Merkels Inzidenz: Vernebelndes und Erhellendes aus Kanzlerinnenmund

Neben einer atemberaubenden neuen Variante der Inzidenzberechnung offenbart Angela Merkel ganz nebenbei ihre Beweggründe zur Einführung des Bundeslockdown: Die Verwaltungsgerichte und der Gleichbehandlungsgrundsatz waren einfach zu ärgerlich.

IMAGO / photothek
Angela Merkel

Manchmal fragt man sich, ob die Regierenden sich über den Sinn ihrer Worte ganz im Klaren sind. Bei der obersten Regierenden Merkel scheint das verwirrende Sprechen zur Methode zu gehören: Wer nicht wirklich verstanden wird, kann schließlich auch nicht klar kritisiert werden.

Ein Beispiel dafür gab Merkel etwa in der Pressekonferenz nach dem Impfgipfel. O-Ton: „Wir werden immer mehr Geimpfte haben, aber immer noch einen relevanten Teil der Bevölkerung, der nicht geimpft ist. Das heißt, wenn wir 50 Prozent doppelt Geimpfte haben, von denen kein Infektionsrisiko mehr ausgeht, und 50 Prozent der Bevölkerung sind nicht geimpft, dann bedeutet im Grunde eine Inzidenz von 100 in der Gesamtbevölkerung, dass für die Nichtgeimpften – nur die ist ja von der Erkrankungswahrscheinlichkeit betroffen, im Grunde eine Inzidenz von 200 besteht. Das heißt, wir haben dann immer noch ein erhebliches Risiko für das Gesundheitssystem…“

Verdoppelung der Inzidenz bei 50 Prozent Impfquote? Will die promovierte Physikerin Merkel damit eine neue Inzidenzberechnungsmethode einführen? Je höher der Prozentsatz der Geimpften, desto gefährlicher die Inzidenz? Also bei 75 Prozent Geimpften dann eine Vervierfachung der Inzidenz?

Solcher Kanzlerinnen-Quatsch – ausführlich hier nachzulesen – ist womöglich eher dadurch motiviert, dass Merkel einfach ein bißchen über die Inzidenz reden will, damit diese Zahl, die zwar wenig über die tatsächliche Gefährdungslage in der Pandemie aussagt, aber nun einmal von ihr zum alles bestimmenden Maß der „Bundesnotbremse“ erkoren wurde, nicht in Vergessenheit gerät. „Inzidenz“ und „erhebliches Risiko“, auf diesen Akkord kam es Merkel vermutlich an.

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Dass die Kanzlerin ihre Zuhörer im 17. Jahr ihrer Regierung immer weniger ernst nimmt, und zu ihnen meist eher wie eine Lehrerin zu ihrer Schulklasse spricht, zeigte sie auch im Video-„Bürgerdialog“ mit Angehörigen des Kulturbetriebs (um sie nicht „Kulturschaffende“ zu nennen). Bei der Antwort auf die Frage einer Buchhändlerin, was man tun könne, damit es „nicht wieder zu einem ständigen Wechsel kommt“, entfleuchten Merkel Sätze, die wohl weniger die Sorge der Händlerin, als vielmehr ihre eigenen betreffen, die sie sich schließlich durch den Inzidenz-Bundeslockdown-Automatismus vom Hals schaffte:

„Was können wir tun, damit das nicht durch Gerichte wieder infrage gestellt wird? Dadurch, dass wir jetzt ein Bundesgesetz gemacht haben, kann es nur durch das Bundesverfassungsgericht noch überprüft werden, das heißt also, man hat nicht die verschiedenen Verwaltungsgerichts-Entscheidungen. […] Und was hat die Sache noch mal erschwert? Dass verschiedene Gerichtsentscheidungen immer nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz gehen. Also dann wird gesagt, ok, Buch ja, Computerfestplatte nein, ist das richtig? Da gab’s Gerichtsentscheidungen, die gesagt haben, nein, da muss auch der Computershop aufgemacht werden. Und schwups ist man in einer Bahn, wo dann alle Geschäfte auf sind.“

Die Justiz in den Ländern war ihr also allzu lästig, die die Rechtmäßigkeit von Corona-Maßnahmen im Hinblick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz prüfte. Wie praktisch, wenn entsprechende Klagemöglichkeiten für die sich ungleich behandelt Empfindenden einfach durch ein Bundesgesetz abgeschafft werden können. Für weitere Verfassungsbeschwerden hat die Kanzlerin durch dieses Bekenntnis ein schlagendes neues Argument geliefert.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 143 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

