Separatismus und Migration, Kompetenzfestungen und Zuwanderung

Weil die asiatische Konkurrenz stetig stärker wird und ein Hereindrücken Unqualifizierter verhindert, während Brüssel genau das betreibt, können hiesige Separationsbestrebungen nur stärker werden.

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Dass nationaler Separatismus erst im neunzehnten Jahrhundert Fahrt aufnehme und im frühen zwanzigsten seinen blutigen Höhepunkt erreiche, ist zwar anerkannte Lehrbuchweisheit, jedoch einem europäisch verengten Blick geschuldet. Immer steht zwischen 1492 und 1914, als Europas Geburtenraten signifikant fallen, das Personal für Eroberungen zur Verfügung, die definitionsgemäß zum Abtrennen von Gebieten andernorts führen. Von gut 50 auf knapp eine halbe Milliarde verzehnfacht sich Europas Bevölkerung. Verluste beim Siegen, Ausmorden und Siedeln in Übersee oder durch Seuchen und Kriege daheim werden schnell und mehrfach ausgeglichen. Um Europas Entvölkerung durch die Pestwellen ab 1348 zu drehen, bleibt nämlich seit dem späten 15.Jahrhundert von der Sexualität straffrei allein der eheliche Fortpflanzungsakt. Erst ab den 1960er Jahren kommt es zu einer Entkriminalisierung der Geburtenkontrolle.

Heinsohns War Index
Unschlagbar: Viele junge Männer
Weil die Erde gegen 1820 weitgehend aufgeteilt ist und das iberische Südamerika schon eigene Wege beginnt, wird es eng zwischen der ungebrochenen Bevölkerungsexplosion und neuen Territorien. Mit einem Anstieg von 180 Millionen 1800 auf 490 bis 1915 erreicht Europas Anteil an der Weltbevölkerung 27 Prozent. Der Kriegsindex liegt stets bei 3 bis 4: 3.000 bis 4.000 Jünglinge (15-19 Jahre) ringen um die Positionen von 1.000 Alten (55-59 Jahre).

Alle müssen für das Unterbringen des Nachwuchses expandieren. Russen holen sich in Zentral- und Nordasien 15 Millionen Quadratkilometer und werden zu Funktionseliten, während das Zarenreich von 35 auf 92 Millionen Bürger zulegt. Mit 10 auf 46 Millionen wächst Großbritannien in den 115 Jahren noch rasanter und kontrolliert 1918 fast 36 Millionen Quadratkilometer. Zusammen mit der amerikanischen Exkolonie dominieren die Angelsachsen ein Drittel der Erde. Noch einmal 40 Millionen Quadratkilometer gehen seit der zweiten Kolumbusreise – 1493 sind Soldaten, Siedler, Priester, Vieh und Saatgut auf den Schiffen – an Lissabon und Madrid, Paris und Den Haag sowie schließlich auch Brüssel, Rom und auch ans Deutsche Reich, das von 22 auf 67 Millionen steigt. Widerstand gibt es vom Osmanen-Reich, das erst 1918 fällt. Allein Ostasien mit China, Korea und Japan, wo schon im Mittelalter höheren Kulturleistungen gelingen, entkommt der Unterjochung.

Die überschüssige Söhne der europäischen Eliten regieren weltweit

Die Kühnsten der europäischen Unterschichten helfen beim Unterdrücken. In der Tötungs-und Sterbebereitschaft gegen Kolonisierte und imperiale Gegner erfahren sie sich – über Klassenschranken hinweg – als Nation. Unruhen, die diese Einigkeit daheim gefährden, dämpft man durch Zugewinn neuer Herrschaftsräume, in denen die Hitzköpfe als freie Siedler oder alsbald emanzipierte Sträflinge reüssieren. Die dabei erfolgenden Sezessionen erleiden andere. Tausende von Stammes-Gemeinschaften, Inka- oder Azteken-Kaiser, Khane, Emire und Sultane müssen den Verlust ihrer Gebiete hinnehmen, aus denen man auch freiwillig zu den Europäern überläuft.

