Arme SPD: Schmerz über unerfüllte Neidforderungen

60 inhaltliche Punkte in den Sondierungen oder 80 Prozent ihrer Forderungen durchgesetzt zu haben, beansprucht die SPD-Führung. Aber es rumort in der Partei, denn was nützen alle sozialen Wohltaten, wenn der Neid unbefriedigt bleibt?

© Carsten Krall/Getty Images

In einer „Erfolgsliste“, die die SPD am Freitag verbreitete, wird unter anderem die Vereinbarung aufgeführt, das Rentenniveau bis 2025 auf 48 Prozent abzusichern (das jedoch bis dahin ohnehin nicht unter diese Grenze gesunken wäre). Als Erfolge verbucht die SPD zudem die steuerfinanzierte Grundrente für langjährig Versicherte, das Recht auf Rückkehr in Vollzeit und die Entlastung von Eltern bei Kita-Beiträgen. Weitere soziale Wohltaten sind der staatliche Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose, ein Sofortprogramm in der Pflege, eine bessere Erwerbsminderungsrente, die Wiederherstellung der Parität bei den Krankenkassenbeiträgen, der Bau von 1,5 Millionen Wohnungen usw.

Neidinstinkt unbefriedigt

Nachdem die Genossen in den vergangenen Jahren ohnehin von der Union fast alles bekommen hatten, was sie wollten (Mietpreisbremse, Mindestlohn, Rente mit 63, Frauenquote in Aufsichtsräten usw.) müssten all diese weiteren sozialen Wohltaten ein Grund zur Freude für die SPD-Klientel sein. Aber wer so denkt, hat das sozialdemokratische Grundgefühl nicht verstanden: Was zählen noch so viele Dinge, die man bekommt, wenn den anderen nichts weggenommen wird?

Auf die Kanzlerin kommt's an
GroKo-Sondierung: mutlos, ratlos, planlos
So klagen die Jusos und die SPD-Linke: Es wurde keine Vermögensteuer beschlossen und der Spitzensteuersatz nicht erhöht. Und es bleibt bei der schreienden Ungerechtigkeit, dass der eine Patient im Wartezimmer nicht so lange warten muss wie der andere, weil die „Bürgerversicherung“ nicht durchgesetzt werden konnte. Warum tut das alles so sehr weh? Weil „soziale Gerechtigkeit“ für die Genossen eben nicht vor allem heißt, selbst mehr zu bekommen, sondern vor allem, den anderen etwas wegzunehmen. Zwar wäre es keinem Arbeiter und keiner allein erziehenden Mutter dadurch besser gegangen, dass man „den Reichen“ durch Erhöhung des Spitzensteuersatzes etwas wegnimmt und sie in die Einheits-Genossenversicherung zwingt. Aber geht es wirklich vor allem darum, selbst mehr zu haben?

Die „symbolische Wirkung“

Dem Neidischen ist das im Grunde zweitrangig. Er möchte zwar auch mehr für sich selbst, aber noch viel befriedigender ist es, dem anderen – in diesem Fall: „den Reichen“ – etwas zu nehmen. Wenn man rechnerisch nachweist, dass eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine „Bürgerversicherung“ dem kleinen Mann gar keine Vorteile bringen würde, dann verweisen Jusos und SPD-Linke stets auf die „symbolische Wirkung“, die doch viel wichtiger sei. Gemeint ist damit: „Ja, wir wissen schon, dass uns selbst das nichts bringt, aber es ist doch ein so wichtiges Zeichen von mehr sozialer Gerechtigkeit, wenn die Besserverdiener und die Reichen stärker zur Kasse gebeten werden.“ Und weil dieses Neidgefühl nicht befriedigt wurde, wird es massiven Widerstand gegen die GroKo geben – trotz der weitreichenden Zugeständnisse der Union. Wenn die Funktionäre und Mitglieder der SPD trotzdem für die Groko stimmen sollten, dann ausschließlich aus der Furcht, dass die SPD bei Neuwahlen weit unter die 20 Prozent rutschen und die AfD noch stärker werden könnte. Dennoch halte ich es noch nicht für sicher, dass der Sondierungs-Kompromiss die Hürden bei Mitgliedern und Funktionären der SPD nimmt. Denn das hieße, zu unterschätzen, wie sehr das Gefühl der unbefriedigten Neidinstinkte schmerzt.

