Während ein gestrandeter Wal tagelang die Medien beherrscht und wie ein Heiliger betrauert wird, beißt in Hamburg-Altona ein Wolf eine Frau ins Gesicht – und soll danach einfach wieder „in die Natur“ entlassen werden. Für Tiere gibt es grenzenlose Empathie und religiöse Inbrunst. Für die eigenen Bürger Ideologie und Verdrängung.
picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt
Manchmal wirkt es so, als würden die Deutschen die Tiere mehr lieben als die Menschen. Das muss kein Argument gegen ein Volk sein. Aber es bestätigt sich in diesen Tagen wieder. Während die Welt wie gebannt auf den Iran und die dortige Auseinandersetzung schaut, während sich auch im Inneren viele hochgradig politische Themen nicht nur denken lassen, sondern unübersehbar auf dem Tapet sind, blickten größere Medien und wohl auch deren Konsumenten tagelang auf einen gestrandeten Wal an der deutschen Ostseeküste. Ein, zugegeben, seltenes und ungewöhnliches Spektakel. Aber der Wal, ein wildes Tier mit entsprechender Würde, verkam bald zum Kuscheltier, um das ganz so gebangt wurde, als hätten die anwesenden Deutschen nun eine besondere Verantwortung für es.
Und daneben ist dieses Land Wolfserwartungsland, so der offizielle Terminus. Das stimmt aber nur noch teilweise, vor allem für den Süden. Im Osten und Norden ist der Wolf schon stark vertreten. In Niedersachsen lebt die Landbevölkerung schon im Terror vor dem Wolf. Das betrifft nicht nur Schäfer und andere Viehwirte, sondern auch Pferdehalter. Sie halten bei Sichtungen selbst Wachen vor der Weide, sehen den Wolf am hellichten Tag durch ihre Ortschaften streifen und können leider nichts machen. Eine Bürgermeisterin, die hoffte, durch Kontakte in die Landespartei etwas ändern zu können, ist inzwischen aus ihrer Partei ausgetreten. Es war die SPD. Die Wolfserwartung ist Ideologie, ist Dogma, und dem kann offenbar keiner widersprechen.
Und jetzt also plötzlich: Der Wolf in der Stadt, in Hamburg-Altona. Menschen in der Stadt bekommen die Chance zur Berührung mit der echten, unverbrämten Natur, die sie doch so sehr herbeisehnen. Das passiert etwa in vielen TV-Dokumentationen, die uns vom natürlichen Gleichgewicht im Yellowstone-Park erzählen, damals, als endlich die Wölfe zurück waren. Das wird in einer Weise idealisiert, die vor allem nichts mehr mit der Realität der Bundesrepublik Deutschland zu tun hat.
Ideologische Realitätsverdrängung allerorten
Und dieser Wolf in Altona schien sich aggressiv zu verhalten. Umgehend wurden aber Erklärungen dafür gesucht, die fatal an andere Fälle ideologischer Realitätsverdrängung erinnern: Die angegriffene Frau habe den Wolf eventuell für einen Hund gehalten und sich ihm falsch genähert, der Wolf habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt. Seine Aggression war logisch. So logisch – pardon! – wie die Übertötung eines Polizisten durch einen türkischen Tankstellenräuber.
Und so merkwürdig war auch das andere Tierdrama dieser Tage: „Wolf beißt Frau in Altona – Polizei fängt ihn am Jungfernstieg ein“. Erster Angriff eines Wolfes auf einen Menschen seit der Wiederansiedlung ums Jahr 2000. Wirklich? Es gab schon vorher Geschichten von Wölfen, die Menschen in Angst versetzen oder jagen. Vielleicht hatte noch keiner zugebissen. Und sicher nicht ins Gesicht, genäht mit soundsoviel Stichen. Aber Lösung gibt es in diesem Fall nur eine: Der Wolf sollte wieder „in die Natur entlassen“ werden – also dorthin, wo er andere Menschen und Haltetiere gefährden, nur nicht mehr für Missverständnisse in Altona sorgen kann.
Vorzeitig entlassen wegen guter Führung, könnte man sagen. Der Wolf darf das. Der Mensch darf leider nichts, angeblich wegen irgendwelcher EU-Regeln. Das sind aber nur die zehn Verbotstafeln, die grüne Politiker mit sich herumtragen, um nichts für die Bürger zu tun. Der Tag wird kommen, so prophezeien es Jäger in Deutschland in einer Doku von Stefan Aust, dass der Wolf wieder zum Abschuss freigegeben wird. So wie er es in Ländern mit zeitlich ununterbrochener Wolfspopulation weiter im Osten immer war. Aber dann würde ja den Wolfsverstehern das Herz bluten, die sich jetzt bei jeder gefundenen Wolfsspur einen Wolf freuen. Andere grausen sich da. Das Tier ist sicher kein Spielzeug. Und daran erweist sich das fundamentale Missverständnis der Wolfs-Idealisierer.



