„Fahnengate“: Landesfarben unerwünscht

Dass die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch eine Deutschlandflagge geschwenkt hat, stellt laut Bundestagsvizepräsidentin Lindholz einen Verstoß gegen die Hausordnung des Bundestags dar. Eine kleinliche Politzickerei, die dem Ansehen des Hauses weit mehr schadet als die Landesfarben.

picture alliance / NurPhoto | Ying Tang
Beatrix von Storch in Essen am 8. März 2026

Nach wie unvergessen: Das Sommermärchen von 2006. Gelöste Stimmung, Freundlichkeit, Offenheit, weder piefig noch grantig: Deutschland präsentierte sich der Welt als Gastgeber, der negative „typisch deutsche“ Stereotype so gar nicht bediente.

Verbunden war dies mit einem wichtigen psychologischen Effekt für die Deutschen selbst: Sie durften feststellen, dass sie und ihr Land liebenswert sind. Eine Botschaft, die für die Angehörigen der meisten anderen Nationen selbstverständlich ist, in Deutschland aber ein Politikum. Und so bleibt 2006 untrennbar verbunden mit der Erinnerung an ein schwarz-rot-goldenes Flaggenmeer – die Landesfarben, einmal nicht staatstragend feierlich und schwermütig, sondern als Zeichen der Ausgelassenheit und Freude.

Tempi passati. Schon zehn Jahre später, zur EM 2016 in Frankreich, hatte sich die Stimmung gewendet. Da zogen – nicht zum ersten Mal – selbsternannte Faschismusbekämpfer durch die Straßen und entfernten an Autos angebrachte Deutschlandflaggen. Stattdessen fanden die Besitzer bei ihrer Rückkehr Mahnbriefchen vor: „Liebe Autofahrerin, lieber Autofahrer. Ich habe Ihre Nationalfahne entfernt. Egal aus welcher Motivation Sie diese Fahne angebracht haben, sie produziert in jedem Fall Nationalismus. Diese Fahne steht nicht für Fußball oder irgendein Team, sondern für Deutsche Identität.“

Deutsche Identität als Problem? Nochmals zehn Jahre später ist dieses Problembewusstsein offenbar auch im Bundestag angekommen. Mittlerweile sind der Institution, die „dem deutschen Volke“ gewidmet ist, Deutschlandflaggen ein Dorn im Auge – jedenfalls dann, wenn Abgeordnete des Bundestages diese an ihren Fenstern anbringen. Dann ist Schwarz-Rot-Gold unerwünscht.

Nachdem die AfD-Fraktion am Montag Besuch von der Bundestagspolizei bekam, weil Abgeordnete angesichts einer vorbeiziehenden Demonstration, die Merz‘ Rücktritt forderte, die deutsche Flagge geschwenkt hatten, legte nun Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) nach. Sie antwortete damit auf die Sticheleien des AfD-Abgeordneten Götz Frömming, der den Vorfall ironisch kommentiert hatte.

Lindholz betonte, dass über den Vorfall, den Beatrix von Storch (AfD) als „Fahnengate“ über die sozialen Medien publik gemacht hatte, „diverse Falschmeldungen“ kursierten und sah sich dementsprechend zu einer Klarstellung genötigt.

Sie konzedierte das Offensichtliche, nämlich, dass die Fahne nicht verboten sein könne, da sie auf dem Reichstag selbst weht. Die Hausordnung aber schütze vor „Vereinnahmung der Parlamentsgebäude für politische Außenwirkung“. Fenster und Balkone dürften daher nicht genutzt werden, um politische Botschaften zu vermitteln.

Anstoß erregte dieser Darstellung zufolge nicht die Fahne selbst, sondern das „demonstrative Zeigen oder Schwenken von Fahnen als Zeichen der Unterstützung“ eben jenes Demonstrationszuges, der „Merz muss weg“ forderte.

Beatrix von Storch meldete sich daraufhin wiederum über die sozialen Medien zu Wort und gab zu Protokoll, die Deutschlandflagge in ihrem Büro nicht freiwillig zu entfernen: Ihrer Ansicht nach geht auch von der vor ihrem Büro angebrachten Flagge kein anderes Signal aus als das, was vom Reichstagsgebäude auszugehen habe. Es handle sich um die Fahne des deutschen Volkes. „Dem deutschen Volk dienen wir hier alle, diese Fahne lassen wir uns nicht nehmen“, so von Storch auf X.

Nun mag man Verständnis dafür äußern, dass eine CSU-Abgeordnete wie Lindholz eine Deutschlandflagge als Affront auffasst, weiß und blau mögen ihr als die einzig akzeptablen Farben erscheinen.

Dass aber die Hausordnung des Bundestages genutzt wird, um das Schwenken einer Deutschlandflagge zur verbotenen politischen Außenwirkung zu erklären, ist einigermaßen fantasievoll. Zwar kann man das genüssliche Auswalzen dieser Affäre seitens der AfD durchaus als Lust an der Provokation auffassen.

Es bleibt aber unbenommen, dass der einzige Zweck der parlamentarischen Arbeit des Bundestags der Dienst an dem Volk ist, das schwarz, rot und gold als Nationalfarben führt. Die Problematisierung des Schwenkens oder Anbringens dieser Fahne ist keinen Deut weniger als Provokation zu verstehen, und zudem als Versuch, AfD-Abgeordnete zu schikanieren.

