Reiche spenden für Notre-Dame – Häme im Netz

Keine 24 Stunden, nachdem der Brand in Notre-Dame ausgebrochen war, hatten reiche Franzosen und Unternehmen über 750 Millionen Euro Spenden für den Wiederaufbau zugesagt. Doch im Netz gibt es viel Häme dazu.

THOMAS SAMSON/AFP/Getty Images

Die französische Milliardärsfamilie Pinault erklärte zuerst, sie wolle 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Das gab in der Nacht nach dem Brand François-Henri Pinault bekannt, der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga). „Diese Tragödie trifft alle Franzosen“, erklärte die Familie. In solch einer Situation wolle jeder mithelfen, „schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen“.

Am Dienstagmorgen zog dann LVMH (Moët Hennessy – Louis Vuitton) nach: Die Unternehmensgruppe versprach eine Spende von 200 Millionen Euro für den Wiederaufbaufonds. Es folgte die Familie Bettencourt, mit 200 Millionen Euro, der Milliardär Marx Ladreit mit zehn Millionen Euro und der Bauriese Bouygues ebenfalls mit zehn Mio. Euro. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifußballclubs versprach finanzielle Unterstützung. Aber auch viele einfache, nicht-reiche Bürger zeigten eine enorme Spendenbereitschaft.

Reichen werden egoistische Motive unterstellt

Ich hatte einen Bericht des „Spiegel“ dazu auf Facebook gepostet – unkommentiert. Hier einige Kommentare von Lesern dazu:

  • „Ist schon ok und eine schöne Geste. Aber wenn man 90% der Spende von dem zu versteuernden Einkommen abziehen kann, dann schrumpft die Summe schon ganz schön zusammen. Die Differenz bezahlt der Staat und somit der Steuerzahler … oder liege ich da falsch?“
  • „Was sind 100 Millionen im Verhältnis zu der Public Relation? Peanuts !“
  • „Bei allem Wohlwollen den Spendern gegenüber frage ich mich immer, wie die an ihre Milliarden gekommen sind.“

Diese Reaktionen sind typisch. Die Meisten denken so. Während man bei nicht-reichen Leuten Spenden positiv beurteilt, werden sie bei Reichen überwiegend negativ gesehen.  Bei einer im vergangenen Jahr durchgeführten repräsentativen Befragung des Allensbacher Institutes für Demoskopie im Rahmen der Studie „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ erklärte die Hälfte der Bundesbürger (in Ostdeutschland sogar 57 Prozent), Reiche wollten mit ihren Spenden vor allem sich selbst etwas Gutes tun, also beispielsweise ihr Image aufbessern oder Steuern sparen. Nur 14 Prozent vertraten die Ansicht, die Reichen wollten mit ihren Spenden vor allem anderen etwas Gutes tun. Insbesondere Anhänger der Linkspartei (65 Prozent) und der AfD (58 Prozent) unterstellen reichen Spendern eigennützige Motive. Auch in Frankreich glauben nach dieser Umfrage doppelt so viele Menschen, Reiche wollten mit Spenden vor allem sich selbst etwas Gutes tun als dass sie ihnen zugestehen, anderen etwas Gutes tun zu wollen.

Ist das Motiv wirklich wichtig?

Wäre es also besser, die Milliardäre hätten nicht für den Wiederaufbau gespendet und das Geld anderweitig ausgegeben? Wäre das den Kritikern lieber gewesen? Ich finde, dass die Motive, warum jemand spendet, ziemlich unwichtig sind. Wenn jemand eine gute Tat tut, sollte man diese nicht danach beurteilen, ob er das beispielsweise auch aus Imagegründen tut oder ob andere Motive eine wichtigere Rolle spielen. Man kann aus wunderbaren, altruistischen Gründen spenden, aber das Geld fließt in sinnlose Projekte und man kann umgekehrt aus ganz eigennützigen Gründen spenden und das Geld fließt in sehr hilfreiche Projekte. Ich glaube nicht, dass denjenigen, denen das Geld zugute kommt, der Grund wichtig ist, sondern die Wirkung.