143 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Mein Onkel
5 Monate her

Entweder ist diese Kanzlerin schlecht beraten oder sie lügt, daß sich die Balken biegen!
Zitat: „Das heißt, wenn wir 50 Prozent doppelt Geimpfte haben, von denen kein Infektionsrisiko mehr ausgeht,…“

Es weiß mittlerweile jeder – nur die Kanzlerin anscheinend nicht, daß von Geimpften SEHR WOHL ein Infektionsrisiko ausgeht!
Und daß Geimpfte oftmals erst durch die Impfung zu einem „positiven Fall“ werden!
Und daß geimpfte Negative sich immer noch infizieren können!

Vielleicht kann TE über dieses heiße Eisen berichten?

Dreiklang
5 Monate her

Merkel ist gleichbedeutend mit maximal ignoranter Machtausübung, welche man so nur von Diktatoren her kennt, jene in punkto Ignoranz noch weit übertreffend. In ihrer Machtbesessenheit schaltet Merkel alle aus, die aufgrund von Kompetenz und Verantwortung noch handeln wollen. Das ist bei der Handhabung der Covid19 Epi(En)demie wieder einmal ganz deutlich geworden. Siehe die Impfstoffbeschaffung, die dilettantische Handhabung von „Lockdowns“ mit sinnlosen „Inzidenzen“ und andere Verrücktheiten. Weiter rückblickend die „Energiewende“, die „Eurorettung“, die Migrationskrise, immer von dümmlichen und logisch falschen Argumenten begleitet. Merkel ist wie ein Bulldozerfahrer, der beim Rangieren erst einmal die gesamte Baustelle und die Nachbarschaft einebnet und welchem… Mehr

Peter Pascht
5 Monate her

Ich habe noch vor zwei Tagen die Aussage einer Ärtztin bei „Phönix Runde“ gehört, die sagte, die Medizinwissenschaft weiß noch nicht ob geimpfte auch weiterhin infektiös sein können, also ob sie anderen anstecken können. Es sind Ereignisse bekannt wo sich Geimpfte noch angesteckt haben sogar mit schweren Sympthomen. Ob die Impfung aiuch gegen kommende Mutationen hilft kann aiuch niemand wissen. Frau Merkel behauptet indessen dreist und frech: „Das heißt, wenn wir 50 Prozent doppelt Geimpfte haben, von denen kein Infektionsrisiko mehr ausgeht“ Sprachlicher Unsinn, es gibt nur einmal geimpfte, die sind dann geimpft wenn sie zwei Spritzen bekommen haben. Dieser… Mehr

Eddie
5 Monate her

Warum wird eine Inzidenz von 100 nicht einfach 1promille genannt? Dann weiß man doch gleich, dass einer von 1000 infiziert ist. Warum denn die Hochrechnung auf 100000? Etwa weil sich 100 gefährlicher anhört?

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  Eddie

Man kann gar nicht davon ausgehen, dass dieser eine „infiziert“ wäre.
Ein Labor, das einen Abstrich auswertete, hat nach Vervielfältigungen der Probe einen Coronaschnipsel entdeckt.
Das nennen sie „positiv“.
Nur ein ganz geringer Anteil aller Menschen mit einem positiven Test ist infiziert – was immer noch nicht heißt, dass er auch wirklich mit Symptomen krank ist.
Die statistisch aufbereiteten Zahlen des RKI sind falsch – so falsch, dass Robert Koch im Grab rotiert!

Legolas
5 Monate her

Nach der „Logik“ von Frau Merkel haben wir, wenn die gesamte Bevölkerung bis auf einen einzigen Menschen geimpft ist, eine Inzidenz von 82.000.000. Durchs Impfen wird‘s also immer schlimmer 😂. Ergo: Lockdown für immer.
Was sagt es über ein Volk aus, das sich solche Geistesgrößen immer wieder an seine Spitze wählt?

Peter Pascht
5 Monate her

Wer Inzidenzwerte nachmacht, oder Inzidenzwerte fälscht, oder gefälschte Inzidenzwerte verbreitet macht sich strafbar 😉

Last edited 5 Monate her by Peter Pascht
reconquistadenuevo
5 Monate her

Zu Corona:

Alle Länder machen auf, nur der Michel kriegt ein`drauf.

