Wenn jetzt in grünen Großstädten in den Hinterhöfen wieder Biomülltonnen gären, Bakterien ihr Werk verrichten, Schimmel seine Sporen verteilt und ein schwer definierbarer, süßlich-fauliger Duft kommunaler Kreislaufwirtschaft durch die Höfe zieht, weiß man: Es ist Sommer.
IMAGO / Bihlmayerfotografie
Früher nannte man das schlicht „die warme Jahreszeit“. Heute erscheinen im Fernsehen blutrot eingefärbte Wetterkarten, Experten warnen pünktlich ab 25 Grad vor dem ultimativen Klimakollaps, und die Verwaltung erstellt eilig sogenannte „Hitzeaktionspläne“.
Doch Rettung naht. Nicht etwa durch klimatisierte Räume, Schattenplätze oder gar eine pünktliche Müllabfuhr. Nein, die Rettung kommt in Form des bundesweit zentralen Presse- und Fototermins zum Tag der Biotonne. Der ist heute.
Ziel des Tages ist es, die unbedarfte Bevölkerung für die Bedeutung dieser größten Abfallaktion in privaten Haushalten zu sensibilisieren. Man will den Beitrag der faulenden Masse für Bodenfruchtbarkeit, Ressourcenschutz, Klimaschutz sowie – und hier wird es global – die Unabhängigkeit von Rohstoffimporten hervorheben. So steht es zumindest geschrieben beim SpeiseGut e.V., Havelmatensteig, Berlin.
Die Biotonne ist damit nicht länger ein stinkender, madenverseuchter Plastikkübel im Hinterhof, in den der Nachbar heimlich seinen Restmüll stopft. Sie ist jetzt ein geopolitischer Akteur, ein Bollwerk der Nachhaltigkeit und unser stiller Kämpfer gegen die Rohstoffabhängigkeit. Wer heute einen schimmeligen Apfelrest in die braune Tonne wirft, der heizt quasi im Alleingang Diktatoren weltweit ein.
Eigentlich fehlt an diesem Feiertag nur noch Frank-Walter Steinmeier, der mit feierlicher Miene und maßgeschneidertem Schutzanzug eine besonders prächtig faulende Biotonne in Berlin-Mitte einweiht und eine Rede über den Zusammenhalt in Zeiten der Gärung hält.
So sieht Fortschritt im 21. Jahrhundert aus: Die Stadt rettet das Klima, sensibilisiert die Bevölkerung, stärkt die Bodenfruchtbarkeit und befreit Deutschland heldenhaft von Rohstoffimporten.
Nur die Tonne im Hinterhof, die wird nächste Woche vielleicht abgeholt. Vielleicht – vielleicht auch nicht. Wenn der Fahrer aus dem Krankenstand zurück ist. Bis dahin atmen wir tief ein und riechen: den Duft der Weltrettung.

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In Wien und Linz hauen die Stadtwerke einen großen Teil des Biomülls in die Müllverbrennung, wenn es zuwenig anderes Brenngut gibt. Brennt angeblich ganz gut. Das Problem am Substrat aus der Biotonne ist, dass es zu salzhaltig ist, weil hier nicht nur Pflanzen-, sondern auch Essensabfall reinkommt. Und der ist nicht zu knapp gesalzen. Es muss mit normalem Kompost gemischt werden, sonst taugt es nichts.
„Heute erscheinen im Fernsehen blutrot eingefärbte Wetterkarten…“
Blutrot ist out, lila ist in. Zumindest auf Focus Online! Kann man da jeden Tag bestaunen…
Was ist denn eine Bio Tonne? Im fernen Ausland kennt man so einen Schwachsinn überhaupt nicht. Das ist etwas für kleinkarierte Grünenwähler in Deutschland deren intellektuelles Niveau sich auf der Stufe eines dreijährigen Kindes befindet.
Ein Glück habe ich einen Kompost in der Ecke meines Grundstücks. Das ist immer noch die sauberste Entsorgung des Biomülls.
