GEAS startet: Mehr Bürokratie, große Versprechen – wenig Aussicht auf Erfolg

Trotz großer Töne von „Migrationswende“ und neuer Kontrolle zeigt sich am Beginn von GEAS vor allem eines: Das System ist schon jetzt durchlöchert. Der EuGH verbietet Leistungskürzungen, Rückführungen bleiben unwahrscheinlich. Echter Grenzschutz ist nicht in Sicht.

picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Mit Inkrafttreten der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) nimmt auch die Außengrenzeinrichtung am BER ihren Betrieb auf, 12.06.2026

An diesem Freitag ist das gemeinsame Asylsystem (GEAS) der EU in Kraft getreten. Und die Politik, zumal auch diese seltsame deutsche Bundesregierung aus offenen Reformverweigerern und denen, die so tun, als würden sie gern mehr tun, bejubelt es und sich selbst. Der Bundeskanzler gibt sich in einem Tweet euphorisch: „Die Migrationswende ist eingeleitet“, heißt es da, „national und europäisch.“ Ab heute gelte das gemeinsame europäische Asylsystem, und das bedeute: „bessere Steuerung und Ordnung, schnellere Verfahren, gerechte Verteilung von Verantwortung“. Wenn man diese „Reform“ nun effektiv umsetze, dann profitiere „unser Land“.

Doch wenn man die Versprechen im einzelnen durchgeht, bleiben viele Zweifel an der Umsetzung, zumal auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) knapp vor dem Inkrafttreten des neuen „Asylsystems“ für die ganze EU dem deutschen Staat untersagt hat, ausreisepflichtigen Dublin-Migranten die Leistungen zu kürzen. Geklagt hatte ein ausreisepflichtiger Afghane. Der EuGH hat damit das Recht von Dublin-Fällen auf „angemessenen Lebensstandard“ festgeschrieben. „Experten“ wie der ÖRR-Spezi Constantin Hruschka eilen herbei und verkünden: Auch unter den neuen GEAS-Regeln sei die Streichung von Geldleistungen nicht zulässig, „um die Handlungsfreiheit der Personen nicht so einzuschränken, dass es menschenrechtswidrig wird“.

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Die Menschenwürde hängt also doch vom Bargeld ab, man hatte es geahnt. Der EuGH habe jetzt einen „absoluten Mindeststandard festgelegt“, so Hruschka. Dabei ist anscheinend gleichgültig, welche Gesetze in Kraft sind oder nicht. Recht hat immer das Gericht. Der AfD-Abgeordnete Pierre Lamely beklagt diesen ersten Dammbruch gegen ein strengeres Asylrecht und fordert eine Offenlegung der Bundesregierung, „welche Auswirkungen diese Entscheidung auf die zukünftige Ausgestaltung des Asylbewerberleistungsgesetzes hat“.

Durch das EuGH-Urteil scheint die erste GEAS-Regelung schon vor der Hand Makulatur geworden sein. Das erste Druckmittel gegen illegale Einreisen und Abschiebeverweigerung gibt es wohl nicht mehr. Und weitere werden diesem Weg folgen.

Die späte Nachahmung Giorgia Melonis

Kommen sollen nun angeblich „strengere“ Grenzverfahren, Die Rede ist von einem „Schnell-Check für Migranten“, wobei Fingerabdrücke genommen und in einer zentralen Datenbank erfasst werden sollen. Viele sehen darin nur den Anfang einer viel allgemeineren Überwachung, die am Ende alle Reisenden, alle Bürger treffen wird. Das Einreise-/Ausreisesystem der EU ist ein Anfang davon. Auf der anderen Seite ändert es aber auch nichts, mit EURODAC war schon ein ähnliches Verfahren in Kraft. Genützt hat es in Asylfragen wenig bis nichts.

Zudem rühmt und freut man sich nun – wie Friedrich „Bolle“ Merz –, in naher Zukunft beschleunigte Asylverfahren für Antragsteller aus Ländern mit geringer Annahmequote durchführen zu können. Man will also jenes Verfahren EU-weit einführen, das nationale und EU-Richter der italienischen Regierung bisher verweigerten. Giorgia Meloni wollte Ägypter und Bengalen nicht mehr aufwendig in italienischen Zentren unterbringen und dort ein ausführliches Asylverfahren für sie durchführen, sondern die allermeist unberechtigten Asylanträge der beiden Nationalitäten schnell in einem albanischen Lager durchführen. Und diese Lager hätten dann zugleich als Rückkehrzentrum dienen können. Die Richter in Rom und Luxemburg ließen es nicht zu. Nun behauptet die hohe EU-Politik, sie wolle im Grunde genau dieses System einführen.