An Lindholz‘ Neutralität darf durchaus gezweifelt werden: Am 10. Juni forderte sie den AfD-Abgeordneten Markus Frohnmeier in der Plenarsitzung dazu auf, beim Thema zu bleiben. Dieser hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch gerade einmal zwanzig Sekunden gesprochen und befand sich noch in der Einleitung seines Redebeitrags – die sich überdies eindeutig grob dem Thema zuordnen ließ: Es ging um das Scheitern Deutschlands im Hinblick auf den verpassten Sitz im UN-Sicherheitsrat; Frohnmeier hatte, im Rahmen politischer und rhetorischer Gepflogenheiten nicht unüblich, zunächst die allgemeinere Misere Deutschlands zur Sprache gebracht.

Letztlich nützt dieses kleinliche und durchschaubare Vorgehen niemandem mehr als der AfD selbst. Wenn die Priorität von Parlamentariern erkennbar nicht mehr ist, Deutschland und seiner Bevölkerung zu dienen, sondern um jeden Preis und bei jeder Gelegenheit die AfD zu desavouieren, wird dies das Vertrauen der Bürger in die Politik sicher nicht stärken. Dies gilt umso mehr, da die Regierung in der gegenwärtigen Gemengelage in so gut wie jedem Bereich gegen die Interessen des Volkes vorgeht und nicht sein Wohl, sondern seinen Schaden zu befördern scheint. Dass man angesichts dieser Zerstörungswut nicht einmal die deutschen Nationalfarben zu tolerieren vermag, ist vielsagend.

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Kommentare ( 23 )

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Ich bin RECHTS
23 Minuten her

Mich würde interessieren, wer die Polizei aufgefordert hatte, gegen die Fahnen vorzugehen ? Die hat dss sicher nicht von selbst getan.

Raul Gutmann
26 Minuten her

Die Unterüberschrift drängte den Verdacht auf, die Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz gehöre den GRÜNEN oder DER LINKEN an.
Falsch. Ihre Mitgliedschaft in der „Christlich Sozialen Union“ wiederholt den Schwur: Nie wieder CDU / CSU!
Mögen beide Parteien so schnell wie möglich der Democrazia Cristiana in der Hölle der überflüssigen Parteien Gesellschaft leisten.

St.Elmo
46 Minuten her

Ich Frag mich immer wieder warum die alten Parteien über jedes Stöckchen springen, das ihnen die AfD hinhällt, ob rufe wie „Sieg-Mund“, „Alice für Deutschland“ oder jetzt mit der Deutschlandflagge. Berken die alten Partein nicht, dass sie sich so nur selbst ins Knie schießen?

Haeretiker
1 Stunde her

Spannend fände ich eine Diskussion über die Hängung einer ukrainischen Flagge am Parlaments- und/oder Regierungsgebäude. Zumal sich die Regierung auch eher diesem Volk anzudienen scheint.

Deutsche
1 Stunde her

Alles was an Deutschland erinnert stört diese Volksverräter vermutlich.
Als nächstes werden wahrscheinlich „(die Bio) Deutschen“ verboten. Wenn das Tempo bei der Ansiedlung unzähliger Millionen kulturferner Nationalitäten und das Steuergeld finanzierte Migranten Zuchtprogramm („Bürgergeld“) so weiter läuft, gibts uns sowieso bald nicht mehr.

Endlich Frei
1 Stunde her

Mein Eindruck: Die deutsche Flagge gilt in Linksdeutschland als minderwertig und ist der Hakenkreuzflagge faktisch gleichgestellt. Anders könnte das herrschende System ja auch überhaupt nicht mehr überleben.

Last edited 1 Stunde her by Endlich Frei
Icarus
1 Stunde her

Die CSU-Politikerin Lindholz hat das „Hohe Haus“ damit zur Irrenanstalt transformiert und Deutschland endgültig zur Internationalen Lachnummer gemacht.

Last edited 1 Stunde her by Icarus
Helfen.heilen.80
1 Stunde her

Die Fahne „Schwarz-rot-gold“ wurde stets von gemäßigten deutschen Kräften bevorzugt. Erstmals verwendet in Anbahnung des deutschen Staatsgebildes im Sinne der Paulskirchenversammmlung zu Frankfurt.
Ironischerweise verwendete die Staatsspitze 1871 dagegen „Schwarz-weiss-rot“ bis 1918. Das kurze demokratische Intermezzo bis 1933 wieder unter „Schwarz-rot-gold“, von den Nazis geschmäht und verachtet als „Sumpfblüte“.
Die Staatsfahne des demokratischen Deutschlands heute weniger erwünscht als die Regenbogenflagge?

Tesla
1 Stunde her

Wer Politiker hat wie die dt. Brandmauerparteien, der braucht keine Staatsfeinde mehr.

Deutsche
1 Stunde her

Nur noch völlig daneben. Wenn sie könnten würden sie auch die Deutschen verbieten. Die Pflichten dem neuen Adel den luxeriössen Unterhalt zu finanzieren bleibt natürlich.
Ach ist ja schon passiert. Die Ex Deutschen heißen jetzt „Nicht-Migranten“. Was für eine unglaubliche Frechheit. Die Umkehrung „per Definition“ von „Herr und Gescherr“. „Dem DEUTSCHEN VOLKE“.
Aber wenn tatsächlich bereits 80% Migrantenkinder in den Schulen sitzen, dann weiß man bei wem sie sich anschleimen. Nur nutzen wird es ihnen nichts. Null Komma Null, wenn sie in Germanistan bzw Neu „IS“ wieder aufwachen.