Zu den aktuellen Ereignissen um Alice Schwarzer

Der Klassenkampf gegen den spießigen christlich-konservativen Kleinbürger war gewonnen, die christlich liberalen und konservative Werte nahezu alle ausgehebelt. Nun sind es islamisch konservative Werte, die den leergefegten Platz der christlich konservativen Werte einnehmen.

Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Spätestens jetzt sollte jedem klar geworden sein: Der Marsch durch die Institutionen der Linken in dieselben hat Früchte getragen. Die Kulturrevolution von Oben ist durchgesickert und hat begonnen.

Es wirkt nahezu ironisch, wenn man sich das Video, welches momentan viral geht, im Netz ansieht, indem eine junge Muslima mit Kopftuch sichtlich erregt und aggressiv mit Alice Schwarzer streitet: Über das Kopftuch, welches sie im Namen des „neuen“ Feminismus selbstbestimmt und mit Stolz trägt, wie sie selbst sagt. Ein kleines Antippen mit dem Finger genügt, um einen Shitstorm auszulösen. Dabei: Für Alice Schwarzer ist das Kopftuch der 1. Schritt in die Unterdrückung, weitere folgen bis hin zum mobilen Gefängnis der Burka oder  Gefängnisstrafe und Peitschenhiebe für Frauen, die das ablehnen. Aber was tun, wenn Frauen gerne unterdrückt sein wollen?

— EMMA (@EMMA_Magazin) May 9, 2019

Alice Schwarzer – ein Name in Deutschland, der als Synonym steht für Frauenrechte und für Feminismus. So waren es jedoch immer linke Ideale bezüglich der Geschlechterrollen und der Frauen, die Frau Schwarzer vertreten hat.

Ideale wie z.B das Konzept der „freien Liebe“, liberale Abtreibungsgesetze, Erleichterungen für Ehescheidungen usw. – und jetzt kommt der Islam und will seinen Feminismus feiern lassen – ist wütend, weil Frau Schwarzer es nicht mit ihnen tut.

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Kein Wunder, dass sich muslimische Frauen ausgeschlossen fühlten von Alice Schwarzer. Denn die linken Ideale, für die Frau Schwarzer immer energisch eintrat, sind eben genau das Gegenteil dessen, wofür diese Frauen stehen. Es sind islamisch-konservative Werte – die nun den leergefegten Platz der christlich-konservativen Werte einnehmen. Auch hier steckt eine tiefe Ironie – so ähneln sich diese Werte in ihren Grundpfeilern – nur ohne Kopftuch.

Der Klassenkampf gegen den spießigen christlich-konservativen Kleinbürger war gewonnen, die christlich liberalen und konservative Werte nahezu alle ausgehebelt. Aber mit diesem neuen „Kampf“ hat wohl keiner der Alt-Feministinnen gerechnet. Und so hat Frau Schwarzer tatsächlich recht als sie sagte: „Wir haben die Musliminnen vernachlässigt.“

Oder eher gesagt: den Islam. Sie hatte uns – Frauen wie mich – vernachlässigt, die sich dem westlichen, deutschen Lebensstil anpassten und dafür von der islamisch-konservativen Gesellschaft in Deutschland als „Abtrünnige“ stigmatisiert worden sind. Wir hätten Hilfe gebraucht, sogar die Generation unserer Mütter hätte sie gebraucht.

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Aber die Feministinnen der 68-er waren inkonsequent, wie man heute deutlich sehen kann, da nur an einer Front die Religiös-Konservativen bekämpft wurden: die Christlich-Konservativen.

Offenbar liegt sie falsch mit ihrer Annahme, die Frauen von ihren Kopftüchern zu befreien zu müssen. Es spielt auch gar keine Rolle mehr, ob eine Frau befreit werden will oder selbstbestimmt dieses Symbol (für was auch immer) tragen will. Denn dieser Zug ist abgefahren. Dieses Denkmuster ist obsolet – denn der Islam hat längst seine Lobby gefunden.

