Der Salsa-Tester der Bundesregierung stellt sich vor

Unter Maas, Baerbock und Wadephul ist das Amt des Außenministers eines für low performende Selbstdarsteller geworden. Ausbleibende Termine werden mit Boomer-Bewerbungsvideos für eine Anschlusskarriere beim Homeshopping-Kanal überbrückt.

Screenprints: via X - Collage: TE

Deutsche Politiker scheinen außer Rand und Band zu geraten, wenn man sie mal hinaus ins Freie, und nicht nur aus Neu-Versailles von Berlin-Mitte, sondern sogar ins Ausland lässt. Weil in China niemand ernsthaft mit Johann Wadephul reden will und Johann Wadephul gerade keine Million Steuergelder nach Damaskus mitbringen kann, was dort die Voraussetzung zu sein scheint, empfangen zu werden, fiel seine Wahl auf Mexiko. Die Mexikaner sind freundliche Leute. Und irgendwie war auch schon länger kein deutscher Minister mehr in Mexiko, denn es gibt nichts wirklich in Mexiko zu besprechen, weil die Beziehungen geräuschlos wie von allein laufen. Da fiel Wadephuls Reiseorganisator in seiner Not ein, dass Mexiko der mit Abstand größte Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika ist. Also warum nicht Mexiko? Was ist ein Außenminister, der nicht ab und zu mal außen ist, außerhalb Berlins und außerhalb Schleswig-Holsteins.

Eben, also Mexiko. Da kann man nichts verderben und sogar noch an TUI oder einem anderen Reiseanbieter Clips als Anzeigen in Zweitverwertung verkaufen. Nachdem Annalena Baerbock unsterblichen Ruhm mit tollen Annalena-Filmchen aus dem Big Apple erwarb, wollte sich ihr getreuer Johann nicht lumpen lassen und drehte mit Lennchen-Humor einen Clip für Instagram. Der ist so lustig, wie das deutsche Fernsehen von Böhmermann bis Bosetti, von Kerkeling bis zur heute Show. Humor ist eben, wenn man trotzdem darüber lacht, wo es nichts zu lachen gibt.

Wenn Deutsche ins Ausland reisen, kommt natürlich das Smartphone nicht mehr zur Ruhe, alles muss dokumentiert werden. Wichtiger ist für die Deutschen, den Daheimgebliebenen anschließend zeigen zu können, wo sie waren, als dass sie wo sind. Die Fremde wird durch die Linse des Smartphones entdeckt. Deshalb hat auch der beste Animateur vom Außenministerium e.V., Johann Wadephul, einen Clipp von sich bei der Salsa-Verkostung gedreht.

Folgen wir Johann Wadephul in die schöne, neue Insta-Welt. Neudeutsch: echt, ohne Scheiß Alter, du kannst den Außenjohann beim Testen der Schärfe mexikanischer Salsa auf Insta zusehen. Mit diesem Werbeclipp kann weder der Salsa-Hersteller Grupo Herdez, noch Grupo La Costeña, noch die Salsa Tamazula mithalten. Denn Wadphul, Herkules vom Werderschen Markt, schont sich nicht, kostet die immer schärfer werdenden Saucen mit den Lauten höchster Schonungslosigkeit: „Mhhh, Boah, die finde ich echt pikant“ Und zwischen Wadephuls Gaumen-Orgasmen glückt es dem Herkules des Kampfes mit der Schärfe des Salsas, auch noch Fragen zu beantworten, boah echt beeindruckend.

Frage im Clip aus dem OFF: „Was sind denn die ersten Dinge, die Ihnen in den Sinn kommen, wenn sie an Mexiko Denken?“

Wadephul: „Salsa? Nein wirklich Aztekenkultur, das ist eine Sache, die mich sehr beeindruckt. Darüber möchte ich gern mehr lernen und natürlich dieser große Sombrero.“ Und flupps hat Wadephul den großen Sombrero auch schon auf den Kopf bekommen.

Das gehört sich so, dass man zwischen Essen, Trinken und Shoppen irgendwie noch ein bisschen Kultursachen machen muss, also mal einen Blick auf den Petersdom werfen, das ist schließlich eine Sache, die sehr beeindruckt, oder die Pyramiden sehen, denn die sind auch so eine Sache, die sehr beeindrucken, Altägypterkultursache eben. Zwischen zwei Salsa-Proben, mal kurz ein bisschen Aztekensache fotografieren.

Weiter im Clipp: „Jetzt trinke ich einmal zwischendurch“. Wadephul greift zur Flasche – und was stellt er mit Blick auf das Etikett fest: „Santa Clara! Das muss ich einmal fotografieren, meine älteste Tochter heißt Clara. Das schicke ich ihr erst einmal mit einem Herzchen darauf.“ Dann schlürft Wadephul das Getränk Santa Clara, bevor er sich, Tusch, an die schärfste Salsa wagt.

Frage im Clip aus dem OFF: Welche Begegnung hat Sie auf dieser Mexikoreise bisher am meisten beeindruckt?“

Wadephul (Räuspern): Das Zusammentreffen mit jungen Mexikanerinnen und Mexikaner, die Deutsche lernen.

Schließlich könnte man ja auch ein paar Fachkräfte abstauben. Jedenfalls wollen die, die sich mit Wadephul unterhalten haben, nach Deutschland kommen. Und Salsa gibt es in Deutschland auch, denn, wie wir jetzt wissen, ist Mexiko der größte Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika.

Schönes neues, kindisches Deutschland. Wadephuls lustige Clips, Merzens pointierte Reden, Bas muntere Statements, eine Sexpuppe im Präsidentenpalast, und wenn Merkel doch noch ablehnt, vielleicht ein Bundespräsident Kerkeling, wie der SPIEGEL vorschlägt. Sollte zwar diesmal eine Frau werden, aber Kerkeling geht auch.

Und Deutschland wird endgültig zur Lachnummer. Wie schrieb Neil Postman vor Jahrzenten: wie amüsieren uns zu Tode.

Gibt es sonst noch etwas, von Wadephuls Reise nach Mexiko zu berichten? Eigentlich nicht. Ach ja, doch, Fachkräfte. Schöne Sache, das.

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