Am Ende trifft es mit Polen-Litauen sogar das zweitgrößte Reich des Kontinents. Seine Aufteilung exekutieren die unmittelbaren Nachbarn. Größer wird dabei auch das Habsburger Imperium. Weil es aber zugleich bei der Bevölkerung von gut 20 Millionen 1800 bis 1914 auf 53 Millionen zunimmt, kann es seinem separatistischen Schicksal nicht entkommen. Die besonders gebärstarken slawischen Minderheiten verlangen plötzlich die Positionen der ungarischen und deutschen „Herrenvölker“. Die aber haben längst selber mehr Nachwuchs als Ämter und können nicht nachgeben. Das Ringen um Karrieren wird als Einsatz für nationale Ehren ausgetragen, bis man sich nicht einmal mehr die Hände geben kann. Und doch gibt es nicht allein den todernsten Weg zu eigenen Staatsapparaten, sondern auch den schlichten Umzug von Hunderttausenden nach Wien.

Man bleibt nach 1918 einfach dort und erstrebt statt einer tschechischen eine österreichische Karriere. Für diese optimistisch stimmende Flexibilität gibt es ein aktuelles Beispiel in Nahost. Während viele Araber in der Israelvernichtung ihr Heil suchen, wollen fast 70 Prozent der Araber im jüdischen Staat lieber dort als irgendwo sonst leben.

Von der demografischen Wucht her ähnelt das koloniale Europa dem Nachkriegs-Afrika, das zwischen 1950 und heute von 230 Millionen auf 1,25 Milliarden zulegt, bisher allerdings nur 17 Prozent der Erdbevölkerung stellt. Seiner Armut entgeht Europa durch die rasante Paarung hoher Geburtenzahlen mit einer zinsgetriebenen Eigentumswirtschaft. Unbesiegbar wird es, weil Waffen von bankrottbedrohten Unternehmern produziert werden, die immer tödlicheres Gerät auf die Märkte schicken müssen.

Der Pazifismus als Folge der fallenden Kinderzahlen entmachtet die Alte Welt und gebiert Separatismus

Gegen die Steinzeit-Regionen gelingen damit militärische Spaziergänge, bis man nur noch seinesgleichen fürchten muss. Nach dem Verbrennen von 24 Millionen Jünglingen zwischen 1914 und 1945, dem Fall der Kinderzahlen von 5 auf 1,5, dem Anstieg des Durchschnittsalters von 20 auf 42 Jahre und dem daraus resultierenden Pazifismus ist die Alte Welt entmachtet. Es gibt keinen Weg zurück; denn beim Übergang in die Lohnabhängigkeit seit dem 19. Jahrhundert gewinne man durch Kinderlosigkeit Zeit und Kraft für Vorteile auf den Arbeitsmärkten. Weil ihre Ethnien gleichwohl ökonomisch noch vorne bleiben, kannibalisieren sich sterbende Nationen.

Sehr bald nach der KuK-Unterteilung in sieben Nationen erleben auch die vermeintlich glücklicheren Westeuropäer das Schicksal der Habsburger. Der ebenfalls demografisch befeuerte Nationalismus der Kolonisierten gebiert einen globalen Separatismus, der die 50 Staaten von 1914 über 65 im Jahre 1922 (ohne Andorra etc.) auf 154 Mitglieder der UNO von 1980 treibt. Nach der Auflösung auch des russischen Imperiums gehören ihr heute 193 souveräne Staaten an.

Während im KuK-Raum des 19. Jahrhunderts die Minderheiten sich aber „nur“ um 50 Prozent stärker vermehren als Deutsche oder Ungarn, geht es in den überseeischen Kolonien seit 1945 um das Drei- bis Vierfache schneller voran als damals in den Mutterländern. So schafft etwa ein Uganda ungeachtet monströser Massaker seit 1945 eine Zunahme von 4 auf 43 Millionen. Vor allem deshalb gibt es die ganz hohen Opferzahlen erst nach dem Sieg über die „Weißen“. Fünf oder zehn einheimische Rebellen sehen sich plötzlich im Kampf um nur eine frei gewordene Pfründe. Gleichwohl wirken Afrikas 18 Millionen Kriegs- und Genozidtote seit 1970 noch maßvoll gegenüber dem Rasen der Europäer und den Massenmorden durch Kommunisten und Nationalsozialisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ob die bis 2050 hinzukommenden 1,2 Milliarden Afrikaner – bisher mit den schlechtesten Schülern und wenigsten Patenten – es dabei jedoch bewenden lassen, bleibt bei einem Kriegsindex zwischen 3 und 8 heute sowie immer noch 2 bis 6 um 2050 allerdings fraglich. Was momentan schon deprimierend genug anmutet, dürfte bis dahin schierer Verzweiflung auch deshalb weichen, weil die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der benchmark in Ostasien, das schon 2016 sieben der zehn patentstärksten Firmen beherbergt, weiter absinkt.

