Die Bundeswehr verabschiedet sich von einem zentralen Versprechen beim Aufbau der sogenannten Litauen-Brigade. Das Prestigeprojekt sollte nur mit Freiwilligen betrieben werden. Der Ansatz ist gescheitert.
IMAGO / Anadolu Agency
Die dauerhafte Stationierung einer deutschen Panzerbrigade im Baltikum ist das Leuchtturmprojekt der sogenannten Zeitenwende. Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD hat die „Brigade 45“ zu einem seiner wichtigsten Vorhaben gemacht.
Und die Botschaft hätte klarer nicht sein können: Wer nach Litauen geht, geht freiwillig.
Doch leider, leider passen die Wünsche unserer Berufspolitiker oft nicht zur Wirklichkeit. Die Personaldecke reicht nicht aus, um das Vorhaben allein mit Freiwilligen zu stemmen. Und so gibt Pistorius nun den Friedrich Merz: Er bricht sein Versprechen.
Denn die NATO macht Druck. Hinter den Kulissen wurde den Deutschen zuletzt immer unverblümter klargemacht, dass sie die Vorgaben des Militärbündnisses zu erfüllen haben – und zwar auch dann, wenn dafür Soldaten gegen ihren Willen an die Ostflanke geschickt werden müssen.
Heeresinspekteur und Pistorius-Spezi Christian Freuding macht inzwischen keinen Hehl mehr daraus, dass die Bundeswehr ihre bisherige Linie aufgibt. Zwar bleibe Freiwilligkeit weiterhin das „leitende Prinzip“, lässt er in der typischen Sprache aus der PR-Hölle wissen. Doch dort, wo das nicht ausreiche, werde man künftig auch zu „verpflichtenden Personalmaßnahmen“ greifen.
Einfacher: Marschbefehl nach Osten.
Auch das Verteidigungsministerium rückt von seinen früheren Versprechen ab. Ein Sprecher preist die „Attraktivitätsoffensive“ für den Standort Litauen an. Doch auch er stellt klar, dass die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte im Zweifel wichtiger ist als die Freiwilligkeit einzelner Soldaten.
Für die Bundeswehr ist das ein radikaler Kurswechsel. Noch vor wenigen Jahren wäre eine dauerhafte Verlegung von Soldaten ins Ausland gegen deren ausdrücklichen Willen politisch undenkbar gewesen. Heute wird sie quasi im Vorübergehen als selbstverständlicher und notwendiger Schritt zur Erfüllung internationaler Verpflichtungen dargestellt.
Weit hinter der Planung
Der Hintergrund ist offensichtlich: Die Brigade wächst langsamer als erhofft.
Derzeit sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums etwa 1.800 Bundeswehrangehörige in Litauen stationiert. Bis Ende 2027 soll daraus ein Großverband mit mehr als 4.800 Soldaten und etwa 200 zivilen Mitarbeitern werden. Die Truppe müsste also fast dreimal größer sein, als sie heute ist. Um das höchst ambitionierte Ziel zu erreichen, sollen künftig ganze Bataillone aus Deutschland ins Baltikum verlegt werden.
Wie viele Soldaten sich bislang tatsächlich freiwillig gemeldet haben, verrät das Ministerium allerdings nicht. Statt konkreter Zahlen gibt es lediglich die Versicherung, der Aufbau verlaufe planmäßig und die Zielgröße werde erreicht. Das klingt wie die Durchsagen der Deutschen Bahn. Dort hören die wartenden Passagiere auf dem Bahnsteig auch dauernd, dass alles nach Plan läuft – während der Zug schon längst ordentlich Verspätung hat.
Ministerium hat sich verrechnet
Zusätzlichen Unmut erzeugt ausgerechnet ein Thema, mit dem die Bundeswehr den Dienst in Litauen eigentlich schmackhaft machen wollte: das Geld. Denn, Überraschung: Bei den Auslandszulagen hat sich die Bürokratie massiv verkalkuliert.
Das Verteidigungsministerium räumt nun ein, dass die Zuschläge für mehrere Standorte in Litauen aufgrund eines Berechnungsfehlers zu hoch angesetzt wurden. Betroffene Soldaten haben also mit finanziellen Leistungen gerechnet, die nun gar nicht kommen – weil Beamte keinen Taschenrechner bedienen können.
Natürlich wird der Irrtum zu Ungunsten der Soldaten korrigiert. Mit der turnusmäßigen Anpassung zum 1. Juli fallen die betreffenden Zulagen geringer aus. Die Verantwortung für die Einstufung liegt offiziell beim Auswärtigen Amt. Das Verteidigungsministerium bemüht sich inzwischen um Schadensbegrenzung und prüft Möglichkeiten, die finanziellen Folgen für die Betroffenen abzufedern.
