Gegen Uber und Bolt: Stadt Köln will Preisvorteile aushebeln

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) gibt den Cheflobbyisten der Kölner Taxifahrer. Er will den Preisvorteil von Fahrdienstleistern wie Uber per Allgemeinverfügung ausgleichen. Für die Bürger bedeutet das: entweder mit dem desolaten Zustand von Bus und Bahn vorlieb nehmen – oder blechen.

picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Eine Fahrt in die Kölner Innenstadt ist eine teure Angelegenheit. Wer mit dem eigenen Auto anreisen möchte, muss sich auf künstlich verknappte und überteuerte Parkplätze einstellen. Hinzu kommen Kosten für die Therapiesitzung, die man braucht, nachdem man versehentlich mindestens drei Fahrradfahrer, die sich verkehrswidrig verhalten haben, fast umgenietet hat.

Also Bus und Bahn? Schön wär’s. Fahrscheine sind teuer, schließlich soll der Kunde ins Abonnement gedrängt werden; und steht man am Gleis, kommt die nächste Bahn auch gern mal erst in 27 Minuten – bei einem theoretischen Zehnminutentakt.

Da bleibt nur noch das Taxi. Eine typische Taxifahrt in Köln kostet um die 30 Euro. Das ist kein Pappenstiel. Und es ist unpraktisch. Immer noch nörgeln viele Taxifahrer, wenn man die Fahrt mit Karte bezahlen möchte.

Kartenzahlung ist zwar keine brandneue Erfindung, aber Taxifahrer mögen eben keine Neuerungen. Schon gar nicht die, dass ihnen mittlerweile Fahrdienste wie Uber und Bolt Konkurrenz machen.

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Nun ist einige Kritik am Geschäftsmodell dieser Unternehmen sicherlich angebracht, etwa an den Arbeitsbedingungen, die sie den Fahrern aufzwingen. Fakt ist aber: Diese Fahrdienste bieten dem Bürger, der aufgrund von Strecke, Witterung oder physischer Konstitution der Nötigung zum Radfahren nicht nachkommen kann, die Chance, minimale Mobilität sicherzustellen. Zu Preisen, die immer noch saftig, aber nicht existenzbedrohend sind.

Zum Vergleich: Die oben genannte typische Fahrt würde mit einem Uber ungefähr 18 Euro kosten. Das sind circa 40 Prozent Ersparnis, häufig zahlt man im Vergleich noch weniger, zumal da der Festpreis unabhängig von der Fahrtdauer ist, während im üblichen Kölner Stau der Taxameter weiterläuft.

Damit soll nun nach dem Willen des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester (SPD) Schluss sein. Der möchte zum einen zur Jahresmitte die Taxipreise um saftige 11 Prozent anheben. Pro Kilometer sind dann 2,90 Euro fällig. Als Trost soll der Preis ab März 2027 nur noch „minimal“ steigen, auf 3 Euro pro Kilometer. Köln wäre damit die teuerste Taxistadt Deutschlands.

Zusätzlich will Burmester per Allgemeinverfügung ein Mindestbeförderungsentgelt für Fahrdienstleister festlegen und zugleich Taxiunternehmen erlauben, die eigenen Mindestpreise zu unterbieten. Dies würde den Preisunterschied zwischen Taxi und privatem Fahrdienst drastisch verringern.

„Das Taxigewerbe leistet als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs einen Beförderungsauftrag. Um diesen Auftrag erfüllen zu können, muss es faire Wettbewerbsbedingungen geben. Ein ausgewogen ausgestaltetes Mindestbeförderungsentgelt soll für faire Bedingungen sorgen“, sagt Burmester. Einen besseren Lobbyisten könnten sich Taxiverbände nicht wünschen.

Uber bittet nun seine Kunden über die App, sich mit einem Schreiben an den Bürgermeister gegen dieses Vorhaben einzusetzen. Das Unternehmen bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Einführung von Mindestpreisen. Denn warum sollten allein die wirtschaftlichen Interessen der Taxi-Branche einen derartigen Eingriff rechtfertigen?

Torsten Burmester ist von der SPD. Das war angeblich einmal die Partei der kleinen Leute. Mittlerweile ist sie immer als erste mit dabei, wenn es darum geht, die pekuniäre Schlinge fester um den Hals des Bürgers zu ziehen.

Was den Betreffenden nie in den Sinn käme: Mobilität für alle günstiger zu gestalten oder die Kapazität und Qualität von Bus und Bahn zu steigern. Wo kämen wir denn da hin, wenn Politik im Sinne der Bevölkerung betrieben würde?

Dass zusätzlich zu den hohen Miet- und Lebenshaltungskosten in der Domstadt auch die Mobilität bis ins Unerträgliche verteuert wird, haben die Kölner freilich selbst zu verantworten: Sie haben Burmester schließlich gewählt. Sollen sie doch mit dem Rad fahren.

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Kommentare ( 23 )

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Mike76
1 Monat her

Warum nur wollen Kölner Taxifahrer keine Plastik-Karten? Ganz einfach, weil ein Großteil der Einnahmen so prima am Finanzamt vorbei läuft.

Marc Greiner
1 Monat her
Antworten an  Mike76

Bravo. Die EU-Kommission für die Abschaffung des Bargeldes hätte es nicht besser formulieren können.