Die um viele Jahre verzögerte Übernahme der italienischen Idee ist eigentlich schon ein Skandal für sich. Warum geschah das nicht viel eher, da doch viele EU-Länder unter der Schwemme unberechtigter Asylanträge litten, auf die fast nie eine Rückführung folgte? Das ist eine der Fragen, die nur auf politische Arbeitsverweigerung zurückgeführt werden können.

Offen bleibt in jedem Fall die Anwendung der neuen Möglichkeiten: Bestimmte Nationalitäten haben eine geringere Asylquote, ihre Anträge sollen schneller entschieden werden. Aber was folgt dann? Wie will man Rückführungen (Remigration) in diesen Fällen erreichen? Dazu bräuchte es vor allem ein funktionierendes Ausreisesystem, das heute noch immer fehlt.

Dobrindt: Nicht gleich an Kinder denken

Am Ende werden wohl auch im neuen System die Kautelen und Vorbehalte überwiegen, und es wird nicht zu viel von den freimütig geäußerten, aber zu nichts verpflichtenden Forderungen ud Möglichkeiten umgesetzt. Man könnte sie den Federschmuck der Innenpolitiker nennen.

Kein EU-System ohne Knute und Zwist
Wegen GEAS: SPD will Ende der Grenzkontrollen, CDU verlangt Strafen bei Nichtanwendung
Es heißt, nun kämen die Grenzlager für Asylverfahren an den Außengrenzen. Vorerst aber nur für jene, die es glauben. Für die anderen hat CSU-Dobrindt schon gesagt, dass man zwar die Verträge dazu (à la Ruanda oder Albanien) in der näheren Zukunft abschließen will, aber dann dauere es eben noch recht lange, bis die ersten One-way-Flüge starten. Von glühenden Startbahnen ist da noch gar nicht die Rede.

Dobrindt spricht vom „Beginn von Kontrolle, Klarheit und Konsequenz“ – alles dank GEAS. Wie gut, dass er bisher nichts Ähnliches durchsetzen konnte. Dann wird der Kontrast größer, wenn er es kann, aber die Bürger wären auch weniger enttäuscht, wenn gar kein Kontrast da ist. Man ist es ja gewohnt. Und die SPD will das Ende der Kontrollen – dank GEAS.

Sicher ist: Durch die neuen Regeln allein wird keine illegale Einreise nach Deutschland verhindert. Man hat sich Möglichkeiten eröffnet, aber wie sie genutzt werden, ist noch vollkommen offen. Auch durch GEAS wird sich vorerst kaum etwas an der Zahl der Einreisen ändern. Denn was nützt die Registrierung nach einheitlichen Kriterien, wenn daraus kein (gemeinsames) Handeln folgt, wenn Leistungskürzungen laut EuGH verboten bleiben und die Südländer – wie zu erwarten – die Rücknahmen verweigern? Ohne schlagkräftigen Grenzschutz, strikte Kasernierung der illegal Eingereisten und umgehende Rückführung wird alles umsonst sein.

Nun warnen auch schon Menschen- und Kinderrechtsorganisationen davor, dass die Inhaftierung von Kindern „an Europas Grenzen“ zur Regel werden könnte. Das wäre in der Tat notwendig, wenn illegale Migranten ohne Anerkennungschance mit ihren Kindern anreisen. Gewiss ein sehr seltener Fall, und sicher sollte man Eltern und Kinder nicht trennen. Deutlich öfter gibt es dennoch vermeintliche „Kinder“ und „Halbwüchsige“ – die allerdings dann ohne Pass sind, in dem man ihr wahres Geburtsdatum nachschauen könnte.

Dobrindt stellte immerhin fest, dass man „nicht gleich an Familien mit Kindern denken“ müsse. Meist gehe es um „alleinreisende männliche Personen in einer ganz hohen Zahl“. Na, wenn’s der Minister sagt, dann ist es vielleicht wahr. Aber es wird ihm nicht viel nützen, weil die Schlupflöcher zu viele sind.

