Baerbock ist perfekt als Galionsfigur der Grünen

Ob Annalena Baerbock ein Staatsschiff gut führen könnte, ist nicht die Frage. Als Galionsfigur muss sie das gar nicht. Sie soll die grüne Zeitgeistgaleere nur zieren und die Ruderer zum Rudern animieren. Und dafür ist sie fast perfekt.

IMAGO / photothek

Noch zeitgeistiger wäre natürlich, Annalena Baerbock wäre zusätzlich nicht weiß, wenigstens nicht mit einem weißen Mann oder gar nicht verheiratet und keine Mutter. Aber unterhalb dieses maximalen Zeitgeistprofils und unter den real existierenden der anderen in der Funktionärsspitze der Berufspolitiker der Grünen ist Baerbock aus grüner Machtsicht die richtige Wahl als Galionsfigur. Bitte beachten: Die Galionsfigur ziert die grüne Zeitgeistgaleere; die Ruderer zum Bewegen und Manövrieren, ebenso wie jene, die den Rudertakt und die Richtung bestimmen, sie alle sind für die glückstrunkene Menge an der Hafeneinfahrt nicht sichtbar, sie jubeln der unbeweglichen Galionsfigur am Bugspriet zu.

Auf 53 Prozent brächte es eine Ampelkoalition nach den Ergebnissen der Umfrage von Forsa gestern.

Auch schon das Ergebnis von 51 Prozent für eine Ampel von INSA am 26. April hatte die Gefühle im politmedialen Komplex mächtig beflügelt. Und darauf ist Verlass: Da kommt noch mehr. Oder neuhochdeutsch im zeitgeistgrünen Jetset: more to come.51 von INSA am 26. April.

Obwohl Umfragen bekanntlich nicht als Prognosen taugen, glückstrunken machen diese Zahlen die Grünen und ihre Anhänger allemal. Und die Neigung sehr vieler Wahlberechtigter, die noch nie die grüne Partei gewählt haben, es nun zu tun, steigern solche Aussichten, die ihnen die zuverlässigsten Parteigänger der Grünen, die vielen Journalisten, in den kommenden Wochen als die richtige Perspektive weiter anpreisen werden.

Diese Euphorie wird von der Gegenbotschaft aus Sachsen-Anhalt keineswegs beeinträchtigt, sondern nachgerade beflügelt. Die Zeitgeist-Gemeinde kann mit dem Finger auf Zahlen wie die von INSA von heute zeigen und vor dem warnen, was dort droht, wo die Leute den Anschluss an die moderne Zeit hinterwäldlerisch noch nicht gefunden haben.

Berlin hingegen weist den gewünschten Weg der grünen Zeitgeistgaleere mit der Galionsfigur Baerbock über den Tag der nächsten Bundestagswahl hinaus.

Wie bedingungslos glückstrunken die Zeitgeist-Journalisten der Galionsfigur Baerbock zujubeln, war ihrer Kritik an einer der Ihren anzusehen – Anne Will. Dass diese Baerbock mit Fragen nach ihren Qualifikationen über die Eigenschaft Frau hinaus löcherte, stieß auf heftige Kritik. In der Wirkung muss Annalena Baerbock Anne Will dankbar sein. Denn die Zeitgeist-Journalisten priesen die Galionsfigur für Eigenschaften, die Baerbock im Bild von immer mehr Zeitgenossen tatsächlich haben wird, je länger die Werbetrommel die Ruderer der Zeitgeistgaleere vorantreibt.

„Souverän, rhetorisch stark und mit einem Lächeln“: Von diesen Qualitäten aus dem Munde eines Mitglieds der Werbebranche ist Lächeln die Entscheidende für eine Galionsfigur. Wahlentscheidungen jeder Art, nicht nur politische, werden von den allermeisten Menschen emotional getroffen, nicht rational. Mit dem Verstand begründen wir unsere emotionalen Kaufentscheidungen im Nachhinein – und in erster Linie vor uns selbst. Hasso Mansfeld, der eine Menge von Kommunikation, ihren Wirkungsweisen, Hintergründen und Zusammenhängen versteht, hat diesen Wirkungskreis des Emotionalen für die Galionsfigur der grünen Zeitgeistgaleere schön beschrieben. Genau in diesem Zustand befindet sich die glückstrunkene Zeitgeist-Menge an jeder Hafeneinfahrt.

