Drill, baby, drill – Europas Energiekrise wird zur Machtfrage

Die Energiefrage ist zurück und wird wieder zur offenen Machtfrage. Was lange als rein technisches oder klimapolitisches Thema verhandelt wurde, zeigt sich nun in seiner eigentlichen, brutalen Dimension: als geopolitischer Hebel. Während Berlin ratlos reguliert, schafft die Weltmarkt-Realität Fakten.

IMAGO / Westend61

Es war eine unmissverständliche Botschaft, die US-Präsident Donald Trump an die europäischen Staaten richtete: „Get your own oil.“ Das war keine diplomatische Floskel, sondern eine klare Ansage. Europa solle endlich, anstatt sich abhängig zu machen, seine eigenen Energiequellen erschließen.

Immer deutlicher erweist sich die fatale Abhängigkeit von Energieimporten als historischer strategischer Fehler. Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu, Tanker werden umgeleitet, Versicherungsprämien steigen drastisch, und die Preise für Öl und Gas reagieren sofort. Gleichzeitig zeigt sich ein bekanntes ökonomisches Muster: Energie folgt dem Preis, nicht den Wünschen von Politikern.

Mehrere Tanker mit rund 1,2 Millionen Barrel Diesel haben Europa kurzfristig den Rücken gekehrt und steuern nun lukrativere Märkte in Asien und Afrika an. Für Europa bedeutet das: sinkendes Angebot, steigender Preisdruck und eine wachsende Unsicherheit. Die strukturellen Probleme sind dabei weitgehend hausgemacht:

  • Sinkende Eigenförderung durch ideologische Hürden
  • Steigende Importabhängigkeit von politisch instabilen Regionen
  • Strategische Verwundbarkeit durch fehlende Redundanzen

Während die USA unter Trump längst zum dominierenden Energieexporteur aufgestiegen sind, steht Europa erneut vor der existenziellen Frage: Wer liefert und zu welchem Preis?

Die Auswirkungen zeigen sich längst im Alltag. Brent-Öl sprang Ende März zeitweise auf über 118 Dollar pro Barrel. In Großbritannien kostet ein voller Dieseltank bereits wieder über 100 Pfund. Erste Engpassmeldungen sorgen zusätzlich für Nervosität.

Die Bundesregierung glaubt derweil, mit kleinteiliger Regulierung reagieren zu können: Seit dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Was als „Transparenzmaßnahme“ für den Verbraucher verkauft wurde, entpuppte sich bereits am ersten Tag als bürokratischer Rohrkrepierer.

Anstatt den Wettbewerb zu beleben, passierte das Gegenteil: 85,7 Prozent der Tankstellen erhöhten punktgenau um 12 Uhr ihre Preise, im Schnitt um knapp fünf Cent pro Liter. Freie Anbieter zogen sogar deutlich stärker an. Der Wettbewerb wurde nicht gefördert, sondern förmlich eingefroren. Der Markt passt sich an die starren Regeln an, und die Zeche zahlt der Autofahrer. Die Preise kennen derzeit nur eine Richtung: steil aufwärts.

Das vergessene Gold der Nordsee

Dabei verfügt Europa selbst über gigantische, ungenutzte Reserven. Vor allem in der Nordsee lagern Schätze, die man aus klimapolitischen Erwägungen lieber im Boden lässt, während man teures LNG aus Übersee importiert.

Allein Großbritannien besitzt noch Milliarden Barrel an nachgewiesenen Reserven. Doch das Fördervolumen ist seit dem Jahr 2000 massiv gesunken. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Absurdität der aktuellen Politik:

Das Nordsee-Potenzial (UK, NO, DE) liegt bei über 140 Exajoule (EJ). Das entspricht dem gesamten deutschen Primärenergieverbrauch von mehr als 11 Jahren.

Für ganz Europa (Verbrauch ca. 60–70 EJ/Jahr) könnten diese Reserven eine echte strategische Brücke von zwei Jahrzehnten schlagen – bei voller Ausschöpfung.

