Seit Jahren praktisch keine Aufgaben, aber sechs Mitarbeiter und ein Chef mit sechsstelligem Jahreseinkommen. Jetzt bekommt der Mann auch noch einen Bonus – und niemand weiß, wofür.
Sisyphos, das ist dieser mythische König bei den ollen Griechen. Wegen verschiedener Missetaten wird er vom Götterboten Hermes dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit einen Felsblock einen Berg hinaufzurollen. Fast am Gipfel, rollt der Fels jedes Mal wieder ins Tal, und Sisyphos muss von vorne anfangen.
Andreas Hiller ist wie Sisyphos. Nur ohne Felsblock.
Hiller ist gelernter Fahrzeugtechniker und studierter Ingenieur. Vermutlich wäre der Mann also durchaus in der Lage, im übertragenen Sinn einen Felsblock einen Berg hinaufzurollen – also etwas zu tun. Irgendetwas zumindest. Doch im Moment muss er das nicht, denn er ist Alleinvorstand bei der Landesanstalt für Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB).
Das ist derzeit Berlins kuriosester Landesbetrieb: Praktisch keine Aufgaben, nur sechs Mitarbeiter – aber der Chef bekommt ein sechsstelliges Jahresgehalt. Und jetzt auch noch einen Bonus.
Nur: wofür eigentlich?
Das fragen sie sich in der Hauptstadt auch gerade. Denn den Betriebszweck, für den die landeseigene Anstalt gegründet wurde, gibt es nicht. Die LSFB soll im Auftrag des Landes die künftige S-Bahn-Flotte verwalten. Außerdem übernimmt sie nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung „wichtige Aufgaben bei der Finanzierung des Fahrzeugkaufpreises und bei der Sicherung des Werterhalts der Fahrzeuge für das Land Berlin“. Dafür wurde die Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet.
Schon die Gründung wirft Fragen auf. Das Land Berlin ist aktuell direkt an 61 Gesellschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts (AöR) beteiligt. In Worten: einundsechzig. Zusätzlich sind etwa 300 Tochterunternehmen ebenfalls dem Land Berlin zuzurechnen. Warum also musste der Senat eine weitere Anstalt gründen, statt die beschriebenen Aufgaben einem der vielen schon existierenden landeseigenen Betriebe zuzuweisen?
Man weiß es nicht. Jedenfalls, die LSFB erblickte im Mai 2021 das Licht der Welt. Blöd nur: Die S-Bahn-Züge, um die sie sich kümmern soll … tja, wie sagt man das jetzt sozialverträglich … also: Die gibt es nicht.
Das wird sich aller Voraussicht nach auch noch mehrere Jahre nicht ändern. Denn in der gewohnten Berliner Kombination aus unfähiger Verwaltung und noch unfähigeren Politikern steht die große Erneuerung der S-Bahn in der Millionenmetropole seit fünf (!) Jahren still.
Der Senat wollte den Betrieb mehrerer S-Bahn-Teilnetze sowie Kauf und Wartung der dafür nötigen neuen Fahrzeuge ausschreiben. Wegen strittiger Fragen wurde die Vergabe der Milliarden-Aufträge immer wieder verschoben. Der Flughafen BER lässt grüßen.
Zuletzt hat das Land zwar endlich einen Sieger des Wettbewerbs gekürt – doch der unterlegene Bieter hat geklagt. Die Aussichten, dass das gesamte Vergabeverfahren nun komplett neu aufgesetzt werden muss, stehen nach übereinstimmender Einschätzung von Rechtsexperten nicht schlecht: Denn der Senat hatte sich in seiner grenzenlosen Weisheit für ein extrem spezielles und völlig unübliches Ausschreibungsdesign entschieden, und das dürfte schlicht rechtswidrig sein.
