Innere Sicherheit: Zumindest die Kriminalität wird immer organisierter

Die Organisierte Kriminalität wird professioneller, brutaler und digitaler. Deutschland entdeckt die „Gen-Z-Mafia“ – und Dobrindt entdeckt den Aktionsplan. Nur über Ursachen spricht man lieber nicht.

IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Nicht alles in Deutschland wird weniger. Die Kriminalität in Deutschland steigt, und sie ist immer besser organisiert. So professionell, dass die Politik jetzt sogar von Organisierter Gewalt spricht. Das Lagebild des Bundeskriminalamts für 2025 skizziert eine Realität, die mit der geradezu beruhigenden Vorstellung abgeschotteter Banden im kriminellen Untergrund immer weniger zu tun hat.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stellte die Zahlen am 15. September vor. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 683 Ermittlungsverfahren wegen Organisierter Kriminalität geführt. Knapp 8.000 Tatverdächtige wurden erfasst – der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Rund 69 Prozent der Verfahren hatten einen transnationalen Bezug. Über manche Ursachen schweigt Dobrindt so laut, dass man sie kaum überhören kann.

Wie alles, so verändert sich auch die Organisierte Kriminalität. Früher galt Abschottung als ein Kennzeichen der Szene. Heute präsentieren insbesondere jüngere Akteure Macht, Status und Gewalt demonstrativ im öffentlichen Raum und in sozialen Medien. Das BKA spricht von der „Gen-Z-Mafia“. Auch hier wird die Herkunft der Täter selbstverständlich nicht benannt.

Was in anderen Teilen der Welt längst Usus ist, wird jetzt auch in Deutschland praktiziert: Kriminalität als Dienstleistung. Drogenhandel, Menschenschmuggel (eigentlich nichts anderes als Menschenhandel), Terrorismus und Islamismus, Logistik, Waffen, Geldwäsche und selbst die Rekrutierung von Tatverdächtigen für Gewalttaten werden angeboten und vermittelt. Die angeworbenen Täter sind oftmals Jugendliche. So nutzt die Organisierte Kriminalität das Jugendstrafrecht und manchmal sogar die Strafunmündigkeit. Angebot, Auftrag und Vermittlung laufen über digitale Kanäle, soziale Medien oder verschlüsselte Messenger. Der Auftraggeber kann im Ausland sitzen, während ein Täter in Deutschland für seinen Auftrag einreist und nach Erledigung wieder ausreist. Persönlich begegnen müssen sich die beiden nicht.

Gewalt wird öffentlich

Auffallend bei der Entwicklung ist das offene Zelebrieren der Gewalt. Sie nimmt sowohl bei der Begehung von Straftaten als auch zur Durchsetzung der inneren und äußeren Ordnung krimineller Gruppierungen zu und wird immer häufiger im öffentlichen Raum ausgetragen.

Schutzgelderpressungen gehören ebenso zum Bild wie eine niedrige Hemmschwelle beim Einsatz von Schusswaffen. Das ist eine logische Entwicklung, wenn der Staat immer öfter auf die Durchsetzung seines Gewaltmonopols verzichtet. Gleichzeitig stellt das BKA seit einigen Jahren fest, dass zum Beispiel vermehrt illegale Schusswaffen aus der Türkei nach Europa gelangen.

Diese Waffen werden außerhalb legaler Produktionsstätten hergestellt und Originalmodellen täuschend echt nachempfunden. Über den Landweg gelangen sie nach Deutschland, wo kriminelle Gruppierungen sie weiterverbreiten. Mehr Waffen treffen damit auf eine Szene, deren Hemmschwelle zum Gewalteinsatz ohnehin sinkt. Eine ungute Kombination.

