Keine Arbeitsministerin vor ihr hat sowas ertragen müssen

Die SPD kratzt bundesweit an der nächsten Schamgrenze. Nie hat sich die ehemalige Arbeiterpartei weniger um jene geschert, die sie groß gemacht haben. Bärbel Bas liefert die passende Botschaft: mehr Belastung, mehr Sozialstaat, mehr Verachtung für das Eigene. Über die retournierte Verachtung folgt nun das große Jammern.

picture alliance/dpa | Carsten Koall

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg stand die SPD vor den Kameras wie eine Partei nach einem politischen Zusammenbruch. 5,5 Prozent. Zehn Sitze. Gerade noch eben so im Landtag. In einem wirtschaftlich starken Bundesland war aus der alten Arbeiterpartei ein roter Splitter geworden. Zwei Wochen später Rheinland-Pfalz. Dort hatte die SPD seit 1991 regiert, 35 Jahre lang. Am 22. März lag die CDU bei 31 Prozent, die SPD bei 25,9 Prozent, die AfD bei 19,5 Prozent. Die Sozialdemokraten verloren ihr Stammland, ihre Führungsrolle und den letzten Trost, der eigene Niedergang sei ein südwestdeutscher Sonderfall.

Danach traten Lars Klingbeil und Bärbel Bas mit todtraurigen Mienen vor die Kameras und sprachen von Aufarbeitung, Kurs, Vertrauen. Von der Frage, wie man aus diesem Tief wieder herauskommt. Bas sagte damals: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher.“ Der Satz klang nach Einsicht. Inzwischen wirkt er wie eine Drohung.

Denn Bas meinte offenbar nicht Rückkehr zu Arbeit, Leistung, Sicherheit, Grenze und Ordnung. Sie meinte keinen neuen Respekt vor den Menschen, die den Staat bezahlen. Sie meinte auch keinen Kurswechsel zugunsten der Facharbeiter, Angestellten, Rentner, Familien, Handwerker und Verkäufer, die früher sozialdemokratisch wählten. Die SPD zieht aus ihrem Absturz eine andere Konsequenz: Die alte Wählerschaft wird komplett über Bord geworfen.

Diese Menschen kommen in Bas’ Politik nicht mehr als Bürger vor. Sie erscheinen als Zahler, als zu Belehrende und als Verdachtsfälle. Ihre Mieten und Beiträge steigen kontinuierlich. Ihre Schulen geraten unter Druck. Ihre Städte tragen die Folgen politischer Entscheidungen. Ihre Kritik wird mit dem üblichen diffamierenden Vokabular belegt. Wer den Sozialstaat für maximal überdehnt und komplett dysfunktional hält, gilt als kalt. Wer Migration begrenzen will, ist sowieso gleich rechts und Fremdenfeind. Wer sein eigenes Land nicht mehr erkennt und nicht mag, was durch Politik und Medien daraus gemacht wurde, muss sich von einer SPD-Chefin etwas über „Einheitsbraun“ anhören.

Bas steht für eine SPD, die den Bruch mit ihren alten Milieus gar nicht mehr kaschiert. Diese Partei sieht, dass Arbeiter und Angestellte in Massen zur AfD abwandern. Sie sieht, dass der alte Resonanzraum zerbricht und dass ihre nicht vorhandene Glaubwürdigkeit bei denen verdampft, die morgens arbeiten, abends rechnen und am Monatsende immer mehr für den Staat blechen. Die Antwort lautet nicht Umkehr. Die Antwort lautet also: neue Klientel. Am liebsten die neuen Mitbürger. Aber auf die schielen schon die antisemitischen Linken und Grünen.

Deutschland erfährt zugleich einen Einbürgerungsboom. 2025 wurden über 300.000 Menschen eingebürgert, ein neuer Rekord. Nie zuvor seit Beginn der Statistik im Jahr 2000 war die Zahl höher. Wer alte Wähler verliert und neue Staatsbürger in Rekordzahlen politisch begrüßt, muss nicht automatisch bessere Politik machen. Er kann auch versuchen, die politische Basis auszutauschen.

Menschen, über die uns die Politik gesagt hatte: wenn der Krieg vorbei ist, gehen die auch wieder nach Hause. Kritik daran? Rechts. Sie werden unsere Renten zahlen, wertvoller als Gold! Kritik daran? Rechts. Die neuen Mitbürger sind keinesfalls krimineller als Deutsche. Kritik daran? Rechts! Zehn Jahre später ist klar: keiner geht mehr nach Hause, es sei denn, in Urlaub. Den auch noch der Steuerzahler blecht, der sich den eigenen Urlaub abschminken kann. Rentenkassen? Der Sozialstaat steht vorm Kollaps. Dass Millionen Neubürgergeldempfänger da deutlich mehr rausnehmen als einzahlen, ist schon lange klar. Eine Kriminalitätsstatistik nach der anderen bestätigt, dass die Kriminalität der Neubürger explodiert – schneller, als eingebürgert werden kann. Im Resultat haben die bösen Rechten (Liberalen, Konservative) also recht behalten.

