Eine Meinung, die nicht gedruckt wurde

Der Berliner "Tagesspiegel" hat eine Antwort von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán auf heftige Vorwürfe von US-Milliardär George Soros in einem Meinungsbeitrag nicht veröffentlicht. Darum erscheint sie hier.

picture alliance / NurPhoto
„Europa darf sich dem Soros-Netzwerk nicht unterwerfen

Antwort auf den Artikel von George Soros:

Viele Stimmen meinen, der Ministerpräsident eines Landes dürfte nicht mit George Soros diskutieren. Entsprechend ihrer Argumentation ist Soros ein Wirtschaftskrimineller, da er seinen Reichtum erwarb, indem er spekulierte, Millionen von Menschen ruinierte, ja sogar ganze Nationalwirtschaften erpresste. So wie auch Regierungen nicht mit Terroristen verhandeln dürfen, so dürfen auch Ministerpräsidenten nicht mit Wirtschaftskriminellen diskutieren.

Jetzt bin ich trotzdem dazu gezwungen, da George Soros, der Dollarmilliardär und Spekulant ungarischer Herkunft am 18. November in seinem Artikel auf der Seite namens Project Syndicate einen offenen Befehl an die führenden Persönlichkeiten der Europäischen Union erteilt hat. In diesem weist er sie an, jene Mitgliedsstaaten hart zu bestrafen, die sich nicht unter der Flagge der globalen und offenen Gesellschaft in ein sich vereinheitlichendes europäisches Imperium eingliedern wollen.

Die Kraft Europas gaben im Laufe der Geschichte schon immer die Nationen. Obwohl die europäischen Nationen unterschiedlicher Herkunft sind, verbanden sie die gemeinsamen Wurzeln unseres Glaubens. Das auf den jüdisch-christlichen Traditionen beruhende europäische Familienmodell stellte die Grundlage unserer Gemeinschaften dar. Die christliche Freiheit war es, die die Freiheit des Denkens sowie der Kultur sicherte und zwischen den Nationen Europas einen wohltätigen Wettbewerb erschuf. Die großartige Verbindung der Unterschiede machte Europa Jahrhunderte hindurch zur führenden Kraft der Welt.

Jeder Versuch, der Europa unter der Ägide eines Reiches vereinheitlichen wollte, ist gescheitert. So lässt uns die historische Erfahrung auch sagen, Europa wird dann wieder groß sein, wenn auch seine Nationen erneut groß sein werden und jedweder imperialen Bestrebung widerstehen.

Erneut setzen sich große Kräfte in Bewegung, damit die Nationen Europas aufhören zu existieren und der Kontinent sich unter der Ägide eines globalen Reiches vereint. Das Soros-Netzwerk, das durch und durch mit der europäischen Bürokratie und politischen Elite verwoben ist, arbeitet seit Jahren daran, Europa zu einem Einwanderungskontinent zu machen. Für die Staaten der Europäischen Union stellt heute die größte Gefahr das die globale offene Gesellschaft verkündende und die nationalen Rahmen liquidieren wollende Soros-Netzwerk dar. Die Ziele des Networks sind offensichtlich: Mit Hilfe der Beschleunigung der Migration offene Gesellschaften mit gemischten Ethnien und Multikulturalismus zu erschaffen, die nationale Entscheidungsfindung abzubauen und diese in die Hände der globalen Elite zu übergeben.

Die Europäische Union steckt in Problemen. 2008 hat sie eine lange nicht mehr gesehene Wirtschaftskrise, beginnend mit 2015 die Migrationskrise und 2020 eine zerstörerische Pandemie getroffen. Europa hat noch nicht einmal seine vorherigen Krisen überwunden, dementsprechend kann die Auswirkung der Coronavirus-Pandemie noch größere Sorgen bereiten. Die Anzeichen dafür zeigen sich schon jetzt. Die Staatsverschuldung, die Arbeitslosigkeit, der wirtschaftliche Zustand zahlreicher Länder befindet sich auf einem kritischen Niveau. Nie gab es eine größere Notwendigkeit zur europäischen Solidarität, dazu, dass die europäischen Nationen zusammenhalten, um einander zu helfen.