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Keine Grauen Wölfe, nirgends: https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/auslandsbezogener-extremismus/2023-08-tuerkischer-rechtsextremismus-die-grauen-woelfe-in-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=13
Früher wäre der Wal ein willkommenes Strandgut gewesen zum Ausschlachten. Bevor er stinkt. HH-Altona: War das ein Wolf oder ein Kampfhund? Ein Grauer Wolf offenbar nicht.
Die Würde von Wolf und Wal sind unantastbar. Auch die von all den importierten Vergewaltigern, Messer- und Fahrzeugmänner und Burkaliebhaberinnen.
Nur die Würde der Deutschen ohne MiGraHi darf jederzeit nicht nur angetastet werden sondern per Schuss ins Gesicht oder Schnitt durch die Kehle als nicht existent definiert zu werden
Nein, es wirkt nicht nur so, dass die Deutschen Tiere mehr lieben, als die Menschen, es ist so. Das irritiert mich immer sehr. Der Wolf wäre sehr dumm, wenn er den einladenden Versorgungstisch auf unseren Tierweiden und in der Stadt nicht annehmen würde. Tiere sind aber nicht so dumm. Bei uns im Wohngebiet (Großstadt) sieht man ab und an immer mal einen Fuchs. Kleinere Tiere sowieso. Der Tisch ist für sie zu jeder Jahreszeit hier sehr gedeckt.
Es bleibt fatal, die Macht der Täter, nicht nur ideologisch , sondern auch sehr weltlich motiviert, isoliert als Problem auszumachen, was es natürlich ist. Um das ganze Problem zu erfassen, muss man die gesamte Gesellschaft resp ihren Zustand betrachten. Die Täter allein können es, zumal ohne spezielle Gewaltanwendung, nur unter bestimmten psychokognitiven und kulturellen Bedingungen schaffen, welche partiell schon angelegt waren, vor allem aber in den Jahrzehnten nach 1945 qua Konditionierung erzeugt wurden. Nicht nur, aber vor allem in Schland. Dass neben dieser massiven, partiell neurotischen Verpeilung auch noch das gereade in Schland sehr beliebte “ Gutmeinen“ , aber nicht… Mehr
Da war doch neulich was mit einem Wal der gestrandet ist. Da gab es eine Person die ihn hätte retten können…. Der wurde aber zurückgepfiffen und zwar von offizieller Stelle…. Und jetzt kommt raus dass die Uni Rostock schon lange „den Wunsch hegt“ ein Wal Skelett zu besitzen. Verbinde die Punkte.
Der Wolf gewöhnt sich schneller an den Menschen, als er denkt: Ehe sich der Mensch versieht, steht er – oder seine Kinder – auch schon auf der Speisekarte. Ich jedenfalls werde meine Gesundheit – oder die meiner Kinder – nicht davon abhängig machen, ob ein grüner Ideologe gerade die Stimmung des Wolfs richtig beurteilt oder nicht. Mir reicht schon die Vorstellung eines knurrenden, finster dreinblickenden Meister Isegrims, um meinen Kindern sicherheitshalber das Spielen im Wald zu verbieten. Generationen von Menschen, die empirisch übereingekommen sind, den Wolf zu vertreiben, waren sicher nicht dümmer als manch grüner Schulabrecher, der sich nun –… Mehr
„Für Tiere gibt es grenzenlose Empathie und religiöse Inbrunst. Für die eigenen Bürger Ideologie und Verdrängung.“ Das ist mir irgendwie als Feststellung zu pauschal, auch wenn es auf den ersten Blick Sympathie auslöst und nicht unplausibel wirkt. Der Wal ist ja nicht eindeutig Opfer der Natur und symbolisiert nur bedingt Natur-Romantik. Er steht auch dafür, dass es millionenfaches Tierleid gibt, einen unangemessenen, fast brutalen Umgang mit Tieren (ich erspare mir hier eine lange Aufzählung, mir fällt da einiges ein). Die Fischerei-Netze in seinem Maul sind keine Natur, warum er den Orientierungssinn einbüßte: offen. Greenpeace, nicht meine Lieblingsorganisation, aber egal, listet ja auf… Mehr
Das Foto im Artikel ist ein Foto von einem Wolf. Das Foto, das z.B. in der WELT von dem „Wolf“ in Hamburg veröffentlicht wurde ist kein Wolf, sondern ein Kojote. Eine völlig andere Tierart, mit anderer Biologie insbesondere der Fortpflanzung, anderem Jagdverhalten und eine Tierart, die verboten ist in Deutschland auszusetzen, weil diese Tierart hier nicht heimisch ist. Das Entlassen dieses Tieres in die Umwelt ist eine Straftat. Ich habe schon oft, auch hier bei TE, zu den Unterschieden von Wolf und Kojote geschrieben. Es scheint niemanden zu interessieren. Tierhalter, die wegen Angriffen von Kojoten Schaden erleiden, könnten ganz andere… Mehr
Was dem Asi-Proll sein Pitbull ist dem Linksgrünen der Wolf.