„Wenn wir verliebt sind, sind wir nicht wir selbst“, das ist keine Übertreibung für den Gefühlszustand vieler Zeitgeist-Journalisten. Das Emotionale bei Annalena Baerbock dominiert aber nicht nur bei ihren Anhängern, Unterstützern und Promotoren alles, sondern auch bei ihren Gegnern.

Wer glaubt, der Galionsfigur Baerbock mit der Koboldgeschichte und der vom Stromnetz als Speicher schaden zu können, erliegt dem Wohlgefühl seiner negativen Verliebtheit in Annalena Baerbock. Kobold, Netz und was die Galionsfigur sonst als Mix von Nichtwissen und Versprechern hinterlassen hat und weiter liefern wird, sind für die Zeitgeistgemeinde mit jedem neuen Anlass ein weiterer Ansporn, ihre Galionsfigur bedingungslos anzuhimmeln (sinnlose Merkel-Sprüche schaden auch ihr nicht). Baerbock vereint den kindlichen Greta-Appeal einer Jeanne d’Arc der Klimakämpfer mit dem tiefsitzenden Mutti-Merkel-Mythos, der in der Zeitgeistgemeinde auch den Niedergang der Union überleben wird – je mehr Wähler Merkel weg von der Union hin zu den Grünen motiviert, desto nachhaltiger.

Der „Bandwagon“- oder Mitläufer-Effekt ist seit vielen Jahrzehnten ein bekanntes Motiv für Menschen nicht nur bei politischen Wahlen, sondern auch beim Mitmachen jedes neuen Modetrends bei Kleidung, Einrichtung, Freizeitverhalten. Die simple Erklärung: beim Sieger sein, dazugehören wollen. Dreht der Modewind, folgen die Surfer den Modewellen.

Doch das ist bis zur Bundestagswahl am 26. September bisher nicht zu erwarten. Selbst dann nicht automatisch, wenn bis dahin im Bild der Öffentlichkeit die falsche Coronapolitik der Herrschenden auch für die Mehrheit offenkundig geworden sein sollte. Denn jede Glaubwürdigkeitslücke im Krieg gegen Corona wird mit politischen Kriegsmaßnahmen gegen den Klimawandel aufgefüllt – die Anfänge sind überall sichtbar. Der Wechsel des Staatsfeindes von Corona zu Klima kommt für die Galionsfigur Baerbock und die grüne Zeitgeistgaleere wie ihre politmedialen Ruderer zum richtigen Zeitpunkt. Denn aus dem Corona-Feldzug halten sich die Grünen so weit nur möglich zurück: Sie wissen, wer gegen die Lockdownserie demonstriert und rebelliert, mehr ihrer bisherigen Wähler als solche von anderen Parteien.

Ob die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl mit oder ohne Union stattfindet, kann heute niemand vorhersagen. Dass jede neue Regierung die grün-schwarz-rote Verbotsagenda haben wird, welche die Galionsfigur Baerbock mithilfe der Zeitgeist-Journalisten auf eine Weise verschönt, die für glückstrunkene Zeitgeist-Mengen an jeder Hafeneinfahrt sorgen, steht hingegen fest.

