Stuttgarter Erklärung: Professoren fordern Weiterbetrieb der Kernkraftwerke

20 Professoren an deutschen Hochschulen fordern eine Korrektur der Energiewende. In ihrer „Stuttgarter Erklärung“ rufen sie dazu auf, den Atomausstieg rückgängig zu machen, und plädieren für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke „als dritte Klimaschutzsäule“ neben Sonne und Wind.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Das Atomkraftwerk Isar 2 ist eines der drei letzten aktiven Kernkraftwerke in Deutschland
»Wir fordern die sofortige Aufhebung des Atomausstiegsparagrafen und eine Prüfung der sicherheitstechnischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen.«

Diese »Stuttgarter Erklärung« wurde auf der Fachtagung »20 Jahre Energiewende – Wissenschaftler ziehen Bilanz« aufgestellt. Anfang Juli überprüften Wissenschaftler unter vielfältigen Kriterien Anspruch und Ergebnisse der Energiewende. TE berichtete ausführlich darüber.

Deutschland habe sich mit seiner einseitigen Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas in eine Energienot manövriert. »Steigende Energiepreise und sinkende Versorgungssicherheit gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand«, so die Professoren in ihrer Erklärung. »Das Festhalten am deutschen Atomausstieg verschärft diese Gefahren und bremst – zusammen mit anhaltender Kohleverstromung – den internationalen Klimaschutz.«

Sie verweisen auf den Weltklimarat IPCC, der die Kernenergie ausdrücklich als ein Instrument des Klimaschutzes bezeichnet. Ebenso ordnet die europäische Union die Kernenergie als ein Instrument des Klimaschutzes ein. Kernkraftwerke stoßen während des Betriebes kein CO2 aus, das als klimaschädlich angesehen wird.

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Über den Klimaleugnungsverdacht, die Narrativbastelstube des Tagesspiegel, die Realität – und die Zukunft der Medien
Jetzt kommt auch heraus, dass auch jene drei Kernkraftwerke, die Ende vergangenen Jahres abgeschaltet wurden, weiterbetrieben werden können. Dies sagte der Geschäftsführer des TÜV-Verbandes, Joachim Bühler gegenüber Bild. Die Reaktoren seien sicherheitstechnisch dazu in der Lage, weiterbetrieben zu werden. Zwar seien einige Prüfungen und Sicherheitschecks durchzuführen, so Bühler, doch ein Weiterbetrieb sei allein eine Frage des politischen Willens. Die Anlagen zählten zu den sichersten und besten Kraftwerken, die es weltweit gebe.

Mit den Kernkraftwerken, die jetzt Ende dieses Jahres abgeschaltet werden sollen, könnten insgesamt noch sechs Reaktoren weiterhin Strom produzieren – preiswert und rund um die Uhr verfügbar, auch wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Dies könnte die dramatische Energiekrise entscheidend entspannen.


Anbei die Erklärung dokumentiert:

Die Stuttgarter Erklärung wurde am 26. Juli 2022 beim Petitionsausschuss des Bundestages eingereicht und unter der Nummer 136760 registriert. Die Antragsteller haben bei der Einreichung eine Veröffentlichung beantragt, die im Laufe von drei Wochen geprüft wird. Nach Veröffentlichung kann die Petition vier Wochen lang mitgezeichnet werden. Bei Erreichen von 50.000 Unterzeichnungen werden die Petenten in öffentlicher Ausschusssitzung gehört.

Stuttgarter Erklärung

Mit einseitiger Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas wurde Deutschland in Energienot manövriert. Steigende Energiepreise und sinkende Versorgungssicherheit gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Das Festhalten am deutschen Atomausstieg verschärft diese Gefahren und bremst – zusammen mit anhaltender Kohleverstromung – den internationalen Klimaschutz. Der Weltklimarat IPCC bezeichnet die Kernenergie als ein Instrument des Klimaschutzes. Die Europäische Union ordnet Kernenergie als nachhaltige Energiequelle ein. Auf dieser Grundlage plädieren wir für den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke als dritte Klimaschutzsäule neben Sonne und Wind. Wir fordern die sofortige Aufhebung der Atomausstiegs-Paragraphen (insbesondere §7 Atomgesetz) und eine Prüfung der sicherheits- technischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

Prof. Dr. André D. Thess, Universität Stuttgart
Prof. Dr. Harald Schwarz, BTU Cottbus-Senftenberg
Prof. Dr. Michael Beckmann, TU Dresden

