Grüne und Linke fordern im Zuge der Energiekrise wieder mal ein Tempolimit, es ist der Dauerbrenner der Klimaideologen. Einsparpotenzial ist schon deshalb nicht erkennbar, da der schlechte Zustand der Straßen hierzulande die Durchschnittsgeschwindigkeit ohnehin immer weiter verringert.
picture alliance / CHROMORANGE | Elke Münzel
Das war zu erwarten: Ölkrise und hohe Spritpreise, da gibt es offensichtlich nur eine Lösung: Ein Tempolimit muss her. Mit der Penetranz einer Gebetsmühle werden die Forderungen nach Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Markt geworfen. Grünen-Chef Felix Banaszak tat, was seine Gefolgsleute von ihm erwarten, und forderte unter anderem ein befristetes Tempolimit auf Autobahnen: Das könne sofort Sprit sparen und diejenigen entlasten, die aufs Auto angewiesen sind. Jeder eingesparte Liter sei am Ende ein Plus an der Tankstelle.
Die immer wieder als „Wirtschaftsweise“ zitierte Veronika Grimm hält ein Tempolimit für ein mögliches Signal in der Krise. Entscheidend sei, Maßnahmen zu ergreifen, die den Energieverbrauch wirklich senken. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann widerspricht deutlich. Die Menschen würden ohnehin schon weniger fahren – ein Tempolimit bringe „überhaupt nichts“ und sei nur ein weiterer Eingriff gegen Autofahrer. In früheren ölreichen Zeiten wurde gern noch Umweltschutz angefügt oder Verkehrssicherheit. Befürwortet wird eine Geschwindigkeitsbeschränkung von SPD, Grünen und Linken, Deutschland sei das einzige Land in Europa, in dem kein Tempolimit auf Autobahnen gelte, dem müsse man doch abhelfen. Union, AfD und FDP lehnen ab.
Schlecht muss es um ein Land bestellt sein, wenn 1,4 Prozent die Welt, Umwelt und Sicherheit retten. Nur noch etwa 1,4 bis 2 Prozent aller Straßen in Deutschland sind ohne festes Tempolimit. Das gesamte Straßennetz umfasst rund 830.000 Kilometer. Das überörtliche Netz mit Autobahnen und Bundes-/Landes-/Kreisstraßen misst etwa 230.000 Kilometer. Die Autobahnen machen davon nur etwa 13.200 Kilometer aus, das sind 1,6 Prozent des Gesamtnetzes.
Auf den Autobahnen selbst gilt auf etwa 70 Prozent der Richtungsfahrbahnen (18.115 Kilometer) kein permanentes Tempolimit – nur die Richtgeschwindigkeit 130 km/h. Der Rest hat feste oder dynamische Begrenzungen etwa über Schilderbrücken oder Verkehrsbeeinflussungsanlagen. Baustellen und temporäre Limits reduzieren den unlimitierten Anteil weiter. Auf allen anderen Straßen (Bundes-, Landes-, Kreis- und Ortsstraßen) gibt es bereits flächendeckend Limits zwischen 30 und 100 km/h. Die sogenannte „freie Fahrt für freie Bürger“, wie es früher hieß, betrifft also nur einen winzigen Bruchteil des gesamten Netzes.
Autobahnen sind bereits die sichersten Straßen Deutschlands. Internationale Vergleiche zeigen keinen klaren Zusammenhang zwischen Limit und Gesamtsicherheit; moderne Fahrzeuge und Assistenzsysteme spielen eine größere Rolle. Die meisten ( 77 bis 83 Prozent ) Pkw fahren laut IW-Studien auf unlimitierten Abschnitten langsamer als 130 km/h, nur etwas mehr als zwei Prozent über 160 km/h. Der reale Anteil der Schnellfahrer ist also klein.
Alle 26 anderen EU-Länder haben flächendeckend feste oder dynamische Tempolimits auf allen Motorways/Autobahnen. Es gibt nirgendwo vergleichbare unlimitierte Abschnitte wie in Deutschland.
Autofahrer in Deutschland fahren in der Praxis auch ohne Tempolimit immer langsamer. Die durchschnittliche Geschwindigkeit sinkt, so das IW: „Schon im Sommer 2021 haben die IW-Experten entsprechende Daten aus NRW ausgewertet, damals fuhren die Pkw im Schnitt 116,5 km/h. 2022 lag die durchschnittliche Geschwindigkeit nur noch bei 115 Kilometern pro Stunde, zuletzt waren es 113,5 km/h.“
So kommt denn IW-Verkehrsökonom Thomas Puls zu dem Schluss: „Im Verkehrssektor gebe es viel größere Probleme. So muss die Politik dringend eine Antwort auf die Infrastrukturkrise liefern.“ Die Debatte um ein einheitliches Tempolimit ist überzogen.
Die Verkehrspolitik hat offensichtlich eine wirksame Bremse eingebaut: Der Zustand der Straßen wird immer katastrophaler, Schlaglöcher pflastern ihre Wege und bremsen zwangsläufig die Autos ab.
Übrigens: Niemand wird daran gehindert, langsamer zu fahren. Nur die obrigkeitshörigen Grünen benötigen offenbar jemanden, der ihnen das vorschreibt.


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