Lange war Deutschland für seine Vertrauenskultur berühmt. Doch genau dieses Vertrauen zerfällt. Jetzt soll auf einer Konferenz darüber gesprochen werden - aber nicht mehr in Deutschland, sondern in Abu Dhabi. Für TE-Leser stehen zwei Karten kostenlos zur Verfügung.
Der Zerfall des Vertrauens zeigt sich zuerst im Alltag. Junge Menschenblicken düster in die Zukunft; erwarten wenig von dem, was dieser Staat noch vollmundig verspricht, Bei Frauen ist der Verfall des Vertrauens besonders deutlich spürbar. Nicht in Form langer Klagelitaneien oder politischer Analysen, sondern in persönlichen Vorsichtsregeln. Bestimmte Straßen werden gemieden, bestimmte Tageszeiten bewusst eingehalten, Kleidung unter Sicherheitsaspekten geprüft, Schuhe sollen lauffähig sein, Straßenseiten bei außereuropäisch wirkenden Männern gewechselt. Nicht aus irrationaler Angst, sondern aus einem neu erlernten Kalkül. Vertrauen in den öffentlichen Raum ist kein Grundzustand mehr, sondern eine variable Größe, abhängig von Ort, Zeit und Situation.
Was bei jedem Einzelnen beginnt, aggregiert sich zu einem gesamtgesellschaftlichen Muster. Das Vertrauen in Institutionen ist auf dem Tiefststand. Zuletzt zerbröselte das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht, lange Garant und Hüter der grundgesetzlichen Ordnung, jetzt von Parteipolitikern bestimmt. Man traut sich nicht mehr, die eigene Meinung zu äußern, traut Politikern alles zu. Vertragswerke werden immer dicker und umfänglicher, Gesetze und Regulierung detailistisch bis ins Unerträgliche. Die Kosten der Rechtswahrung steigen.
Eine Reihe von Personen des öffentlichen Lebens wollen der Frage nachgehen, wohin das führt und welche Lösungen möglich sein könnten.
Vertrauensverlust erfolgt nicht aus irrationaler Angst, sondern aus einem neu erlernten Kalkül. Vertrauen in den öffentlichen Raum ist kein Grundzustand mehr, sondern eine variable Größe, abhängig von Ort, Zeit und Situation. Schon die Ortswahl ist entscheidend für das Ergebnis des öffentlichen Diskurses. Produktiv ist es nur an einem geschützten Ort möglich, außerhalb der Summe der Konflikte, Demonstrationen und Überwachungsmaßnahmen, wie sie in Deutschland mittlerweile durch staatlich geduldete Akteure erfolgt.Die Veranstalter haben sich für Abu Dhabi entschieden. Abu Dhabi als exterritorialer Denkraum, weil es außerhalb des europäischen Binnenklimas aus politischer Aufladung, medialer Selbstbezüglichkeit und moralischer Vorabcodierung liegt. Distanz schafft analytische Schärfe.
Der Publizist Markus Langemann beschreibt die Ortswahl wie folgt, bezugnehmend auf die neue Angst und gesteigerte Wachsamkeit in Deutschland:
„Auffällig ist der Kontrast, den dieselben Personen beschreiben, wenn sie andere Gesellschaften erleben. Nach wenigen Stunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, so wird berichtet, falle diese permanente innere Wachsamkeit ab. Teure Smartphones bleiben sorglos unbeaufsichtigt auf dem Restaurant-Tisch, Bewegung im öffentlichen Raum ist auch abends bedingungslos. Das Entscheidende daran ist nicht die Sicherheit an sich, sondern ihre Selbstverständlichkeit. Vertrauen muss dort nicht permanent reflektiert werden. Es ist einfach Teil der Ordnung.“
Wer Europa verstehen will, muss es zeitweise verlassen. Der räumliche Abstand ermöglicht eine nüchterne Betrachtung europäischer Fehlentwicklungen, ohne sofort in Lagerlogiken oder Rechtfertigungsdruck zu geraten. Abu Dhabi ist ein globaler Knotenpunkt zwischen Europa, Asien, Afrika und dem angelsächsischen Raum – ein Ort, an dem unterschiedliche Ordnungsvorstellungen selbstverständlich nebeneinanderstehen. Er entwickelt sich zu einem neutralen Verhandlungsort auch der globalen Politik; so werden dort die Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland geführt.
Neutralität des Ortes
Abu Dhabi ist kein politisches Projektionsfeld deutscher oder europäischer Innenpolitik. Weder historisch noch kulturell ist der Ort mit den hiesigen Grabenkämpfen aufgeladen. Das senkt Reizschwellen und erhöht Gesprächstiefe. In Oberbayern wäre der Ort Teil der Debatte. In Abu Dhabi ist der Ort Rahmen, nicht Inhalt. Genau das ist entscheidend: Der Kongress soll nicht über seine Kulisse erklärt werden müssen. B-Safe26 ist kein Rückzugsseminar, kein Klosterersatz, kein Selbstvergewisserungszirkel. Die Wahl Abu Dhabis unterstreicht den Anspruch auf strategische Tiefe, internationale Perspektive und intellektuelle Professionalität. Während Europa sich zunehmend in regulatorischer Verdichtung, ideologischer Verengung und institutioneller Selbstblockade erschöpft, entstehen anderswo Räume, die Ordnung, Stabilität und Entscheidungsfähigkeit wieder als Tugenden begreifen. Dieser Kontrast ist Teil der Analyse.
Weil man manches erst klar sieht, wenn man nicht mittendrin steht. Informationen über den Kongress, auf dem auch TE-Chefredakteur Roland Tichy mitdiskutieren wird, finden Sie hier.
Für Leser von TE stehen zwei Freikarten für die Veranstaltung zur Verfügung, die bis 20. Februar 2026 unter den Einsendern (an kontakt@tichyseinblick.de unter Betreff „B-safe26“) verlost werden. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)

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Ich brauche keine Think-Tanks, um zu erkennen, wie diese Zustände im Land wieder in die vorherige Version zurückgeführt werden können.
Es ist sogar erstaunlich einfach.
Denn dazu genügt schon ein kleines Kreuzchen an der richtigen Stelle in der Wahlkabine!