So twittert man sich um seinen Job

Joe Kaeser erntete Applaus für seine Tweets zu Politik und Kilmaschutz. Doch er hat sich verspielt und jetzt wird klar, wie wenig Applaus auf Twitter in Wahrheit wert ist.

Christof Stache/AFP/Getty Images
Josef Käser ist einer der bekanntesten Manager Deutschlands. Als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG ist er verantwortlich für mehr als 379.000 Mitarbeiter und 83 Milliarden Euro Jahresumsatz. Und weil er so global ist, hat der bodenständige Niederbayer aus Arnbruck sich selbst in Joe Kaeser umbenannt. Kommunikation ist eben alles. Er ist auch einer der kommunikativsten Manager Deutschlands und mischt sich ein in Politik und öffentlichen Diskurs – eine Eigenschaft, die in vielen deutschen Chefetagen zu kurz kommt.

Gerade über Twitter nimmt Käser gerne Kontakt mit der Gesellschaft da draußen auf. Dort twittert er ebenso über seine Meinung zur Sozialen Marktwirtschaft und über gesellschaftliche Themen wie Seenotrettung oder kommentiert die Vorgänge in anderen Unternehmen. Das ist ungewöhnlich freimütig. Mit den politischen Vorgängen hat er sich weit aus dem Fenster gelehnt – und immer gab´s Beifall.

„Menschen die Leben retten sollten nicht festgenommen werden. Menschen die töten, Hass und Verletzung säen und fördern schon.“

„Große Veränderungen bei Daimler. Dieter Zetsche hinterlässt große Schuhe zum füllen. Aber Ola Källenius lernt schnell. Und Markus Schäfer ist eine hervorragende Wahl. Glückwunsch für eine großartige Nachfolger-Planung!“

Großes Aufsehen erregten seine Aussagen zur Politik:

Kaeser spricht gerne von der Verantwortung von Konzernen für die Gesellschaft als Ganzes. Sie sollen mehr tun als nur Geld verdienen, sich auch engagieren. Doch wenn man als Unternehmer mehr gesellschaftliches Engagement fordert, dann ist das ein Tanz auf Messers Schneide. Auf der einen Seite sind die Ansprüche von Aktionären, Kunden und Mitarbeitern, auf der anderen die der Öffentlichkeit, für die man sich soeben mit verpflichtet hat. Es ist dieser Tanz, in dem Kaeser in den vergangenen Tagen über ein australisches Signalanlagen-Projekt gestolpert ist und abzustürzen droht.

Was war passiert?

Am 10. Dezember 2019 unterschrieb Siemens einen Vertrag, in einer australischen Kohlenmine eine Eisenbahn-Signalanlage zu bauen. Der Projektumfang beträgt ungefähr 19 Millionen Euro. Für eine Firma wie Siemens mit Jahresumsatz um die 85 Milliarden ist das kein weiter bemerkenswertes Projekt.

Doch im Angesicht des Großflächenwaldbrandes in Australien erhob sich Protest von „Klimaschützern”, die das Projekt zu verhindern suchten. Hier beging Kaeser seinen ersten Fehler:

Er kündigte an, das Projekt zu prüfen, obwohl er von Anfang an wissen musste, dass er von dem bereits unterschriebenen Vertrag nicht mehr zurücktreten konnte. Zwar schob er hier unbegrenzte vertragliche Entschädigungszahlungen vor, doch in Wahrheit dürfte es schon der Reputations-Schaden unzuverlässiger Vertragspartner gewesen sein, der einen Rücktritt unmöglich machte. Wer sich um Projekte bewirbt, mit deren Erfolg oder Misserfolg Firmen und Industrien aufsteigen oder fallen, der muss noch den kleinsten Vertrag behandeln, als sei er in Stein gemeißelt. Twitter verlockt zu schnellen Aussagen. Das geht gut, wenn man den Beifall vom politischen Mainstream sucht oder gegen eine Oppositionspartei Stellung bezieht. Wenn es um Geschäfte geht, wird´s gefährlich.

Doch Joe Kaeser, immer proaktiv, glaubte er wüsste einen Ausweg: Er bot der Friday-For-Future Galionsfigur Luisa Neubauer einen Posten im Aufsichtsrat der Siemens-Tochter Siemens Energy an. Dies stieß allerdings die Aktionäre, Mitarbeiter und jene, die eine Professionalisierung der chronisch vettern-wirtschaftlichen deutschen Aufsichtsräte fordern, vor den Kopf, denn eine besondere Qualifikation der Neubauer ist nicht zu erkennen. Neubauer lehnte den Job auch noch ab – womit Kaeser keine Beruhigung im Australien-Skandal gewinnen konnte, allerdings all seine traditionellen Verbündeten verärgert hatte. Es war ein unbedachter Risiko-Spielzug, der nach hinten losging.

Mittlerweile behauptet Kaeser zwar, dass er Neubauer nur einen Posten im Beratungsgremium ohne Mandat angeboten hätte, doch nun ist es zu spät für derartige Ausflüchte. Die Öffentlichkeit, die er sonst so gerne bespielt, hörte „Aufsichtsrat“ und reagierte entsprechend. Jene, die ihm applaudierten, wenn er sich pro Klimaschutz äußerte, zur Seenotrettung oder gegen Trump und  die AfD, stehen ihm in dieser Krise eben nicht bei. Bei Twitter gibt es keine Treue, nur kurzfristigen Applaus. Aber der kann sofort in blanken Hass umschlagen.