Zur Bekämpfung neuer Einreisen werden Altfälle akzeptiert und neue provoziert

Und dann ist da noch dieser ewige Zaubertrick, mit dem dem Bürger vorgemacht werden soll, dass eine bessere Verteilung der Asylanten auf die ganze EU das Problem lösen würde. Die Bundesregierung hat sich dabei – nicht ganz zu Unrecht – auf das Thema Sekundärmigration eingeschossen, also auf jene Einreisen, die durch mehrere sichere EU-Staaten und am Ende mit unfehlbarer Gewissheit nach Deutschland führen. Nun will man Zuständigkeiten regeln und so die Sekundärmigration begrenzen, wie es heißt.

Unter anderem, indem Deutschland auch offiziell alle jene – übrigens auch illegalen – „Sekundärmigranten“ übernimmt und sich für sie als zuständig erklärt, die eigentlich schon in Griechenland und andernorts registriert waren oder dort gar einen Aufenthaltsstatus erhalten haben.

Mit diesem „edlen Pfund“ will die Bundesregierung im neuen GEAS-Mechanismus wuchern, auf dass sie nicht Strafzahlungen und zusätzliche Migranten aufnehmen muss. Aber selbst das wird man für die Zukunft nicht ausschließen können. Der Mechanismus sieht ausdrücklich vor, dass jedes EU-Land bei weiterbestehendem Migrationsdruck entweder Migranten aufnehmen oder sich durch Ersatzzahlungen freikaufen muss. Es kann also nur um die Abschaffung dieses Drucks gehen.

EU, oder ein ganzer Kontinent als Süchtiger

Und die erreicht man kaum, indem man – wie jetzt die CDU – schon wieder scharf gegen die Südländer schießt. Notwendig wäre dafür echter Grenzschutz, egal wo er stattfindet. Aber dieses Kapitel hat man wohl gar nicht bearbeitet. Von der Festung Europa wird noch immer verschämt geschwiegen, einzelne Zäune zwar zugelassen, aber sie sollen nicht zu dicht sein. Die Europäische Union vertritt so fast einen ganzen Kontinent, der unter Migrationsdruck stehen will – wie ein Fixer, der seinem nächsten Schuss entgegenfiebert.

GEAS ändert an dieser Grundeinstellung vorerst gar nichts, es zeigt nur, dass der Druck zeitweise zu groß wurde und man sich wieder eine etwas „geordnetere“ ungeregelte Zuwanderung wünscht, durch die man dem Arbeitskräftemangel zu begegnen sucht – und das unter dem Strich gänzlich erfolglos. Auch der Zwischenruf der Kommunen, des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der eben durch die GEAS-Reform eine weitere Belastung der Kommunen fürchtet, gehört am Ende wohl in dieses Kapitel. Die „rückläufige Entwicklung“ bei den Asylanträgen, die Dobrindts Grenzkontrollen eher zufällig begleitet hat, sehe man wohl, so der Geschäftsführer André Berghegger gegenüber der Rheinischen Post vom Freitag.

Aber nun befürchtet man neue „bürokratische Belastungen“ durch GEAS. Außerdem hat man sich aber schon halb freiwillig fest in der Migrationsvorsorge-Bürokratie verfangen. Berghegger mahnt an, dass man ja weiterhin Unterbringungskapazitäten „vorhalten“ müsse. Mit anderen Worten: Nun sind sie einmal da, die Migrationseinrichtungen, und bitte unterhaltet Sie weiter mit Bundes-Steuergeldern, oder wir streiken. So haben sich auch die Städte und Kommunen sehr friedlich in ihr Schicksal gefügt und verlangen immer den nächsten Schuss. Die Botschaft der Unions-Oberen von der „Migrationswende“ scheint noch nicht angekommen. Der Apparat ist träge und erwartet mehr vom Gleichen.

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Kommentare ( 8 )

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Autour
3 Minuten her

Der EuGh oder wie sie das komische nicht LEGITIMIRTE Kaseperletheater schimpft, gehört mit sofortiger Wirkung eingestampft! Und jeglicher pseudo „Rechtsspruch“ komplett ignoriert!
Da dieser Kasperleverein KEINE Möglichkeit hat seine kruden „Rechtssprechungen“ durchzusetzen kann man das getrost ignorieren! Nur braucht es halt auch eine Regierung die Intellektuell und Charakterlich die Veranlagung hat diesen Schergen im EuGh Einhalt zu gebieten!
Ich sag nur WEG mit dem DRECK!