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Es wird Zeit, dass die Merkel verschwindet, was hat sie denn für das Volk gebracht, die sie gewählt haben, nichts. Kinder-und Rentnerarmut und die Schere zwischen Arm und Reich ist zu überwinden. Probleme nur aussitzen, wie bei Kohl, nur das hat sie von ihm gelernt, nichts weiter. Die will nur weiter Kanzler. Deutschland braucht eine Veränderung in der Politik, denn je, aber für das Volk. Aber nicht wieder den Beitrag löschen, wie gerade zuvor !!!

Sehr geehrter Herr Zitelmann, entwerten Sie bitte nicht ihre Artikel durch das verwenden von Kampfbegriffen. Als jemand, der sich nicht gern in ein sozial-liberal-Schema pressen lassen möchte, sondern je nach Argumentation mal die eine, mal die andere Seite für überzeugender hält, stört es mich doch sehr, dass ich nur die Wahl habe von der einen Seite als „neidisch“ betrachtet zu werden oder aber, wenn ich der Argumentation der liberalen Folge, mir von der anderen Seite vorwerfen lassen zu müssen, Leute auszubeuten. Soweit ich das sehe, würde es beiden Seiten sehr gut tun, anzuerkennen, dass es noch eine andere Seite der… Mehr

„Und es bleibt bei der schreienden Ungerechtigkeit, dass der eine Patient im Wartezimmer nicht so lange warten muss wie der andere, weil die „Bürgerversicherung“ nicht durchgesetzt werden konnte.“
Ich habe gelesen, dass nicht wenige Flüchtlinge aus rechtlichen Gründen in eine private Krankenversicherung eingetragen wurden. Wenn das wahr ist, dann sollte das dringend geändert werden. Es kann nicht angehen, dass Leute, die jeden Monat ihren Beitrag zahlen, schlechtere Leistungen erhalten als Leute, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit illegal im Land aufhalten.

Was bei der ganzen Angelegenheit so ekelhaft ist, dass man mit € 60000, also € 5000 brutto, bereits zu den „Reichen“ gezählt wird! DAS ist die absolute Perversion dessen, was „Gerechtigkeit“ eigentlich meint! Wer, wie z.B. mein Vater, 70-80 Stunden pro Woche arbeitet, um das Haus abzubezahlen und sich einen Familienurlaub leisten kann, der muss zusätzlich zu den gut 22% Abgaben für KV und RV zusätzlich 42% Lohnsteuern bezahlen und von seinem Nettogehalt noch einmal 19% „Märchensteuer“!? Gleichzeitig werden UMFs in diesem Land in 190qm Wohnhäusern untergebracht, es entstehen monatliche Kosten von € 5000-6000, aber eine alleinerziehende Mutter mit einem… Mehr

„Was bei der ganzen Angelegenheit so ekelhaft ist, dass man mit € 60000, also € 5000 brutto, bereits zu den „Reichen“ gezählt wird!“
Meiner Ansicht nach, wäre es am fairsten, wenn man für Menschen in der Gehaltsklasse Ihres Vaters die Steuern senken würde und bei der Oberschicht in einem vertretbaren Rahmen anheben würde (ich rede hier nicht von vielen Prozenten,aber soweit, dass man die Mittelschicht entlasten kann).

Sollen sie. Ernsthaft. Sollen sie alles durchsetzen, was sie wollen (die linken Ideologen). Am besten sogar noch mehr. Es muss ja ohnehin schon Geld in riesigen Mengen gedruckt oder generiert (wie auch immer genannt) werden. Soll es noch mehr werden. Irgendwann ist es das Papier nicht mehr wert, auf dem der Euro gedruckt ist. Irgendwann ist alles kollabiert aufgrund linker Realitätsferne. Je schneller sie ihre „Gerechtigkeitsmodelle alá besserer DDR“ umsetzen, desto schneller verschwindet das linke Übel in den Abflusslöchern der Zeit. Linke Ideologie schiebt einen der größten Leichenberge in der Geschichte der Menschheit vor sich her. Sollen sie die, die… Mehr

„Dass es linken Ideologien nicht schon längst wie dem Faschismus ergangen ist, nämlich geschmäht zu werden, verstehe ich nicht.“
Ganz einfach, weil manche Menschen trotz Arbeit gerade so über die Runden kommen und noch weniger Geld für diese Menschen keine Alternative ist, wenden sie sich den Linken zu, selbst wenn sie bei Weitem nicht alle deren Ziele teilen.

