TE-exklusiv: Zwangsarbeiter-Stiftung will nicht überflüssig sein

Entschädigungen für ehemalige NS-Zwangsarbeiter: Dafür wurde die Stiftung „EVZ“ einst mit Steuer-Milliarden gegründet. TE hat aufgedeckt, wofür sie heute Geld ausgibt. Auf Fragen nach ihrem Daseinszweck reagiert sie allergisch.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld, EVZ - Collage: TE

Journalistische Texte sind keine juristischen Schriftsätze. Natürlich weiß ich, dass Sie das wissen, liebe Leser. Aber für unsere Zwecke ist es dennoch sinnvoll, das noch einmal ausdrücklich zu betonen.

Es wird noch wichtig, versprochen.

Aufgedeckt

Juristische Schriftsätze beginnen stets mit dem Sachverhalt. Und obwohl Sie hier ja ausdrücklich einen journalistischen Text lesen, soll er ausnahmsweise genauso beginnen.

Das ist der Sachverhalt:

Im März veröffentlicht TE eine exklusive Recherche. Es geht um die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ).

Es ist ein lesenswerter Beitrag, schließlich ist er von mir. Trotzdem hier eine Kurzfassung für das eilige Publikum:

Der Hauptdaseinszweck der Institution bei ihrer Gründung im Jahr 2000 war die Zahlung von Entschädigungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter. Diesen Zweck erfüllte sie bis 2007. Der offizielle Festakt zur Beendigung der humanitären Entschädigungszahlungen fand am 12. Juni 2007 in Berlin statt.

Danach wird die Stiftung nun aber nicht etwa aufgelöst, wie man es hätte vermuten können. Auch wird das verbliebene Stiftungsvermögen nicht zum Beispiel in die Staatskasse überführt. Stattdessen wird nun ein Passus genutzt, den weitsichtige linke Aktivisten ins Stiftungsgesetz geschmuggelt hatten.

Die EVZ finanziert seitdem allerlei linke Projekte, die mit ehemaligen NS-Zwangsarbeitern beim besten Willen nur noch dann in Verbindung gebracht werden können, wenn man ordentlich was geraucht hat. Das ist zwar mutmaßlich legal, wirft aber die naheliegende politische Frage auf, wozu es die EVZ überhaupt noch gibt.

An Finanzierungskassen für linke Projekte der sogenannten „Zivilgesellschaft“ besteht ja nun wahrlich kein Mangel.

Nachgehakt

Nach etwas Hin und Her hat die EVZ dann auf TE-Nachfrage noch eine Aufstellung der Förderempfänger herausgerückt.

Da findet sich allerlei Lustiges. Zum Beispiel bekommt die Jugendpresse Deutschland 38.000 Euro für ein Projekt mit dem schönen Titel „Alle machen Medien! Förderung diskriminierungssensibler Berichterstattung in Schüler:innenzeitungen“.

Der TKM (Tanz-Kunst-Musik) Kulturverein hat es geschafft, der EVZ 70.000 Euro aus dem Kreuz zu leiern – für „Empowerment der Sinti und Roma-Jugend in Duisburg und Köln durch eine Tanzgruppe, eine Fußballmannschaft und kulturelle Angebote“.

Kein Scherz.

Wenig amüsiert von der ganzen Geldausgeberei ist dann der AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Felser. Er stellt eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung. Die Antwort ist sichtlich gereizt und schmallippig.

Gereizter Bär

Ganz offenkundig hat TE mit den Recherchen in das sprichwörtliche Wespennest gestochen.

Denn die EVZ tut nun das, was seit Angela Merkel so gut wie alle Regierungsstellen, so gut wie alle regierungsnahen Stellen und so gut wie alle öffentlich-rechtlichen Einrichtungen tun, wenn man sie kritisiert:

Die Stiftung versucht, die kritischen Berichterstatter einzuschüchtern und die kritische Berichterstattung abzustellen.

Die EVZ-Anwälte haben TE eine Unterlassungserklärung geschickt. Darin steht unter anderem, die EVZ nehme „Ehrenschutz“ in Anspruch. Für juristische Laien: Hier erklärt eine Stiftung öffentlichen Rechts, dass sie sich in ihrer Ehre gekränkt fühlt.