„Man will den Beitrag der faulenden Masse für Bodenfruchtbarkeit, Ressourcenschutz, Klimaschutz sowie – und hier wird es global – die Unabhängigkeit von Rohstoffimporten hervorheben. So steht es zumindest geschrieben beim SpeiseGut e.V., Havelmatensteig, Berlin.“ Sind da irgendwelche Nationalsozialisten übrig geblieben? Das erinnert doch stark an Ideen aus vergangener Zeit mit etwas modernisiertem Wortschatz.
Ich finde die Biotonne gut. Ab 20 Grad habe ich die Fliegenmaden in Massen für die ich als Angler richtig Geld hinlegen müsste, wollte ich das im Angelladen, der 20 km entfernt ist kaufen. Die Würmer die ich brauche finde ich in meinem Komposthaufen.
Ansonsten verstoße ich aus Prinzip gegen die Trennung. Fehfelwürfe nennt man das. Ich nenne das Basisprotest.
Wenn etwas ekelig ist, dann die Biotonne. Ich nutze sie nicht und werde sie auch nie nutzen. Schon den Deckel anheben, bedeutet, Brechreiz zu bekommen. Bei uns wird zwar regelmäßig alles abgeholt, aber ich halte es für sehr unhygienisch. Mit Nachhaltigkeit hat das auch nichts zu tun. Ich habe einmal – sonst wüsste ich das alles gar nicht, die Biotonne genutzt und was war außerdem noch dort drinnen? Giftige Pflanzen aus Blumentöpfen. Auch irgendwie in Papier Eingepacktes stinkt, wenn man z.B. Fleisch- oder Knochenreste dort drinnen hat. Das geht natürlich auch durch das Papier. Und warum sollte man denn eine… Mehr
Das Problem der Biotonne ist die Verrottung unter Luftabschluß. Wir haben schon sehr lange einen Komposter, der nie stinkt. Im Sommer muß ich ihn gießen, damit da der Abbau weiterläuft, aber er liefert super Komposterde ohne Probleme. Er bekommt genug Luft, und dann klappt das. Die Biotonne muß ich natürlich weiter aufstellen und bezahlen.
Total dämlicher Artikel…sorry… Herr Douglas. Gut…man kann sich über solche Symboltage streiten…ich finde das auch doof…aber die Idee der Biotonne ist gut. Man muss sie eben richtig befüllen. Wenn jeder seine Essensreste einfach so reinkippt…ist es kein Wunder, dass es stinkt und die Maden sich dort wohlfühlen. Meine Biotonne ist mir wichtig…ich fülle da ziemlich viel Grünschnitt ein….der sonst im Restmüll landen würde (und in die kleine Tonne gar nicht reingehen würde)….den ganzen Sommer über. Dazu kommen auch Essensreste und Verdorbenes…..und zwar…ganz einfacher Trick ….in Zeitungspapier eingepackt…das ist erlaubt….damit bleiben die Maden weg und auch der Gestank. Bei mir in… Mehr
Wenn es alle machen würden, könnte man damit leben. Ich trenne meine Müll auch mehr oder weniger. Aber bei mir gegenüber ist steht Mietshaus mit sagen wir mal problematischen Bewohnern. Wissen Sie wie die die Tonnen füllen? Die fangen mit einer Tonne an, schmeißen alles(!) rein und wenn die voll ist, machen sie mit der nächsten weiter. Die Farbe ist egal. Da auch nichts klein oder platt gemacht wird, Pizza Kartons z.B., geht bei der letzten Tonne irgendwann der Deckel nicht mehr zu. Dann wird der Müll halt um die Tonnen herum verteilt. Seltsamerweise stört es weder den Vermieter noch… Mehr
Ich habe einen Komposter im Garten, muss jedoch auch neuerdings eine Biotonne nehmen. Nennt man glaube ich sozialistische Planerfüllung. Soll auch kontrolliert werden, von Schnüffelnasen des örtlichen Entsorgers. Und wehe es stinkt nicht richtig…