Aliena
6 Minuten her

Man zeigt Aktionismus, der sehr rasch als Blendwerk entlarvt werden wird. Zuwanderungen, legal oder illegal, wird es weiterhin geben. Es sind lediglich einige zusätzliche Kontrollmechanismen eingeplant – die werden jedoch nichts daran ändern, den UN Plan umzusetzen, somit sind die üppigen Zahlungen weiterhin zu leisten und der Zustrom zu akzeptieren. Die Medien werden verstärkt suggerieren, unsere Politik tue etwas. Ein Großteil der bundesdeutschen Wähler wird es glauben.
Augenwischerei für die nicht-Migranten, um Wahldebakel zu vermeiden oder diese zumindest zu lindern.

Haba Orwell
22 Minuten her

> Der EuGH hat damit das Recht von Dublin-Fällen auf „angemessenen Lebensstandard“ festgeschrieben.

Mehr Hoffnung auf Vernunft würden Gerichte in Moskau, Peking oder sogar Teheran bieten. Die EUdSSR samt Gericht gehört aufgelöst.

Siggi
24 Minuten her

Wenn Afghanen und Pakistani von diesen Maßnahmen ausgenommen sind, wird man sich wundern, wie viel auf einmal Afghanen und Pakis sind. Das Afghanending hat die dämliche Baerbock zu vertreten. Das war ein sehr schwerer Fehler, der dort begangen wurde; und das mit Unterstützung aller Altparteien Wie konnte man diese Betrügerin und hoch dämliche Trulla nur zum Außenminister machen? Das verstehe ich bis heute nicht; wie die Causa Habeck. Und nach den Erfahrungen mit der Ampel, sich wieder mit den Haupttätern ins Bett legen und die gleichen dämlichen Inkompetenten an die Macht lassen, war an Dämlichkeit nicht zu überbieten. Ich hoffe… Mehr

hansgunther
28 Minuten her

Deutschland hat bisher alles durchgewunken, begünstigt und sich selbst in den Ausverkaufsmodus gebracht, Resterampe Brüssel! Maßgeblich Die CDU/CSU und die SPD verfolgen das, die Grünen und Linken Phantasten hängen sich sowieso dran, ihr Feldzug gilt ausschließlich Deutschland. Gemeinsames Ziel: Deutschland aufgeben und in Europa verschwinden lassen den autochthonen Deutschen unterbuttern durch Massen fremder Länder! Diese Politik muss enden. Der Nettozahler Deutschland hat seine Zahlungen zu limitieren bzw. zu stoppen, sollten weiterhin Entscheidungen aus Brüssel oder z. B. dem EuGH oder des Europäischen Parlaments die deutschen Interessen einschneidend und außerordentlich außer Kraft setzen wollen. Der Spruch des EuGH-Gerichtes, dass wir volle… Mehr

Last edited 26 Minuten her by hansgunther
imapact
30 Minuten her

Deutschland müßte überhaupt keine Sekundärnigranten aufnehmen, da Deutschland ausnahmslos von sicheren Staaten umgeben ist. Völlig unverständlich, warum der Verzicht auf Rücküberstellung nun auch noch offiziell festgeschrieben wird. Die „europäische Lösung“ wird uns schon seit 11Jahren vorgehalten wie dem Esel die Karotte. Es wird alles so weitergehen wie bisher, denn das ist das erklärte Ziel in Brüssel, Berlin und anderen Hauptstädte.

Innere Unruhe
45 Minuten her

Gerade bei Kindern muss man zusehen, dass keine Anreize entstehen, sie auf die gefährliche Reise mitzunehmen.
Gerade für Kinder muss eine Unterbringung in der Abstammungsregion – und -kultur erfolgen. Kein Kind muss aus Nigeria nach Deutschland fliehen. Tschad ist auch gut genug und näher an der Heimat als Deutschland.

Sanijo
50 Minuten her

Nie habe ich mehr Kopftücher und schwarze Afrikaner gesehen mit Kinderwagen als heute in Luckenwalde zum Turmfest und Jüterbog, wir werden geflutet mit denen auf unsere Kosten! Ich will diese Leute nicht in meinem Land haben!