Durch die TE-Berichterstattung „besteht die Gefahr, dass bei der Bevölkerung der falsche Eindruck entsteht, unsere Mandantin finanziere Förderprogramme mit öffentlichen Geldern, ohne hierzu ermächtigt zu sein“. Freilich hat TE natürlich an keiner einzigen Stelle jemals auch nur den leisen Verdacht geäußert, dass die Stiftung irgendetwas Illegales anstellt. Was wir tun, ist die Frage zu stellen, wie politisch legitim das ganze Konstrukt noch ist.

Es geht nicht darum, ob die EVZ tun darf, was sie tut. Es geht darum, ob sie tun sollte, was sie tut. Und diese Frage soll verboten sein?

Dass sie sich hier auf dünnem Eis bewegen, schwant offenbar auch den EVZ-Anwälten. Sie schreiben: „Hierdurch“ – also durch die TE-Recherchen – „können erhebliche Zweifel in das Vertrauen der Arbeit unserer Mandantin entstehen. Diese Zweifel schüren Sie aktiv. Sie gehen sogar so weit und sprechen unserer Mandantin ihre Daseinsberechtigung ab.“

Das also ist das Verständnis von zulässigen Meinungsäußerungen der EVZ und ihrer Anwälte: Dass niemand mehr fragen dürfen soll, ob es eine öffentlich-rechtliche Stiftung, in die Milliarden an Steuergeldern gesteckt wurden, wirklich noch braucht.

Regierung gibt Geleitschutz

Die Meinungsfreiheit kann sich auf unseren Staat bekanntlich nicht mehr verlassen. Die öffentlich-rechtliche EVZ kann es dagegen sehr wohl.

AfD-Parlamentarier Felser bekommt von der Bundesregierung jedenfalls eine Art formalen Stinkefinger gezeigt. Zum einen wird an seinen Fragen an den entscheidenden Stellen glatt vorbei geantwortet:

Frage:
„Wie viele ehemalige NS-Zwangsarbeiter wurden in den letzten zwei Jahren noch durch direkte soziale Hilfsprogramme der Stiftung erreicht (…)?“

Antwort der Bundesregierung:
„Im genannten Zeitraum wurden mit den Mitteln 30.000 Opfer des Nationalsozialismus erreicht.“

Jeder minderbemittelte Hilfsschüler merkt: Das hatte Felser gar nicht wissen wollen. Er hatte ausdrücklich und konkret nach „ehemaligen NS-Zwangsarbeitern“ gefragt, nicht nach „Opfern des Nationalsozialismus“ generell.

Aber die Antwort wird ihm verwehrt.

Zum anderen zeigt der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, was er von den Fragerechten der Bundestagsabgeordneten hält. Michael Schrodi beantwortet die Anfrage vier Tage zu spät.

Felser hat bei Bundestagspräsidentin Julia Klöckner inzwischen formell Beschwerde gegen den berüchtigt selbstherrlichen SPD-Mann Schrodi eingereicht. Der habe nicht nur gegen die geltenden Fristen verstoßen, sondern auf mindestens eine konkrete Frage auch die Antwort schlicht verweigert und mindestens eine weitere Frage erkennbar widersprüchlich beantwortet.

Und all das nur, weil mal jemand danach fragt, was eine Zwangsarbeiter-Stiftung mit sehr viel Geld macht, wenn ihr die Zwangsarbeiter ausgehen.

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Kommentare ( 27 )

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Der Person
50 Minuten her

Die Zwangsarbeiter hatten Arbeit aber kein Geld, bei den Stiftungsmitgliedern ist das genau umgekehrt. Für Linke ist das „ausgleichende Gerechtigkeit“.

Andres
5 Minuten her

Sie haben einen Punkt noch gar nicht berücksichtigt: Die Stiftung kann nicht so einfach aufgelöst werden, da sie einer Herde von Linksgrünwoken Gehalt zahlt.

Mikmi
21 Minuten her

Als Wähler und Steuerzahler fühle ich mich auch in meiner Ehre verletzt. Wozu wähle ich Abgeordnete, die hinterfragen, was passiert mit unseren Steuergeldern. Der Mitarbeiter Michael Schrodi gehört entlassen, wer wagt es, dieses zu hinterfragen, ja der Steuerzahler und das ist sein gutes Recht.

Endlich Frei
25 Minuten her

Für die Zwangsarbeiter kam das Geld 50 Jahre zu spät.

Dafür kassieren nun die Stiftungsmitglieder – vermutlich 50 Jahre zu lang.