US-Botschafter Warren Stephens spricht bereits offen davon, dass sich in der Energiepolitik „etwas bewegen“ müsse. Premierminister Keir Starmer gerät unter Druck; er signalisiert zwar Gesprächsbereitschaft, verweist aber auf komplexe Zuständigkeiten. Die Industrie warnt derweil vor der Unberechenbarkeit der US-Außenpolitik, doch die Alternative – die eigene Förderung – wird durch Auflagen und langwierige Genehmigungsverfahren blockiert.

Während die Lage auf den Märkten eskaliert, flüchtet sich die europäische Politik in platte Überheblichkeit. Der fürstlich honorierte und selbst herrschaftlich vielreisende EU-Energiekommissar Dan Jørgensen empfiehlt den Bürgern ernsthaft mehr Homeoffice, weniger Reisen und schlichtes Energiesparen. Mobilität dürfe jedoch kein Luxusgut werden, setzt der Steuerzahlerbund schwach entgegen. Statt staatlicher Verhaltensregeln wäre Rückkehr zur Realpolitik angebrachter.

Donald Trump formuliert es provokant, aber treffend: Wer seine Energie nicht selbst sichert, macht sich zum Spielball anderer. Er selbst hat es in Amerika vorgemacht: „Drill, Baby, drill“ hat die USA zum größten LNG-Exporteur der Welt gemacht und die eigene Industrie mit preiswerter Energie versorgt. Das Ergebnis ist ein US-Wirtschaftswachstum von nahezu vier Prozent, während Europa in der Stagnation verharrt.

Die Energiekrise 2026 zeigt, was lange verdrängt wurde: Energie ist kein abstraktes Gut für Sonntagsreden, sondern die harte Grundlage wirtschaftlicher und politischer Macht. Eine Politik, die physikalische und ökonomische Realitäten zugunsten der Ideologie ignoriert, wird am Ende von eben diesen Realitäten eingeholt.

Oder anders gesagt: Die Energie folgt nicht der Ideologie – sondern dem Preis.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 12 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

12 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
alter weisser Mann
1 Stunde her

Über die Ölversorgung Europas reden, ohne Russland zu erwähnen.
Kann man machen, ist aber grundsätzlich sinnlos, auch wenn es den Westkonditionierten weh tut.

Raul Gutmann
1 Stunde her

Kürzlich schrieb ein Autor dieses Forums, im Kern bestehe die menschliche Geschichte darin, mittels Energienutzung zu überleben.
Ist es ein Symptom der Wohlstandsverwahrlosung westlicher Gesellschaften, dies vergessen zu haben? – Möglichweise wird jetztige oder eine spätere Mangelsituation die Menschen daran erinnern.
Das dann einsetzende biblische „Heulen und Zähneklappern“ vernehmen gegenwärtige Zeitgenossen schon jetzt, die es es hören können und wollen …
Dann haben die dann Lebenden zumindest die Chance, zur Urbotschaft Gottes zurückzukehren; schreibt ein Atheist – natürlich vorbehaltlich der Rotationsdifferenz der Triangulumgalaxie…(hier)

Kassandra
1 Stunde her

Bei Apollo schreiben sie, wie uns die Marktpreise wegen der unkalkulierbaren Erneuerbaren zusätzlich treffen: https://apollo-news.net/hellbrise-am-feiertag-strompreis-fllt-tief-ins-minus-viel-wind-und-sonne-treffen-auf-wenig-verbrauch/

GWR
2 Stunden her

Unsere führenden Politiker (in D und EU) sind schlicht und einfach entweder zu doof um vernünftige Energiepolitik zu machen. Oder sie sind so arrogant, dass sie Glauben den Stein der Weisen zu besitzen. Egal was zutrifft, die Bürger dürfen den Irrsinn ausbaden.

Kassandra
1 Stunde her
Antworten an  GWR

Weshalb aber fällt es so schwer einen Plan zu vermuten, der zur Auslöschung des gesamten Abendlandes führen wird?
Denn nur mit einem solchen Plan macht das Handeln der Politiker in der EU, in Kanada, unter den dems in den USA wie in Australien, Neuseeland oder Japan Sinn. Brüssel nicht zu vergessen.