Prof. Dr. Burak Atakan, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Alexander Dilger, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Francesca di Mare, Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Kerstin Eckert, TU Dresden
Prof. Dr. Sabine Enders, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Martina Hentschel, TU Chemnitz

Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Antonio Hurtado, TU Dresden

Prof. Dr. Matthias Kind, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Marco Koch, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Andrea Luke, Universität Kassel
Prof. Dr. Axel Meyer, Universität Konstanz
Prof. Dr. Frank R. Schilling, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Klaus Steigleder, Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Robert Stieglitz, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Prof. Dr. Gerhard Wegner, Universität Erfurt

Prof. Dr. Thomas Wetzel, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

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Kommentare ( 73 )

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chez Fonfon
9 Tage her

Bei Spiegel online wurde doch sofort nachlegt, zwei Journalistinnen- eine Humanbiologin und eine Politik“wissenschafterin“ – waren total empört über diese Erklärung und haben einen beleidigten Artikel verfasst, was einigen Wissenschaftlern eigentlich einfiele, ewig gestrige Nazi-AtomEnergie zu fordern. Die beiden wackeren Damen griffen reflexartig in die rechte Kiste, knöpften sich die Unterzeichner gleich mal einzeln und namentlich vor und klopften sie auf Kontaktschuld ab, wer mal wo mit wem was gegessen, etwas gelikt, einen Artikel verfasst oder einen Schäferhund gestreichelt hat. Die ganze perfide Tour halt, die Ideologen auffahren, wenn ihnen etwas nicht passt und sie die Verfasser auf ewig diskreditieren… Mehr

AgentOrange
10 Tage her

Nicht umsonst haben die Grünen in ihrem Machtbereich sofort die Kühltürme in die Luft gesprengt.
Man kann es m.E. auch Vernichtung von Volkseigentum nennen

elly
10 Tage her

ZON: Katrin Göring-Eckardt„Wer jetzt über Atomkraft diskutiert, will den Grünen eins reinwürgen“Die Bundestagsvizepräsidentin spricht mit Blick auf eine mögliche AKW-Laufzeitverlängerung von einer Scheindebatte. Es gehe nur darum, ihrer Partei zu schaden.“
focus „Soll Fachleute bewusst ignorierenExperte erhebt schweren Atom-Vorwurf gegen Grünen-Ministerin Lemke. Umweltministerin Steffi Lemke sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber. Ein Atomexperte wirft der Grünen-Politikerin vor, seine Atom-Expertise nicht anzuhören.“
Parteitaktik und Ideologie über alles.

GP
10 Tage her

Was die Kernkraftdiskussion anging hatte die grüne Mafia das Gesetz des Schweigens in Deutschland etabliert. Wenigstens das ist gebrochen, die grün lackierte Journaille in den Leitmedien und die Phalanx der grünen Parteien können die Diskussion nicht mehr unterbinden. Die drohende Energiekrise ist wirkmächtiger als die grüne Moralkeule mit der jede Diskussion über Nutzen und Risiken der Kernkraft schon im Ansatz erschlagen wurde. Hoffentlich besinnt man sich und die Kernkraft ist doch nicht tot in Deutschland. Wäre zu wünschen…

Postmeister
10 Tage her

Die Grüne Khmer verschleppt das Thema absichtlich, weil sie hoffen das irgendwann ein „Point of no return“ erreicht wird und sie dann sagen können: Es geht technisch nicht mehr. Aber ich kann nur eins sagen: Wenn wir im Winter die ersten Brownouts oder gar einen Blackout bekommen, dann „Gnade ihnen Gott“. Die Menschen werden wissen, wer dafür verantwortlich ist. Und wenn esdem Volk an den Kragen geht, wird es nicht bei friedlichen Demonsttrationen bleiben. Frau Bärbock hat da vielleicht eine Vorahnung.

Judith Panther
10 Tage her

Die hören doch schon lange nicht mehr auf die Wissenschaft. Die folgen nur noch denen, die mit schrillen „FOLGT DER WISSENSCHAFT!“ – Rufen mutig auf jeden Abgrund zulaufen und sich nicht entscheiden können, ob sie in 20 Jahren aufgrund des Klimawandels lieber verglühen oder aufgrund des Klimawahns im nächsten Winter lieber erfrieren wollen.

