild, das die meisten unsympathisch finden.

Mitte ist kein Standpunkt
Die Linke, die Rechte und die mitteste Mitte
Während die Regierungsbeteiligungen der Grünen zunehmen, nimmt ihre Medienwirkung ab. Ohne die grün geführte Landesregierung Winfried Kretschmanns im Südwesten wäre das Medienbild durchgehend negativ, zeigt Media Tenor International in einem Bericht zum Parteitag der Grünen. Dass ein großer Teil der deutschen Journalisten den Grünen Sympathien entgegenbringt, tritt hinter das Sensations-Prinzip der Medienmehrheit zurück. Liefern die Grünen nichts Schlagzeiliges, finden auch sie nicht statt.

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Die Meinungsführer-Medien neigen schon lange dazu, über die Nicht-Regierungsparteien wenig zu berichten. Inzwischen kann man ihnen das gar nicht mehr zum Vorwurf machen, wenn sich die Nicht-Regierungsparteien von den Regierungsparteien in den Kernfragen der Politik nicht mehr unterscheiden.

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Aber selbst im schmalen Mediensektor der Nicht-Regierungsparteien ging der Anteil der Grünen (und der Linkspartei) bergab:

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Die Betrachtung endet mit Juli 2016. Danach müsste nach meiner Beobachtung auch der Anteil der AfD wieder gesunken sein: auch sie lieferte den Medien keine schlagzeilenfähigen Sensationen.

Dass die Grünen nicht noch ungünstiger im Medienbild wegkommen, liegt im wesentlichen an den Abendnachrichten von ARD und ZDF und zwei Sonntagszeitungen: der BamS

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… und mehr noch der FAS, die selbst positiver berichtet als die ARD und das doppelt so stark gewogene ZDF.

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Die Grünen können realistischerweise nach der nächsten Bundestagswahl unter Kanzlerin Merkel mit CDU, CSU und SPD auf der Regierungsbank sitzen. Dort würden sie mit der CSU um die Palme der lauteren Opposition innerhalb der Regierung im Dauer-Wettbewerb liegen (müssen). Das brächte den beiden viel Medienpräsenz und brächte in dieser die SPD völlig ins Hintertreffen.

Zwei Fragen offen: Die AfD wird nach heutigem Erkenntnisstand im Bundestag sein. Sie wird sich bemühen, die nötigen Aufreger zu liefern, um in den Medien stattzufinden. Frage 1: Gelingt ihr das – regelmäßig genug? Frage 2: Bilden die Meinungsführer-Medien das ab? Genauer: welche verhalten sich im Dreier-Wettbewerb AfD-Grüne-CSU wie? Von der Linkspartei und der FDP spreche ich nicht, weil die Meinungsführer-Medien für sie als dann der Dreier-GroKo loyale Nicht-Regierungsparteien so gut wie kein Ohr und kein Auge hätten, solange sie sich nicht interne Personen-Machtkriege ausreichend aufregender Art lieferten.

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Kommentare ( 36 )

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