Kokain ist ein boomendes Milliardengeschäft

Das wichtigste Geschäftsfeld der Organisierten Kriminalität bleibt die Rauschgiftkriminalität. Rund 37 Prozent der Verfahren entfallen darauf. Besonders deutlich zeigt sich das bei Kokain und Crack. 2025 wurden 39.414 Straftaten im Zusammenhang mit diesen Drogen registriert. 2024 waren es 38.671. Insgesamt wurden 10,1 Tonnen Kokain sichergestellt, davon allein 6,5 Tonnen in deutschen Häfen. Die Kriminalität befriedigt hier die steigende Nachfrage. Laut Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA) hat sich der Konsum bei den 18- bis 25-Jährigen im Zehnjahresvergleich von 1,2 Prozent (2015) auf 4,1 Prozent (2025) mehr als verdreifacht.

Große Mengen Kokain gelangen weiterhin versteckt in legalen Warenströmen über die Seehäfen nach Europa. Daneben setzen kriminelle Netzwerke zunehmend auf schnelle „Go-Fast-Boote“. Der Drogenhandel erzielt Milliardengewinne, die nach Angaben des BKA auch für Bestechung und Einflussnahme eingesetzt werden. Man muss davon ausgehen, dass Politik, Polizei und Justiz in vielen Ländern der EU unterschiedlich stark davon betroffen sind. Gewaschenes Geld landet anschließend im legalen Wirtschaftskreislauf.

Auch bei Cannabis weisen die Zahlen nach oben. Die Sicherstellungen von Marihuana haben sich 2025 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Gleichzeitig wird in Deutschland weiterhin illegal angebaut. 567 Cannabisplantagen mit Kapazitäten von mindestens 20 Pflanzen wurden sichergestellt – rund 55 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dobrindt kündigt den Kampf an

„Organisierte Kriminalität ist eine wachsende Gefahr für unsere innere Sicherheit“, sagte Dobrindt. „Kriminelle Banden werden professioneller, brutaler und skrupelloser. Unser Ziel ist klar. Mit dem gemeinsamen Aktionsplan zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität und Finanz- und Rauschgiftkriminalität werden wir kriminelle Strukturen besser bekämpfen, illegale Werte beschlagnahmen und Täter härter bestrafen.“

Während die Politik nun den nächsten Aktionsplan ankündigt, hat sich das organisierte Verbrechen längst weiter optimiert. Die entscheidende Frage wird deshalb nicht sein, wie entschlossen die Ankündigungen klingen, sondern ob der Staat mit der Geschwindigkeit jener Strukturen mithalten kann, die er bekämpfen will.
Wie das gelingen soll, wenn schon in der Analyse wichtige Ursachen nicht genannt werden und die dafür notwenigen Dienste mit dem Kampf gegen rechts mehr als ausgelastet sind, erklärt der Minister allerdings nicht.

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Kommentare ( 19 )

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Boris G
26 Tage her

Richard Lynn hat die Weltliteratur zur Assoziation von antisozialer Persönlichkeitsstörung und Ethnie in „Race Differences in Psychopathic Personality: An Evolutionary Analysis“ referiert – beunruhigend!

Siggi
26 Tage her

Nicht nur immer organisierter, auch immer gefährlicher. Das zeigen die Funde von großen Waffenlagern und die täglichen Schießereien im Land deutlich.

Was ein Wunder, bei völlig offenen Grenzen, Drogen, Waffen, egal, mit allem kann man in Deutschland ungeprüft einreisen. Da helfen auch nicht die Scheinveranstaltungen an den Grenzen. Die sind wirkungslos, wenn es um die OK und die MIgration geht.

Schwabenwilli
26 Tage her

All das wovor die AfD schon vor Jahren gewarnt hat tritt jetzt immer stärker zutage.

Haba Orwell
26 Tage her

Böses Medium heute: „De Masi: Statt Milliarden abzunicken sollte die EU über ukrainische Mafia-Methoden debattieren“ > „… Der EU-Abgeordnete und BSW-Politiker Fabio De Masi hat am Montag, dem 14. September 2026, im EU-Parlament die Machenschaften in der Ukraine angesprochen. De Masi erklärte, die Ukraine versinke immer weiter im Chaos. … Die Bandbreite reiche von Schusswechseln zwischen Geheimdiensten bis hin zu einem Generalstaatsanwalt, der der Korruption beschuldigt werde und sich außer Landes abgesetzt habe. … „Wenn sie [die Ukraine] sich immer mehr zu einem Mafia-Staat entwickelt, dann muss dieses europäische Parlament nicht einfach immer nur mit dem Kopf weitere Milliarden abnicken,… Mehr

Ho.mann
26 Tage her

Völlig irre und unabdingbar nazifrei, geht’s mit stramm organisierter Kriminalität nur noch ungebremst am Volkeswillen stets vorbei. Ob man es nun glaubt oder auch nicht, der Souverän, der das alles zulässt, ist und bleibt deswegen auch nicht ganz dicht.

