Aufruf zum Weiterbetrieb der Kernkraftwerke – Atomdebatte kommt in den Bundestag

19 Professoren fordern in der „Stuttgarter Erklärung“ eine Wende in der Energiepolitik. Nach einem merkwürdigen Verfahrenstrick, der sie verhindern sollte, kann die Petition jetzt unterschrieben werden. Die Initiatoren können Sie auf der TE-Tagung „Wie retten wir uns vor der Energiewende?“ in Dresden persönlich erleben.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Kernkraftwerk Isar, Block 2 in Essenbach bei Landshut, 17.08.2022
In der „Stuttgarter Erklärung“ vom 25. Juli 2022 forderten 19 erstunterzeichnende Professorinnen und Professoren deutscher Universitäten die Politik auf, den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke in Deutschland zu ermöglichen – nicht nur im sogenannten Streckbetrieb und mit zeitlicher Begrenzung. Zu den Initiatoren gehören Professor André Thess, Direktor des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung der Universität Stuttgart, Michael Beckmann, Professor für Energietechnik an der TU Dresden, Harald Schwarz, Professor für Energietechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, und etliche andere Wissenschaftler aus dem Gebiet der Elektro- und Speichertechnik. Die Erklärung ging aus der Tagung „20 Jahre Energiewende – Wissenschaftler ziehen Bilanz“ an der Universität Stuttgart hervor.

Zwei der Erstunterzeichner, Prof. Dr. André D. Thess, Universität Stuttgart, und Prof. Dr. Michael Beckmann, TU Dresden, können Sie übrigens auf der TE-Veranstaltung am 10. Oktober in Dresden persönlich erleben: 

Einzelne Personen hatten im Vorfeld versucht, Druck auf die Universität auszuüben, und verlangten, die Veranstaltung abzusagen. Über die Tagung gab es nur wenige Medienberichte; ein Medium verbreitete die Falschbehauptung, an der Konferenz hätten „Klimaleugner“ teilgenommen.

Seit dem 16. September kann der Text der „Stuttgarter Erklärung“ Erklärung als Petition auf der Seite des Bundestags unterzeichnet werden.

Fachtagung in Stuttgart
Bilanz nach 20 Jahren deutsche Energiewende: Die Lage ist kritisch
Schon in den ersten 48 Stunden sammelte sie mehr als 5000 Unterschriften. Allerdings sind 50.000 Unterschriften innerhalb von vier Wochen nötig, damit sich der Petitionsausschuss und damit das Parlament mit der Forderung befassen muss.

Der Ausschuss hatte zunächst versucht, die Petition mit einem merkwürdigen formalen Winkelzug abzuweisen: Er erklärte, zu dem Thema habe es schon eine andere Petition gegeben, die vom Ausschuss zur „Leitpetition“ in dieser Sache bestimmt worden sei, allerdings nicht die erforderliche Stimmenzahl bekommen habe. Dagegen legten die Initiatoren Einspruch ein – schließlich stellt sich sowohl der akute Strommangel als auch die öffentliche Debatte heute anders dar als in der Vergangenheit. Dem Einspruch gab der Ausschuss statt, der Einwand verzögerte die Petition allerdings um mehrere Wochen.

TE dokumentiert hier den Text der Erklärung:

„Mit einseitiger Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas wurde Deutschland in Energienot manövriert. Steigende Energiepreise und sinkende Versorgungssicherheit gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Das Festhalten am deutschen Atomausstieg verschärft diese Gefahren und bremst – zusammen mit anhaltender Kohleverstromung – den internationalen Klimaschutz. Der Weltklimarat IPCC bezeichnet die Kernenergie als ein Instrument des Klimaschutzes. Die Europäische Union ordnet Kernenergie als nachhaltige Energiequelle ein. Auf dieser Grundlage plädieren wir für den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke als dritte Klimaschutzsäule neben Sonne und Wind. Wir fordern die sofortige Aufhebung der Atomausstiegs-Paragraphen (insbesondere § 7 Atomgesetz) und eine Prüfung der sicherheitstechnischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

