Wegen diffuser Ängste und aus ideologischen Gründen lehnt Deutschland die Fracking-Technologie weitgehend ab. Dabei könnte sie ein wichtiger Baustein für sichere und günstige Energieversorgung sein. Ein Gutachten bestätigt das. Von Michael Lindberg
IMAGO / UIG
Während Deutschland sich weiterhin in energiepolitischer Selbstkasteiung übt, legt ein renommierter Experte Fakten auf den Tisch, die der ideologisch vernebelten Debatte den Boden entziehen könnten. Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), kommt in einem Gutachten für die Friedrich-Naumann-Stiftung zu einem klaren Ergebnis: Mit moderner Schiefergas-Förderung (Fracking) ließen sich unter konservativen Annahmen jährlich rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas gewinnen – über mehrere Jahrzehnte hinweg. Das entspricht etwa einem Viertel des deutschen Gasbedarfs.
Wie funktioniert Fracking?
Was steckt hinter dem Begriff? Fracking – kurz für „Hydraulic Fracturing“ – ist kein monolithisches Bohrloch der 1950er Jahre, sondern das Zusammenspiel mehrerer hochentwickelter Technologien. Zunächst wird eine sogenannte Richtbohrung niedergebracht: Die Bohrung setzt senkrecht an, biegt sich dann in mehreren hundert Metern Tiefe präzise in die Horizontale und folgt der gasführenden Gesteinsschicht über Strecken von bis zu zwei Kilometern. Ein direkt hinter dem Bohrkopf platziertes Messsystem – „measurement while drilling“ – überwacht den Bohrverlauf in Echtzeit und steuert die Richtung zentimetergenau.
Aus einem einzigen Bohransatzpunkt werden typischerweise mehrere solcher Horizontalbohrungen abgeteuft – das sogenannte Multi-Well-Pad-Verfahren –, was den Flächenverbrauch an der Oberfläche dramatisch reduziert. Anschließend wird ein gezielt zusammengemischtes Fluid aus Wasser, Sand als Stützmittel, das die aufgerissenen Mikrorisse offenhält, sowie einer kleinen Menge Tensiden und anderen funktionalen Zusätzen unter hohem Druck in die Lagerstätte gepumpt. Die Tenside erfüllen dabei einen konkret messbaren Zweck: Sie senken die Oberflächenspannung des Fluids und erleichtern so den späteren Rückfluss der Flüssigkeit aus dem Gestein – was auch das Umweltrisiko begrenzt.
Im dichten Tongestein entstehen dadurch winzige Risse, durch die das Gas entweichen kann. Nach dem Frack-Vorgang wird der größte Teil der Flüssigkeit wieder zurückgepumpt und aufbereitet oder entsorgt.
Diese Gasmenge könnte nicht nur die Importabhängigkeit massiv senken, sondern auch Preisschwankungen dämpfen und die Versorgungssicherheit stärken.
Stattdessen importiert Deutschland teures LNG aus den USA oder Katar – allein 2025 kosteten die deutschen LNG-Importe rund 3,2 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg gegenüber 1,9 Milliarden im Vorjahr. Zum Vergleich: Am amerikanischen Referenzmarkt Henry Hub wird Schiefergas – eben das, was wir per Schiff importieren – strukturell für einen Bruchteil des europäischen Börsenpreises gehandelt, weil die USA es vor der eigenen Haustür fördern. Die Verflüssigung, der Tanktransport und die Regasifizierung verteuern das Molekül erheblich, bevor es ins deutsche Netz gespeist wird. Heimisches Schiefergas würde diese gesamte Wertschöpfungskette – und deren Marge – weitgehend überflüssig machen.
Kümpel stützt sich in seinem Gutachten auf aktuelle Bohrdaten der Landesgeologischen Dienste und seiner früheren Behörde. Zur Datenbasis: Die BGR hat in ihrer langjährigen NiKo-Studie elf Tonsteinformationen auf ihren Gasgehalt untersucht, darunter den jurassischen Posidonienschiefer, den kretazischen Wealden und Formationen des Unterkarbons. Das größte Potenzial liegt im Norddeutschen Becken – einer geologischen Senke, in der bereits seit Jahrzehnten konventionelles Erdgas gefördert wird und für die Tausende von Altbohrungen existieren, deren Daten in die Lagerstättenmodellierung einfließen. Diese Altbohrungen sind ein unterschätztes Asset: Aus ihren Bohrkernen und Logs lassen sich Mächtigkeit, organischer Kohlenstoffgehalt und Reifegrad der Muttergesteine ablesen – die Grundlage jeder belastbaren Ressourcenschätzung.
Die BGR selbst bezifferte die technisch förderbaren Mengen in ihrer umfangreichsten Studie auf 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter – also weit mehr als das, was Kümpel in seinem Gutachten unter konservativen Annahmen ansetzt. Das bedeutet: Die 25 Prozent sind eher eine Untergrenze als eine Obergrenze. Bei optimistischeren Förderannahmen, die immer noch innerhalb des geologisch Plausiblen liegen, ließen sich theoretisch Mengen erschließen, die den deutschen Gasbedarf für Jahrzehnte substanziell stützen könnten.
