Steigende Kriminalität an bayerischen Bahnhöfen

Bahnhöfe in Bayern werden für viele Bürger zu No-Go-Zonen. Eine AfD-Anfrage zeigt alarmierende Zahlen: Bei Diebstahl und Raub liegt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2026 bei rund 80 Prozent, bei Körperverletzung bei 56 Prozent. Die Bundesregierung reagiert vor allem mit mehr Videoüberwachung.

picture alliance / dpa | Matthias Balk

Bahnhöfe werden immer mehr zu Orten, die man lieber meidet. Das gilt bundesweit – also auch in Bayern. Ein Blick auf bestimmte „Verkehrsstationen“ oder die sie umgebenden Viertel genügt da vollkommen. Diese neue Realität deutscher Städte hat der AfD-Abgeordnete Raimond Scheirich zum Anlass genommen, um mit seiner Fraktion eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zu stellen, betreffend die damit verbundenen Straftaten in seinem Heimatland Bayern.

Die gelieferten Zahlen beruhigen höchstens bei sehr oberflächlicher Betrachtung. So gingen die Sachbeschädigungen von 6.657 Delikten im Jahr 2012 auf 3.636 Taten im Jahr 2025 zurück. Zuletzt stiegen die Zahlen jedoch wieder, und zwar signifikant: Im Vergleich zu 2023 gab es 2025 alles in allem 205 Sachbeschädigungen mehr an bayerischen Bahnhöfen (plus sieben Prozent). Die Zahl der Tatverdächtigen nahm sogar um 767 zu, was einer Zunahme von 26 Prozent entspricht.

Daneben sind die jährlichen Schadenssummen alarmierend, die immer wieder deutliche Ausschläge nach oben zeigen, so auch im Jahr 2025 mit 1,8 Millionen Euro gegenüber 861.000 Euro im Jahr 2012, was mehr als einer Verdoppelung der jährlichen Schäden entspricht. Die Gesamtsumme der Schäden seit 2012 beträgt laut Bundesregierung fast 18 Millionen Euro. Ein Trend zu immer teureren Schäden wird erkennbar. Und nun darf man gesamtgesellschaftlich auf die Suche nach den Ursachen gehen.

Scheirich meint dazu: „Wir dürfen uns von den insgesamt sinkenden Zahlen nicht beeindrucken lassen.“ Aus der Antwort gehe insbesondere hervor, dass „der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Sachbeschädigungen an bayerischen Bahnhöfen im Jahr 2025 bei rund 42 Prozent lag“, in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 „sogar bei 50 Prozent“.

Bis zu vier Fünftel der Täter sind Ausländer

Auch in den anderen beiden abgefragten Tatverdächtigen-Kategorien liegt der Nichtdeutschen-Anteil nicht anders: „Bei Körperverletzungen waren es 2025 rund 52 Prozent, 2026 bisher rund 56 Prozent. Bei Diebstahl und Raub wird der Befund noch schärfer. 2025 lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei rund 75 Prozent, 2026 bisher bei rund 80 Prozent.“ Syrer und Afghanen stehen dabei in vielen Jahren an der Spitze der Körperverletzungsstatistik. Exemplarisch im Jahr 2025, in dem sie Platz 1 und 2 der ausländischen Tatverdächtigen belegen. Bei den Diebstahls- und Raubdelikten sind es eher Marokkaner, „Rumänen“ und Algerier, aber in geringerem Maße auch hier Syrer, Afghanen u.v.a.m. Dazudenken muss man sich wie immer die frisch Eingebürgerten, die in dieser Statistik wie überall nur noch als „Deutsche“ zählen.

Blickt man genauer auf die Entwicklung, dann gibt es bei den Körperverletzungen im Grunde zwei Entwicklungen: Von 2012 bis 2018 gab es eine leichte Zunahme der Taten auf hohem Niveau (2.013 bis 2.431 Taten in der Spitze). Ab 2019 sank dieses Niveau dann relativ abrupt um rund 1000 Taten pro Jahr, um dann aber wieder zu steigen. Am Minimum im Jahr 2021 gab es demnach nur 816 Körperverletzungen an bayerischen Bahnhöfen, 2025 waren es aber schon wieder 1669 – eine Verdoppelung in kurzer Zeit.