Der sich selbst als „Philanthrop“ bezeichnende Spekulant hat während keiner einzigen der Krisen auf die Interessen der europäischen Menschen geachtet, sondern entsprechend seines eigenen Vorteils gehandelt. Während der Wirtschaftskrise bleibt sein Angriff gegen den Forint und die größte ungarische Bank erinnerungswürdig, während der Migrationskrise sein zur Beschleunigung der Ansiedlung der Einwanderer sowie zu ihrer Verteilung und Finanzierung ausgearbeiteter Plan, und jetzt sein Vorschlag anstelle der gegenseitigen Solidarität und der Hilfeleistung lieber einander zu bestrafen.

Das durch George Soros geleitete Netzwerk scheut inzwischen auch vor der offenen Einmischung nicht mehr zurück. Es will auf die Nationalstaaten einen Druck ausüben, der größer ist als jemals zuvor. Es hetzt die europäischen Völker gegen einander auf. Das Instrumentarium des Netzwerkes ist verwoben und auch auf den unterschiedlichsten Schauplätzen des öffentlichen Lebens präsent. Eine lange Reihe von Politikern, Journalisten, Richtern, Bürokraten, als zivil getarnten politischen Agitatoren steht auf der Gehaltsliste von George Soros. Und obwohl der Milliardär selbst jeden seiner Feinde der Korruption bezichtigt, ist er selbst der korrupteste Mensch der Welt. Wen er nur kann, den besticht und kauft er. Bei denen dies nicht gelingt, die kompromittiert er, erniedrigt er, schüchtert er ein und ruiniert er mit Hilfe der schrecklichen Waffe des Netzwerkes, des linken Medienbackgrounds.

Zahlreiche hochrangige Bürokraten der EU arbeiten gemeinsam mit dem Netzwerk von George Soros an der Erschaffung eines einheitlichen Imperiums. Sie wollen ein Institutionensystem ausbauen, das unter der Ägide der offenen Gesellschaft den freien und unabhängigen Nationen Europas ein einheitliches Denken, eine einheitliche Kultur, ein einheitliches Gesellschaftsmodell aufzwingen will. Damit nehmen sie jedem Volk sein Recht, selbst über das eigene Schicksal entscheiden zu können. Diesem Ziel dient auch ihr Herrschaft des Rechts (Rule of Law) genannter Vorschlag, der in Wirklichkeit nicht die Herrschaft des Rechts (Rule of Law), sondern das Recht des Stärkeren (Rule of Majority) anerkennt.

Die Unterschiede sind offensichtlich. Soros will eine offene Gesellschaft (Open Society) und wir wollen eine geschützte Gesellschaft (Safe Society). Seiner Ansicht nach kann die Demokratie nur liberal, unserer Ansicht nach kann sie auch christlich sein. Seiner Ansicht nach kann die Freiheit nur der Selbstverwirklichung dienen, unserer Ansicht nach kann man die Freiheit auch zur Befolgung der Lehren Christi, zum Dienst für die Heimat und zum Schutz unserer Familien nutzen. Die Grundlage der christlichen Freiheit ist: die Freiheit der Entscheidung. Diese ist jetzt in Gefahr geraten.

Wir, die in der Osthälfte der EU lebenden Mitgliedstaaten wissen sehr gut, was es heißt, frei zu sein. Die Geschichte der mitteleuropäischen Nationen war ein ständiger Freiheitskampf gegen große Imperien, um wieder und wieder unser Recht auf unsere eigene Entscheidung erkämpfen zu können. Wir haben es an der eigenen Haut erlebt: Jede imperiale Bestrebung macht dich zum Gefangenen. Wir sind hier noch einige aus der Generation der Freiheitskämpfer – von Estland bis Slowenien, von Dresden bis Sofia unter den in den Ländern des ehemaligen Ostblocks Lebenden –, die noch persönliche Erinnerungen daran haben, wie es ist, sich gegen die Willkür (Rule of Man) und deren kommunistische Version zu erheben. Einschüchterung, materielle und moralische Vernichtung, physische und seelische Belästigung. Davon wollen wir nichts mehr wissen.

