Historische Bildung? Fehlanzeige. Gestern war die AfD „das schlimmste Unrecht“, heute macht die CDU „faschistische Politik“. In Berlin und Schwerin fliegen Faschismus- und Nazi-Vergleiche durch die Luft wie Konfetti im Karneval. Die politische Sprache ist endgültig zur Satire geworden.
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Da inzwischen in diesem Land gefühlt jeder jeden schon einmal als Faschisten bezeichnet hat und wohl kaum jemand in diesem Land die Begriffe Faschist oder Faschismus zu definieren vermag, hat man es nicht mit einem Begriff zu tun, sondern mit einer Sammelbezeichnung der jeweils anderen, mit einer Pejoration, mit einem Schimpfwort, mit einem Superlativ der Abscheu. Sinnvoll kann der Begriff nur als historischer Begriff aus der italienischen Geschichte benutzt werden, der Benito Mussolinis politische Theorie und politische Praxis, sowie Theorie und Praxis seiner Anhänger und Nachfolger beschreibt.
Natürlich meinen Linken-Politiker, die trotz Studium immer ein wenig aufgeregt und bildungsfern wirken, nicht den Mann aus Dovia di Predappio, den früheren Sozialisten und späteren Duce del Fascismo, Benito Mussolini, wenn sie das Wort von den Faschisten wie einen Bannstrahl auf alle nichtlinken Politiker und Parteien richten, selbst auf die CDU, die doch inzwischen auch eine linke Partei geworden ist.
Luigi Pantisano, die kommunistische Lichtgestalt aus Südwestdeutschland, sagte es im Bild-Interview klar und deutlich: „Letztlich gibt es gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Dass die CDU sich darüber bitterböse erboste, kann man verstehen, denn mit den „Faschisten selbst“ auf eine Ebene gestellt zu werden, kann schon in Unkenntnis der italienischen Geschichte für ordentlich Verdruss sorgen.
Vielleicht hatte Luigi Pantisano in seiner verschmitzten Art etwas anders sagen wollen, den mit „Faschisten selbst“ können nur Benito Mussolini und seine Freunde gemeint sein, Mussolini, der in seiner Jugend mit marxistischem Gedankengut gegängelt wurde und dem Partito Socialista Italiano beigetreten, also Sozialist war, bevor er Anarchosyndikalist und 1912 Chefredakteur des „Avanti!“ wurde, zu Deutsch „Vorwärts“.
„Avanti!“, der italienische Vorwärts, war das Organ der Partito Socialista Italiano. Und dass die CDU sozialdemokratische Politik macht, kann man ihr nicht absprechen. Aber da auch die Blockfreunde der Genossen Klingbeil, Bas, Schwerdtner und Pantisano unter Faschisten offensichtlich so etwas wie Nazis verstehen, ist die Empörung natürlich groß, hat doch gerade der Parteivorsitzende der CDU, Friedrich Merz, in Schwerin nicht den Faschismus, sondern den Holocaust politisch instrumentalisiert, als er behauptete, dass die AfD „in der Tradition des schlimmsten Unrechts unseres Landes steht, das es in der Geschichte jemals gegeben hat“. Und nun steht die CDU plötzlich auf der Ebene der AfD, weil sie „faschistische Politik macht“ und weil zwischen der CDU, der AfD oder den „Faschisten selbst“ plötzlich wohl gar kein Unterschied mehr besteht. Wenn man es nicht kann, sollte man historische Vergleiche unterlassen, das gilt für Pantisano, aber auch für Merz und seine Blockfreunde von der Union. Plötzlich stehen sie an dem Pranger, an den sie gern immer die anderen stellen.
Ein Herr Peters, Spitzenkandidat der Union in Mecklenburg-Vorpommern, dem die Wähler einfach so mir nichts dir nichts zur AfD durchbrennen und der gerade Zeuge von Merzens „erschreckender Geschichtsvergessenheit“ in Schwerin wurde, empörte sich unterdessen kräftig. Wer die CDU mit Faschisten gleichsetze, verhöhne die Opfer des Faschismus, offenbare eine erschreckende Geschichtsvergessenheit und vergifte das politische Klima, sagte laut dts Peters den Funke-Zeitungen. Und jetzt wird es spannend: Die Linke radikalisiere sich fortwährend und entferne sich immer weiter von der demokratischen Mitte. Blockfreund Peters hatte zuvor auch die Lifestyle-Stalinisten zur „demokratischen Mitte“ gerechnet. Interessant.