Die SPD richtet sich nicht mehr an jene, die ihren alten Aufstieg möglich gemacht haben. Sie spricht zu einer neuen Koalition aus Staatsapparat, Transfermilieus, Verbänden, moralischen Dienstleistern und frisch Eingebürgerten. Dort sieht sie ihre Zukunft und dort vermutet sie Stimmen.
Der Sozialstaat ist für Bas kein Instrument mit Grenzen. Er ist der politische Altar der neuen SPD.

Der Transferstaat wird nicht begrenzt. Er wird nur umgebaut, neu beschriftet, die Schleusen noch weiter geöffnet und die Hürden gesenkt. Die politische Frage nach Finanzierbarkeit, Missbrauch, Kontrolle und Leistungsanreizen verschwindet hinter Behördenlogik. Parallel feiern Bas und Klingbeil das antragslose Kindergeld als modernen Staat. Ab 2027 soll Kindergeld nach der Geburt automatisch fließen; rund 300.000 Erstanträge pro Jahr sollen entfallen. Verkauft wird das als Bürokratieabbau. Tatsächlich wird eine weitere Leistung auf Autopilot gestellt.

Dann kam Bas’ Satz in der Regierungsbefragung im Bundestag: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Das ZDF schrieb später nüchtern, die Zahlen zeigten, dass Bas falsch liege. Im Januar 2026 lag der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit unter den Leistungsberechtigten bei Regelleistungen bei rund 46,5 Prozent. Dieser Satz war eine Demütigung der Wirklichkeit. Die Bürger sollen ihren Augen misstrauen. Als Kritik aufkam, redete Bas von „schmutzigen politischen Geschäften“ der Rechtsextremen. Zu mehr ist sie nicht in der Lage.

All diese Sätze liefen auf ihren Auftritt beim „Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt“ zu. Dort sprach Bas nicht mehr über gesteuerte Einwanderung, Qualifikation, Integration, Grenzen, Kontrolle oder Belastbarkeit. Sie zog Migration aus der Sachpolitik heraus und machte daraus ein Kulturprogramm.

Menschen, die nach Deutschland kommen, brauche man „auch“ als Fachkräfte, aber eben auch für die „Vielfalt in unserer Gesellschaft“. Das sei „genauso wichtig“. Bas sprach davon, das sogenannte Fremde werde als Angriff auf „unsere Kultur“ bezeichnet, und verwies auf die deutsche Geschichte. Dann kam das „Einheitsgrau“, das sie sogar „-braun“ nennen würde. Manche sehnten sich danach, sagte sie sinngemäß. So sei es nicht mehr, und das sei gut so. An dieser Stelle ließ Bas die Hosen runter. Migration ist bei ihr kein Mittel. Migration ist Ziel. Die Veränderung des Landes wird zum höchsten Wert. Qualifikation, Arbeit, Sprache, Loyalität, Ordnung, Integrationsbereitschaft: alles unwichtig.

Für die alte Wählerschaft ist das die endgültige Absage. Eure kulturelle Bindung zählt nicht. Wichtiger ist die Vielfalt, die diese Partei politisch ausrollen und das Land darunter einplanieren will. Das „Einheitsbraun“ ist deshalb kein kleiner sprachlicher Unfall. Es ist die Parole des Brückenabbruchs. Das alte Deutschland wird moralisch verunreinigt, damit sein Umbau wie eine gute Tat aussieht. Kurz darauf macht die Tagesschau Deutsche dann noch zu „Nichtmigranten“. Das ist die pure linke Verachtung für das Eigene.

Nun sitzt Bas beim Ständehaus-Treff der Rheinischen Post und klagt. „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden“. Es sei „schon sehr persönlich“. Es bleibe „nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss“. Sie spricht wieder einmal – wie so oft bzw immer – von rechten Netzwerken, von Hass, von persönlichen Angriffen, von Vergewaltigungsfantasien. Bas nutzt diesen Punkt als Schutzschirm gegen politische Kritik. Gewaltandrohungen werden mit Kritik vermengt – Kritik wird damit als Gewalt etikettiert.

Zudem wird immer so getan, als gehe die Kritik immer nur von Männern aus. Was ist mit uns Frauen? Uns Duisburgerinnen? Gilt unsere reine, pure Verachtung denn gar nichts, Bärbel? So wird Duisburger Frauenhass unsichtbar gemacht.

Wer Deutschland politisch in die Grütze fährt, die Deutschen als „Einheitsbraun“ rahmt, Einwanderung in Sozialsysteme leugnet, den Sozialstaat immer weiter öffnet und Kritiker mit schlimmstem moralischem Dreck bewirft, darf sich über deutliche Gegenrede nicht wundern. Die Masche ist bekannt. Erst austeilen. Dann jammern. Diese Dauerschleifen kennt der Bürger zu Genüge von „Messerstecher Uwe“ Dunja Hayali.

Erst Millionen Bürger mit ruinöser Politik um ihren Wohlstand bringen und in die Nähe der moralischen Verwerflichkeit rücken. Dann bei der Presse erklären, man sei Feindbild geworden. Es ist alles ganz schlümm. Die Leute wählen mich nicht mehr. Ich habe es so schwer. Erst das alte Deutschland beschimpfen, dann die Antwort als Zumutung empfinden. Keine Arbeitsministerin vor ihr musste so viel ertragen: Kritik an ihrer Nichtarbeit und ihren eigenen Sätzen.

