SPD: Thilo Sarrazin darf ausgeschlossen werden

Das Grundgesetz verpflichtet die politischen Parteien zu innerparteilicher Demokratie. Doch die SPD wirft im 3. Anlauf den populären Genossen raus.

Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Jetzt also doch. Der einstige Berliner Finanzsenator und spätere Bestsellerautor Thilo Sarrazin darf aus der SPD ausgeschlossen werden. So entschied zumindest die erste Instanz im innerparteilichen Schiedsgerichtsverfahren, die Kreisschiedskommission Charlottenburg-Wilmersdorf. Nach drei Anläufen soll also der Mann aus der SPD ausgeschlossen werden, der öffentlichkeitswirksam Themen adressiert hat, die – wie alle Umfragen belegen – auch viele Mitbürger umtreiben: die Entwicklung von Parallelgesellschaften, weil Integration nicht gelingt; die schleichende Islamisierung des Landes; die Entwicklung rechtsfreier Räume; die Zuwanderung in die Sozialsysteme.

Sarrazin über die Fehler der SPD
„Was ist los mit Ihrer SPD, Herr Sarrazin?“
Diese Themen anzusprechen gilt der SPD als rassistisch. Die dänischen Sozialdemokraten haben eben erst bewiesen, dass man auch linke Wähler aus den traditionellen Milieus mit einer Politik erreicht, die keine Tabuthemen kennt, sondern sich zur eigenen Kultur und zur Durchsetzung von Recht und Ordnung auch gegenüber Zuwanderern bekennt. Die deutsche SPD hat sich dagegen von ihren Traditionsmilieus und deren Problemen meilenweit entfernt. Die Akademikerpartei trennt sich jetzt von einem Mann, der ohne Schaum vor dem Mund gesellschaftliche Reizthemen besetzt und ins Volk vermittelt hat.

Thilo Sarrazin wird kämpfen. Er wird Widerspruch einlegen und alle Wege vor Partei- und ordentlichen Gerichten nutzen, um seinen Ausschluss doch noch zu verhindern. Seine Erfolgswahrscheinlichkeiten stufe ich höher ein als eine Renaissance der Sozialdemokratie bei früheren Wählerinnen und Wählern. Denn unter denen wird es viele geben, die sich angewidert abwenden, weil die SPD einen Mann ausschließt, „der sagt, was Sache ist“.

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Kommentare ( 112 )

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112 Kommentare auf "SPD: Thilo Sarrazin darf ausgeschlossen werden"

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Wie Michel Houellebecq in „Unterwerfung“ treffend formulierte: Die Linke ist bereit, alles, aber auch wirklich alles zu opfern, solange der erste Glaubenssatz des dogmatischen Antirassismus nicht angezweifelt wird: Es gibt keine Unterschiede in der geistigen und kulturellen Leistungsfähigkeit zwischen den Völkern dieser Erde! Dafür verzichtet man nonchalant auf Meinungsfreiheit, Freiheit der Forschung und feministische Errungenschaften. Der renommierte Havard-Professor und Populationsgenetiker David Reich hat zu diesen unhaltbaren Positionen der Linken in der New York Times Kluges zu Papier gebracht, denn sie werden dem Ansturm der Empirie nicht standhalten können und die Linke ähnlich wie die katholische Inquisition gerupft zurücklassen. Allerdings hat… Mehr

Jetzt wartet man nur noch darauf, dass auch Helmut Schmidt posthum aus der Partei ausgeschloßen wird! Der prägte ja schon vor ein paar Jahrzehnten den heute geradezu identitär klingenden Satz: „Wenn noch mehr kommen, dann haben wir Mord und Totschlag!“ Nun, genau das haben wir hier inzwischen…

Herr Sarrazin versucht, seine alte SPD zu retten. Ich fürchte, wie andere Kommentatoren auch, da ist nichts mehr zu retten. Der Geist der Sozialdemokratie ist mausetot. Heute sind die Damen, Herren und Diversen in der SPD mit Gendertoiletten und anderen drängenden Themen beschäftigt. Heute laufen die Genossen Seit an Seit mit der Antifa, den Linken und ganz neu, den internationalen Zwangsglobalisierern. „Mehr Demokratie wagen“, ist kein Thema mehr.

Die SPD arbeitet in diesem Fall für Sarrazin und seine Anliegen. Hier kann er die SPD noch einmal deutlich mit ihren Widersprüchen konfrontieren und dabei seine Thesen öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen. Indem die Presse Sarrazin nun eventuell nicht ohne Hohn stellen möchte, muss diese ihm zugleich eine Plattform geben, die sie ihm zuvor nicht mehr gewähren wollte. Die „Welt“ ist hierbei sogar schon in Vorleistung getreten.