Nach hochgerüsteten Imperial-Armeen die vielfach größerer Heere von Unbewaffneten

Im 21. Jahrhundert tritt an die Stelle hochgerüsteter Imperial-Armeen das globale Andrängen noch vielfach größerer Heere von Unbewaffneten. Gerade ihre Hilflosigkeit flößt Schrecken ein, weil sie das Recht auf lebenslange Sozialhilfe verleiht. Die daraus erwachsenden Belastungen befeuern den modernen Separatismus. Der Wiedergewinn über die nationale Grenzhoheit hat dabei die meisten Anhänger (Populismus). Das Einhegen von Teilregionen soll Konkurrenzfähigkeit erhalten (Sezessionismus). Am wenigsten sichtbar, aber am wirkunsgvollsten ist der Weggang von Innovativen, die durch das Zahlen für die Neuankömmlinge und entmutigt werden (Emigration).

Am besten gegen die Spielarten des Separatismus gewappnet sind die kaum 70 Millionen Menschen auf den knapp 18 Millionen Quadratkilometern von Kanada, Australien und Neuseeland. Eine Chance – etwa gegen die 70 Millionen Fleißigen allein im Perlfluss-Delta – sehen sie nur, so lange sie eigene Könner binden, fremde hinzugewinnen und Leistungssenker abwehren. Als Kompetenzfestungen, die Pässe nur an Asse vergeben, werden sie zu Magneten für Hochqualifizierte aus der übrigen Ersten Welt, deren Regierungen die Abschottung zu spät beginnen und Separation verhindern. Selbst die Anwerbung von Ostasiaten gelingt zwischen Auckland und Winnipeg, weil man etwa Chinesen mehr Freiheit offerieren kann, als sie daheim erhoffen dürfen. Nun hat die Volksrepublik in der ehrgeizigen Alterskohorte der 25-29-Jährigen rund 130 Millionen Leute (2015; USA 22 Mill., Deutschland 5 Mill.) und kann einige davon schon entbehren. Auch ihretwegen stehen die Kinder der drei Anglos in Mathematik (TIMSS 2015) bereits vor dem Nachwuchs Deutschlands, Italiens, Spaniens oder Frankreichs. Nicht zuletzt dieser Vorteilsgewinn befeuert – neben der 2015er Entblößung von Deutschlands Südgrenze und der EU-weiten Wahlfreiheit beim Sozialhilfebezug – auch den Brexit. Das Königreich hat an die ungeschmälert souveränen Ex-Kolonien 2,1 Millionen Bürger verloren, die stetig an die alte Heimat berichten. Wenn London diesen Aderlass stoppt, kann es mit seinem Sprachvorteil, der eigenen Währung, den Top-Universitäten und den Astute-U-Booten immer noch zum Anker einer Handelsgemeinschaft von Nord- und Osteuropäern werden, denen man die Unverzichtbarkeit des Nuklearschutzes gegen die rogue states des 21.Jahrhunderts nicht erst erklären muss.

Offenbarungseid
Stefan Aust: Zuwanderungspolitik, „humanitär verbrämte Vernebelungsstrategie“
Für das Vergraulen lokaler Eliten steht aktuell die liebenswürdige Inés Arrimadas aus Andalusien, wohin Barcelona jährlich Milliarden abführen muss. Als ihre Gruppierung bei der Katalonien-Wahl im Dezember 2017 stärkste Partei wird, will Madrid erst einmal nur mit ihr verhandeln, weil keine der drei indigenen Parteien die Andalusierin allein überstimmen kann. Für gedemütigte Katalanen mag das bitter sein, aber dem Rest Europas erteilt die Macht der Hereingeholten über die freundlichen Geber eine kostbare Lehre: Entweiche in eine Kompetenzfestung, wenn die eigene Region eine solche nicht mehr werden kann! Natürlich geht das nicht ohne Schmerz. Wie Drittweltmigranten am Verlust der Heimat leiden, obwohl sie ihnen wenig bietet, so trauern von hier Weggehende, gerade weil sie noch gestern eine sichere Bank war.