Heute, am 5. Februar, ist Jahreshauptversammlung von Siemens. Ob Kaeser sich um Kopf und Kragen getweetet hat und den Vorstandsvorsitz verliert, wird sich dann zeigen.


TE kommentierte das Geschehen um Kaeser und Neubauer bereits hier:

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Kommentare ( 91 )

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91 Kommentare auf "So twittert man sich um seinen Job"

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Ein Wort: Fehlbesetzung. Der Mann spaltet und verstellt Kunden. Das ist dumm und untragbar in der Position.

Broder hat kuerzlich bei der Vorstellung seines neuen Buches bei der Hayek-Gesellschaft gesagt, Kaeser sei die Dummheit ins Gesicht geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufuegen.

Der wollte doch nur die Frauenquote im AR bedienen – für wenig Geld. Ganz schön gerissen, der Joe. Jetzt kommt eben eine kompetente Frau, die Joe stets zustimmt. Luisa hat gekniffen. Selber schuld, wäre ein Gelegenheit gewesen.

Käser hält seine Fahne in den Wind des Mainstream. Das ist sein Problem. Daraus resultiert zwangsläufig ein Herumgeeiere. Hätte er von vornherein zum Australienprojekt gestanden und wäre er nicht Meinungsslalom bei Twitter gefahren, wäre er besser weggekommen. So macht sich Käser einfach nur lächerlich. Kein Unternehmen braucht einen solchen wendehälsigen Konzernlenker. Er würde mit dieser Eigenschaft aber sehr gut in Merkels Kabinett passen. Anschlussverwendung gefunden.

Über Herrn Josef Käsner, muß man nur wissen, was die Zeitungen so schreiben: Er ist nicht so gerne Deutscher, änderte seinen Namen in Joe Kaesner, spricht am liebsten Englisch, und füllt sich im real existierende Deutschland offensichtlich unwohl und will es deshalb gerne in die Vereinigten Staaten, aufgehen lassen, ob Amerika oder Europa ist egal. ~ Er vertritt einen Konzern, der nur bei Subventionen ein deutscher ist, nach und nach sein Firmeneigentum und Firmensitz ins Ausland bringt und Investitionen gerne im Ausland tätig, als Gegenzug baut er in Deutschland Arbeitsplätze ab, die braucht China und die USA dringender. Seine Gewinne… Mehr

Bringen Sie mir bitte den unrichtigen Namen von Joe K. nicht in die Nähe von Merkels Mädchennamen.

Kaeser sollte sich auf seinen Job konzentrieren und d.h. vor allem die Maximierung des Wertes der Aktionäre. So lange keine illegalen Aufträge (z.B. durch Exportbeschränkungen sanktionierte Unternehmen/Staaten) angenommen werden ist jeder profitable Auftrag anzunehmen. Externe Interessenten haben hier keinerlei Mitspracherecht und dieses sollte man Ihnen auch nicht einräumen. Zeit und andere Ressourcen sind knapp. Kaeser hat Siemens schwer geschadet. Er muss weg.

Zunächst kommt es sehr wohl darauf an, welchen Job Kaeser Luisa Neubauer tatsächlich angeboten hat. Was kann Kaeser dafür, wenn ein Journalist seine Ohren nicht aufmacht, und anschließend viele Journalisten ohne eigene Prüfung vom Kollegen einfach abschreiben? Der wirkliche Fehler von Kaeser war, dass er die angefangene Partie nicht zu Ende gespielt hat. Luisa Neubauer hat gekniffen und ist damit der Verantwortung ausgewichen. Selbstverständlich weiß Kaeser, welche Fähigkeiten man für einen Job mitbringen muss, und damit auch, dass Luisa nicht die nötigen Kompetenzen für die angedachte Aufgabe mitbringt, die Luisa ziemlich trocken vorgekommen wäre, wenn sie sich in betriebliche Details… Mehr

Seit wann kommt es in diesem Land auf die Wahrheit an, oder besser, seit wann wieder.

„Selbstverständlich weiß Kaeser, welche Fähigkeiten man für einen Job mitbringen muss“
Ist dem so?

Das ist tatsächlich lediglich ein Symptom für eine Staats- oder Planwirtschaft. Durch Anbiedern bestenfalls Aufträge, zumindest aber Gelder einsammeln für nicht getätigte „böse“ Investitionen. Wenn er 83 Milliarden sicher für Siemens auf diese Weise vom Staat für das Nichtstun bekommt, ist unternehmerisches Risiko überflüssig.

Der Herr Kaeser – das Märchen vom Sepp zum Depp?
Eins vom Fischer und seiner „Frau“ ist es auf jeden Fall.
Alles weitere gilt es abzuwarten. Man wird seh’n.
ojoe, ojoe, ojoemine.

Typen wie Kaeser passen perfekt in die dezeitige BRD. Es gibt sie überall in der Politk aber auch im Autobereich, anstatt alles in Bewegung zu setzten um die irrsinnigen Abgasregeln zu ändern, was Deutschland mit den nötigen Druck in der EU ja gewiss hätte erreichen können, bindern sie sich dem Zeitgeist ohne Strategie und Rückgrat an.

Weichgespülte Ja Sage die sich für Alpha Männer halten, kein Wunder dass solche Leute Donald Trump, Putin und Boris Johnson nicht mögen.