Jene westlichen führenden Politiker, die ihr ganzes Leben in der Welt der geerbten Freiheit und der Herrschaft des Rechts (Rule of Law) gelebt haben, müssten jetzt auf jene hören, die für die Freiheit gekämpft haben und aufgrund der Erfahrungen ihres persönlichen Lebens einen Unterschied zwischen der Herrschaft des Rechts (Rule of Law) und der Willkür (Rule of Man) machen können. Sie müssen akzeptieren, dass wir auch im 21. Jahrhundert nicht unsere am Ende des 20. Jahrhunderts errungene Freiheit aufgeben können.

Der Kampf um das neue Brüsseler Reich bzw. der gegen es geführte Kampf ist noch nicht entschieden. Brüssel scheint zu fallen, doch ein Großteil der Nationalstaaten widersteht noch. Wenn wir unsere Freiheit bewahren wollen, darf sich Europa nicht dem Soros-Netzwerk unterwerfen.“

Viktor Orbán

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Kommentare ( 164 )

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Anna-Maria
10 Monate her

US-Investor Soros vergleicht EU mit Untergang der Sowjetunion und warnt vor Albtraum
Also SOROS selbst verglich die EU mir der Sowjetunion,. Also er hat mit dem Begriff angefangen! Wenn das Untergang der SU. gerade ein Glücksfall war, warum sollte das Untergang der EU in diesem form nicht gut sein?.
Er hat aber die Rettung: Die EU soll unbegrenzt Schulden auf dem Finanzmarkt aufnehmen, und die Staaten die Zinsen zahlen. Tilgung nicht. Dann werden wohl die PRIVATVERMÖGEN den Menschen verzehrt und in aller Ewigkeit in Schuldenknechtschaft leben. So wäre wohl unmöglich die EU zu verlassen.

PM99
10 Monate her

Woher nehmen wir Deutschen das Recht die Ungarn oder Polen über Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zu belehren? Hat nicht unsere Götterkanzlerin am laufenden Band Recht und Gesetz gebrochen, ebenso wie die Bundesregierung? Wer hat denn die Wahl des Thüringischen Ministerpräsidenten annulieren lassen? Wer hat das Asylrecht gebrochen und pervertiert, indem er ungezügelte Einwanderung ermöglichte? Wer hat zugelassen, dass wir Deutschen für die Schulden anderer EU-Länder haften? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Alter weiser Mann
10 Monate her
Antworten an  PM99

Götterkanzlerin? Aber was mir wichtiger erscheint ist doch, daß dieser weibliche Staatsratsvorsitzendenkanzler uns 2015 erklärte unsere Grenzen können nicht geschlossen und geschützt werden. Inzwischen ist das Gegenteil bewiesen, also hat sie gelogen. Hinzu kommt jetzt sogar, daß sie jeden Deutschen angeblich wegen eines Virus überwachen und einsperren will.

Johann Thiel
10 Monate her

Wünschte mir wenigstens die Visegrad-Staaten würden die EU verlassen, wenn Deutschland dazu schon zu schwach ist. Es wäre ein Zeichen der Hoffnung und eine mögliche Zuflucht für Menschen mit christlichen Wertvorstellungen.

step
10 Monate her

Na ja, ich hatte da eigentlich etwas sachlicheres und viel kräftigeres erwartet, vielleicht ist aber auch nur die Übersetzung schlecht. Ich kann mit dieser komischen Christenbezogenheit nichts anfangen, das ist alles so 19. Jahrhundert, damit will ich nichts zu tun haben. Ich bekenne mich zu einer christlich-humanistischen Grundeinstellung, das hat aber nichts mit irgendwelchen Kirchenleuten zu tun und steht auch nicht in Gegensatz zu einer liberalen Weltanschauung.