Oft in letzter Zeit manifestiert sich in mir ein Gefühl: Wir befinden uns bereits in einer Diktatur. Selbst Wahlen nützen nix mehr für die Selbsterkenntnis derjenigen, die abgestraft wurden. So agieren nur Diktatoren.

Selbstverständlich geht es um Neid, und um nichts anderes. Die Produktion geht logisch dem Raub vor. Jeder Mensch muss essen, um zu überleben. Entweder muss er dafür selber etwas produzieren, oder er muss stehlen. Die Sozis nennen das stehlen „Solidarisch“ sein oder „Staat“. Produzieren ist mühselig, Rauben geht schneller. Es geht um das Eigentum von anderen, dass man gerne selber haben möchte. Und welches Wort beschreibt dieses Verlangen besser als „Neid“. (Literaturtip: Helmut Schoeck, Der Neid und die Gesellschaft)

Stehlen? Steuern sind kein Diebstahl. Noch nie davon gehört, dass wir in einer sozialen Marktwirtschaft leben? Das Eigentumsrecht aus Art. 14 GG unterliegt der Schranke des Allgemeinwohls. Ohne die Grundlagen dieser sozialen Marktwirtschaft hätten viele den Sprung nach oben nie geschafft. Der Grund warum es Europa besser geht, als jedem anderen Kontingent, ist dass er jedem Menschen die Möglichkeit gibt, sich zu verwirklichen und etwa aus seinem Leben zu machen. Schauen Sie sich Staaten an, in denen der Staat sich um nichts kümmert. Wollen Sie in so einem Land leben?

Das Thema Innere Sicherheit, dessen bemüht-verkrampfte Ausblendung für Schulz´ Wahldesaster ursächlich war, sucht man auch auf den 29 Seiten Sondierungsgeschwafel vergeblich. Und stolpert dabei über Sätze wie diesen: „Dabei streben wir einen politischen Stil an, der die öffentliche Debatte belebt, Unterschiede sichtbar bleiben lässt und damit die Demokratie stärkt.“

Mehr Bürgerverarsche geht nun wirklich nicht mehr!

der unzuverlässige Mehrheitsbeschaffer, die SPD, fordert heute schon „Führende Sozialdemokraten fordern Nachbesserungen“ https://www.welt.de/politik/article172449922/SPD-Politiker-Ralf-Stegner-und-Alexander-Schweitzer-wollen-Nachbesserungen.html

Da wird und wurde immer verkauft: eine Minderheitenregierung würde die Stabilität im Lande gefährden. Mit dieser Mehrheitbeschafferin aber wird die Stabilität ungleich größer gefährded.

Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich erarbeiten. Wenn das hier in Deutschland so weitergeht, dann gibt es bald kaum noch jemanden, auf den man neidisch sein könnte, weil alle Leistungsträger abwandern.

„dann gibt es bald kaum noch jemanden, auf den man neidisch sein könnte, weil alle Leistungsträger abwandern.“
Das ist doch Unsinn. Gab es eine Massenabwanderung aus Frankreich oder Griechenland abgewandert, seit die Steuern dort angehoben wurden? Diejenigen, die ihr Geld ins Ausland verlagern können, haben es schon lange getan. Diejenigen zahlen ihr ohnehin keine Steuern. Im Übrigen ist es in erster Linie die Mittelschicht, die von den Steuern belastet wird, die oberen Zehntausend zahlen im direkten Vergleich wenig.

naja, in den Großstädten hat die Miitelschicht bereits Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden, war neulich ein Artikel im Fokus. Ich spreche auch nicht von den zur Zeit 50+jährigen, sondern eher von der heutigen gebildeten Jugend. Die sind jetzt schon international im Netz unterwegs, gehen mal für ein Jahr ins Ausland usw. Glauben Sie im Ernst, dass diese jungen Leute sich das hier noch antun werden ?

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