Aliena
2 Stunden her

Und die vielen Ja-Sager, die sowohl im Deutschen als auch im EU-Parlament sitzen, den vorgegebenen Ideologien in Bezug auf Energiewende folgen, nur ja keine Stimme erheben, keine Debatten lostreten aus Angst, der jeweils lukrative Job ginge verloren, tragen erhebliche Mitschuld. Gleichwohl bilden sie sich ein, eine EU von weltweitem Mitspracherecht zu vertreten. Absurdes Theater wird von denen vorgeführt, die doch eigentlich in einem funktionierenden Staat aufwuchsen, vom kostenlosen Bildungssystem profitierten, in der Regel rechtschaffene, fleißige Eltern zum Vorbild hatten, Wärme stets vorhanden war, kaum Kriminalität, ein funktionierendes Rechtssystem existierte. Man kann es kaum glauben, was hier in Deutschland und innerhalb… Mehr

merkelinfarkt
2 Stunden her

Die große Mehrheif wählt statt deutscher Alternative weiter stur den seit Jahren verheerend wirkenden Ökosozialismus mit grünschwarzrot. Diese deutsche Mehrheit der Windsonnentänzerinnen muß möglichst hart auf dem Boden der finanziellen, wirtschaftichen und politischen Wirklichkeit aufprallen. Sonst nimmt dieser von Merkel initiierte, grausige Ökosozialismus hier kein Ende.

Kassandra
58 Minuten her
Antworten an  merkelinfarkt

So sagt Elon Musk auch über Californien:
„Elon Musk “California’s going to need a crisis to have deregulation and delitigation. The two entities that most control the Democratic Party are the unions and, secondarily, the plaintiff bar, basically, the lawyers that sue, especially class action. That’s who controls the Democratic Party. Anyone who’s familiar with the inside baseball of this will agree with me. This is, in fact, the case, especially in California.” https://x.com/teslaownersSV/status/2040996902175715680

JamesBond
2 Stunden her

Das ist ja wie ein großes Osterei, dann noch das Gas in Absurdistan … wird aber nix, wir haben keinen Trump sondern vdL und Merz, bis da Öl oder Gas gefördert wird dauert es 25 Jahre 🤣🤣🤣

Last edited 2 Stunden her by JamesBond
Thomas
2 Stunden her

Wenn die Theorie stimmt, daß Erdöl im Erdinneren produziert wird und ständig an die Oberfläche quillt, stimmt auch die These vom Peak Oil nicht.
https://www.youtube.com/watch?v=JKkMjryBFt8
Dann ist Öl grenzenlos vorhanden, der Preis wird nur durch Förderung und Transport bestimmt.
Die Grosse Transformation, Agenda 2030,
Motto: „Du wirst nichts besitzen und glücklich sein“
(wer besitzt dann alles? Bill Gates und BlackRock?)
setzt auf künstliche Verknappung und Verteuerung, ob bei Energie, bei Trinkwasser, bei tierischen Produkten wie Eier und Fleich (Massenkeulungen unter Pandemie Vorwand, Stillegung und „Renaturierung“ von Ackerflächen usw.

Thomas
2 Stunden her

Unter Grönland, das mit Dänemark assoziiert, ist befinden sich riesige Erdölvorräte. Und das sind nur die bekannten und leicht förderbaren. Auch im Falle von Grönland stellt sich die EU stur. Solange bis andere Mächte sich diese Rohstoffe sichern.

Last edited 2 Stunden her by Thomas
Haba Orwell
2 Stunden her

> Das war keine diplomatische Floskel, sondern eine klare Ansage. Europa solle endlich, anstatt sich abhängig zu machen, seine eigenen Energiequellen erschließen. Würde Seine Trumpigkeit nicht nörgeln, wenn Westeuropa sich mit Russland und Iran arrangiert… Der Plan war wohl anders: https://tkp.at/2026/04/06/europa-ohne-oel/ > „… In einer freien Marktwirtschaft hätte die US-Industrie den europäischen Produktionsstandorten nie die Stirn bieten können. Günstige europäische Energie, hochentwickelte Infrastruktur, qualifizierte Arbeitskräfte – das war ein Wettbewerbsvorteil, der nicht leicht zu schlagen war. Wenn allerdings die Energiekosten in Europa auf das Drei- bis Vierfache steigen, während die USA günstigste eigene Energie haben, verschiebt sich das Gleichgewicht fundamental.… Mehr