Nur drei Tage nach seiner Krebs-Operation ließ sich Papst Leo XIV. mit dem russischen Präsidenten verbinden: Der 71-jährige Pontifex bat dabei in „tiefer Besorgnis“ über die ernste humanitäre Lage in der Frontstadt Oleschky um einen Waffenstillstand.
picture alliance / Vatican Media via AP
Während die EU-Spitze weiterhin direkte Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin ablehnt, versuchte nun – nach Donald Trump – auch der Papst eine Wiederherstellung einer funktionierenden Gesprächsbasis mit dem Kreml: Laut vatikannews.va rief Leo XIV. noch von seinem Bett im Gemelli-Krankenhaus in Moskau an.
In dem Telefonat am Freitag rief der Pontifex zu einem Waffenstillstand auf, um die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischer Hilfe nach Oleschky sowie die sichere Evakuierung der Frontstadt zu ermöglichen. Abschließend bekräftigte er das Engagement des Heiligen Stuhls für Dialog und Frieden. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bestätigte, dass die Initiative vom Papst selbst ausging: „Es war der Heilige Vater, der die Initiative ergriffen hat, um sich für diese belagerte Stadt einzusetzen, in der sich etwa 2.000 Zivilisten befinden, die einen Ausweg aus ihrer Lage benötigen – einen humanitären Ausweg.“ Der Papst habe eine Feuerpause erbeten, damit Hilfe, insbesondere Lebensmittel, ankommen und jene die Stadt verlassen können, die das wünschen.
Oleschky in der Region Cherson steht seit Beginn der russischen Invasion unter Kontrolle Moskaus. Nach Angaben der UN-Menschenrechtsmission leben dort noch 1.700 Menschen, darunter etwa 47 Kinder. Seit Mai sind keine regelmäßigen Lebensmitteltransporte mehr angekommen, nachdem Versuche, die Stadt zu betreten oder zu verlassen, durch Minen und Drohnenangriffe tödlich endeten. Bewohner berichten von einem dramatischen Mangel an Nahrung, Medikamenten, Strom, Gas und fließendem Wasser. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Volker Türk hatte die Lage als „verzweifelt“ bezeichnet und Russland aufgefordert, Evakuierungen zu ermöglichen. Beide Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig, Hilfslieferungen zu blockieren.
Putin wünschte baldige Genesung
Der Kreml bestätigte das Gespräch und teilte mit, Wladimir Putin habe dem Papst eine rasche Genesung gewünscht. Er habe eine „ausführliche Erklärung“ zur Verantwortung der ukrainischen Führung für die humanitäre Situation in Oleschky gegeben und gleichzeitig die Absicht des Vatikans unterstützt, Bedingungen für die Sicherheit der Bevölkerung und die Lieferung lebenswichtiger Güter zu schaffen. Man sei zu einer Zusammenarbeit in dieser Frage bereit. Eine explizite Zustimmung zu einer Feuerpause erwähnte die russische Seite nicht.
Die Operation am Dienstag hatte etwa 90 Minuten gedauert: Ärzte entfernten den unteren Lappen des rechten Lungenflügels, nachdem ein Knoten als Adenokarzinom – die häufigste Form von Lungenkrebs – bestätigt worden war. Medizinische Bulletins sprechen von einem „kontinuierlichen Fortschritt“ und einer „guten Erholung der operierten Lunge“. Der Papst könne seine normalen täglichen Aktivitäten weitgehend selbstständig ausführen. Ein Aufenthalt von etwa einer Woche im Krankenhaus war angekündigt worden; am Sonntag soll Leo XIV. erstmals wieder öffentlich das traditionelle Mittagsgebet leiten.



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