Für Soldaten ist das ein katastrophales Signal. Einerseits wird der Druck erhöht, Dienstposten in Litauen zu besetzen. Andererseits werden finanzielle Anreize nach unten korrigiert. Die politische Führung spricht von erhöhter Attraktivität. Praktisch kommen dann Versetzungsbefehle und gekürzte Zulagen.
Dabei geht es längst um mehr als nur um eine einzelne Brigade. Die Litauen-Mission ist zum Symbolprojekt der deutschen Sicherheitspolitik geworden. Berlin will demonstrieren, dass Deutschland bereit ist, dauerhaft Verantwortung an der NATO-Ostflanke zu übernehmen. Ein Scheitern oder auch nur erhebliche Verzögerungen wären deshalb politisch hochpeinlich.
Deshalb greift Pistorius nun auf klassische militärische Instrumente zurück. Am Ende gilt für Deutschlands Streitkräfte dieselbe Logik wie für jede andere Armee der Welt: Freiwilligkeit ist willkommen. Einsatzbereitschaft ist Pflicht.
Das Versprechen der Freiwilligkeit gilt künftig offenbar nur noch so lange, wie es genügend Freiwillige gibt. Sobald diese Rechnung nicht mehr aufgeht, kommt das, was das Militär seit jeher ausmacht: der Befehl.
Streit mit Litauen
Die deutsche Suche nach Soldaten für den Litauen-Einsatz verdeckt eine ganz andere diplomatische Peinlichkeit: Litauen lehnt den Wunsch der Bundesregierung ab, eine auf dem Gelände des Bundeswehrstandortes gelegene ehemalige Partisanenfestung aus dem Zweiten Weltkrieg zu erhalten.
Auf dem neuen Truppenübungsplatz der „Brigade 48“ der Bundeswehr im Wald von Rūdninkai, südlich der Hauptstadt Vilnius, befinden sich die Überreste einer Partisanenfestung. Dort hatten sich einst Juden versteckt, die aus dem Ghetto von Wilna fliehen konnten. Sie kämpften dann zusammen mit sowjetischen Partisanen gegen die deutschen Besatzungstruppen.
Berlin befürwortet „den Erhalt des ehemaligen Partisanenlagers im Wald von Rūdninkai als Lern- und Erinnerungsort nachdrücklich“ und bat Vilnius, „die Schutzwürdigkeit des betreffenden Bereichs zu prüfen und im Zuge der weiteren Planungen zu berücksichtigen“. Litauens Kulturministerium lehnt das ab und kann für das Partisanenlager keine Schutzwürdigkeit erkennen: Die Bauten seien zu Sowjetzeiten für Propagandazwecke „rekonstruiert“ und nicht authentisch. Als Propagandabau falle die Stätte unter das litauische Verbot der „Förderung totalitärer und autoritärer Regime und ihrer Ideologie“. Demnach könne es als öffentliches Objekt entfernt werden.
Aus Sicht des Kulturministeriums gelten jüdische Partisanen als Teil der sowjetischen Streitkräfte im Kampf gegen NS-Deutschland 1941 bis 1945. Ihre Aktivitäten werden als feindlich gegenüber der litauischen Staatlichkeit bewertet. Das kommentiert der geschätzte Kollege Fritz Goergen so:
„Höflich gesagt, sind die Ansichten über die gemeinsame Vergangenheit verschieden.“

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Die Bundeswehr hat doch eigentlich die Aufgabe, unsere Heimat zu verteidigen. Das wurde mal am Hindukusch versucht, hat nicht geklappt. Littauen ist auch nicht unsere Heimat. Ein „Bündnisfall“ liegt auch nicht vor (so gerne Schmarotzky einen provozieren würde). Liebe Bundeswehr, Ihr seht jetzt, was Ihr den Clowns aus der Regierung Wert seit. Tretet aus dem Verein aus, diese Typen in EU und Bundesregierung sind es einfach nicht Wert, dass Ihr für die Eure Gesundheit riskiert. Sollen doch die kriegsgeilen Grünen ein ASOW Battalion 2.0 aufstellen und gegen Osten marschieren. Ich würde sammeln, damit jeder russische Soldat, der einem von diesen… Mehr
„Denn die NATO macht Druck. Hinter den Kulissen wurde den Deutschen zuletzt immer unverblümter klargemacht, dass sie die Vorgaben des Militärbündnisses zu erfüllen haben – und zwar auch dann, wenn dafür Soldaten gegen ihren Willen an die Ostflanke geschickt werden müssen.“ Nun ich bezeichne diese Maßnahme als militärische und politische Dummheit. Wir bringen unsere beste Einheit in eine Situation wie sie die Alliierten Streitkräfte in Dünkirchen erlebten. Im Rücken das Meer und sonst überall nur feindliche Panzer. Weder Putin noch seine Armee werden Hitlers Fehler wiederholen. Dass sich kaum ausreichend blöde Freiwillige melden zeugt vom BW IQ-Schnitt. Deutlich über Pistorius… Mehr
– 91 Mrd€ für den Krieg in der Ukraine.