Haba Orwell
1 Monat her

> Immer noch nörgeln viele Taxifahrer, wenn man die Fahrt mit Karte bezahlen möchte.

Bargeld ist Freiheit, während man Kartenzahlungen lückenlos kontrollieren kann. Für Freiheit sollte man schon hin und wieder was tun, sonst hat man rasch keine mehr.

alter weisser Mann
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Da ist der steuerzahlende Kunde aber schön im Zwiespalt.
Soll er sich engagieren für die Freiheit der Steuervermeidung (egal bei welcher Dienstleistung, die letztlich auch zu seinen Lasten geht?

Marc Greiner
1 Monat her

Mobilität wird künstlich verteuert, das stimmt. Aber Uber und Bolt sollen die Lösung sein? Sicher nicht. Noch ein Einschub: Taxifahrer würden Bargeldzahlungen bevorzugen. Ja klar, keine Gebühren. Und ich dachte man wäre hier gegen die Bargeldabschaffung. Weiter. Uber wurde schon mehrmals von Gerichten verurteilt wegen unlauterer und gesetzeswidriger Handlungen. Siehe hier https://www.cash.ch/news/top-news/uber-whistleblower-wir-haben-die-demokratie-untergraben-561610 und hier https://taxi-times.com/die-schlimmen-wahrheiten-ueber-uber/ (bitte das Video anschauen). Die ganze sogenannte Sharing-Economy hat nur einen Zweck: Regeln und Steuern zu umgehen. Z.B. auch Helpling, eine Reinigungsfirma basierend auf „selbständigen“ „Fachkräften“. Das hat ein Journalist schon lange recherchiert und es kam (erstaunlich) im Fernsehen ein Bericht darüber. Die Originalsendung habe… Mehr

Last edited 1 Monat her by Marc Greiner
alter weisser Mann
1 Monat her
Antworten an  Marc Greiner

„Ja klar, keine Gebühren.“
Als ob Bargeld wegen der wegfallenden Kartengebühr (Girocard 1%) bevorzugt würde …

Laurenz
1 Monat her

Finde den Fehler im Diouf-Artikel? Einfach nicht nach Köln fahren. Solch eine Fahrt kann, wie in Berlin, nur Masos einfallen. Wohne 13 KM nördlich von der Hauptwache in Frankfurt entfernt & umfahre Frankfurt grundsätzlich.

Klaus Uhltzscht
1 Monat her

Aggessive Radfahrer,die dir Regeln nicht beachten, kenne ich auch aus Freiburg in Ba-Wü. Sie sind ein Hinweis, daß man sich wohl gerade in eine grün transformierte Stadt verirrt hat.

Harry Hirsch
1 Monat her

Man kann froh sein, dass diese Nichtsnutze der Altparteien nicht schon vor über 100 Jahren das Sagen hatten. Die hätten glatt verordnet, dass jedes Auto von einem Pferd gezogen werden muss, damit jeglicher Fortschritt, der den normalen Menschen einen Nutzen bringt, sofort im Keim erstickt wird.
Nieder mit dem elenden, korrupten Parteiensystem, es lebe der gesunde Menschenverstand!

Juergen Schmidt
1 Monat her

Pfründe verteidigen, Bürger immer noch mehr belasten, kein Problem wirklich lösen. Typisch SPD eben.
Von Burmester wird auch nichts weiter kommen – jede Wette.
Zu seinem Amtsbeginn hat die Stadt Köln erstmal die Grundsteuern erhöht um ca. 10%, und diverse Gebühren für Immobilienbesitzer.
Das macht die Mieten nicht gerade günstiger, aber die Kölner Wähler wollen es ja so.

Milton Friedman
1 Monat her

gibt den Cheflobbyisten der Kölner Taxifahrer.

Wie das eben so ist mit Eisbergspitzen, muss man sich erst einmal klar werden dass man auf einer steht.
Man kann sagen, ein Stadtoberer würde zum Cheflobbyisten einer Branche. Man kann sich aber auch fragen, ob die Dynamik, die bei dieser Posse zum Vorschein kommt, nicht eine Dynamik ist, die schon seit Jahrzehnten besteht.
In Hamburg heißt es, Wochenmarktlizenzen seien wahre Goldgruben, und die Vergabe dieser kann mal mehr, mal weniger flüssig laufen. Und als Uber und Co. durch Nordamerika frästen, kamen dabei reihenweise korrupte Strukturen zum Vorschein.
So ist das eben mit Eisbergspitzen.

Last edited 1 Monat her by Milton Friedman
eifelerjong
1 Monat her

„Sollen sie doch mit dem Rad fahren.“
Berücksichtigt man den „Drittwelt-Zustand“ der Straßen Kölns, ist dies aber nur mit einem Mountainbike möglich.
Als rheinischer Eifeler war Köln einmal quasi meine Hauptstadt. Jetzt bringen mich, außer einem Verwandtenbesuch so ein-/zweimal im Jahr, keine 10 Pferde mehr in diesen Slum.

Last edited 1 Monat her by eifelerjong
LiKoDe
1 Monat her

Fairer Wettbewerb wird in vielen Bereichen der Gesellschaft erst und nur durch viele verschiedene Regelungen hergestellt.

Dass Personennahbeförderung in Köln teuer ist, verantworten CDU, FDP, Grüne und SPD; letztere aber eben nicht alleine.