Wer zu sehen war: ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft. Medizinisches Personal, Handwerker, Lehrer, Unternehmer. Die Tiroler Bevölkerung eben. Wer nicht zu sehen war: Rechtsradikale, Gewalttäter, Nazis. Auch die spärlich präsente Polizei war entspannt und gut gelaunt, man erwartete offensichtlich keine Probleme. Von Chris Veber
In Innsbruck fand bei sonnigem Herbstwetter am Sonntag, dem 17.10., eine Demonstration gegen die Covid-Maßnahmen statt. Vor allem wehrten sich die Leute gegen den Impfdruck auf Kinder. Die Versammlung war gut besucht, die Stimmung war freundlich, die Argumente der Redner einleuchtend und wissenschaftlich schon längst nicht mehr umstritten (die Impfung schützt weder vor Ansteckung noch vor Weitergabe, Kinder sind nicht gefährdet durch Covid und profitieren nicht von der Impfung, tragen aber alle Risiken).
Wer nicht zu sehen war: Rechtsradikale, Gewalttäter, Nazis. Auch die spärlich präsente Polizei war entspannt und gut gelaunt, man erwartete offensichtlich keine Probleme. Einem Gespräch mit anwesenden Polizisten konnte ich entnehmen, dass die Position der Demonstranten verstanden, teilweise sogar geteilt wird. Nur meine Frage, ob auf die Verfassung beeidete Beamte nicht auf Seiten der Demonstranten gegen die Covid-Verordnungen aufstehen müssten, wurde mit einem Verweis auf das (in den Augen der Polizei) formell rechtmäßige Zustandekommen der Covid-Verordnungen verneint. Wenn ich mich aus dem Fenster lehnen müsste, würde ich sagen, NOCH verneint.
Wer außerdem nicht zu sehen war. Medien. Kein ORF, keine Zeitungen, kein Radio. Einfach niemand. Was angesichts der Dimension und des brisanten Themas der Demo erstaunt.
Es scheint, dass sich über den Widerstand der Bevölkerung gegen die Covid-Maßnahmen ebenso ausgeschwiegen wird, wie seitens der Regierung unangenehme wissenschaftliche Tatsachen und Studien ausgeblendet werden. Liebe Medien, eure Rolle in einer Demokratie ist es, den Regierenden auf die Finger zu schauen, sie zu hinterfragen. Nicht, nur die eine Sichtweise der Mächtigen zu verbreiten. Die Bevölkerung möglichst objektiv zu informieren, ihr Grundlagen zur Entscheidungsfindung zu liefern. Nicht, sie zu erziehen.
Wenn die Medien sich nur noch als Verbreiter und Verstärker der regierungsamtlichen Meinung verstehen (eventuell zu verstehen angesichts des 230 Millionen Werbebudgets der Regierung), ist die Demokratie in Gefahr.
Wer jetzt 3G, einen quasi Impfzwang und digitalen „grünen Pass“ als Bedingung für ein normales Leben akzeptiert, wird sich morgen wundern, warum sein Pass ihm den Eintritt ins Gasthaus oder zur Arbeit verweigert. Obwohl er doch nichts falsch gemacht hat. Wenn einmal ein digitaler Passierschein zu einer menschenwürdigen Existenz nötig ist, können die Machthaber die Bedingungen des Passierscheins jederzeit ändern. Wehret den Anfängen.
An die Medien appelliere ich, kehrt zu eurer Rolle als 4. Gewalt der Demokratie zurück. Kontrolliert die Mächtigen. Informiert die Bevölkerung. Möglicherweise wird die Regierung euch Inserate entziehen, aber mit Angepasstheit wurde noch nie ein Pulitzer-Preis gewonnen. Oder die Auflage gesteigert. Und wenn eure Reichweite sinkt, verliert auch die Regierung das Interesse an Euch.
Chris Veber, Ex-Philosoph, Ex-Grüner, Unternehmer, Freier Journalist




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