– Wer keine Lust auf Krieg hat, wird als Fahnenflüchtiger bei uns mit Bürgergeld versorgt.
– Friedensverhandlungen unter Vermittlung von Gerhard Schröder werden von Deutschland torpediert.
– Jetzt werden junge Deutsche dazu gezwungen an der „Ostfront“ in Litauen ggf. den Kopf hinzuhalten.
– Der Wehretat des völlig verschuldeten „Buntland“ wird auf 150 Mrd€ aufgeblasen.
Das kannst du dir nicht ausdenken.
Deutschland ist seit 2011 bzw. spätestens seit 2015 völlig verrückt geworden.
Deutschland packt es nicht einmal die eigenen Grenzen vor der Masseneinwanderung zu schützen, will aber gegen den Russen auf dicke Hose machen.
Ebenfalls wird hier alles was nicht ideologisch reinrassig „bunt“ ist zu „Nazi“ erklärt, auf der anderen Seite drückt man fest beide Augen zu, wenn tatsächliche Nazi-Ideologie in der Ukraine und den Chihuahua-Staaten sprießt.
Die Verkommenheit des „Werte-Westens“ ist perfekt.
Aber schön, dass die Deutschen den Litauern mit erhobenem Zeigefinger und moralischen Belehrungen daherkommen, ohne sich, wie meist, mit der Geschichte beschäftigt zu haben. Weiß mittlerweile eigentlich jemand, in welchem Wohnzimmer die Benin-Bronzen stehen? 🙂
„Noch vor wenigen Jahren wäre eine dauerhafte Verlegung von Soldaten ins Ausland gegen deren ausdrücklichen Willen politisch undenkbar gewesen.“ Und noch ein paar Jahre weiter zurück wäre die Stationierung deutscher Soldaten im Ausland per se undenkbar gewesen. Und *das* war richtig.
Das Prinzip bei Freiwilligen ist doch einfach. Wer als Freiwilliger Dienst macht und partout an seinem gewohnten Standort bleiben will, hat sehr gute Aussichten seinen temporären Dienstgrad sehr,sehr lange zur Schau zu tragen.
Das ist die eine Sache. Auf der anderen Seite, der BW-Soldat sucht sich seinen militärischen Gegner nicht aus, das machen vorzüglich die Politiker aller Länder. Der Soldat muss dort hingehen, wie es im Marschbefehl steht. Da bin ich tatsächlich auf Seiten der Regierung. Dass ist dieses noch einmal erleben darf … , nicht vorhersehbar.
Dazu konnte man noch hinzufügen, dass die letzte Erfolge der Ukrainische Streitkräfte ohne der direkten und konstanten Beteiligung von NATO Ländern haben stattfinden können, ist so gut wie ausgeschlossen. lass uns hoffen, dass der Russe so doof wie er auch ist, weiter alles macht um die Idioten in Berlin, Paris und London zu ermutigen ohne dass sie dafür teuer bezahlen müssen.
Bundeswehr per Marschbefehl nach Litauen Solange Litauen deutschen Boden besetzt hält,keine Unterstützung jedweder art für Litauen das Memelland ist teil des völkerrechtlichen Ostpreußens also von Deutschland auch wenn ihr das aus politischer Korrektheit heute nicht mehr wahrhaben wollt.
> Aus Sicht des Kulturministeriums gelten jüdische Partisanen als Teil der sowjetischen Streitkräfte im Kampf gegen NS-Deutschland 1941 bis 1945. Ihre Aktivitäten werden als feindlich gegenüber der litauischen Staatlichkeit bewertet. Das kommentiert der geschätzte Kollege Fritz Goergen so: … „Höflich gesagt, sind die Ansichten über die gemeinsame Vergangenheit verschieden.“
Weniger höflich formuliert – im Baltikum findet man Neonazis, wie am Dnepr. Warum noch mal sollte wer für die braune Bande kämpfen wollen?
Hier gibt es Aufmärsche der „Omas gegen Rächts“ und im Baltikum werden Neonazis beschützt?