Und die Behauptung, Reiche wollten damit „Steuern sparen“, ist ganz abwegig und zeigt nur, dass derjenige, der das behauptet, nicht rechnen kann. Selbst wenn ich eine Spende von 100 Millionen Euro sogar zu 100 Prozent steuerlich geltend machen könnte, hätte ich am Schluss (bei einem angenommenen Steuersatz von 50 Prozent) immer noch 50 Millionen weniger auf meinem Konto, als wenn ich nicht gespendet hätte. Wäre die Spende steuerlich nicht abzugsfähig, hätte der Spender vermutlich weniger gespendet, weil dieser Effekt ja schon einberechnet wird.

Ja, vermutlich gibt es auch Reiche, die deshalb spenden, weil sie die Erwartung damit verbinden, dass dies die diejenigen etwas besänftigt, die ihnen den Reichtum neiden. Falls ein reicher Spender diese Erwartung hegt, dann ist er indes ziemlich naiv und würde mit Sicherheit enttäuscht, wie die oben zitierten Befragungsergebnisse belegen. Antikapitalisten und Leute, die keine Reichen mögen, beurteilen niemals einen Reichen nur deshalb günstiger, weil er sich philanthropisch betätigt. Im Gegenteil: Die Kapitalismuskritiker sagen dann: „Es ist undemokratisch, wenn einzelne Reiche entscheiden, in welche Projekte Geld fließt.“ Sie fänden es „demokratischer“, wenn der Staat den Reichen das Geld wegnimmt (durch extrem hohe Steuern), damit am Schluss Politiker und Beamte entscheiden, was damit geschieht.

Diejenigen, die Reiche mit Häme bedenken, wenn sie spenden, sollten darüber nachdenken, ob sie damit nicht einen Beitrag leisten, die Spendenbereitschaft Wohlhabender zu mindern. Denn wer lässt sich für eine gute Tat schon gerne beschimpfen?

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Kommentare ( 185 )

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Warren Buffet: „Es gibt einen Krieg zwischen Reich und Arm. Und Reich wird ihn gewinnen“ – nur so am Rande, hat mit der Kathedrale nix zu tun. Aber mit dem Steuerrecht vielleicht schon.

Herr giesemann. Wenn Sie sich ausdrücken wie einer von der SED/SPD/GRÜNEN müssen Sie sich über negative Bewertungen und Kommentare nicht wundern. Was Sie meinen, erfährt man in einem anderen Ihrer Kommentare.

Deutsches Steuerrecht können Sie nicht meinen. Mit dem was ich zahle, kann ich zwei giesemann Familien ernähren. Ach was sag ich: die ganze Sippe.

Wir alle spenden doch ständig:

– 4-10% des BSP als Schuldendienst an Komplettversager auf den Finanzmärkten (bei denen der Staat sich (unsinnigerweise) finanziert)

– Milliarden über Milliarden zum Bailout von Banken und Staaten, die das unsinnige Spiel überzogen haben

– 20% des Steuereinkommens (?) für die Vollversorgung von ‚Selbstzenzur‘

– 8 Milliarden für das eigene 24/7 Dauerframing durch opportunistische Ideologiekranke

Etc etc etc …

Stimmt, besonderer Trick des Fiskus: Mehrfachbesteuerung. Also auf die Mineralölsteuer kommt flugs noch die Umsatzsteuer druff (und sagen wir NIE wieder Mehrwertsteuer – da ist kein Mehrwert, nur Umsatz. Hinterziehbar ganz legal: Nicht tanken. Auch selber nix saufen, USt plus Alloholsteuer!!). Habe mal beim FA Einspruch erhoben und wollte, dass ich beim Hauskauf die Grunderwerbsteuer auf den Kaufpreis OHNE die Umsatzsteuer, die da drin steckt zahlen muss. Haben sie bei der OFD abgebügelt, es gibt dazu seit langem eine Entscheidung gegen die Käufer. Aber jammern, dass die Deutschen so wenig in den eigenen Wänden wohnen. Abschreibungen für Abnutzung (AfA) bei… Mehr

Auf Madeira haben bei einem Busunfall mindestens 29 Menschen
den Tod gefunden. Entsetzlich. Das (!) hat mich wirklich berührt.
Zu hoffen ist, das den Hinterbliebenen wenigstens materiell Hilfe
zuteil wird, z.B. durch Spenden.

