Die Deutschen glauben nicht an die Wirkung der Kassenbonpflicht

Angeblich soll die Kassenbonpflicht Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe verhindern. Zwei Drittel der Bürger glauben nicht, dass das funktioniert, wie eine Umfrage zeigt. Warum es die SPD trotzdem unbedingt wollte, könnte auch an eigenen Interessen liegen.

Mehr Papier und Bürokratie. Das ist das Rezept der Bundesregierung gegen Steuerhinterziehung. Die jüngste Maßnahme ist die Kassenbonpflicht, die vor drei jähren schon beschlossen wurde und nun zum Jahreswechsel in Kraft tritt. 

Geschäfte und Restaurants sind nun verpflichtet, für jeden Bezahlvorgang einen Beleg auf Papier oder als E-Mail auszustellen. Registrierkassen müssen fälschungssicher sein. Finanzminister Olaf Scholz glaubt, wie er gegenüber der Funke-Mediengruppe sagte, „Umsatzsteuerbetrug in Milliardenhöhe – jedes Jahr“ verhindern könne. Kritik daran kam nicht nur von den Betroffenen, also dem Handel, sondern sogar vom Kabinettskollegen Peter Altmaier. 

Warum ausgerechnet Scholz und seine SPD sich so sehr für die Kassenbonpflicht einsetzen? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch machte in seinem Newsletter auf einen Zusammenhang aufmerksam, der diese Motivation erklären könnte: „Mir wurde dieser Tage eine Theorie zugetragen, warum sich gerade die SPD so für diese unsinnige Maßnahme einsetzt. Die SPD ist 100 % Eigentümerin der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (dd.vg). Zum Medienimperium der SPD gehören nicht nur etliche Zeitungen, sondern auch Druckereien usw. An dem Unternehmen Locafox GmbH ist die SPD mit 47,6 % beteiligt. Und was stellt Locafox her: „All-in-One Kassensystem für den Einzelhandel“.“

Breite Ablehnung bei Bürgern

Die Bürger jedenfalls halten von der Pflicht nichts, wie eine aktuelle Umfrage von INSA-Consulere zeigt. 68,4 Prozent von 2034 Befragten glauben „nicht, dass die Kassenbonpflicht dazu führt, dass weniger Steuern hinterzogen werden“. Nur 15,5 Prozent der Befragten glauben, dass Scholz Recht hat. Die anderen sind sich unsicher oder antworteten nicht. 

Die Zustimmung sinkt noch mit zunehmendem Alter. Von den 18-29-Jährigen glauben immerhin noch 19,2 Prozent an den Erfolg der Kassenbonpflicht, bei den Über-60-Jährigen sind es nur 14,3 Prozent. Der Unglaube an die Wirksamkeit ist in allen Altersgruppen, allen Bundesländern und in allen Einkommensgruppen deutlich in der Mehrheit. Allein unter den befragten Muslimen fällt der Anteil derjenigen, die nicht an die Wirksamkeit glauben, mit 45,5 Prozent relativ gering aus. Bei den Befragten, die die SPD wählen würden, wenn jetzt Bundestagswahlen anstünden, fiel die Ablehnung der Pflicht mit 62,5 Prozent etwas geringer aus als bei anderen. Am höchsten ist sie mit 76,8 Prozent bei AfD-Wählern. 

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Kommentare ( 60 )

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Stop Bush and Clinton
1 Jahr her

Man muss kein Klimahysteriker sein, um in der Kassenbonpflicht nur Papierverschwendung und die damit verbundenen Umweltprobleme zu sehen (Kassenbons der meisten Kassen können nichtmals ins Altpapier).

Aber um echte Umweltprobleme kümmern sich die grünfaschisten schon lange nicht mehr, warum auch, wenn sie stattdessen CO2 schreien können?

Dieter Rose
1 Jahr her

da wachsen bereits andere nach

Andreas Gallasch
1 Jahr her

Kann man die Kassenbons eigentlich beim Finanzamt einreichen, indem man diese dort in den Briefkasten einwirft?

Medienfluechtling
1 Jahr her

In Italien ist das auch Pflicht, sogar auf dem Markt, und es wird halt nur die Häfte auf den Bon gebucht. Ob sich die Deutschen das trauen ist was anderes…

CIVIS
1 Jahr her

Vielleicht glauben die Deutschen nicht an die Wirkung der Kassenbonpflicht; …warum eigentlich nicht ?

Sie glauben doch sonst mehrheitlich alles! … Augenscheinlich ja auch den ganzen Sch…. , der ihnen von der Politik tagtäglich aufgetischt wird.

Armes Deutschland !

K. Sander
1 Jahr her

Wir sind bald im Jahr 2030. Da brauchen wir noch mehr Kassenbons. Deshalb lachen die Kassiererinnen im Drogeriemarkt schon lange. Wenn die mich fragen, ob ich einen Kassenbon habe will, sage ich „nein, ich nehme das dort“ und zeige auf den Einkaufswagen. Da fragen die nochmal „was?“ und ich antworte „Das toilettenpapier ist doch im Jahr 2030 verboten. Deshalb musste doch Demolition-Man immer wieder böse Wörter sagen, um mehr Strafzettel zu bekommen.“ … und die Schlange an der Kasse lacht.

H. Priess
1 Jahr her

Also ich sehe das so! Natürlich ist der Bäcker oder Fleischer ein potenzieller Steuerhinterzieher denn der Staat sieht alle Bürger als potenzielle Steuerhinterzieher die er nur noch nicht überführt hat. Nur deshalb gibt es diese riesige Finanzbehörde. Jeder der keine oder wenig Steuer bezahlt ist für ihn suspekt. Natürlich weiß jeder, der ein Brötchen beim Bäcker des Vertrauens kauft, daß von den 45 Cent wenn überhaupt nur die hälfte versteuert wird. Beim Fleischer das selbe, er kauft für 500 Euros ein und verkauft es für 1200 ohne Steuern zu bezahlen. Natürlich sind die Bäckereiketten, die Koffeeshops, die Fleischerketten vorbildliche Steuerzahler… Mehr

AnSi
1 Jahr her

Ja, ja. Wie war das mit dem Wasser predigen und dem Wein trinken? Sicher gibt es bei den kleinen Läden den Einen oder Anderen, der Steuern hinterzieht. Aber wenn wir mal schauen, was ganz oben abgeht, sind das dagegen doch Peanuts!
Uns EU-Ursel hat 660 Mio versemmelt für Berater. Der Scheuer 550 Mio. Wo ist eigentlich der schwarze Koffer vom Schäuble abgeblieben?
Fakt ist, die brauchen dringend Geld, also müssen sie Wege finden, da ran zu kommen. Entweder durch Steuern oder durch Überwachung und Enteignung (Minuszins). Dem korrupten SPD-Haufen ist jedes Mittel recht.

Marc Hofmann
1 Jahr her

Wissen wir doch schon lange…das die deutsche Regierung Politik seit Jahren von NGOS geschmiert wird. Roman Herzog hat das schon festgestellt… NGOs bestimmen die Politik in Deutschland.

Reimund Gretz
1 Jahr her

Bei den Politikern ist es noch nicht angekommen die neuen Kassensysteme in Deutschland haben eine Schnittstelle direkt mit dem Finanzamt!