Selbst der Spiegel, sonst bei SPD-Personal eher zart besaitet, zerlegte inzwischen Bas’ Arbeitsstil. Aus dem Ministerium heiße es, sie komme spät, gehe früh und lese statt Akten lieber Zusammenfassungen in großer Schrift auf wenigen Seiten. Für eine Arbeitsministerin, die Bürgergeld, Sozialabgaben und Arbeitszeitrecht verantwortet, ist das vernichtend. Ist Blattmacher Alexander Neubacher jetzt auch ein rechter Hetzer? Wenn es nach der linken Denkweise „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ geht, lautet die Antwort wohl ja. Sorry, Herr Neubacher. Aber das war’s wert.

Besonders hübsch ist Bas` Hinweis auf Friedrich Merz. Auf den Vorhalt, sie haue ähnlich wie der Kanzler regelmäßig missverständliche Sätze heraus, erklärte Bas, man telefoniere darüber sehr oft. Ein kleiner Stuhlkreis. Man rede viel darüber, wer was über wen gesagt habe. Das passt. Merz jammert beim Spiegel, kein Bundeskanzler vor ihm habe so etwas ertragen müssen. Bas liefert nun die sozialdemokratische Variante.

Nach den Wahldebakeln hätte die SPD zu Arbeit, Sicherheit, Grenze, Leistung und Respekt vor dem eigenen Land zurückkehren können. Sie wählte noch mehr Transferstaat, noch mehr Einbürgerungspolitik, noch mehr moralische Einschüchterung und noch sehr viel mehr Deutschlandverachtung.

Der Untergang der SPD hat sehr, sehr, sehr viele Gründe. Bärbel Bas liefert gerade aber das passende Gesicht dazu.

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Kommentare ( 14 )

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Hieronymus Bosch
46 Minuten her

Man braucht sich nur die Biografie und die berufliche Ausbildung von Bas näher anzuschauen! Danach erübrigen sich weitere Fragen!

Gert Friederichs
46 Minuten her

Danke, Bärbel, mach weiter so! Hoffentlich fangen auch noch weitere Mitglieder der Würstchenbude an zu jammern! Jedermann sieht, wie schwer sie es haben bei Gehältern unterhalb der Abgreifer bei den Öffirechtlichen.

taliscas
1 Stunde her

Das gilt für das deutsche Volk auch.

Deutscher
1 Stunde her

Auf die Idee, dass Kritik an ihnen auch berechtigt sein könnte, kommen diese Subjekte schon gar nicht mehr. Die sind inzwischen genau so fern jeder Realität, wie es die DDR-Führung am Ende war. Man merkt ihnen die Jahrzehnte rhetorischen Aufrüstens und psychologischen Kampfcoachings an. Die normalen menschlichen Empfindungen, gesunde Selbstzweifel, Skrupel und Anstand, sind bei denen unter meterdickem narzisstischem Stahlbeton vergraben. Regelrecht krank.

Last edited 1 Stunde her by Deutscher
Kassandra
1 Stunde her
Antworten an  Deutscher

Denen allen ist Selbstreflexion unbekannt – wie auch den uns Zugemuteten, die das erst „lernen“ müssten – so sie überhaupt können.
Einer wie Hamed Abdel Samad ist dazu fähig – und braucht in Deutschland Polizeischutz.

Paul Brusselmans
1 Stunde her

Liebe Frau Taxidis, Sie sollten in die Politik gehen, sie braucht mehr Frauen wie Sie oder Engie Seli-Zacharias !

moselbaer
1 Stunde her

Mir kommt da ein passender Spruch aus meiner Jugendzeit in den Kopf: „dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen – selbst Aspirin versagt!“

Klaus Kabel
1 Stunde her

Bas ist eine dummfreche Person die wegen Beleidigung verklagt gehört. Das ist tiefstes, politisches Prekariat auf RTL 2 Niveau.

Kraichgau
1 Stunde her

wozu die Aufregung? soll diese Splittergruppe sich doch mit ihrer Juniorfraktion(grün) und der Schwesterfraktion(dunkelrot) wiedervereinigen wie anno 46…
die SED ist dann wenigstens als das zu erkennen,was sie immer war,eine Deutschlandhassende Bande von Landesverrätern

Andres
2 Stunden her

Kein Deutscher hat jemals zuvor eine solche Arbeitsministrierende ertragen müssen.

Kassandra
55 Minuten her
Antworten an  Andres

Stimmt, andere waren nicht ganz so auffällig – aber auch uns zu Lasten: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_deutschen_Arbeitsminister
Wusste noch jemand, dass uns Katharina Barley nach vdL und Nahles im Amt ungut tat?

Simplex
2 Stunden her

Und auf der nächsten Politikebene befindet sich die EU-Kommission. Diese verlangt von der Bundesregierung die Beendigung der Grenzkontrollen.