Deutschland stürzt jetzt kopfüber in eine Wirtschaftskrise von gewaltigem Ausmaß. Der Auslöser mag der Iran-Krieg sein – die Ursache ist die Krise in den Köpfen. Es geht nicht um Öl vom Golf und Donald Trump. Es geht um die elementare Zukunft dieses Landes, die gerade verdummt wird.
picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Steigen die Preise? Wenige Tage nach Beginn des Iran-Kriegs erklärte ein Handelsspezialist und Professor für Volkswirtschaftslehre im Staatsfunk: Es könnte schon sein, dass Datteln und Pinienkerne teurer würden, ansonsten bestünde keine Gefahr. War es eine bewusste Verdummungsstrategie des öffentlich-rechtlichen Sektors? Oder war es einer, der die Sache nicht zu Ende denken vermag? Vermutlich eher beides. Wir leben in einer Krise der Köpfe. Kriege und Krisen gab es zu allen Zeiten. Wie man damit umgeht, ist die entscheidende Frage – an der Deutschland gerade zu Grunde geht.
Warum die Preise steigen
Mühsam erholt man sich vom Tank-Schock; nur die FAZ beruhigt: Kostet den Pendler nur einen Schokoriegel und einen Kaffee. Auch die früher durchaus klugen Köpfe denken nicht über den Rand eines Bistro-Stehtisches hinaus. Denn Transportkosten verteuern nicht nur den Transport von A nach B, wie die FAZ mühselig versuchte, die Krise kleinzurechnen. Heute werden Produkte kreuz und quer und hin- und hertransportiert. Selbst regionale Produkte wie der Apfel vom Bodensee oder aus dem Alten Land rollt drei- bis siebenmal über die Straßen, ehe er im Müsli landet. Industrieprodukte wie Autos oder Maschinen werden 10- bis 30-mal hin- und hergeschickt. Das ist der Preis von Spezialisierung und Globalisierung, von Lieferketten und Arbeitsteilung. Rund 70 Prozent des Welthandels bestehen aus Vorleistungen in solchen Ketten. 30 bis 60 Prozent der Exporte sind Zwischenprodukte, nicht Endprodukte (ermittelt aus OECD-Analysen wie hier und hier).
Das ist der Fluch der globalen Lieferketten – ehe ein PC oder Handy erstmals in Betrieb genommen wird, erfolgten 50 bis 100 Transporte, zum Teil mehrfach über Kontinentalgrenzen hinweg.
Das bedeutet: Nicht der FAZ-Schokoriegel bildet das Desaster steigender Transportkosten ab, sondern eine ganze Schachtel von Riegeln müsste als Maßstab herangezogen werden, wobei sich die ihrerseits verteuern. Und eine Wirtschaft wie die deutsche, die global verflochten und arbeitsteilig operiert, ist besonders getroffen. Ohne die Edelgase vom Golf wie Helium keine Chip-Produktion. Aus der Rohstoffbasis haben die Golfstaaten eine wichtige Säule der Chemischen Industrie entwickelt – zu der der Zugang jetzt erschwert ist
Es geht nicht um Öl, sondern Chemie
Die Golfregion wird zu Recht als globales Erdölfass betrachtet. Aber tatsächlich geht es längst um vor Ort raffinierten Treibstoff, um Benzin und Diesel oder Kerosin – und um viele Nebenprodukte, die wertvoller sein können als das Hauptprodukt. In der Chemie spricht man von „Kuppelprodukten“, also eine Vielzahl von Verbindungen, die vermeintlich nebenbei anfallen – und ihrerseits erhebliche Wichtigkeit besitzen. Wenn deutsche Grüne von fossiler Energie faseln, übersehen sie: Es geht um die gigantischen Mengen von Kunststoffen, Edelgasen, Düngemittel; es geht um Kleidung, Verpackungsmaterial, Bitumen. Es geht um Medizinprodukte, Autoteile, Baustoffe. Ein Drittel der petrochemischen Weltproduktion kommt aus den Chemiefabriken von Aramco und SABIC in Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ohne diese Vorprodukte hat es die deutsche Chemieindustrie, die sie weiterverarbeitet zu Medikamenten und Fasern für die Textilindustrie oder Plastikflaschen, schwer, ihre Produktionen aufrechtzuerhalten.
Kommt der Hunger zurück?