Ironischerweise war Alice Schwarzer damals der Alptraum der türkisch muslimischen männlichen Gesellschaft in den 70er Jahren. So hatten viele Männer Angst davor, dass ihre Frauen werden könnten “wie deutsche Huren“. Zudem: Alice Schwarzer hat als erste Feministin davor gewarnt. Ihre Warnungen wurden überhört – jetzt rollt die Woge zurück.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen gerade aus Anatolien und in der Nachbarwohnung ist eine Kommune, die sich vom patriarchalisch geprägten bourgeoisen Besitzanspruchsdenken in Liebesbeziehungen „befreit“ und sie waren gestern noch fromm in einer Moschee beten.

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Zwar kannten wohl die wenigsten muslimischen Männer Alice Schwarzer, jedoch war sie einer der Gründe bzw. die Werte und den dazugehörigen Lebenstil, den sie vertrat, vor der man die eigenen Frauen „schützen“ wollte und sie fern hielt von der deutschen Gesellschaft. Es ist ihnen gelungen. Auch wenn die Mehrheit der damaligen Gastarbeiter aus der Türkei nicht der deutschen Sprache mächtig waren, so hatten sie trotzdem alle Augen, um zu sehen, was die 68-er in diesem Land angerichtet hatten.

Denn es scheint, als würden die heutigen islamisch-konservativen Frauen in Deutschland das schaffen, worin der christlich-konservativ geprägte Lebensstil der deutschen Frauen versagt hat – verloren hat gegen die hochgelobte 68-er Bewegung, als dessen An- und Wortführerin Alice Schwarzer galt.

Ganz recht, die 68er waren auch ein Grund, weshalb die Integration der damaligen „Gastarbeiter“ scheiterte, denn das was sie propagierten und am Ende übrig blieb, war gesellschaftlicher Zerfall, in den sich auch nur wenige „integrieren“ wollten. Das Ergebnis sehen wir heute. Trotz Atatürk – denn der westliche Lebensstil, den er propagierte, hatte nichts mit linker Sozialpolitik zu tun.

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Was die Linken damals hier in Deutschland zerstörten, bauen die Konservativen wieder auf und andersherum. So war es immer. Der einzige Unterschied heute: Es sind nun die muslimisch Konservativen, die in ihrem Sinne handeln und aufbauen. Nicht im Sinne der deutschen Gesellschaft. Das wäre eigentlich die Aufgabe einer CDU gewesen, wäre diese von links nicht ausgehöhlt worden.

Es scheint, als würde die Revolution nun ihre Mütter und Väter fressen. Und irgendwie erinnert das ganze bereits im Kleinen an etwas, was es im Großen schon mal gab – in China etwa, wo eine wütende Generation der Jugend eines Landes sich als rote Garden von den einstigen Wortführern, Idolen und idealen, samt ihrer Eltern, also diejenigen, die sie an ihrer Brust nährten, entledigten. Im Namen der Revolution, der Freiheit.

Zugegeben ein kluger Schachzug der Linken, die neue revolutionäre Kraft in Multikulti erkannt und mobilisiert zu haben. Somit hat Schwarzer ausgedient, wird nicht mehr gebraucht, an ihre Stelle treten jetzt lautere und aggressivere Frauen, die im Namen der Religionsfreiheit und weiblichen Emanzipation für statt gegen das Kopftuch demonstrieren und kämpfen.

Auch hier verbirgt sich wieder die Ironie des Schicksals, so sind es doch wieder linke Ideale die Multikulti rufen, mittlerweile schreien und ausgerechnet Alice Schwarzer als Rassistin beschimpfen. Selten hat man ihr mehr Unrecht angetan.

Da sieht man einmal wieder, wie link die Linken sind.


Die Sprache des islamistischen Tweets spricht für sich.

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