Erstunterzeichner:
Prof. Dr. André D. Thess , Universität Stuttgart
Prof. Dr. Harald Schwarz, BTU Cottbus-Senftenberg
Prof. Dr. Michael Beckmann, TU Dresden

Prof. Dr. Burak Atakan, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Alexander Dilger, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Francesca di Mare, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Kerstin Eckert, TU Dresden
Prof. Dr. Sabine Enders, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Martina Hentschel, TU Chemnitz
Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Antonio Hurtado, TU Dresden
Prof. Dr. Matthias Kind, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Marco Koch, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Andrea Luke, Universität Kassel
Prof. Dr. Frank R. Schilling, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Klaus Steigleder, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Robert Stieglitz, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Gerhard Wegner, Universität Erfurt
Prof. Dr. Thomas Wetzel, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)“


Wie retten wir uns vor der Energiewende?
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Kommentare ( 35 )

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Dr_Dolittle
8 Tage her

Eigentlich ist die Sache einfach: entweder man glaubt an CO2 – dann muß man Ja zur Kernkraft sagen oder man glaubt nicht an CO2, dann sind Kohle und Gas mit den entsprechenden Filteranlagen sehr gut. Wer beides nicht will betreibt die gezielte Deindustrialisierung unserer Zivilisation („zieht uns den Stecker“) und muß dafür eigentlich die Konsequenzen tragen.

Wilhelm Roepke
8 Tage her

Liebe Mitforisten,

so wird das nichts. Fordert unverzüglich alle einschlägigen YouTuber von Outdoor chiemgau über Herrn Jungnischke bis zu Marc Friedrich auf, zur Unterzeichnung aufzurufen. Jedes konservative Medium , jeder Blackoutkanal, die Bäckerinnung, usw. Ihr sollt nicht hier schreiben, dass Ihr wie ich die Petition unterzeichnet habt; Ihr sollt sagen, welche Multiplikatoren Ihr angeschrieben habt. Und zwar egal, wer, wie und wo. Beeilt Euch!

Th.F.Brommelcamp
8 Tage her

Meinen Sie nicht, dass der Wähler es erst lernt, wenn das Land an die Wand gefahren ist?
Wenn immer wieder irgendwer den gewollten Unsinn bereinigt, werden die Ideologen ihren Schwachsinn weiterhin den Angstdeutschen als Wahrheit verkaufen. 1918, 1945, 1989?

magistrat
8 Tage her

Ich werde das nicht mitunterzeichnen. Denn ich kann mit diesem Deutschland – wie der aktuelle Dummquatschminister zu sagen pflegt – nichts anfangen. Je schneller die Kiste gegen die Wand kracht, desto besser. Daher sind Versuche, den Laden irgendwie am Laufen zu halten, nichts als regierungstreue Selbstaufgabe. Sie helfen vor allem denen, die für die Misere verantwortlich sind und fördern deren Verbleib an den Fleischtöpfen. Damit habe ich abgeschlossen: ich werde keine Energie sparen, im Gegenteil, ich werde es richtig krachen lassen, damit Gas und Benzin noch ein wenig knapper werden!

J. Braun
8 Tage her

Ich werde so etwas nicht unterschreiben, denn wenn in absehbarer Zeit kein Zusammenbruch kommt, wird immer so weitergewurstelt werden: Geht doch alles gut!!! Ich bin gegen alles, was den längst fälligen Zusammenbruch noch weiter hinauszögern könnte, hoffe auf den Blackout und darauf, daß danach die dann noch übrige Bevölkerung endlich merkt, daß es so mit den Leuten und dem System nicht weiter gehen kann. Daß dann die Kanaillen von der CDU/CSU, der FDP und der SPD, die uns das primär eingebrockt haben, das gleiche Schicksal wie die Grünen ereilt, hoffe ich ebenfalls.