Ein besonderes Thema sind Düngemittel. Klar ist: Es gibt ihn noch, den Dünger. Aber zu dramatisch erhöhten Preisen. Derzeit beträgt der Preisanstieg rund 50 Prozent, so die aktuellen Zahlen, die schon veraltet und überholt sein können, während man sie eintippt. Das führt entweder zu steigenden Lebensmittelpreisen, denn die Bauern werden die Kosten weitergeben müssen. Nicht schön, wenn der Schokoriegel und die Frühstücksemmel teurer werden und anschließend das Mittagessen oder der Salat. Im globalen Süden besteht die Gefahr, dass die Ernten kleiner werden oder ausfallen. Jetzt geht es nicht mehr um hohe Preise, sondern ums Überleben.
Und lassen Sie sich nicht vergrünen von den treuherzigen Augen, die vom kommenden Siegeszug der Bio-Landwirtschaft schwärmen. Damit sinken die Erträge; nach verschiedenen Quellen kann man von der Daumenregel ausgehen: Biolandbau bedeutet ein Drittel weniger Getreide. Das mag für deutsche Bio-Fans erträglich sein; noch ist Deutschland ein reiches Land und Konsumenten können ihre Budgets umschichten – weniger Fernreisen, mehr Vollkornbrot. Aber im globalen Süden ist das nicht möglich. Da droht der Hunger. Während Deutschlands Grüne und Regierung davon träumen, nachwachsende Rohstoffe in die Tanks der Autos zu füllen und in die Gasheizung einzuspeisen, wie der Entwurf des neuen Heizungsgesetz vorsieht. Damit wird Brot buchstäblich verbrannt.
Die Öko-Ideologie frisst den Planeten leer. In einer großartigen Analyse hat Vaclav Smil analysiert, „Wie die Welt wirklich funktioniert“. Sie braucht zum Funktionieren fossile Bodenschätze. In einem Kilogramm Sauerteigbrot sind das Äquivalent von einem Viertelliter Dieseltreibstoff enthalten; im Baguette zwei Esslöffel, im deutschen Bauernbrot ein halber Liter. Energiekosten stecken in der gesamten Agrarproduktion; vom Ausbringen des Saatguts, über den Dünger bis zur Weiterverarbeitung der Ernte zu genießbaren Lebensmitteln, erklärt Smil im Kapitel „wie wir fossile Brennstoffe essen“.
Die Lüge von den erneuerbaren Energien
In diesen Tagen sind die einschlägigen Medien voll mit Jubel über den Siegeszug, den jetzt endlich! die erneuerbaren Energien antreten. Dabei wird übersehen: Es war der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck, der errechnen ließ, dass Deutschland 50 gigantische Gaskraftwerke braucht, um die Netze zu stabilisieren. Ohne fossiles Rückgrat brechen sie ein, wenn der Flatterstrum durch die Leitungen donnert oder eben auch nicht. Gleichzeitig werden Dutzende funktionsfähiger, hochmoderner Kohlekraftwerke auf Gas umgerüstet. Das verschlingt unvorstellbare Milliardensummen – vor allem: Es gibt neuerdings kein Gas, wenn die Produktion am Golf wie in Katar in Flammen steht. Oder es wird teuer.
Erneuerbare Energien sind nur eine Scheinlösung, denn im Hintergrund laufen fossile Kraftwerke. Gas ist eine doppelte Scheinlösung, weil das angeblich niedrigere CO2-Werte verursacht – wenn man hinreichen ungenau rechnet und Transport und umplanmäßiges Entweichen kurz mal vergisst für das ideologisch gewünschte Endergebnis. Kohle mag schmutziger sein, aber sie kommt nicht aus der Golfregion, sondern von einer Vielzahl von Lagerstätten: Australien, Südamerika, Europa. Es wäre vernünftiger gewesen, die Stromproduktion zu diversifizieren – zum Beispiel auch auf Kohle, die auf Halde leicht lagerbar ist. Aber nein, für die Lüge von den Erneuerbaren wird die Realität geopfert.
Eine weitere Elektrifizierung, etwa durch E-Autos im Verkehr und Wärmepumpen beim Heizen spitzt die Gas-Abhängigkeit weiter zu. Auch für Fernwärme werden traditionelle Wärmequellen wie Kohlekraftwerke abgeschaltet und durch Gaskraftwerke ersetzt. Gas kommt nicht mehr aus Russland. Nun faselt selbst unser Superbundeskanzler davon, dass Deutschlands Gas-Versorgung nicht vom Golf kommt. Mag sein. Was der wirtschaftliche Absolvent einer Klippschule übersieht: Es geht um den Preis. Schon jetzt beginnen die LNG-Tansporter, ihre Route zu ändern und dort anzulanden, wo der Preis höher ist. Energiemärkte sind DER globale Markt. Die Energie fließt an den Punkt der höchsten Zahlungsbereitschaft und Zahlungsfähigkeit. Es wird teuer. Und irgendwann knapp. Die USA haben den Kampf um Ressourcen für sich entschieden. Der Golf fällt zumindest teilweise als Energielieferant aus, Russland wollen wir nicht. Die USA exportieren LNG-Gas und binden die Kunden langfristig an sich. Deutschland schaut in die Röhre.