Also steht ein Prozess an, und der wird dauern. Es sieht ganz so aus, als werde Berlin noch jahrelang keine neuen S-Bahnen anschaffen können. Bis dahin kann die LSFB nicht das tun, wofür sie da ist. Trotzdem hat die Anstalt im Jahr 2024 sechs Mitarbeiter beschäftigt – plus den Chef.
Wofür?
Gegenüber der Zeitung „Tagesspiegel“ schwurbelt die zuständige Senatsverkehrsverwaltung herum: „Als neu gegründete Anstalt war die LSFB bisher mit einem Kernteam mit dem Aufbau der AöR sowie vorbereitenden Projekttätigkeiten betraut. (…) Schwerpunkt war und ist die Vorbereitung der Finanzierung über den Kapitalmarkt in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Finanzen.“
Seit fünf Jahren ist die LSFB also mit dem eigenen Aufbau und „vorbereitenden Projekttätigkeiten“ beschäftigt. Geschäftsführer Hiller rechtfertigt sich: „Diese vorbereitenden Tätigkeiten können bisher als ausfüllend bezeichnet werden.“ Aha. Man macht zwar nicht das, was man machen soll. Aber man macht etwas anderes, und damit geht die Zeit auch rum.
Vor genau drei Jahren wurde Andreas Hiller als Geschäftsführer angestellt. Im Jahr 2024 betrug sein Grundgehalt nach offiziellen Angaben 107.000 Euro, neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Obendrauf bekam er einen Bonus in Höhe von satten 10.000 Euro. Weshalb bekommt ein ohnehin hochbezahlter Manager von einem aus Steuergeldern alimentierten landeseigenen Betrieb einen Bonus, wenn er seine eigentliche Arbeit gar nicht machen kann?
Auch hier ist die Senatsverkehrsverwaltung nicht um eine Antwort verlegen: Der Arbeitsvertrag mit dem Vorstand sehe „analog der beteiligungsrechtlichen Vorgaben und Hinweise der Senatsverwaltung für Finanzen ein Fixgehalt und eine variable Vergütung (Tantieme) vor, so wie bei den anderen Landesunternehmen.“
Mit anderen Worten: Der Mann bekommt einen Bonus, weil der Mann einen Bonus bekommt.
Wir müssen uns Andreas Hiller als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
In juengeren Jahren forderte ich , in einer dringlichen Angelegenheit schon laengere Zeit vor einem Bauamt um Einlass wartend , einem aelteren , ebenfalls wartenden Architekten gegenueber , man muesse die Herrschaften ( jenseits der Tuer ) vielleicht mal wach ruetteln . Die Antwort war vielsagend : Wenn sie die arbeiten sehen , fordern sie das nie wieder !
Vielleicht habe ich was ueberlesen : Ist der Herr Hiller Ingenieur oder ist der nur mit Inge Noer verheiratet ? Und ist die womoeglich eine hohe Tier*In in der berliner Stadtvergewaltigung ( vielleicht Integrationsbeauftragte ) ? Fuenf Jahre mit sechs von ihrer Aufgabe beseelten , emsigen Mitarbeitern etwas nicht Vorhandenes in Schwung zu bringen und sich dabei noch voll ausgefuellt zu fuehlen ; da steckt doch mehr dahinter als nur die Hoechstform technischer Kreativitaet .
Ich verstehe die Aufregung nicht:
„Hiller ist gelernter Fahrzeugtechniker und studierter Ingenieur.“
Immerhin mal einer, der nicht 32 Semester Gender- und Geschwätzwissenschaften studiert hat!
