Für nicht wenige Menschen ist die Verleihung des Friedensnobelpreises 2026 für die südafrikanische Juristin Navi Pillay (85) irritierend: So gratulierte auch die islamistische Terrororganisation Hamas Pillay. Auch Israels Regierung ist empört.
IMAGO / AAP
Die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees ist ein politisches Signal. Ein Zeichen, das auch bei vielen Menschen weltweit für Kopfschütteln sorgt: Am Freitag wurde bekannt gegeben, dass die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Navanethem „Navi“ Pillay den Friedensnobelpreis 2026 erhält. Begründet wurde die Auszeichnung mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte, für Frieden und für die Durchsetzung des internationalen Rechts.
Doch eine Position der neuen Nobelpreisträgerin sorgt nun für besonders scharfe Kritik: ihr langjähriger Kurs gegenüber Israel. Von 2021 bis 2025 leitete sie eine Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats zu Israel und den palästinensischen Gebieten. Diese Kommission kam 2025 zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Die israelische Regierung weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Pillay wird vorgeworfen, bereits vor ihrer Ernennung zur Vorsitzenden der Kommission politisch festgelegt gewesen zu sein.
So verweist UN Watch darauf, dass die Juristin im Juni 2020 einen Aufruf zu Sanktionen gegen Israel unterzeichnet hatte. Ein Jahr später habe sie US-Präsident Joe Biden aufgefordert, Israel wegen des damaligen Gaza-Krieges zur Verantwortung zu ziehen. Für Hillel Neuer, den Executive Director von UN Watch, wirft das erhebliche Zweifel an ihrer Unparteilichkeit auf. Seine zentrale Kritik: Wer bereits vor Beginn einer Untersuchung öffentlich Sanktionen gegen den untersuchten Staat fordert, müsse sich fragen lassen, ob er die notwendige Distanz für eine unabhängige Beurteilung besitzt.
Besonders problematisch findet UN Watch außerdem Pillays Umgang mit ihrem damaligen Kommissionskollegen Miloon Kothari. Dieser hatte 2022 mit Äußerungen über eine angebliche „jüdische Lobby“ internationale Empörung ausgelöst. Pillay wurde anschließend vorgeworfen, ihn nicht entschieden genug kritisiert zu haben.
Kritik an Charlie Hebdo
Und im September 2012 kritisierte die damalige UN-Menschenrechtskommissarin die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen. Angesichts gewaltsamer Proteste gegen islamkritische Veröffentlichungen bezeichnete sie das Vorgehen der Redaktion laut einer offiziellen UN-Meldung als „doppelt unverantwortlich“. Ihr damaliger Sprecher Rupert Colville sprach von böswilligen und bewusst provozierenden Darstellungen.
Navi Pillay hatte ihre Kritik zwar mehr als zwei Jahre vor diesem Anschlag geäußert und die damalige Gewalt ausdrücklich verurteilt, dennoch bleibt eine grundsätzliche Frage: Warum rückte eine führende Verteidigerin der Menschenrechte angesichts extremistischer Gewaltandrohungen ausgerechnet die angebliche Verantwortung jener Journalisten in den Vordergrund, die von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machten?
Für die Kür der Nobelpreisträgerin kommt auch aus Gaza-Stadt Applaus: Die islamistische Terrororganisation Hamas, die für das erschütternde Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel verantwortlich ist, begrüßte die Nobelpreisvergabe ausdrücklich. Ihr hochrangiger Vertreter Bassem Naim bezeichnete die Auszeichnung als „Hoffnungsbotschaft für die Palästinenser“ insbesondere für die Menschen im Gazastreifen. In einer weiteren Stellungnahme wertete die Hamas den Nobelpreis als wichtigen Schritt zur internationalen Rechenschaftspflicht für mutmaßliche israelische Kriegsverbrechen. Besonders würdigte sie Pillays Rolle bei den UN-Untersuchungen zum Gaza-Krieg.
„Applaus aus der Hölle“
Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, das Nobelkomitee habe seinen moralischen Kompass verloren. Und das israelische Außenministerium warf dem Komitee vor, antiisraelische Vorurteile durch die Auszeichnung zu legitimieren: Selbst NS-Propagandaminister Joseph Goebbels würde über diese Entscheidung aus der Hölle applaudieren.



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