Als deutsche Äquivalente für Andalusien gelten bekanntlich Bremen und Berlin, die mit den schlechtesten Schülern und meisten Hartz-Vierern ohne die Transferzahlungen aus München und Stuttgart verloren wären. Könnten 13 Millionen Bürger des Freistaats Bayern – Heimat der bundesweit drittbesten Schüler – ihre Zukunft sichern, wenn sie den Milliardenstrom nach Norden kappen, die Souveränität von 9 Millionen Österreichern erringen sowie die besten Hanseaten und Preußen zu sich einwandern lassen? Würden sich die nördlich angrenzenden Freistaaten Sachsen und Thüringen mit den besten und zweitbesten Schülern der Republik anschließen wollen?

Solche Perspektiven mögen aberwitzig anmuten. Und dennoch steigt der Druck auf einen Puigdemont oder einen Markus Söder, der längst eine bayerische Grenzpolizei hinter die deutsche stellen will. Weil Gallup 700 Millionen Umsiedlungswillige schon für 2009 ermittelt (Weltbevölkerung: 6,7Mrd), liefern eine Milliarde heute (7,6 Mrd) und das Doppelte davon bis 2050 (9,8 Mrd.) konservative Schätzungen. Mit der New York Declaration for Refugees and Migrants vom September 2016 stellt sich überdies die UNO selbst an die Spitze der Mega-Wanderung. Sie organisiert die „globale Steuerung / einer geordneten und regelmäßigen Migration“ und will dafür „jederzeit gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung“ einschreiten können.

Überlegene Kinderzahlen korrelieren mit kleinerem Wuchs, schlechteren Schulleistungen und der Abnahme von fluid intelligence

Anfang Januar 2018 publiziert die National Academy of Sciences of the United States of America Details über bisher Eingewanderte. Am Beispiel Großbritanniens wird hier nachgewiesen, dass stärkere Vermehrung keine Evolutionsvorteile mehr erbringt. Überlegene Kinderzahlen korrelieren mit kleinerem Wuchs, schlechteren Schulleistungen und der Abnahme von fluid intelligence, einem „Maß für die Fähigkeit, abstrakt zu denken und Probleme zu lösen.“ Der Befund kann nicht überraschen, wenn Arbeitsplätze für Un- oder Angelernte schwinden und der schlichte Zugewinn an Kinderreichen die Probleme geburtenarmer Nationen im ökonomischen Spitzenfeld nicht löst, sondern verschärft. Am leichtesten verstehen das die 1,75 Milliarden Ostasiaten (Chinesen, Japaner, Koreaner und Vietnamesen), weil sie global die besten Schüler stellen. 300 bis 500 von 1.000 Kindern gehören in die höchste mathematische Leistungsgruppe. In der westlichen EU sind es nur noch 20 (Frankreich) bis 50 (Deutschland, Schweden).

Schon jetzt jagen die „JaChinKos“ – in einem separaten Dauerzustand – den 1,15 Milliarden Konkurrenten und in Europa, Nordamerika und Ozeanien selbst bei den Dienstleistungen stetig Marktanteile ab. Zwar hat auch Ostasien keine Lösung für den Geburtenrückgang, aber mit den Hyper-Investitionen in Artifcial Intelligence und Roboter versucht es diametral Anderes als Europa mit dem Anwerben von Unbeschulbaren. Die 4,7 Milliarden der übrigen Welt mit den schlechtesten Schülern und wenigsten Patenten bleiben so oder so chancenlos. Sie hoffen auf die Sozialsysteme der EU und das Scheitern Trumps beim Schließen der US-Grenzen. Mangels Flotten und Luftwaffen für Größeres bleibt ihnen selbstredend die Fortsetzung von Rebellionen vor Ort mit den Optionen der Siegesbeute oder des Heldentodes.