Ideologie statt Geologie
Seit 2017 gilt in Deutschland ein weitgehendes Verbot des unkonventionellen Frackings – also des Aufbrechens von dichten Tonstein- und Schieferformationen zur Erschließung bislang unzugänglicher Gasvorkommen. Konventionelles Fracking in klassischen Sandstein-Lagerstätten ist davon ausgenommen und wird hierzulande bis heute praktiziert. Das Verbot des unkonventionellen Verfahrens wurde begründet mit diffusen Ängsten vor Grundwasserverunreinigung und Erdbeben – Risiken, die bei Einhaltung moderner technischer Standards nach Ansicht vieler Fachleute gering sind.
Was bedeutet das konkret? Mehrfach verrohrte Bohrlöcher mit Stahlrohren und Zementmanschetten, die den Grundwasserhorizont gegenüber der Lagerstätte hydraulisch trennen, sind heute technischer Standard. Die BGR-eigenen Modellierungen haben ergeben, dass injizierte Fracking-Fluide aus Tiefen von typischerweise 2.000 bis 4.000 Metern selbst unter ungünstigen Annahmen nicht in die nutzbaren Grundwasserschichten aufsteigen. Auch die durch Fracking induzierten Risse erreichen nach den Berechnungen keine trinkwasserrelevanten Horizonte. Das Erdbeben-Risiko ist real, aber kalkulierbar: Bei standortbezogener Voruntersuchung und kontinuierlichem seismischem Monitoring lassen sich Ereignisse spürbarer Stärke mit hoher Sicherheit ausschließen oder frühzeitig durch Anpassung des Drucks abmildern.
Weltweit wird Fracking millionenfach erfolgreich und sicher angewendet. In den USA hat es zu einem Energie-Boom geführt, der nicht nur die Wirtschaft ankurbelte, sondern auch die CO₂-Emissionen senkte, weil Kohle durch saubereres Gas verdrängt wurde.
In Deutschland dagegen dominiert das Prinzip „Hauptsache nicht aus der eigenen Erde“. Während man Wind- und Solaranlagen mit Milliarden subventioniert und Landschaften zubetoniert, bleibt die vernünftige Nutzung heimischer fossiler Ressourcen als Brückentechnologie tabu. Das Ergebnis: Eine heimische Förderung, die heute weniger als fünf Prozent des Bedarfs deckt – Tendenz sinkend, weil die konventionellen Lagerstätten erschöpft sind. Die Importabhängigkeit droht auf nahezu 100 Prozent zu steigen.
Kümpel, ein ausgewiesener Geophysiker mit jahrzehntelanger Expertise, hält das Verbot für wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Die Technologie ist beherrschbar, die Risiken sind kalkulierbar. Wer trotzdem pauschal dagegen wettert, argumentiert nicht geowissenschaftlich, sondern ideologisch.
Realität statt Wunschdenken
Deutschland braucht eine nüchterne Energiepolitik, die auf Diversität setzt, statt auf dogmatische Einseitigkeit. Fracking wäre kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein: heimisch, verfügbar und gegenüber importiertem LNG preislich konkurrenzfähig, sobald man die gesamte Importkette ehrlich einrechnet. Es würde Zeit kaufen für den echten technologischen Fortschritt – für Speichertechnologien, die noch nicht massentauglich sind, und nicht zuletzt für die nächste Generation der Kernkraft: Generation-IV-Reaktoren mit geschlossenen Brennstoffkreisläufen, die Atommüll als Brennstoff nutzen und kaum noch langlebige Abfälle erzeugen, rücken weltweit von der Theorie in die Praxis.
In China läuft seit Dezember 2023 der weltweit erste Generation-IV-Reaktor im kommerziellen Betrieb, in den USA erhielt TerraPowers Natrium-Reaktor in Wyoming im März 2026 die erste Baugenehmigung dieser Reaktorklasse überhaupt – Fertigstellung 2030 geplant.
Frankreich und Kanada verfolgen eigene Konzepte im Rahmen des Generation IV International Forum. Statt auf wetterabhängige Erneuerbare zu setzen, die bei Dunkelflaute kläglich versagen, täte auch Deutschland gut daran, diese Brücke nicht voreilig abzureißen.
Die Union und vor allem die FDP haben das Thema längst erkannt. Die Grünen und ihre Verbündeten in den Umweltorganisationen werden erwartungsgemäß mit Horrorszenarien aufwarten. Doch die Bürger spüren die Folgen falscher Politik täglich an der Zapfsäule und auf der Stromrechnung. Es ist höchste Zeit, dass Fakten wieder Vorrang vor grüner Symbolpolitik bekommen.

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Fracking ist keine Wunderwaffe. Bis nach Genehmigung der Förderorte, Beschaffung der Technik etc. und alles zur Gasförderung bereit ist, vergehen 10 Jahre. Vor Ort werden sogen. Natur- und Umweltschützer noch alles zu verhindern suchen, was nicht nach Wind- und Solarpark aussieht.
Man könnte sagen, ROT/GRÜN und Merkel haben Deutschlands sichere Energieversorgung radikal zerstört und dieser Zustand wird sich erst in vielen Jahren etwas ändern. Den Nachfolgeregierungen aus ggfls. AFD und CO hinterlässt man verbrannte Erde und freut sich daran, wenn eine Neuorientierung scheitern würde.
Gegen Fracking könnte man nicht viel haben, wenn es in Deutschland Politiker gäbe, die eine klare Haftungsregelung zustande bringen. Es ist aber zu erwarten, dass für Geschädigte Beamtenmikado wie bei der Erdwärmebohrung in Staufen dabei herauskommt. Unfähige Politiker plus Korruption sind kine guten Voraussetzungen für Fracking in Deutschland.