Es gibt sie, die Lösungen
Es gäbe Lösungen, wie immer gibt es Alternativen; nichts ist irreversibel, auch wenn CDU-Kanzler Alternativlosigkeit zum Sigma erhoben haben, und dies „irreversibel“, wie Merkel-Lehrling Friedrich Merz. Aber es wäre ein langfristiger Prozess. Kurzfristig geht nur Zerstörung, und da ist Deutschland Spitze. Nicht nur Kernkraftwerke werden ja zerstört. Auch Kohlekraftwerke fallen im Dutzend dem schwarz-rot-grünen Nerobefehl zum Opfer, wonach der Marsch in die grüne Armutsfalle unumkehrbar gemacht werden soll. Auch sie werden gesprengt – oder auf Gas umgerüstet.
In den Braunkohletagebauen setzen sie ihr Zerstörungswerk ebenfalls langfristig um: Die gigantischen Bagger wurden gesprengt. Die Tagebaue westlich von Köln werden geflutet. Dabei liegt dort zwar noch Braunkohle für 30 bis 50 Jahre, gemessen nach heutigen Verbrauchswerten. Wird erst mühsam Rheinwasser darüber gekippt, ist dieser Schatz unbrauchbar und unerreichbar; vernichtet.
Nachhaltigkeit in Deutschland hat eine neue Bedeutung: Die Zukunft soll nachhaltig zerstört werden. Auch künftige Generationen sollen nicht mehr in der Lage sein, den Schatz Braunkohle zu heben – der übrigens auch als Ausgangspunkt für die petrochemische Produktion geeignet wäre. Es soll zerstört werden, was die Menschheit wohlhabend gemacht hat – wenigstens in Deutschland, wenn wir es schon nicht mehr weltweit anstreben. Und das gilt auch für Erdgas. Es wird gebraucht, um Kohle und Kernkraft zu ersetzen – und es liegt zu unseren Füßen in enormen Mengen. Aber schon Merkels begrenzte Regierung hat verfügt, dass es dort bleiben muss. Es ist ein Kampf gegen jede vernünftige Lösung; gemeinsam getragen von CDU genauso wie von SPD und vorangetrieben von den Grünen.
Die Krise im Kopf
Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, stürzt Deutschland kopfüber in eine wirklich schwere Wirtschaftskrise: Die Automobilindustrie faktisch zerstört, jedenfalls was ihre Werke in Deutschland betrifft – sie ist dabei auszuwandern. Die Chemie ist auf der Flucht. Der Maschinenbau wird folgen oder sterben. Die energieintensive Industrie habe keinen Platz mehr in Deutschland, stellte Ifo-Chef Clemens Fuest fest. Moderne Industrie wie alles, was mit Computerei zusammenhängt, scheitert am hohen Energiebedarf. Deutschland katapultiert sich ins Aus. Erbarmungslos gegen sich selbst. Geschichte wiederholt sich angeblich nicht. Die Deutschen wiederholen aber die Geschichte ihrer Selbstzerstörung; diesmal mit friedlichen Mitteln.
Es müsste nicht so sein. Es gäbe Alternativen, es gäbe reversible Entscheidungspfade. Nach der ersten Ölkrise 1973 fiel die Entscheidung für den massiven Ausbau der Kernenergie. Maßgeblich vorangetrieben vor allem 1974–1982 unter Helmut Schmidt, SPD. In dieser Zeit wurden zahlreiche Kernkraftwerke geplant, genehmigt, gebaut und die Kernenergie zur tragenden Säule der Stromversorgung. Vielleicht gäbe es heute andere Wege, bessere, marktwirtschaftlichere Wege, worauf Professor André Thess hinweist. Es wären marktwirtschaftliche Wege, die neue Wege finden und eröffnen, den Erfindungsgeist belohnen und nicht die grüne Zerstörungswut.