Die Regierungen zwischen Singapur und Tokio können allenfalls mit den Besten des Auslandes ein Fallen ihres Niveaus verhindern. Dass sie bei solchen Gelegenheiten entschlossen zugreifen, bestätigen etwa Carsten Breitfeld und Daniel Kirchner, die bei BMW die Elektromobilität angeschoben haben. Auf der 2018er CES in Las Vegas zeigen sie den bisher brauchbarsten Batterie-SUV. Zusammen mit Ex-AUDI-Leuten produzieren sie das Stück in Nanjing für die chinesische Firma BYTON. Die Deutschen „beeindruckt ungemein, wie fix sich die Dinge in China bewegen und wie schnell dort Entscheidungen getroffen werden.“ Hiesige Politiker mögen chinesische Aufkäufer behindern, doch erst die Abwanderung von Spezialisten in die Gegenrichtung zehrt wirklich an der Substanz. Das sind von 2005-2015 durchschnittlich 140.000 Personen, bei rund 700.000 Neugeborenen also viermal so viele wie die 5 Prozent Mathe-Asse pro Jahrgang. Auch von den ausländischen Studenten deutscher Universitäten gehen nach dem Examen eher die Besten wieder weg. Treu bleibt das Mittelmaß, was im war foreign talent als Niederlage gezählt wird.

Niemand kann die Ostasiaten überzeugen, ihr Kompetenzprofil freiwillig abzusenken. In Fragen von Journalisten aus dieser Region hört der Autor immer wieder ungläubiges Staunen, aber auch diskret signalisierte Freude über die billionen-teure Leidenschaft, mit der sich Westeuropäer eine solche Schwächung eisern abfordern. Zwar unterschreiben die Regierungen der fernöstlichen Konkurrenz die UNO-Migrationsdokumente, aber nicht einmal 100 Asylanten lassen sie jährlich über ihre Grenzen. Die USA sind da rechtsbewusster und verlassen Anfang Dezember 2017 ganz formell den Migrations-Pakt von 2016: „Wir werden selbst entscheiden, wie wir unsere Grenzen am besten kontrollieren und wer in unser Land einreisen darf. Der globale Ansatz der New Yorker Erklärung ist mit der Souveränität der USA einfach nicht vereinbar.“

Die Ankündigung versteckt auch Verfahrenheit, weil – im Dienst des agroindustriellen Komplexes – niemand mehr gering Qualifizierte anlockt als die USA. Man will Saisonarbeiter, bekommt aber Menschen mit Würde, Sozialhilfeanspruch, tüchtiger Vermehrung und dem Recht auf Familiennachzug. Unter dem mittlerweile geächteten Terminus chain migration wird dieser zum quantitativ wichtigsten Instrument der US-Einwanderungspolitik. Weil Demokraten diese Menschen als Wähler und Republikaner sie für ihre Wirtschafts-Klientel begehren, versäumen sie ihre Pflicht gegenüber der Nation. Die besteht im Erlangen einer permanenten Überqualifikation, damit Kompetenz für die Firmen von morgen und übermorgen vorhanden ist. Die Berliner Führung demonstriert ihr Scheitern an dieser Aufgabe etwa dadurch, dass zwar 20 Prozent der Bürger Migrationshintergrund haben, aber 6 Millionen Menschen von Hartz IV leben, während man das smarte Personal für das Rückholen der einst souverän beherrschten Industrien nicht findet. Viele wissen nicht einmal mehr, dass die Herstellung von Kameras, Telefonen, Tonträgern, Bildschirmen, Computern, Solarzellen, Antriebsbatterien oder Frachtschiffen auch zwischen Rhein und Elbe beherrscht wurde. All das ist heute in Ostasien. Weil dort mehr Brainpower zur Sache geht, bleibt es dabei selbst dann, wenn die Löhne über die europäischen steigen.

Wer die Kinder hat, bekommt das Land

In den USA verhindern vorläufig vor allem Aschkenasim und Asiaten einen vergleichbaren Abfluss. Doch sie ändern nichts daran, dass Afrikaner- und Latino-Haushalte weniger als 2.000 Dollar Reserven haben, während asiatische und weiße auf 120.000 Dollar zurückgreifen können. Auf erstere aber entfallen über 50 Prozent der Neugeborenen, die nach bisheriger Erfahrung im untersten Notensegment verharren. Doch wer die Kinder hat, bekommt das Land. Anders geht es nicht. Deshalb ist auch Amerika vor Separatismus keineswegs gefeit – durch Neue, die übernehmen, oder Alte, die sich beizeiten in Sicherheit bringen wollen. Wie könnte denn auch in Krisen eine komplette Hälfte der Nation fremd versorgt werden? Weil bei solchen Aussichten auch die Gewollten mit der Einwanderung zögern, fordert Jeffrey E. Garten, ehemaliger Dekan der Yale School of Management, schon 2015 einen regelrechten Raubzug seiner Regierung: „Amerika muss einen massiven Angriff auf die Gehirnleistung im Ausland beginnen, um die Wissenschaftler, technischen Talente, Ingenieure und Mathematiker der Welt einzufangen.“