NochNicht2022
10 Tage her

Gott sei Dank: Wir haben doch noch Intelligenz im Lande.

kasimir
10 Tage her
Antworten an  NochNicht2022

Natürlich haben wir die. Hervorragende Wissenschaftler in allen Bereichen. Nur dürfen diese offiziell nicht mehr zu Wort kommen, wenn sie nicht die Meinung der Grünen vertreten.
Und wenn der Wahnsinn weiter in Deutschland immer neuere Blüten treibt, werden wohl viele dieser Forscher und Ingenieure sich eine Tätigkeit im Ausland suchen…

Lizzard04
10 Tage her

Weiß jemand, ob die Staatspropaganda-Medien (ARD, ZDF, etc.) ebenfalls darüber berichtet haben? Wäre ja mal spannend! Aber vermutlich kenne ich die Antwort auch so, und alles ausser einem klaren Nein käme einem Wunder gleich!

Ralf Poehling
11 Tage her

Einen ganz großen Dank an die Unterzeichner.
In der Wissenschaft herrscht Vernunft. Allerdings wird diese Vernunft bisweilen durch externe Kräfte unterdrückt und die Wissenschaftsfreiheit so illegalerweise durch die Hintertür in ein Gefängnis verwandelt. Ich werte diese Erklärung als einen Ausbruchsversuch aus diesem illegalen Gefängnis.
In dem Zusammenhang an all meine Kollegen und Kolleginnen aus dem Sicherheitsapparat die dringende Bitte, den Unterzeichnern den nötigen Schutz zukommen zu lassen. Das ist nicht nur ein vages Bauchgefühl, sondern hat handfeste Gründe.

brummibaer_hh
11 Tage her

Lustig. Die 20 Wissenschaftler verweisen in ihrer Begründung auf den Weltklimarat, der Atomkraft zur Verringerung des CO2-Ausstoßes empfiehlt. Merke: Der Weltklimarat geht davon aus, dass menschengemachtes CO2 den Klimawandel verstörkt. Nun gibt es ganz viele Kommentare hier, die die Wissenschaftler und ihr Denken loben und die Regierung mal wieder für ihr ausbleibendes Umdenken tadeln. Dieselben Kommentatoren, die oft genug bei anderen Artikeln betonen, der Mensch und seine Industrien würden doch gar nicht zum Klimawandel beitragen. Dann fiele das Hauptargument der Wissenschaftler aber auch aus, dass man mit der Atomkraft einen unnötigen CO2-Ausstoß verhindern könne. Sie sollten sich also bitte entscheiden,… Mehr

Silverager
10 Tage her
Antworten an  brummibaer_hh

Auch wenn der Weltklimarat von der Gefährlichkeit des CO2 überzeugt ist und aus diesem Grund AKWs empfiehlt, heißt das ja nicht automatisch, dass AKWs schlecht sind. Die AKWs liefern halt zuverlässig Strom, und allein das ist ein Wert an sich. Die 20 Wissenschaftler haben Recht, unabhängig von ihrer Meinung zum CO2.

Dieterfc
10 Tage her
Antworten an  brummibaer_hh

Die Wissenschaft in Deutschland ist gekauft und fast 100% staatlich beauftragt und bezahlt. Das hier Wissenschaftler aus diesem Mainstream ausbrechen verdient respekt, handeln sie doch gegen den Willen der aktuellen politischen Kräfte.

Mohrenkopf
10 Tage her
Antworten an  brummibaer_hh

„ die oft genug bei anderen Artikeln betonen, der Mensch und seine Industrien würden doch gar nicht zum Klimawandel beitragen“

Diesen Unsinn liest man hier schon lange nicht mehr. Es geht immer darum wie man mit dem Klimawandel der ohne Zweifel durch den Menschen verstärkt wird umgeht.

Markus Machnet
10 Tage her
Antworten an  Mohrenkopf

Verstärkt wird ja, aber nicht durch 30-50 Moleküle CO2 mehr auf 1 Million in der Luft. Dazu sei daran erinnert, daß CO2 ein sog. Temperaturfolgegas ist. D.h. zuerst steigt die Temperatur dann der Anteil CO2, weil Flüssigkeit bei niedrigen Temperaturen mehr Gas allgemein aufnehmen kann. Dazu öffne man eine Flasche mit Kohlensäure, die 1 Stunde in der Sonne gestanden hat. Zudem benötigen Pflanzen CO2 um lebensfähig zu sein und produzieren quasi als „Abfall“ Sauerstoff, der jetzt auch nicht ganz unbedeutend ist. Mehr CO2 bedeutet erst einmal mehr Pflanzenwachstum. Wetterveränderungen – und in der Folge Klimaveränderungen – werden vom Menschen durch… Mehr