Elmar
26 Tage her

Es gibt auch noch kriminelle Strukturen, wie die italienische Mafia, die besrebt sind, nicht aufzufallen und deshalb überaus erfolgreich ihr kriminelles Handwerk im Verborgenen betreiben. Frei nach dem Motto, wer ohne Mord und Totschlag auskommt, der kommt in den Polizeiakten nicht vor.

karlotto
26 Tage her

Die „Demokktratie“ , hat keine Antwort auf die Kriminalität.
Oder, gibt es eine Symbiose.

rainer erich
26 Tage her

Prio 1 : Alles zu vermeiden, was nach “ rechts“ weist und der AfD helfen könnte. Damit ist das ( Tabu)Feld bereits für die “ Analyse“ abgesteckt, in der Folge natürlich auch für etwaige “ Massnahmen“. Klassisch beim Profiling oder irgendwelcher Vorannahmen , denn selbstredend sind andere Ethnien und Kulturen nicht “ krimineller“ als die michelige, eher weniger. Ich hoffe, man wird diese Grenzen allseits beachten und die Täter nicht allzusehr stören. Das gilt auch für den nicht sehr wahrscheinlichen Fall, dass einer vor Gericht landet. Immerhin kennt man die Adresse der Richter und ist bereits moralisch angehalten, die besondere… Mehr

November Man
26 Tage her

Die Organisierte Kriminalität mit Schusswaffen wird immer professioneller und brutaler. Tägliche Tote durch Schusswaffen prägen unseren Alltag. Gestern Abend schon wieder: „60 Jahre alter Mann vor Supermarkt erschossen“.
Wichtig aber ist, dass die angeblich hochgefährliche Rollatorgang nun bald 4 Jahre weiter in Untersuchungshaft sitzt und Jäger und Sportschützen die Mitglieder der AfD sind entwaffnet werden. Legale Waffenbesitzer, die ständig von Amtswegen, teils seit Jahrzehnten, auf ihre absolute Zuverlässigkeit überprüft wurden. Legale Waffenbesitzer kennt man, die haben ihre Waffen ordentlich den Vorschriften entsprechend angemeldet und sicher aufbewahrt. Die sind allerdings nicht so beweglich wie kriminelle illegale Waffenbesitzer.  

PaulKehl
26 Tage her
Antworten an  November Man

Ein bißchen zuviel „Einmann“ in der Hofpresse. Ungläubige werden üblicherweise mit der Ritualwaffe geschächtet, nicht mit der Pistole erschossen.

Montesquieu
26 Tage her

Hat alles nichts mit nichts zu tun! PISA-Ergebnisse, Zunahme der Sexual- und Gewaltstraftaten, explodierendes Bürgergeld etc. Das xenophile Juste milieu muss nur noch ein bißchen durchhalten, bis genügend deutsche Pässse unter den noch nicht solange hier lebenden Völkern verteilt sind. Dann haben wir wieder vorrangig deutsche Täter in einem vorrangig deutschen Deutschland (Ps: Doppelpass zählt auch zu deutsch!). Gruppenunterschiede sind rassistisch, wenn man sie entdeckt. Besser, man entdeckt sie erst gar nicht. PS2: gibts eigentlich was neues aus Stade? Man stelle sich vor, ein biodeutsches Kriminellenwürstchen mit türkischer Fluchtfahrzeugführerin hätte in aller Öffentlichkeit einen Massenmord an Nichtdeutschen verübt. Was wäre… Mehr

Last edited 26 Tage her by Montesquieu