Weil die asiatische Konkurrenz stetig stärker wird und ein Hereindrücken Unqualifizierter verhindert, während Brüssel genau das betreibt, können hiesige Separationsbestrebungen nur stärker werden. Nach der Abwendung Großbritanniens folgt Dänemark mit Grenzkontrollen nach Süden und dem Abschieben von Migranten dorthin. Wohl bekannt ist, dass 2015 und 2016 rund 5.000 Millionäre Deutschland und sogar 22.000 Frankreich verlassen. Doch auch „Dänemark erlebt einen Abfluss seiner besten Arbeitskräfte.“ Sein Vorzeigeunternehmen LEGO will durch ein Bündnis mit Tencent aus Shenzhen überleben. Weil das Land in der OECD-Rangordnung für Lebenszufriedenheit hinter Norwegen und vor der Schweiz auf dem 2. Platz liegt, mag das verwundern. Er belegt aber nur, dass die Finanziers des Sozialen durch Weggehen mehr Einfluss ausüben, als man ihnen durch Wahlniederlagen nehmen kann. Deshalb wirbt Premier Kars Rasmussen in der Neujahransprache 2018 um seine Zukunftsträger mit dem Niederlegen der Ghettos, in denen „Geld kein Lohn ist, der verdient wird, / und wo kriminelle Banden Unsicherheit schaffen, / weil mehr Menschen nach Dänemark gelassen wurden, als wir integrieren konnten.“ Eine partielle Sezession von Schengen ist dafür kein zu hoher Preis, „denn wir müssen Dänemark schützen.“

Aufgrund relativ geringer Löhne ächzt auch der Raum Warschau-Prag-Bratislava-Budapest unter der Abwanderung von Talenten, die für den Westen mehr erarbeiten, als an EU-Strukturhilfen zurückfließen. Noch ist die Ost-EU eine Fluchtburg gegen Terror. Die Schüler übertreffen die westeuropäischen und auch das Durchschnittsalter liegt niedriger. Wenn man ihnen im Austausch für ihre Besten jedoch bildungsferne Migranten aufzwingt, die überdurchschnittlichen aber schön bei sich behält, muss auch Osteuropa dänisch handeln. Dafür will man sie als Rassisten beschämen, obwohl sie doch Leute mit grüner Haut und blauen Haaren nähmen, so lange die ihre Industrien retten. Das Nationale dient – von den Rändern abgesehen – dabei nicht als mystisch überhöhte Instanz, sondern als Schild für die Verteidigung des ökonomischen Stehvermögens. Einen Vorwurf des Intelligenzismus müssten sie allerdings schlucken. Der aber ist gerade frei von chauvinistischer Exklusivität. Die Brüsseler Drohungen mit Geldstrafen erzeugen überdies kaum noch Angst, weil offen ist, wie lange Deutschland – mit der zweithöchsten Steuer- und Abgabenlast aller Industrienationen – Londons Beiträge übernehmen kann.

Kleinstaatliche Lösungen erstrebt im Osten fast niemand; denn nicht Grenzen sind das höchste Gut, sondern Kompetenzen und Sicherheit durch die NATO. Wer die bewahren will, zugleich Handels-, Reise- und Investitionsfreiheiten verbürgt, soll das auch durch andere Grenzen oder die bessere Kontrolle der vorhandenen dürfen. Ein Land auf Teufel komm raus zusammenzuhalten, bleibt auch dann engstirniger Nationalismus, wenn man ihn als Kampf gegen die nationalen Kostüme einiger Separatisten deklariert. Warum führen die Grenzoffenen nicht einfach praktisch vor, wie ihnen Propserität und Harmonie gelingen? Die Skeptischen dabei aus dem Abseits erst einmal zuschauen zu lassen, wiese nach vorne. Das seit 1945 gebetsmühlenhaft gepredigte post-nationalistische Europa gibt es erst, wenn den gemeinsamen Schutz behält, wer seine Grenzen selbst beschirmt.