Johann Thiel
10 Monate her
Antworten an  step

Wenn Ihnen ein Christliches Land zu altbacken erscheint, können Sie mit diesem besten Deutschland aller Zeiten, doch voll zufrieden sein. Nach heutigem Medien-Blöd-Sprech müsste ich Ihnen eine Klerikalphobie attestieren. Es ist nach meinem Empfinden einfach unerträglich dumm, wenn man bereit ist, seiner kindischen Gegnerschaft zu den Kirchen, die Christlichen Fundamente seines Landes und damit seine Freiheit zu opfern. Entweder Christlich oder sozialistisch, dazwischen gibt es nichts. Und was diesen Humanismus-Blödsinn angeht den jeder und alle im Munde führen, fragen Sie doch mal einen Sozialisten, der wird Ihnen ganz deutlich erklären, dass der Sozialismus weit humanistischer ist, als das Christentum, der… Mehr

Ulrich
10 Monate her
Antworten an  step

Wenn Sie sich zu einer christlich-humanistischen Grundeinstellung berufen, ist es genau das, was der ungarische MP beschreibt.

Johann Thiel
10 Monate her

Ja, es ist immer gut wenn Medien ALLE Stimmen zu Wort kommen lassen.

Alter weiser Mann
10 Monate her
Antworten an  Johann Thiel

Das gibt es aber nur noch dort wo die FREIHEIT herrscht! Deutschland gehört nicht mehr dazu.

RHU
10 Monate her

Das ungarische Volk war und ist ein Fels in der Brandung für die Freiheit und der derzeitige ungarische MP Viktor Orban steht voll und ganz in dieser großartigen Tradition. Die Ungarn waren (nach dem Aufstand in der SBZ) die Ersten, die sich gegen die kommunistische, stalinistische Diktatur 1956 auflehnten, die Ungarn haben 1989 die Grenzen geöffnet UND die Ungarn haben 2015 ganz Europa vor den allerschlimmmsten Folgen des Merkelschen Irrsinns der Flüchtigen-Invasion bewahrt. Wir Deutschen schulden den Ungarn so manches, was allerdings in den heutigen Zeitgeist-Interpretationen der Systempresse geradezu ins Gegenteil verkehrt wird. Bravo Orban, bravo Ihr Ungarn! Barátság! Nagyon… Mehr

Last edited 10 Monate her by RHU
monique
10 Monate her

Soros und Philanthrop?
Ich glaube es ist ein chinesisches Sprichwort, das da heißt: Wenn der Fuchs von der Kanzel aus fromm predigt, sollte man den Hühnerstall im Auge behalten.
Soros‘ Ziel ist es, Europa ins Chaos zu stürzen und in diesem Chaos sein Vermögen vervielfältigen.

tarlcabot
10 Monate her

Man sollte Soros jetzt aber auch nicht überschätzen. Der Mann ist Jahrgang 1930, wie lange wird er sein Werk (unabhängig davon wie man dazu steht) noch fortsetzen können? Auch was aus seinen Organisationen wird wenn der spiritus rector mal nicht mehr da ist, bleibt abzuwarten.

Zabka
10 Monate her
Antworten an  tarlcabot

Keine Bange, Soros-Sohn Alexander (35) ist bereits Teil des „Open Society“-Imperiums, das überall da aktiv ist, wo es gilt, die bestehende Ordnung durch „Vielfalt“ auszuhebeln, in Deutschland etwa beim „Rat für Migration“ (man beachte die Liste der „Förderer“, neben Soros auch die Amadeu Antonio Stiftung und die Europäische Union). Vater George („Ich bin eine Art Gott“) sieht sich als „Retter Europas“, Teil dieser „Rettung“ sind unter anderem sieben Studien im Rahmen seines „At Home in Europe Project“, womit durchaus keine indigenen Europäer gemeint sind, sondern etwa „Les Marseillais musulmans”. Oder „Muslime in Berlin“, 190 Seiten, koordiniert von (Kopftuchfrau) Nina Mühe,… Mehr

Riffelblech
10 Monate her

Besser und genauer kann man es nicht ausdrücken.
Orban hat noch immer seine Bürger im Blick ,im Gegensatz zu unserer Regierung .
Danke für diese Veröffentlichung . Ist sie zum wiederholten Male ein Zeichen dafür wie einseitig und tendenziös wir informiert werden .
Wirklich nach dem Motto der linkstendenziösen Presse : Wir halten sie dumm….

Mausi
10 Monate her

Eigentlich sind die beiden Veröffentlichungen perfekt für die Schule. Sie sollten im Unterricht verglichen werden.