Endlich Frei
30 Minuten her

Die Altparteien müssen weg. Und zwar schnell. Wir sehen ja, in welches Verderben uns diese Mentalität führt.
Den politischen Anfang macht hoffentlich Sachsen-Anhalt.

Endlich Frei
34 Minuten her

Ich kann Ihnen den „Daseinszweck“ genau nennen.
Es ist das, was die dortigen Mitarbeiter (noch) von einem Harz-IV-Bezieher unterscheidet. Quasi Sozialhilfe auf priviligiertem Niveau !

Apfelmann
40 Minuten her

Eine Stiftung ist zumeist für die Ewigkeit angelegt. Man müsste hier in den Stiftungszweck schauen ob hier wirklich „nur“ ehemalige Zwangsarbeiter unterstützt werden sollten oder ob es auch um Themen wie Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Vermittlung, usw. geht, in dem Fall wäre die weitere Existenz ja berechtigt. Wie gesagt, ein Blick in die Satzung würde hier helfen.

Deutsche
22 Minuten her
Antworten an  Apfelmann

Im Text genannt: Tanz und Fußball für Sinti und Roma. Oder „antidiskriminierende“ Schülerzeitungen … wobei den Deutschen wieder einmal Antirassismus und Diskriminierung unterstellt wird.
Die „Erinnerungskultur“ und „Aufarbeitung“ des 2. Weltkriegs kann man im Moment wunderbar in der Kriegsgeifferei und Angriffslust auf das nuklear bestückten Russland erkennen.
80 Jahre Schuld Gehirnwäsche und ihr nicht glaubhaftes Resultat.

AlNamrood
59 Minuten her

Niedlich, wie man glaubt, mit demokratisch-juristischen Mitteln gegen diesen Filz vorgehen zu können.
Diese Leute hören ausschließlich dann auf, wenn man sie aktiv daran hindert.

Deutsche
1 Stunde her

 Hier erklärt eine Stiftung öffentlichen Rechts, dass sie sich in ihrer Ehre gekränkt fühlt.“
Auch Ganoven haben „Ehre“. Die sogenannte „Ganovenehre“.
„Die Hydra“ hat 10.000 Köpfe um sich zu bedienen. Und beständig wachsen sie nach um all „den Diskriminierten“ unsere Kohle zuzuschachern.
Von Dem, dessen wahrer Name nur bei Zahlung eines Monatsgehalts Strafe „genannt werden darf“ ganz zu schweigen.

Endlich Frei
28 Minuten her
Antworten an  Deutsche

In ihrer Ehre gekränkt ?

Ich würde eher sagen: Ertappt.
Plötzlich ist das Spotlight auf eine inzwischen völlig überflüssige, im Dunkeln agierenden Steuerverschwendungsbehörde gerichtet. Danke TE !

Last edited 27 Minuten her by Endlich Frei
Rob Roy
1 Stunde her

Die Deutschen wären erstaunt oder entsetzt, wenn man ihnen ehrlich vorrechnen würde wie viel der Steuergelder draufgehen für: NGOs, Stiftungen, Meldestellen etc. Entwicklungshilfe Klimaschutzmaßnahmen im Ausland, die nicht in der Entwicklungshilfe enthalten sind Sozialleistungen ins Ausland wie Kindergeld, Krankenversicherungen (z.B. für Angehörige in der Türkei) Leistungen nach dem Asylgesetz Bürgergeld an Flüchtlinge (der größte Posten) indirekte Kosten der Migration (für Justiz, Verwaltung, Schulwesen etc.) durch Merkel, Ampelkoalition und GroKo aufgeblasene Ministerien Protzbauten der Regierung (während Brücken einstürzen) Geschätzt 200 bis 300 Milliarden pro Jahr. Dazu noch mal 100 bis 200 Milliarden, die den Bürgern für CO2-Steuern und andere Klimaabgaben, höhere… Mehr

Mike76
1 Stunde her

Die lügen doch ALLE wie gedruckt. Diese Stiftung ist, wie so viele ähnlicher Bauart, nur ein in einer Grauzone operierendes Geldsammelbecken; ein lukrativer Zusatztopf mit Steuervermeidungsanspruch, welcher unter staatlicher Kontrolle von Leuten verantwortet wird, für die man an anderer Stelle keinerlei Verwendung hätte. Pöstchenbeschaffung pur. Läuft.

Last edited 1 Stunde her by Mike76