Albert Pflueger
8 Tage her

Warum kann man bei einer solchen Petition nicht auf die Bezugnahme zum Klimaschutz verzichten? Warum muß man gleichzeitig die Kohleverstromung in die Pfanne hauen? Warum will man Leute wie mich nicht als Unterzeichner, die aus Gründen der Energiesicherheit Kernkraftwerke befürworten, aber den Klimahype für Humbug halten und die Kohleverstromung zunächst ausgebaut wissen wollen?

Reinhard Peda
8 Tage her

-und schon unterschrieben, mit vollständiger Veröffentlichung meines Namens, hab keine Angst!

ramseshelge
8 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Danke für den Tipp, gerade ebenso gehandelt. Arbeite bei der DB AG und habe schon so manches Mal ne Diskussion gehabt von wegen Grüner Strom im Fernverkehr. Mut, Kollegen, entlarvt die Grünen Lügner.

Biskaborn
9 Tage her

Ich habe eben unterzeichnet, mit Vor- und Zunamen übrigens. Gleichzeitig bin ich mir bewusst das es zu keiner wirklich nennenswerten Anzahl Unterzeichner kommen wird und wenn doch, was ich natürlich hoffe, wird der Bundestag bzw. der entsprechende Ausschuss auch dieser Petition , da sie nicht dem herrschenden Narrativ entspricht , keine größere Beachtung schenken.

Dornier31
8 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Was wir brauchen, sind 100 000 Mann, die FUER das KKW Neckarwestheim demonstrieren. Alles friedlich und gesittet.

Und in jeder Stadt und Gemeinde brauchen wir Montagsdemos fuer Kernkraft, fuer deutsche Kohle, fuer deutsches Synthesegas, fuer Methan aus Braunkohle. Montagsdemos fuer Vernunft und bezahlbare Heizung !

Thomas
9 Tage her

Wenn die Wende von der Wende kommt und neue AKW gebaut werden, ist es notwendig die Genehmigungsverfahren auf ein zeitliches Minimum zu begrenzen.
Für alle notwendigen Infrastrukturinvestitionen, weil diese Verfahren und Gerichtsprozesse von den Grünen/Linken benutzt werden um alle Zukunftsprojekte zu torpedieren.

Last edited 9 Tage her by Thomas
Petrus55
9 Tage her
Antworten an  Thomas

Bis die Wende von der Wende kommt werden noch viele Jahre ins Land gehen.
Wir haben keine Firma mehr, die Kernkraftwerke konstruieren, planen und bauen kann.
Wir haben keine Fachleute mehr, die Kernkraftwerke betreiben können.
Wir haben keine Lehrstühle mehr, die diese Fachleute ausbilden.
Wir haben keine Institute mehr, an denen an Kerntechnik geforscht und weiterentwickelt wird.

Fazit: Wir haben fast nichts mehr, außer Moral und edler Gesinnung, davon aber eine ganze Menge.

Ellen
8 Tage her
Antworten an  Petrus55

mit schaudern denke ich daran als Siemens vor ca. 10 Jahren erklärte, aus der Kernenergie auszusteigen. Gleich habe ich gedacht das es falsch ist denn wie Sie oben beschrieben haben, verlieren wir einen riesigen Industriesektor damit. Dazu Wissen und Know How, Patente und Maschinenbau. Heute sind ja alle irgendwie in Pflegeberufe und Dienstleistung. Wer verdammt nochmal zieht uns so in den Abgrund ?