Sehr geehrter Herr Sarrazin, ich verstehe ehrlich nicht, was Sie noch an diese völlig heruntergewirtschaftete und ideologisch verblendete Partei bindet. Die alten Zeiten werden Sie nicht zurückholen können, Brandt und Schmidt sind lange tot und der nachfolgende Rest in dieser Partei ist für mich persönlich eine Zumutung. Vielleicht geht es Ihnen ja ums Prinzip, aber sollte man ein totes Pferd nicht lieber begraben anstatt eine Herztransplantation zu forcieren? Ich schätze Ihren Kampf gegen die Dummheit und Unterdrückung der Wahrheit. Aber so wie es aussieht, ist die spd verloren. Für mich ist sie ein Sammelbecken von Ideologen, die alle total durchgeknallt… Mehr

Was war zu erwarten von diesem Teil der freiwilligen SED? Die vorherige, noch unfreiwillige, hat ja auch „Ausgebürgert“, wenn auf das Scheitern der Ideologie hingewiesen wurde.

Viele Kommentatoren unken hier, dass ein Parteiausschluss von Thilo Sarrazin zu weiteren Verlusten für die SPD führen wird. Damit mögen sie kurzfristig betrachtet vielleicht sogar Recht haben. Aber auf längere Sicht wird sich das für die SPD sicherlich auszahlen. Denn man muss bedenken, dass die SPD ihre klassische Wählerklientel (abhängig beschäftigte deutsche Arbeitnehmer) bereits seit Jahren abgeschrieben hat und längst dabei ist, zu neuen Ufern aufzubrechen. Keine andere Partei hat bereits jetzt schon so viele Türken in ihren Reihen wie die SPD – und das durchaus auch an prominenter Stelle (Aydan Özoguz, Sawsan Chebli, Mahmut Özdemir, Metin Hakverdi …). Auch… Mehr

Genau das ist des Pudels Kern!

Es ist eine Frage der Zeit, bis sich auch in Deutschland eine nennenswerte islamische Partei organisiert und etabliert. Was glauben Sie wählen dann Muslime? Das Original oder die SPD mit ihren Kuffar? Wohl überlegt aber ziemlich kurz gedacht, würde ich meinen.

Also die Umgestaltung der SPD zur Migrantenpartei? Mag sein. Dann müssen sie sich aber jetzt sehr beeilen, daß sie das noch schaffen. Bei jeder Wahl geht’s ja rapide um gleich mehrere Prozente runter! Ich denke eher, daß es nur noch wenige Jahre sind, bis zur völligen Auflösung!

Wäre schön, es würde nichts fehlen.

Ich mag ihn immer noch nicht besonders, den Sarrazin. Aber ihn ausschließen? Das ist doch so, als würde man die Feuerwehr, die gerade mit Blaulicht und Martinshorn von einem Großbrand zum nächsten eilt, wegen nächtlicher Ruhestörung anzeigen. https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/feuerwehrmaenner-bespuckt-und-getreten-angriff-auf-einsatzkraefte /24263370.html

Die SPD geht zuverlässig den Weg der USPD. Wie hat eigentlich Posemuckel gegen Kleinkleckersdorf gespielt?

Es geht voran, in diesem unseren Lande. Was den „Kampf gegen Rechts“ und die weitere „Kolorierung“ der Gesellschaft angeht.
Eine Positivmeldung jagt die andere:

– Sachsen, AfD-Wahlliste gekürzt
– Identitäre als Rechtsextrem eingestuft
– IS-Angehörige müssen lt. Gerichtsbeschluß nach Deutschland geholt werden
– und eben: Sarrazin darf aus der SPD ausgeschlossen werden

Wobei ich mich frage, was den Mann eigentlich noch bei diesem in jeder Hinsicht heruntergerwirtschafteten Haufen hält.

Bin gespannt, wann die SPD die 10%-Marke knacht – nach unten.

Was allerdings keine Bedeutung hat, denn Grüne und Union stehen bereit, die Lücke mit gleichen Inhalten aufzufüllen.

„Wobei ich mich frage, was den Mann eigentlich noch bei diesem in jeder Hinsicht heruntergerwirtschafteten Haufen hält.“
Darüber gibt er ja selbst immer wieder genau Auskunft, aber natürlich bringt ihm die öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mehr Presse für seine Botschaft als seine Publikationen selbst.