Aber es bräuchte Entschiedenheit. Es würde Handeln verlangen. Mut. Klugheit. Entschlossenheit. Genau das fehlt der politischen Elite dieses Landes. Sie ist kleinkariert, verträumt, gestrig, unfähig, sich der Realität zu stellen. Vermutlich resultiert das aus einer Mischung von intellektueller Wohlstandsverwahrlosung und einer tiefen, neuen Religiosität, die auf eine neue Dreifaltigkeit setzt: Es ist der Glaube, dass Deutschland sich arm und edel hungern soll. Es ist die Liebe zu De-Growth, der Schrumpf-Ideologie, die die Menschen zur Reinheit und Bescheidenheit puritanischen Lebens in Armut führen soll. Und es ist die Hoffnung, dass Deutschland die Welt vor dem bösen CO2 rettet, ganz allein und global verantwortlich. Und moderne Technologien wie die Weiterentwicklung der Kernenergie sind schlecht. Es reicht das Lastenfahrrad, das an die Stelle der Kugeln des Rosenkranzes getreten ist und als neues Ritual der Armutsreligion gefeiert wird.
Es ist eine Krise im Kopf. Es ist nicht Putin, nicht Trump, es sind nicht die Rechten, die Deutschland ruinieren. Schwierigkeiten, Krisen, Kriege gab es zu allen Zeiten. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Es ist die Krise im Kopf von Parteien, und den von ihnen durchsetzten Kirchen, Gewerkschaften, der Medien und Teilen der Industrie. Es ist die Verdummung der Machthaber. Und das macht die Chose so gefährlich und aussichtslos.




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„Es ist die Verdummung der Machthaber.“ Vor allem ist es auch die Verdummung der Wählerschaft, die zu Regierungen führt, deren Mitglieder nicht mehr die Kompetenz besitzen, um Probleme wirklich zu lösen. Wir sind zu einer Gesellschaft geworden, die nicht mehr fähig zu sein scheint, beschrittene Irrwege zu verlassen und notwendige Korrekturen der eigenen Politik vorzunehmen. Die grüne Idiotenideologie ist in unserem Land zur Staatsdoktrin geworden. Wenn hier nicht bald eine Umkehr erfolgt, wird es zu einem ökonomischen Fiasko kommen.
Immerhin lernen wir jetzt wieder „Erdkunde“ (so hiess das in unserer Generation):
Oder wer konnte vor dem Krieg auf die Insel Kharg oder das Chagos Archipel auf der Weltkarte zeigen ?
Es gibt auch Trainingslager für „Dummheit“:
Heissen sich bei uns ARD und ZDF und ….
Einfach mal Wirtschaftsdaten und Umfrageergebnisse nebeneinander legen – und sofort sieht man, wo genau die Dummheit steckt!
Nimmt man dann noch ein uraltes Sprichwort dazu, wonach gegen Dummheit kein Kraut gewachsen ist, schaffen sogar Laien problemlos eine punktgenaue Zukunftsprognose.
Kleiner kostenloser Finanztipp am Rande?
Man kann mit so einer Lage tatsächlich Geld verdienen, denn auf den Untergang von Idiokratien lässt sich finanztechnisch wetten!
“ Aussichtslos“ ist ein hartes Schlußwort. Wir sollten uns weigern es so zu sehen.
Die Links Blöde Ideologie wurde nun 50 Jahre den Westdeutschen eingeimpft und nu sind se halt blöd. Oben drauf wurde die DDR Kommandowirtschaft gesetzt die jetzt mal Sozialismus mit Westgeld ausprobiert
hat – nu sind se halt wieder pleite.
Jetzt brauchts bloß noch einen großen Führer mit Staatssicherheit und dann schaffen wir das.
Wie man es auch drehen möchte, die Katastrophe verursachte zuerst der Handelskrieg gegen Russland (hier lange bejubelt) und dann Trumps Angriffskrieg (hier immer noch bejubelt) – neben Klimagedöns mit der „Weltrettung“. Krise im Kopf – die beiden ersten Dummheiten müsste man genauso ablehnen wie die dritte.
Es ist leider eben vor allem die Verdummung der Mehrheit der Wähler (BW: Grüne an der Spitze! Und heute in RP?). Oder wollen die sogar das Land in den Abgrund stürzen? Sicher nicht, aber die Indoktrination hat bei denen eben gewirkt. Daher: ARD und ZDF abschaffen.
Klasse: Verdummung der Machthaber.
Die Hersteller könnten die höheren Preise ja an ihre Kunden weitergeben.