Töten Islamisten noch immer mit Hitlers Waffen?

Die Fotos zeigen eindeutig das Hakenkreuz auf dem Maschinengewehr MG 34 und auf einem Sturmgewehr, beide Waffen müssen älter als 81 Jahre sein: Die noch immer funktionierenden Kriegswaffen haben israelischen Einheiten nun bei der Hisbollah entdeckt.

Adolf Hitler im Gespräch mit Haj Mohammed Effendi Amin el-Husseini, dem palästinensisch-arabischen Muslim-Führer. IMAGO / UIG
Adolf Hitler im Gespräch mit Haj Mohammed Effendi Amin el-Husseini, dem palästinensisch-arabischen Muslim-Führer.

Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs tauchen deutsche Waffen aus der Zeit des Nationalsozialismus im Nahen Osten wieder auf: Israelische Soldaten haben bei Einsätzen gegen die vom Iran unterstützte Terrororganisation Hisbollah im Libanon historische Kriegswaffen entdeckt – auf einem Maschinengewehr sind sogar noch der Reichsadler und das Hakenkreuz zu erkennen. Der Fund wirft Fragen über die Herkunft der Waffen auf und erinnert an die historischen Verbindungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und radikalen antisemitischen Kräften im Nahen Osten.

Unter den sichergestellten Waffen befindet sich ein deutsches Maschinengewehr des Typs MG 34, schreibt Benjamin Weinthal ins einem Bericht für den Merkur: Die Waffe wurde ab 1934 entwickelt und gehörte im Zweiten Weltkrieg zur Standardausrüstung der Wehrmacht. Besonders bemerkenswert: Auf dem Gehäuse sollen noch die ursprünglichen deutschen Abnahmestempel mit Reichsadler und Hakenkreuz sichtbar sein.

Dazu entdeckten israelische Einheiten eine MP 44, einen Vorläufer moderner Sturmgewehre. Die auch als StG 44 bekannte Waffe wurde während des Zweiten Weltkriegs für die Wehrmacht entwickelt und ab 1943 produziert.

Beide Waffen stammen damit aus einer Zeit, die mehr als acht Jahrzehnte zurückliegt. Ob sie bei ihrer Entdeckung noch einsatzfähig waren, ist allerdings nicht unabhängig bestätigt.

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Der israelische Militärexperte Oberstleutnant a. D. Idan Sharon-Kettler hält es für möglich, dass die Hisbollah die historischen Waffen nicht ausschließlich aus militärischen Gründen aufbewahrte. Insbesondere die erhaltenen NS-Kennzeichnungen könnten auf einen ideologischen Hintergrund hindeuten. Sharon-Kettler vermutet, die Waffen könnten „als Propaganda oder zur Moralstärkung“ gedient haben. Allerdings lässt sich aus den Hakenkreuz-Stempeln allein nicht ableiten, weshalb die Waffen tatsächlich im Besitz der Hisbollah waren. Solche Kennzeichnungen gehörten zur regulären militärischen Abnahme deutscher Waffen während der NS-Zeit.

Waffentransporte in den Nahen Osten

Historische deutsche Waffen gelangten nach 1945 in großer Zahl in verschiedene Staaten des Nahen Ostens. Besonders Syrien erhielt Waffen aus ehemaligen deutschen Beständen. Auch in späteren regionalen Konflikten wurden solche Waffen verwendet.

Für Yigal Carmon, Präsident und Mitbegründer des Middle East Media Research Institute (MEMRI), besitzen die Funde dennoch eine besondere historische Bedeutung. Carmon verweist auf die Zusammenarbeit zwischen dem NS-Regime und arabischen Nationalisten während des Zweiten Weltkriegs. Eine zentrale Rolle spielte dabei Mohammed Amin al-Husseini, der frühere Großmufti von Jerusalem. Al-Husseini lebte ab 1941 in Deutschland, unterstützte das NS-Regime und traf im November desselben Jahres Adolf Hitler persönlich.

Von Berlin aus verbreitete er über deutsche Rundfunksender antisemitische Propaganda in arabischer Sprache. Seine Botschaften richteten sich gegen Juden, gegen Großbritannien und die zionistische Bewegung. Der Großmufti unterstützte zudem die Rekrutierung muslimischer Freiwilliger für militärische Verbände der Waffen-SS.

Die Zusammenarbeit zwischen Nationalsozialisten und arabischen Antisemiten ist historisch umfassend dokumentiert. Sie bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche späteren islamistischen Bewegungen organisatorisch aus diesen damaligen Netzwerken hervorgingen, schreibt Benjamin Weinthal.

Deutsche Waffen für den Kampf gegen die Briten im Irak

Auch der deutsche Diplomat Rudolf Rahn spielte während des Zweiten Weltkriegs eine Rolle bei den Versuchen Berlins, antibritische Kräfte im Nahen Osten zu unterstützen. 1941 war Rahn an deutschen Aktivitäten in Syrien beteiligt. Das NS-Regime versuchte damals, den Aufstand des irakischen Politikers Raschid Ali al-Gailani gegen den britischen Einfluss zu fördern.

Deutschland stellte dafür militärische Unterstützung bereit und nutzte zeitweise syrische Flugplätze. Ob die nun im Libanon entdeckten Waffen aus damaligen Lieferungen stammen, ist unbekannt. Ein solcher Zusammenhang lässt sich ohne eine Untersuchung ihrer Seriennummern und ihres späteren Verbleibs nicht belegen.

Die Hisbollah selbst wurde 1982 während des libanesischen Bürgerkriegs mit Unterstützung des Iran aufgebaut. Ihre Ideologie verbindet schiitischen Islamismus, die politische Orientierung an Teheran und eine radikale Feindschaft gegenüber Israel. Die Organisation wird unter anderem von Israel, Deutschland und den USA als Terrororganisation eingestuft.

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