„Selbst wenn ich eine Spende von 100 Millionen Euro sogar zu 100 Prozent steuerlich geltend machen könnte, hätte ich am Schluss (bei einem angenommenen Steuersatz von 50 Prozent) immer noch 50 Millionen weniger auf meinem Konto“

Jo, und die anderen 50 Millionen zahlt der Steuerzahler. Irgendwo kommt das Geld schließlich her, welches auf dem Konto für den Wiederaufbau landet, oder? Oder sind wir hier Anhänger der modernen Geldtheorie?

Erfasst, Franz O. Die 50 Mio sind weg für den Spender, in beiden Fällen: Entweder hat sie der Fiskus und die Kathedrale hat nix, oder die K. hat 100 vom Spender, dem aber der Fiskus 50 erlässt – hat er auch 50 weg. Die K. wird es freuen, hat sie doch 50 vom Spender und 50 vom Fiskus. Nenne das „break even“ oder ge… wie ge … .

Rentner und Auszubildende werden finanziell benachteiligt. Die Bundesregierung bringt nicht genügend Geld für Renten und Bildung auf, ruft aber gleichzeitig zu Spenden in Millionenhöhe auf, um eine französische Kirche wieder aufzubauen. Anstatt alten Menschen in Deutschland einen halbwegs würdevollen Lebensabend mit ausreichender Rente zu gewährleisten und Geld in eine sinnvoll Bildungspolitik zu investieren, bemühen sich Deutsche Politiker, wie Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzlerin Merkel, Minister Maas, Ministerpräsident Kretschmer u.v.a., um Spenden für eine katholische, französische Institution. Es ist schön, wenn französische Milliardäre und Luxuskonzerne innerhalb von wenigen Stunden gleich Millionenbeträge in dreistelliger Höhe für den Wiederaufbau der Kirche „Notre Dame“ locker machen… Mehr

»… Besitzer von „Notre Dame“ – die Katholischen Kirche.«

Wie sagte noch der 68er-Slogan: Wissen ist Macht, aber Nichtwissen macht nichts…

…Sie irren ! Besitzer der“ Notre Dame “ ist wie alle anderen Kirchen und Kulturbauten in Frankreich sowie sämtliche öffentlichen Gebäude der franz.Staat. Die Kirchen wurden bereits zur franz. Revolution und weiter nochmals 1905 Entschädigungslos enteignet. Der Staat hat sich im gegenzug zum Unterhalt und Pflege der Kulturbauten verpflichtet, kam aber in den vergangenen Jahren nicht seinen Pflichten nach.Bitte, etwas mehr an Sachlichkeit zum Thema und keine billige Polemik. Weiter ist festzuhalten, wenn Menschen aus freien Stücken den Willen zum Spenden aufbringen ist das deren Privatsache. Zum Spenden wird ja niemand gezwungen. Die Franzosen sind halt noch nicht so heruntergekommen… Mehr

@walter werner
Ich hatte Bederke zitiert (haben Sie die Ironie nicht bemerkt?).

…leider nicht !

Nachtrag: Notre Dame Eigentum des franz. Staates. Quelle: Morgenpost Berlin, Internetausgabe 10,04,19

Ich glaube es nicht – geht es hier um dämliches bashing von Reichen oder um Kultur?

Beides, mein Freund, beides. Allerdings weniger um „bashing“, sondern um nüchterne fiskalische Betrachtungen. Also eigentlich um weder noch … . Aber egal.

Hab ich irgendwo überlesen wieviele hundert Mio die Kirche beisteuern wird?

Nö, ist doch der Kirche egal, das Ding gehört dem französischen Staat.

Häme im Netzt verdiente unser Außenminister Heiko Maas, der sofort deutsche Steuergelder versprochen hatte und unser Bundespräsident Walter Steinmeier, der die Deutschen zu Spenden aufforderte.
Frankreich schafft den Wiederaufbau alleine aber Deutschland muss sich anbiedern.

Die Spenden sind unwichtig. Der Verlust ist zu groß.

Scheinen hier nur wenige zu kapieren!

Hauptsache einer kapiert was, gelle?