In Berlin wird es ein Volksbegehren zur Enteignung privater Immobilienvermieter geben. Ziel ist die Enteignung aller privaten Immobilienbesitzer, die in der deutschen Hauptstadt mehr als 3000 Wohnungen besitzen.
ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images
In Berlin wären von der Enteignung etwa ein Dutzend Unternehmen mit rund 240.000 Wohnungen betroffen. Das größte dieser Unternehmen ist die börsennotierte Immobiliengesellschaft „Deutsche Wohnen“, die in Berlin etwa 112.000 Wohnungen besitzt. Zum Teil handelt es sich um ehemalige Bestände der städtischen Gesellschaft GSW, die im Jahr 2004 an private Investoren verkauft wurden.
Die Berliner Enteignungs-Initiative stützt sich auf den Artikel 15 des Grundgesetzes, nach dem „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel“ in „Gemeineigentum“ überführt, also verstaatlicht werden können. Dieser Artikel wurde bislang jedoch in der Praxis in Deutschland noch nie angewendet.
Entschädigung deutlich unter Verkehrswert
Doch auch bei einem Erfolg des Volksbegehrens würde es nicht automatisch zu einer solchen Enteignung kommen. In Berlin hatte es beispielsweise einen Volksentscheid gegeben, wonach der Flughafen Tegel auch nach der (immer wieder verschobenen) Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens weiter geöffnet bleiben solle, aber die Berliner Regierung hat das Ergebnis dieses Volksentscheides ignoriert und nicht in ein Gesetz umgesetzt.
Erfahrungen in der DDR
Die für den Wohnungsbau in Berlin zuständige Senatorin Katrin Lompscher gehört der Partei „Die Linke“ an. Investoren werden von ihr wie Feinde behandelt. Nach ihrem Amtsantritt machte die Senatorin Andrej Holm, einen ehemaligen Mitarbeiter der Stasi, zu ihrem Staatssekretär. Er hatte die Wohnungspolitik von Venezuela als vorbildlich für Deutschland gelobt. Da er seine Mitarbeit bei der Stasi verschwiegen hatte, musste er zwar zurücktreten, berät die Regierung jedoch weiterhin.
Jungsozialisten fordern Enteignung ab 20 Wohnungen
Die Stimmung in Berlin ist explosiv: Bekannte Vorstände von Immobilienunternehmer können sich nur noch mit Personenschutz bewegen, da sie von der linksextremen autonomen Szene bedroht werden. Mehrfach wurden Autos – zum Beispiel der Gesellschaft „Deutsche Wohnen“, die enteignet werden soll – von linksextremen Gruppen in Brand gesetzt.
Gründe für die Wohnungsnot
Leider hat auch die Immobilienwirtschaft versagt: Sie hat es nicht vermocht, der Bevölkerung zu erklären, dass die eigentlich Schuldigen an den seit Jahren steigenden Mieten die Politiker sind. Denn die Mieten steigen deshalb, weil zu wenig preiswerte Wohnungen gebaut werden. Das liegt vor allem an zwei Gründen: Erstens sind die Genehmigungsverfahren viel zu lang. Nicht selten vergehen vom Kauf eines Grundstückes bis zur Fertigstellung einer Wohnung zehn Jahre. Die reine Bauzeit beträgt dabei zwei Jahre, die restlichen acht Jahre müssen sich Bauträger mit Behörden und Politik herumärgern. Zudem hat die Politik das Bauen in den letzten Jahren immer mehr verteuert, vor allem durch immer neue Öko-Vorschriften wie die „Energieeinsparverordnungen“. Gerade in Berlin kann man beobachten, wie linke Politiker das Bauen verhindern: Seit dem Amtantritt der Bausenatorin Lompscher von der „Linken“ hat sich die Zahl der Bebauungspläne, die in der Regel Grundlage für die Errichtung von neuen Wohnungen ist, halbiert! Und die Zahl der Baugenehmigungen in Berlin ist rückläufig. Da jedoch immer mehr Menschen nach Berlin ziehen, ist es logisch, dass Mieten und Preise steigen: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Das Problem könnte nur durch massiven Neubau von preiswerten Wohnungen gelindert werden. Durch die geforderte Enteignung wird jedoch keine einzige neue Wohnung geschaffen.

Sebastian Czaja, FDP-Fraktionsvorsitzender in Berlin als einsamer Gegendemonstrant.




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