Okay, was soll derjenige schon sagen, der die Mitte zwischen den Grünen und der SPD eingenommen hat? „Mit den Linken ist kein Staat zu machen“, sagte Peters jetzt. Peters hatte also sicher seinen Parteifreund Sven Schulze in Magdeburg angerufen und ihm untersagt, sich von den Linken zum Ministerpräsidenten wählen zu wissen. Oder? Ganz schön listig von Peters, hofft er doch, in die nächste Regierung von Mecklenburg- Vorpommern zu rutschen, mit der SPD und den Grünen, genauer zwischen SPD und Grünen. Doch dazu müsste Schwesig ihren bisherigen Koalitionspartner Die Linke einen Laufpass geben und die Grünen in den Landtag kommen, doch wie Daniel Pertes eben weiß, „Mit den Linken ist kein Staat zu machen“. Mit der CDU schon. Man sieht ja was für einen.
In der Welt gehen heftigste Veränderungen vor sich, doch worauf man sich verlassen kann, ist, dass Deutschland davon stoisch unberührt bleibt, denn Deutschland ist wieder einmal voll auf mit sich selbst beschäftigt. Der Luigi, dem aufging, dass er sich verplappert hatte, bat nun um Entschuldigung. Doch die will der Carsten aus dem Adenauer-Haus nicht akzeptieren. Wütend wirft der seinen Tischtennis-Schläger in die Ecke und schimpft wie ein Rohrspatz: „Die Linke ist geschichtsvergessen. Wer Christdemokraten mit Faschisten gleichsetzt, verharmlost den Horror und die Gräueltaten des Faschismus.“ Ah ja. Und wie war das noch mal mit dem „schlimmsten Unrechts unseres Landes…, das es in der Geschichte jemals gegeben hat“ und der AfD? Doch damit nicht genug, denn der Carsten aus Berlin stampft noch einmal auf: „Entweder er tritt als Vorsitzender sofort zurück oder die Meinung von Herrn Pantisano ist Parteimeinung.“
Das aber sagte er nur, weil der Daniel aus Kiel vorher schon gesagt hat, er möchte mit den Kumpels von den Linken weiter spielen, nur eben nicht mit dem Luigi, weil der so hässlich über die CDU gelästert hat. Denn der Daniel hatte auch schon der Bildzeitung zugerufen: „Wer die CDU mit Faschisten und der AfD gleichsetzt, hat sich für jeden ernsthaften demokratischen Austausch disqualifiziert.“
Ach ja, beinah vergessen, dass das „geschichtsvergessen“ ist. Und was hat die AfD jetzt nochmal mit den „Faschisten“ zu tun? Und wenn meint Daniel Günther eigentlich mit den Faschisten, Mussolini oder die Nazis? Meinte er letzteres, könnte man sich mit Daniel Günther über das Zentrum, aus dem die CDU mithervorgegangen ist, und über Franz von Papen unterhalten. Er kann sich das ja zuvor vom CDU-engagierten Professor Rödder erklären lassen.
Aber darum geht es Günther nicht, er, der für die Zusammenarbeit mit den Linken wie kein zweiter geworben hat, braucht dringend Pantisanos Rücktritt, um nicht belämmert und blamiert dazustehen.
Deutschland ist jedenfalls ein glückliches Land. Es hat keine anderen Probleme – und Geld ist ja genug da, jedenfalls sind noch genügend da, von denen man es sich holen kann, von Rentnern, Rentenversicherten, Gesetzlich Krankenversicherten im großen Enteignungs- und Umverteilungsspiel des Brandmauereinheits-Clans. Dafür gibt es ein neues Spiel im Land: Dreh dich nicht, um dreh dich nicht, der Faschist geht um.


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Von Merz ist nichts zu hören deswegen. Dem ist es egal, ist er eben ein Faschist. Hauptsache Bundeskanzler.
und da wundert sich noch jemand, daß die AFD die Vernichtung der CDU wünscht!?
Richtig so, mit dieser Verräterbande ist kein Staat mehr zu machen und keiner von diesen (LOL) Konservativen soll später behaupten er hätte von nichts gewußt!!!!!