HPs
8 Tage her
Antworten an  Ellen

Siemens hatte schon damals mit der eigentlichen Kerntechnik schon lange nichts mehr zu tun.
Im Desasterprojekt OL3 (Olkiluoto/Finnland) hatte Siemens „nur“ den Auftrag für Conventional (Turbine) Island
https://www.nuclear-power.com/nuclear-power-plant/conventional-turbine-island/#:~:text=The%20nuclear%20island%20is%20the,is%20called%20the%20turbine%20generator.
Kurzzeitig (2009) wollte man den Konsortialpartner Areva mit Rosatom tauschen, doch daraus wurde nichts.
https://press.siemens.com/global/de/pressemitteilung/rosatom-und-siemens-unterzeichnen-memorandum-understanding-ueber-die-bildung-eines
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/atomenergie-siemens-sagt-allianz-mit-rosatom-ab-11230408.html
Über die Leittechnik scheint Siemens aber dennoch ein bißchen mit dabei zu sein.
Allerdings nur als Unterlieferant von Elektroblechschränken.
https://taz.de/Kooperation-mit-russischem-Staatskonzern/!5844909/
Mit dem kerntechnischen Know-How hat Siemens nichts mehr zu tun.
Siemens hat keine Ahnung was die dort in Paks treiben bzw. treiben werden.



Last edited 8 Tage her by HPs
Dornier31
8 Tage her
Antworten an  Petrus55

Der deutsche Ingenieur is so kraftvoll, wie er es schon seit mindestens 200 Jahren ist. Zur Zeit haben wir, politisch bedingt, noch die Samthandschuhe an. Wir koennen JEDERZEIT die Kerntechnik „wiederentwickeln“, am Besten mit Hilfe von Rolls-Royce, Areva und GE. Notfalls aber ganz alleine. Unser Problem sind die wohlstandsverwoehnten Trottel, die fuer NATO Maoismus stimmen, weil sie noch nie eine kalte Wohnung hatten. Das kann sich schon bald aendern. Dann bauen wir schnelle Brueter, Syngas-aus-Braunkohle-Generatoren, Synthesebenzinwerke, Uranminen im Schwarzwald. Die Wismut AG wird mit Kapital von der Bundesbank neu gegruendet. Das alles machen wir, sobald die Wohlstandsp4ss1s durch Kaelte und… Mehr

FZW
8 Tage her
Antworten an  Thomas

Es wird keine „Wende von der Wende“ geben. Welcher große Konzern sollte noch einmal Milliardenbeträge in ein Land investieren, das sich als derartig unzuverlässig erwiesen hat?

Ellen
9 Tage her

Soeben an Euch gespendet. Bitte weiter so. Zum Thema kann ich nur sagen das Deutschland alles in die Energieversorgung stecken muss ohne die schädliche Grüne Ideologie. Ich sehe die Energieversorgung als Grundbedürfnis und das gehört in staatliche Hände. Nicht privatisiert.
.

Thomas
9 Tage her
Antworten an  Ellen

Um eine Zukunft zu haben muss Deutschland die Grünen und ihre antideutsche, antizukunfts, Antiwohlstandsideologie abschütteln.
Billige Energie könnte in Hülle und Fülle vorhanden sein, so daß die Energiekosten weder für die Wirtschaft noch für die Privathaushalte einen Kostenfaktor darstellen würden.
Raus aus allen internationalen Klimaabkommen!
Nationale Souveränität und soweit möglich Autarkie in Energiefragen.
Jede Abhängigkeit ist schlecht, nicht nur die von Russland.
Umweltschutz ja, aber mit Sinn und Verstand. Mit High Tec und nicht mit zurück ins Mittelalter.
Und endlich aufhören Deutschland mit Menschen, die immer mehr Energie verbrauchen, Fläche verbrauchen, Ressourcen verbrauchen, zu fluten.

Last edited 9 Tage her by Thomas
Dornier31
8 Tage her
Antworten an  Thomas

Unser Uran, Braunkohle, Steinkohle und unser Methan koennte uns zu 100% autark machen.

Der Strassenverkehr koennte elektrifiziert werden, fuer den restlichen Bedarf wuerde man aus Kohle Benzin und Diesel synthetisieren. Auch Methan kann man kostenguenstig aus Kohle herstellen.

Dazu muessen die Deutschen aber erst die Deutschlandhasser in Berlin aus den Ministerien verjagen.

Last edited 8 Tage her by Dornier31