Harte Vorwürfe aus Kiew gegen X-Eigentümer und Tesla-Multimillardär Elon Musk: Sein Unternehmen SpaceX hätte ohne jede Vorankündigung die Nutzung des militärischen StarShield-Pakets von Starlink für die ukrainischen Streitkräfte eingeschränkt.
IMAGO / ZUMA Press
Nach den deutlichen Warnungen von Donald Trump an die Ukraine, keine russischen Raffinerie-Anlagen mehr anzugreifen, folgt nun offenbar die Sanktion für die Ignoranz der Wünsche des US-Präsidenten: Starlink-Terminals verlieren die Verbindung, sobald sie sich schneller als etwa 160 Kilometer pro Stunde bewegen. Mehrere wichtige Missionen wurden dadurch unterbrochen oder abgebrochen. Das bestätigen der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj für technologische Verteidigungsthemen, Serhij Beskrestnow (Rufname „Flash“), der Aktivist und frühere Berater im Verteidigungsministerium Serhij Sternenko sowie Einheiten an der Front und Quellen im ukrainischen Verteidigungsministerium.
Beskrestnow schrieb am Donnerstagmorgen auf Social-Media-Kanälen, er könne bestätigen, dass SpaceX nun eine Geschwindigkeitsbegrenzung für bewegte Terminals eingeführt habe. Sie gelte derzeit für das „militärische Paket“ von StarShield. „Unsere Streitkräfte haben keinerlei Vorwarnung über diese Einschränkung erhalten, und das hat zum Abbruch einer Reihe von Missionen geführt. Offensichtlich kann diese Maßnahme kein Zufall sein und steht im Zusammenhang mit der aktuellen politischen Lage“, erklärte er. Sternenko hatte die Probleme bereits zuvor gemeldet und vermutet, SpaceX habe auf Bitten der Trump-Regierung gehandelt – ohne dafür Belege vorzulegen. Gewöhnliche, nicht-militärische Terminals funktionierten nach seinen Angaben weiter.
Drohnen-Steuerung behindert
Besonders betroffen sind die ukrainischen Drohnen, die Starlink für Steuerung, Bildübertragung und Datenverbindung nutzen. Das 7. Air Assault Corps, das an der südöstlichen Front unter anderem im Abschnitt Huliaipole eingesetzt ist, bestätigte gegenüber Reuters und in eigenen Mitteilungen Störungen. Während Flügen konnten Verbindungen schon bei 110 bis 120 km/h für 10 bis 20 Sekunden abbrechen. Die Drohnen flogen weiter, doch die Steuerung wurde erheblich erschwert. Eine Drohneneinheit im Verantwortungsbereich des Korps musste deshalb mehrere Missionen absagen. Quellen im Verteidigungsministerium erklärten gegenüber ukrainischen Medien wie Kyiv Independent, dass Logistik, UAV-Operationen und sogenannte Middle-Strike-Einsätze – präzise Drohnenangriffe auf russische Logistik und Infrastruktur in besetzten Gebieten – deutlich erschwert würden. Diese Middle-Strike-Kampagne hat, laut dem Kyiv Independent, die russische Nachschublinie in diesem Jahr spürbar unter Druck gesetzt.
Selenskyj kritisierte Diesel-Deal Trumps
Diese klare Behinderung der ukrainischen Verteidigung fällt in eine Phase massiver Spannungen zwischen Washington und Kiew: So forderte US-Präsident Donald Trump nach Kritik Selenskyjs an einem Deal mit Wladimir Putin über russische Diesellieferungen die Wahl eines neuen ukrainischen Präsidenten. Trump warf Selenskyj vor, Möglichkeiten für einen Friedensschluss ungenutzt zu lassen und mit Angriffen auf russische Raffinerien die weltweite Dieselknappheit zu verschärfen. Washington will mit dem Diesel-Deal das Angebot erhöhen und die Preise senken; Selenskyj nannte dies ein Zeichen der Schwäche, das Moskau zusätzliche Einnahmen verschaffe.
Elon Musk kommentierte einen Videoausschnitt des Weißen Hauses auf X mit den Worten, Selenskyj sei „zu weit gegangen“. Gleichzeitig gab es Berichte, dass die USA in den Nächten zuvor keine oder nur verzögerte Frühwarnungen vor russischen ballistischen Raketenangriffen weitergegeben hätten, obwohl der Austausch von Geheimdienstinformationen nach Angaben von Außenminister Andrij Sybiha grundsätzlich weiterläuft. SpaceX und das Weiße Haus äußerten sich zunächst nicht zu den technischen Einschränkungen.
Fünf Todesopfer bei Luftangriff
Der jüngste kombinierte russische Luftangriff auf Kiew hat nach den aktuellsten Angaben der Exekutive fünf Todesopfer und 36 Verletzte gefordert. Die meisten Opfer gab es im Bezirk Desnjanskyj (Desnianskyi), wo ein Mehrfamilienhaus getroffen wurde: Dort starben drei Frauen im Alter von 35, 58 und 84 Jahren; 25 Personen wurden verletzt, darunter ein Kleinkind sowie ein 8-jähriges Mädchen. Im Stadtteil Holossijiwskyj (Holosiivskyi) kamen zwei weitere Menschen ums Leben.


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