Peter Pascht
5 Monate her

Wenn alle 83 Mio Deutsche Infektionsfälle wären, dann ergibt das nach Merkel-RKi Mathematik eine Inzidenz von 100.000
Die Mathematik aber sagt, dass diese Zahl, die Summe aller Häufigkeiten =1
Eine Inzidenze von 100 ist also 0,1% der deutschen Bevölkerung.
Um mal die „Katastrophe“ Corona in Zaheln zu fassen.
Wer damit Grundrechte bescheiden will hat einen Knall,
oder ist schlichtweg nur bösartig skrupellos.
20.000 Intesivpatienten bedeutet 0,025% der Bevölkerung.
Das ist das maximale was dieser Staat an Intensivpatienten versorgen kann.
Daran messt Frau Merkel die „Katastrophe“
wir dürfen das Gesundheitssystem nicht überlasten“
Zynisch, skrupellos, menschenverachtend.

Last edited 5 Monate her by Peter Pascht
pcn
5 Monate her
Antworten an  Peter Pascht

Gut dargestellt. Mathematisch kann man diese Rosstäuscherin am Besten enttarnen. Wahrlich eine Schande, wie unser Gesundheitssystem kaputt gespart wird. Aber auch ein Weiteres: Die mangelnde Anzahl an Intensivpersonal (mit miserabler Entlohnung und in Dauerstresssituationen) in der Pflege wird skrupellos für die politische Agenda Merkels genutzt, um dieses Volk in Angst zu halten. Schließlich steht uns noch weit Schlimmeres bevor, als eine Pandemie. Daran sollen wir uns langsam gewöhnen – durch systematische Umerziehung durch Panikdauerbeschuss.

Kassandra
5 Monate her

Zu dem ganzen uns angetanen Schwindel ein Hinweis auf Dr. Gunter Frank auf der Achse, der versucht, was uns bislang hinsichtlich der „Pandemie“ aufgeschwatzt wurde, von hinten aufzurollen: https://www.achgut.com/artikel/das_andere_licht_am_ende_des_tunnels
Auch deshalb, weil die MSM-Beschallung seit mehr als einem Jahr derart einseitig ausgerichtet ist. Hoffentlich nehmen wenigstens Ratten, wie der Doktor schreibt, die Anregung bald auf, das sinkende Schiff zu verlassen

Engelbogen
5 Monate her

7 Tages Inzidienzen sind die Summe aller positiv Getesteten durch die gesamte Einwohnerzahl mal 100000. Eine Inzidienz von 100 bedeutet daher, dass innerhalb von 7 Tagen 0,1 % (ein tausendstel) der Bevölkerung positiv getestet wurden. Da aber auch gute Tests eine negativ->positiv Fehlerquote von 0,1% Prozent haben, kann man so mit der Häufigkeit des Testens die Inzidienzen sehr stark manipulieren. Hierzu ein Beispiel: In einer Region wo man gar nicht testet sind die Inzidienzen sicher 0. In einer Region, wo man jede Person 2 mal wöchentlich testet ist die Inzidienz bei einer Negativ->Positiv Fehlquote von 0,05% 50, auch wenn Alle… Mehr

Peter Pascht
5 Monate her
Antworten an  Engelbogen

„7 Tages Inzidienzen sind die Summe aller positiv Getesteten durch die gesamte Einwohnerzahl mal 100000. Eine Inzidienz von 100 bedeutet daher, dass innerhalb von 7 Tagen 0,1 % (ein tausendstel) der Bevölkerung positiv getestet wurden. Da aber auch gute Tests eine negativ->positiv Fehlerquote von 0,1% Prozent haben, kann man so mit der Häufigkeit des Testens die Inzidienzen sehr stark manipulieren.“ Mathemtisch absolut richtig dargestellt. Zudem: wenn wir in einer Ortschaft mit 50.000 Einwohnern, 1 Infektionafall haben, dann haben wir nach Merkel sprech einen halben kranken Menchen pro 100.000 = Inzidenz Aber für solche nicht Panik machende Zahlen ist die Merkel… Mehr

Peter Pascht
5 Monate her
Antworten an  Engelbogen

RKI Inzidenz = Summe über 7 Tage/83Mio * 100.000
da muss man nach Mathematik jetzt noch durch 7 teilen, weil Häufigkeiten genormt sein müsse.

Last edited 5 Monate her by Peter Pascht