Nicht auszuschließen ist, dass der Skalenwechsel zuvor auf eine andere Vermessung und Registrierung der Fakten zurückgeht. Vielleicht hat auch eine erhöhte Polizeipräsenz, die um die Corona-Jahre auf deutschen Bahnhöfen einsetzte, zu einem (zeitweiligen) Rückgang der Taten geführt. Ein ähnlicher Rückgang zeigt sich bei den Diebstahls- und Raubdelikten – hier allerdings bisher dauerhaft.

Daneben fallen aber noch einige andere Trends auf. So lag die Zahl der Tatverdächtigen bei Körperverletzungen zuletzt über der Zahl der Fälle, wie Scheirich hervorhebt. Das gelte etwa für seinen Wahlkreis Augsburg, wo „2025 bei 15 registrierten Körperverletzungsdelikten 66 Tatverdächtige ermittelt“ worden seien. „Im Jahr 2025 wurden an Bahnhöfen in Bayern 1.669 Körperverletzungsdelikte registriert. Zugleich wurden 2.025 Tatverdächtige ermittelt“, so Scheirich. Dabei seien 64 Prozent der Tatverdächtigen Ausländer.

Scheirich: Migrantische Gruppen decken einander

Das deutet zum einen auf eine neue Gruppenbildung bei der Gewalt hin. Die Taten werden nicht von isolierten Einzeltätern begangen, sondern in der Gruppe. Diese Gruppen heißen die Taten offenbar gut. Scheirich schließt – wohl nicht zu Unrecht –, dass Körperverletzungsdelikte inzwischen „häufig von migrantischen Gruppen begangen werden“. Eine Schwierigkeit, die daraus folgt: Der Haupttäter ist immer schwerer zu ermitteln, auch weil sich die Gruppenmitglieder gegenseitig durch ihre Aussagen decken. Auch die Flucht als Gruppe sei deutlich einfacher, weil die Gruppen meist größer als die Zahl der patrouillierenden Beamten sei: „Rennt jeder in eine andere Richtung weg, steigt die Chance, zu entkommen. Alles folgt einem System und Muster“, so Scheirich.

Und in der Tat berichtet die Bundesregierung von zahlreichen Gegenmaßnahmen von Bundespolizei und Regierung, darunter Waffenverbote, Schwerpunktmaßnahmen, Kriminalprävention, Super-Recognizer, Sicherheitsrunden, „hochauflösende“ Videoüberwachung und künftig womöglich intelligente Kamerasysteme.

Scheirich meint dazu: „Das liest sich streckenweise wie eine Betriebsanleitung zur besseren Verwaltung von Kontrollverlust. Das Grundproblem der offenen Grenzen und der Unterlassung dringend notwendiger Abschiebungen von Straftätern wird – wie immer – nicht angepackt. Aus der Welt schaffen sich diese Probleme so nicht. Der Staat trägt dafür die volle Verantwortung.“

Elf bayerische Bahnhöfe gelten als „gefährdetes Objekt“

Der öffentliche Raum gehöre „uns allen und muss ohne Angst von allen genutzt werden können“. Die Videoüberwachung sieht Scheirich zwiespältig: Zwar könne und solle sie zur besseren Identifizierung der Täter führen, allerdings sei „die Tat dann schon längst passiert“. Es müsse „verhindert werden, dass Deutsche Hab und Gut oder sogar Leib und Leben riskieren, wenn sie den öffentlichen Raum betreten“.

Auch die Bundesregierung gibt den deutlichen Anstieg der Gewaltkriminalität an Bahnhöfen zu. Elf bayerische Verkehrsstationen sind derzeit als „gefährdetes Objekt“ eingestuft, erfordern also besondere Aufmerksamkeit der Behörden. Personenkontrollen sollen dadurch erleichtert werden. Dazu zählen selbstredend die Hauptbahnhöfe in Augsburg, München, Nürnberg und Regensburg.

Explizit heißt es in der Antwort, die „sichtbare polizeiliche Präsenz der Bundespolizei auf dem Gebiet der Bahnanlagen des Bundes, insbesondere in verkehrsreichen Bahnhöfen und Zügen in Bayern“, sei ein „strategischer Schwerpunkt für die Gewährleistung der objektiven Sicherheit, des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung und des Vertrauens in die Bundespolizei“. Das sind aber drei grundverschiedene Dinge: reale Sicherheit, subjektives „Sicherheitsgefühl“ und Vertrauen in die Polizei.

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