Die nächste Bundesregierung und ihre Satrapen in den Bundesländern müssen erst von einem Zeitgeist-Wechsel um Deutschland herum umzingelt sein, bevor sich hier etwas ändert. Bis zur Bundestagswahl dürfte die Galionsfigur Baerbock die Stimmung noch tragen, die auch über die großen Spannungen hinwegtäuschen in einer „Partei von Leuten, die SUV teils hassen, teils fahren und die Gendersprache teils lebensnotwendig finden und teils doof.“


Ein Hinweis zum Schluss. Solange der neu gewählte Bundestag keine andere Person als Merkel zum Bundeskanzler gewählt und diese das Amt angetreten hat, bleibt es bei der Person M. im Kanzlerstuhl. Dass dieser Zeitpunkt im Jahr 2022 liegt, ist wahrscheinlicher als 2021.

 
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Kommentare ( 146 )

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Friedrich Boulder
11 Tage her

Mir doch egal. Bundestag gibt sich als Abgeordnete Vertreter des Volkes selbst auf (2015 nicht mal über die offenen Grenzen debattiert, 2021 das Budgetrecht an die Brüsseler Bürokratie abgegeben): mir doch egal! Föderalismus von den Länder-MP aufgegeben (Bundesnotbremse): mir doch egal! Bundespräsident die alte Sahnetorte verunglimpft das Amt (Erklärung nicht notwendig): mir doch egal! Verfassunggericht befreit sich von der Verfassung (Klimaurteil): mir doch egal! Bundesregierung ein Inkompetenzteam, Bundeskanzler wendet jede Wohlfahrt vom deutschen Volk ab (EUR, Energie, Migration……): mir doch egal! 4. Gewalt schreibt sich die WunschRegierung zusammen, keinerlei Interesse am Journalismus und Wahrheit: mir doch egal! Kirchen Antifa-NGO: mir… Mehr

Juergen P. Schneider
12 Tage her

Baerbock als zweite Merkel. Kann passieren. Wenn es passiert, wird es keine kurze Episode sein. Baerbock kann dann wie Merkel Katastrophe an Katastrophe reihen, der ÖRR und die grüne Presse, werden sie stützen und schützen. Die Deutschen werden sie weiter wählen. Die Koalitionen werden wechseln, Baerbock wird bleiben. Die Grünen setzen auf diesen erwartbaren Effekt.

Johann Thiel
12 Tage her

Das mit der „Zeitgeistgaleere“ ist ein schönes Bild. Person M. sowieso.

Physis
12 Tage her

Ich schweife, wie gewohnt mal wieder etwas ab. Nun, eben gerade wieder hatte ich den Anflug des Gedenkens an meinen Vater. Und NEIN, er hatte niemals den Spruch von den Beinen unter seinem Tisch, die ich dort eventuell missachtend untergestellt hatte, geäussert! DAS war nämlich etwas, was ihm zuwieder war, nämlich Sprüche verwenden, die er nicht besser konnte. Sein Spruch war daher stets: „mein lieber Freund…“ Und dann kam meistens nichts Gutes, wenn ich seiner Meinung nach wieder etwas „verbrochen“ hatte. Tja und nun bin ich kanpp sechzig, fühle mich so jung wie damals und habe immer noch Respekt vor… Mehr

Theophil
12 Tage her

Wenn ich es richtig sehe, wirkt Habeck etwas melancholisch seit Annalenas Kür. Möglich, dass er traurig ist, dass er es nicht wurde. Wahrscheinlicher jedoch, dass er eine grüne Kanzlerschaft selbst noch nicht richtig glauben kann und ahnt, in welches Disaster eine Kanzlerschaft Bärbocks führen wird, und er natürlich mit drin hängt. Übrigens: wenn Frau sein an sich schon qualifiziert, dann könnten es die Franzosen auch so sehen und demnächst Marine zur Präsidentin machen.