(*Ironie aus*)
Es gibt durchaus auch Beamte, die viel leisten. Meine Frau hat über 40 Jahre bei einer Stadtverwaltung gearbeitet. „Viel leistende Beamte“ hat sie dort nicht gesehen. Es gab einige, die mehr gearbeitet haben als die Mehrheit (der Beamten), aber viel war das immer noch nicht. Sie war 10 Jahre lang Zuarbeiterin eines Beamten. Als der in Pension ging, machte sie diese Arbeit 20 Jahre lang alleine! Der Beamte sortierte morgens erstmal eine halbe Stunde lnag seine Bleistifte und Kugelschreiber auf dem Schreibtisch nach Größe, dann spitzte er alle Bleistifte und probierte alle Kugelschreiber aus. Wenn er dann mit 30 min… Mehr
Naja irgendwoher müssen ja die Einheitsparteiwähler im Shithole Deutschlands herkommen… Genau diese Menschen von denen es ja scheinbar zig 100Tausende gibt (ÖV-Angestellte) genau diese Menschen wählen die Einheitspartei und sind dann Schuld, dass es genau so weiter geht.. wie man sieht ist es ja nicht das Schlechteste….
So sieht es aus. Die Wählerprozente sind zu einem Großteil schlicht mit unseren Steuergeldern gekauft. So lange der Rubel rollt, wählt man seinen Geldgeber. Ist die Kohle nicht mehr da, bricht das Glashaus ruckzuck zusammen. Den beim Geld hört der Spaß bekanntlich auf. Insbesondere im links/grüne Milieu. Dann werden aus Brüdern und Schwestern im Geiste ganz schnell Feinde. Fressfeinde. Und keiner zerfleischt sich so gut wie die Sozialisten!
Aufgaben lt. Homepage der Anstalt: „Die Länder Berlin und Brandenburg schreiben aktuell die Schienenpersonennahverkehrsleistungen auf den Teilnetzen Nord-Süd und Stadtbahn des Berliner S-Bahn-Netzes sowie die Lieferung und Instandhaltung der hierfür erforderlichen Schienenfahrzeuge (Neufahrzeuge) losweise in einem wettbewerblichen Verfahren aus. Die Landesanstalt für Schienenfahrzeuge (LSFB) überwacht die Entwicklung und den Bau der Fahrzeuge sowie der dafür zu errichtenden oder umzubauenden Werkstätten.“ Schritt 1 ist noch nicht getan, da kommt die Anstalt bereits ihrer Aufgabe nach. Interessant. Es erscheint auch ein „Zeitplan“. Allerdings sind m. E. keine Schritte gelistet, die die Anstalt zu erledigen hätte, vgl. https://lsfb.berlin/ Amüsant, wie Mitarbeiter einer Landesanstalt… Mehr
Jetzt bekommt der Mann auch noch einen Bonus – und niemand weiß, wofür.
Es regt sich der Verdacht, dass dieses bizarre Beispiel jetzt kein Alleinstellungsmerkmal darstellt, sondern sich vielleicht eher in eine Vielzahl solcher „sozialen Integrationsbetriebe“ einreiht.
Seit Jahren praktisch keine Aufgaben….vieleicht auch besser so wer weiß was die sonst nach an steuergeldern ausgegeben hätten. Und den bonus hat er vermutlich bekommen damit er bleibt denn wir wissen ja das es auch für den staat nicht einfach ist fachkräfte zu finden. Da muss man denen die da sind schon was bieten wie einen bonus gerade wenn das top fachkräfte mit hohem gehalt sind.
„Aha. Man macht zwar nicht das, was man machen soll. Aber man macht etwas anderes, und damit geht die Zeit auch rum.“
Man kann es auch anders sehen.
Wenn die Last der Phase 1 des Aufbaus der AöR sowie der vorbereitenden Projekttätigkeiten erst einmal gestemmt ist, können endlich weitere zwanzig, dringend benötigte Mitarbeiter eingestellt werden, um dann, mit frischen Wind und hochmotiviert, die Pase II des Aufbaus der AöR sowie der vorbereitenden Projekttätigkeiten in Angriff zu nehmen.
Ich finde, er hat den Bonus verdient – er hat nix falsch gemacht, keine Millionen in den Sand gesetzt, oder eine Katastrophe verursacht. Läuft