Gunnar Heinsohn (*1943) lehrt Kriegsdemografie am NATO Defense College in Rom.

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Kommentare ( 63 )

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Jahr um Jahr kann ich es im realen Leben beobachten. Mein neuer Computer kommt aus China (gute Qualität). In der Schule vor der Haustür formiert sich das neue kulturlose Mischproletariat, Pausenhof-„Dialoge“ im Neanderthaler-Sprech (oder ich verstehe die Sprach erst gar nicht). Im Krankenhaus um die Ecke sind Kopftuch und Salafistenbart mit ihrer stetigen Nachwuchsproduktion Stammgäste. Qualifizierte Ost-Europäer in der Firma wollen gerne schnell weiter nach Kanada oder UK. Und dann gibt es da noch die qualifizierten Zuwanderer aus ferneren Ländern. Die haben noch so ein romantisch-altertümliches Bild von Deutschland. Und sind befremdet bis verängstigt, wenn sie hier die Realität erleben.… Mehr

Vor 7 Jahren musste ich mehr als ein Dutzend Dokumente und polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, obwohl ich EU Bürger war und bin.

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„Für das Vergraulen lokaler Eliten steht aktuell die liebenswürdige Inés Arrimadas aus Andalusien, wohin Barcelona jährlich Milliarden abführen muss. Als ihre Gruppierung bei der Katalonien-Wahl im Dezember 2017 stärkste Partei wird, will Madrid erst einmal nur mit ihr verhandeln, weil keine der drei indigenen Parteien die Andalusierin allein überstimmen kann.“

Die Dame kommt aber aus Salamanca, also aus der Region Kastillien-Leon!

Ich bin ebenfalls über diese Stelle gestolpert. Habe dann ein bischen recherchiert und herausgefunden, daß sie offenbar in Andalusien aufgewachsen ist. Siehe hier: http://www.telegraph.co.uk/news/2017/12/22/ines-arrimadas-darling-catalonias-silent-majority/ Aber ich muß auch schon sagen, daß Herr Heinsohn, den ich sehr schätze, uns Leser da schon ziemlich fordert. Und ob, in diesem Fall, ihre Zeit in Andalusien wirklich so prägend für Frau Arrimadas gewesen ist, daß das in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt?

Zum Verzweifeln wie „unsere“ Regierung konsequent auf den Umbau Deutschlands auf 3.Welt Niveau, Chaos und Untergang hinarbeitet. Dies ist alles klar absehbar, wie Herr Heinsohn logisch darlegt. Die Tigerstaaten und die USA haben offensichtlich Regierungen die verantwortungsvoll und zukunftsorientiert agieren. Wir nicht.

Seltsam, dass so ein fundamentaler Artikel so relativ wenig Leserresonanz nach sich zieht.

Seltsam ist das nicht. Versuchen Sie doch einfach mal, Herrn Heinsohn als Autor bei einem beliebigen Mainstreammedium wie Bildzeitung, Süddeutsche Zeitung oder Spiegel ganzseitig auf Seite 1 oder Seite 3 unterzubringen. Wird sicher eine interessante Erfahrung. Noch besser: Sie laden ihn zu einer Klausurtagung einer beliebigen SPD-Bundes- oder Landtagfraktion ein. Die Krönung wäre ein Interview mit Frau Slomka, Herrn Kleber, Frau Maischberger oder Frau Will in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Eben nicht um 23.30 Uhr in Phoenix, sondern um 20.15 Uhr in ARD oder ZDF. Ich behaupte, dass unsere Gesellschaft noch 15 bis 20 Jahre dafür braucht. Leider.

Ich glaube nicht, dass in 15-20 Jahren „unsere Gesellschaft“ bzw. die Menschen, die dann in (ehemals) Deutschland leben, in der Lage sein werden, einem Herrn Heinsohn auch nur ansatzweise geistig zu folgen. Man bewegt sich doch schon heutzutage im Wesentlichen auf Dschungelcamp-Niveau. Und durch Frau Merkel’s zahlreiche Gäste und deren Nachkommen wird die Lage sicher nicht besser.

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