MagicTE
12 Tage her

Ich verstehe den Frust der politischen Gegner. Frau Baerbock kann öffentlich jeden Blödsinn von sich geben, sie wird trotzdem vom Wähler angehimmelt. Mit jeder neuen Umfrage steigen ihre Werte weiter an. Die UNION braucht definitiv nicht darauf spekulieren, Juniorpartner unter einer Kanzlerin Baerbock zu werden. Die GRÜNEN haben längst verstanden, dass eine Wechselstimmung das Land erfasst hat. Ich freu mich schon auf den September, wenn sich die UNIONS Granden gegenseitig zerfleischen werden. Und aus Bayern grüßt der Markus mit breitem Grinsen😂😂😂

stolzerSachse
12 Tage her

Ohne viel Worte zu verlieren, ja können Sachsen ooch 😉
https://www.youtube.com/watch?v=foxpptrpEfM
man achte auf grün eingeblendeten Sachverstand des Habeck und die Zitate der Wundertüte AnnaLuschka.
DAS ist der Sachverstand den Deutschland braucht für den nahen Untergang.

Last edited 12 Tage her by stolzerSachse
Kassandra
12 Tage her
Antworten an  stolzerSachse

Wieso ist das mit den 750.000.000.000 Euro eigentlich nach dem Gespräch nirgends aufgetaucht? Gut, dass Steimle aufgepasst hat.
Die denkt, die Euros wachsen in Brüssel auf den Bäumen?

stolzerSachse
11 Tage her
Antworten an  Kassandra

Ich glaube die „Alpenprawda“ hatte da sogar was im Setzkasten.
Das grüne Brötchen hat schon mehr als einmal bewiesen, daß auch Abitur und längeres Studium nicht grundlegende naturwissenschaftliche Defizite ausgleicht. Schon anno 2019 legte sie ihre Schwächen offen. Gottseidank hatte sie Ärzte welche ihr die „Tragezeit“ offenbarten, wer weiß was sonst herausgekommen wäre. 🙂
https://www.epochtimes.de/meinung/gastkommentar/wissen-gruenen-politiker-oft-gar-nicht-wovon-sie-ueberhaupt-reden-a2823403.html

Ben Goldstein
12 Tage her

Ich frag mich, wie viele Grünenanhänger weniger begeistert von Baerbock wären, wenn sie wüssten, dass ihr Ehemann der Hauptansprechpartner für Lobbyisten in der Partei war. Bis 2017 war er nämlich „Vorstandsreferent Wirtschaftsdialog“ für den Bundesvorstand.
Ich hab ein Video zu Frau Baerbocks Seilschaften gemacht. Die Quellen sind alle im Youtube-Textfelt zu finden.
https://youtu.be/r8iTYLA2A3s

Kassandra
12 Tage her
Antworten an  Ben Goldstein

Jetzt ist er Lobbyist für dhl. Also sie verbietet den Individualverkehr und er sorgt für die Paketboten und Amazon – und für alle dazwischen.

Werner Geiselhart
12 Tage her

Das jüngste BVG-Urteil zur Klimapolitik wurde anscheinend von den Grünen bestellt. Was besseres konnte ihnen nicht passieren, eine gerichtliche Bestätigung für das Konzept, Deutschland zu deindustriealisieren, die Bevölkerung auf einheitliche Linie zu bringen und einen Großteil der Staatsgelder auf die grüne Lobby umzuleiten. Eine vollständige Vermüllung Deutschlands mit Vogelschreddern und die Abdeckung der Felder mit PV-Platten werden sozusagen gerichtlich befohlen, wobei das Ganze relativ schnell in einen gewaltigen Crash münden wird, von dem sich das verarmte Deutschland jahrzehntelang nicht erholen wird, ohne wertschöpfende Steuerzahler und mit Billionenschulden. Genau das wird das Erbe dieser verblödeten Generation für unsere Jugend sein, und… Mehr

Lichtenberg
12 Tage her

Der Terminus „Redeinkontinenz“ ist treffend. Würde ich gerne in meinen Thesaurus Linguae Germaniae aufnehmen, wenn es Ihnen recht ist. Zu Ihrem Kommentar: Sie kennen sicher den auf Merkel gemünzten Satz „Wer soll es denn sonst machen?“ Das wird man künftig über Baerbock sagen. Habeck hat öffentlich seinen Unwillen zur Macht demonstriert.